Haltungsformen

Käfighaltung
© Fotolia_component

Die “3” am Ei kann für zwei unterschiedliche Stallsysteme vergeben werden. Es gibt so genannte “ausgestaltete Käfige” mit einem Platzangebot von mindestens 600 Quadratzentimetern nutzbarer Fläche pro Henne und 2000 Quadratzentimeter pro Käfig. Die Käfige müssen Sitzstangen und Bereiche zum Scharren enthalten. In Österreich gab es 2017 noch weniger als zehn Betriebe mit insgesamt 61.622 Hennen in diesem System, aber nur noch bis spätestens 2020.

Das “alte” System der Käfighaltung ist nur in der EU verboten, weltweit aber sehr verbreitet. Wenige Hennen teilen sich einen Käfig. Pro Henne stehen um die 550 Quadratzentimeter Platz zur Verfügung. Zum Vergleich, ein DIN-A4-Blatt hat eine Fläche von 623,7 Quadratzentimetern.

IMPORT VON KÄFIGEIERN

Sieht man sich die weltweite Eierproduktion an, dominiert die Käfighaltung. In der EU sind die herkömmlichen Käfige seit 2012 verboten, der Import von Käfigeiern ist aber weiterhin erlaubt. Freihandelsabkommen, wie zum Beispiel mit der Ukraine, öffnen Käfigeiern Türen in die EU noch weiter.

In der EU ist die traditionelle Käfighaltung seit 2012 verboten. So genannte “ausgestaltete Käfige”, in denen die Hennen in Gruppen in Etagen gehalten werden und etwas mehr Platz als in herkömmlichen Käfigen haben, sind in der EU noch erlaubt. Für Importe aus Nicht-EU-Ländern ist die Haltungsform nicht geregelt.

 

Weniger als ein DIN-A4-Blatt

In den klassischen Käfigen hat eine Henne 550 Quadratzentimeter Platz. Das ist weniger als die Fläche eines DIN-A4-Blattes. Diese Haltungsform gibt es in Österreich gar nicht mehr. Etwas mehr Platz als im klassischen Käfig haben Hennen im ausgestalteten Käfig. In diesem Haltungssystem hat eine Henne den Platz eines DIN-A4-Blattes plus fünf Bankomatkarten. In Österreich gibt es noch weniger als zehn Betriebe mit ausgestalteten Käfigen, ab 2020 endet eine Übergangsregelung und es gibt keinen einzigen mehr. 2004 beschloss das österreichische Parlament das Ende der Käfighaltung im Inland. In Deutschland stehen 5,1 Millionen Legehennen in ausgestalteten Käfigen - rund 11,5 Prozent. 2008 waren noch 60 Prozent der deutschen Legehennen in Käfighaltung.

 

Gelder von EU-Mitgliedern für ukrainische Käfighaltung

In der EU sind die “Legebatterien” offiziell verboten. Nicolas Entrup vom Kampagnenbüro Shifting Values weist darauf hin, dass mit öffentlichen Geldern, die via internationale Finanzinstitutionen vergeben werden, Ställe finanziert werden, die es in der EU nicht geben darf. Konkret nennt er Kreditvergaben an Avangard - ein Konzern mit Sitz auf Zypern, der in der Ukraine 2012/13 Käfighaltungsställe errichtet hat. 11,2 Millionen Legehennen haben in den Ställen des Unternehmens Platz, deutlich mehr als in allen österreichischen Ställen zusammen. Das meiste Trockeneipulver von Avangard geht in die EU, 31 Prozent nach Dänemark. Nicolas Entrup zeigt auf, dass es über diesen Weg auch nach Österreich gelangt. “Es ist ja nicht nachvollziehbar, da wird alles gemischt”, sagt Entrup.

 

Eipulver aus Käfighaltung viel billiger

Der Grund für Käfigeier-Importe ist einfach erklärt. In der Ukraine betragen die Produktionskosten für Volleipulver aus Käfighaltung 4 Euro, in den USA 5 Euro pro Kilo. Hinzu kommt ein Importzoll von 1,37 Euro pro Kilo. Auch wenn man die Transportkosten dazurechnet, ist EU-Volleipulver aus alternativen Haltungsformen mit 6 Euro und österreichisches Volleipulver mit 8 Euro wesentlich teurer. Diese Preise hat der österreichische Dachverband ZAG recherchiert.

> Oft unklare Herkunft im Außer-Haus-Konsum und bei verarbeiteten Produkten

So werden Leghennen weltweit gehalten

Weltweit ist die Käfighaltung noch weit verbreitet. Wir haben bei Lohmann Tierzucht, dem Weltmarktführer in der Legehennen-Züchtung, angefragt, wie Legehennen auf anderen Kontinenten gehalten werden. Lohmann gibt uns folgenden Überblick: “In Europa ist die konventionelle Käfighaltung verboten (...). Insbesondere in Deutschland und Österreich dominieren die Freiland- und Bodenhaltung. In Nordamerika gibt es aktuell eine Entwicklung von Käfighaltung hin zu ‘Non cage’ (Haltungsformen ohne Käfig, Anm.), diese stagniert in den USA aktuell bei 15 Prozent. Für die restlichen Länder der Welt sind Haltungsformen außerhalb des Käfigs eine Nische.”

Michael Wurzer vom österreichischen Geflügeldachverband ZAG schätzt, dass weltweit 95 bis 99 Prozent der vermarkteten Eier von Hühnern sind, die in Käfigen gehalten werden. In der EU gibt es noch ausgestaltete Käfige. Das alte System der Käfighaltung ist verboten. Wir wurden aber darauf hingewiesen, dass einzelne Länder diese Regelung missachten. In Deutschland sind ab 2025 alle Arten von Käfigen verboten. Mehr als jede zehnte Legehenne steht aber noch in einem ausgestalteten Käfig. In den Niederlanden geht der Trend zu Außenscharrräumen und eher weg vom Freiland, um im Fall eines Vogelgrippeausbruchs weniger Ansteckungsgefahr zu haben. In China dominiert die Käfighaltung in den alten, engen Käfigen. Es gibt aber auch viele Kleinstbauern mit wenigen Hühnen in Hinterhofhaltung. In den USA ist ebenfalls die Käfighaltung üblich, es gibt einen spürbaren Trend zu Bio.

Bodenhaltung
bodenhaltung | © Land schafft Leben, 2018

Wie in der Bio- und Freilandhaltung können sich die Hennen in Bodenhaltung im Stall frei bewegen, sie haben aber keinen Auslauf ins Freie. Freiwillig kann ein Außenscharrraum vorhanden sein. Es gibt wie in der Bio- und Freilandhaltung zwei Möglichkeiten, wie das Stallinnere beschaffen ist. Zum einen gibt es Stallsysteme mit einer Ebene, die in der Mitte Legenester und Sitzstangen haben. Moderner ist ein System, auf dem sich die Hennen zwischen mehreren Ebenen - maximal vier - bewegen können. Dieses System nennt man “Volieren”. Eine Ebene umfasst Fütterung, Tränken und Entmistung, eine weitere die Legenester. Die Hennen können im Stallinneren hoch hinauf und ihre natürlichen Verhaltensweisen besser umsetzen. Besonders in der Nacht wollen sie als Vögel zum Schlafen hoch sitzen.

Die Gesamtgröße eines Stalles ist nicht limitiert, die Besatzdichte schon. So dürfen im System mit einer Ebene sieben Hennen pro Quadratmeter gehalten werden, mit einer erhöhten Fütterungsebene oder einem Außenscharrraum acht und mit beidem neun. Im System mit mehreren Ebenen dürfen ebenfalls neun Hennen auf einen Quadratmeter Stallfläche kommen. Einstreu muss auf mindestens einem Drittel der Stallbodenfläche vorhanden sein. Die Größe und Beschaffenheit von Elementen wie Legenestern und Sitzstangen ist gesetzlich genau definiert.

BODENHALTUNG MIT WENIG NATÜRLICHEM LICHT UND OHNE AUSLAUF

Im Stallinneren erkennt man keinen Unterschied zwischen Boden- und Freilandhaltung. Der Auslauf macht den Unterschied. In Bodenhaltung können die Hühner Bedürfnisse wie die Futtersuche im Freien nicht ausleben und haben viel weniger Licht. Eier aus Bodenhaltung sind dafür billiger, weil die Haltungsform ein geringerer Aufwand ist und weniger Platz erfordert. Beim Schutz gegen Krankheiten kann Bodenhaltung sogar vorteilhaft sein.

“Aus Sicht des Nutztierschutzes ist eine reine Bodenhaltung ohne natürliches Licht und natürliche Luft mangelhaft”, so Michael Zoklits von der Gesellschaft Zukunft Tierwohl. Das Licht sieht er als eines der zentralen Probleme. “Wenn die Tiere ein ganzes Leben lang unter künstlichem Licht leben, ist das eine massive Einschränkung.” Knut Niebuhr von der Veterinärmedizinischen Universität Wien weist darauf hin, dass Hühner im Gegensatz zu uns Menschen auch UV-Licht sehen. Erst in Freilandhaltung würden sie das komplette Farbspektrum sehen und ein Sonnenbad nehmen. Den Hauptvorteil des Auslaufs sieht Niebuhr in der Möglichkeit, nach Futter zu suchen. Das alles könne das Immunsystem der Hühner stärken.

 

Besatzdichte für Tierschützer weniger problematisch

“Die Besatzdichte allein sagt nicht aus, ob ein Stallsystem gut oder schlecht ist”, sagt Tierschützer Michael Zoklits. Wenn andere Faktoren in der Stallbeschaffenheit optimal seien, “kann man mit den (in Österreich vorgeschriebenen, Anm.) Besatzdichten eine gute Legehennenhaltung betreiben”, so Zoklits. Gegenüber der Käfighaltung sieht Geflügelexperte Knut Niebuhr die Bodenhaltung klar im Vorteil, da sich die Tiere im Stall frei bewegen und unterschiedliche Stallbereiche nutzen können. Ein zentrales Bedürfnis des Huhns ist die Futtersuche und das Erkunden der Umgebung. Diese Tätigkeit stößt in der Käfighaltung schnell an Grenzen. Freilandhaltung ist mit Risiken verbunden, die in der Bodenhaltung geringer oder nicht vorhanden sind. Der Auslauf ist nämlich ein zusätzliches Risiko, sich mit Krankheiten zu infizieren. Außerdem lauern draußen natürliche Fressfeinde der Hühner.

Freilandhaltung
freilandhaltung | © Land schafft Leben, 2018

Für den Stall von Hennen in Freilandhaltung gelten dieselben Vorschriften wie für die Bodenhaltung. Zusätzlich müssen die Hennen jeden Tag Zugang zu Auslauf ins Freie habe. Dieser Auslauf muss in Österreich mindestens acht Quadratmeter pro Henne betragen. Soziale Strukturen der Legehennen und ihre Angst vor Raubvögeln halten manche Tiere davon ab, überhaupt ins Freie zu gehen.

 

> Freilandhaltung hat nicht nur Vorteile

Bio-Haltung
bio ei | © Land schafft Leben, 2018

Das Futter muss zu 95 Prozent aus biologischer Landwirtschaft sein, fünf Prozent konventionelles gentechnikfreies Eiweißfutter ist erlaubt. Synthetisch hergestellte Aminosäuren im Futter sind verboten. Bio-Legehennen müssen tagsüber Zugang zu einem Auslauf haben. In der Praxis bedeutet Bio in Österreich auch Freilandhaltung und erfüllt auch diese Kriterien. Bio-Hennen haben also grundsätzlich täglich und tagsüber Auslauf. Dieser beträgt in Österreich mindestens zehn Quadratmeter pro Henne, laut EU-Bio-Verordnung wären vier Quadratmeter vorgeschrieben. Mindestens ein Drittel der nutzbaren Stallfläche muss eingestreut sein. Sind alle Hennen im Stall, dürfen maximal sieben Tiere pro Quadratmeter stehen.

Ansonsten sehen Bio-Ställe innen aus wie konventionelle (beschrieben in “2 Bodenhaltung”). Insgesamt sind pro Stall 3.000 Hennen erlaubt. Bio-Bauern dürfen auch mehrere Ställe haben. Bio-Junghennen, die noch keine Eier legen, müssen ab der zehnten Lebenswoche Zugang zu einem Außenscharrraum bekommen. Ein Auslauf ins Freie ist für Junghennen bei geeigneter Witterung ab der 12. Lebenswoche vorgeschrieben. In Österreich werden die Brüder der weiblichen Bio-Küken nicht getötet, sondern gemästet. Kein anderes EU-Land lässt sämtliche männliche Bio-Eintagesküken am Leben. Die Mehrheit der Bio-Bauern verwendet keine speziellen Bio-Rassen, weder in Österreich noch in anderen EU-Ländern.

> Bio-Fütterung

Bauern und Hennen

Tagesablauf von Bauer und Henne
eier bauer | © Land schafft Leben, 2018

Der Tagesrhythmus der Hühner richtet sich nach dem Licht. In der Bodenhaltung, wo üblicherweise kaum natürliches Licht vorhanden ist, wird am Tag künstlich beleuchtet. In der Nacht ist es in allen Haltungssystemen dunkel. Dann wird es ruhig in Österreichs Legehennenställen. Die Hühner lassen sich auf den Sitzstangen nieder und schlafen. In der Früh geht das Licht an und ein neuer Tag beginnt. Die Hennen fressen mehrmals am Tag. Sie putzen sich, ruhen sich aus, suchen nach Futter und erkunden ihre Umgebung. Fast jeden Tag legen sie ein Ei. Drei bis vier Stunden wenden sie dafür auf. Ein starkes Bedürfnis, die Eier auszubrüten, haben die Hennen nicht. Geflügelexperte Knut Niebuhr erklärt, dass sie erst in höherem Alter brüten würden - ein Alter, das die Tiere in der modernen Landwirtschaft nicht erreichen.

So viele Hennen haben die Bauern

Entscheidet sich ein Bauer, einen neuen Legehennenstall für konventionelle Landwirtschaft zu bauen, fängt er unter 6.000 Tieren erst gar nicht an. Betriebe mit 10.000 Hennen sind in Österreich aber die Ausnahme, wie uns Brancheninsider verraten. In Deutschland stehen 38 Prozent der Legehennen in Ställen mit über 100.000 Tieren. Mit dem Rückgang der Käfighaltung sinkt aber in Deutschland die Zahl der 100.000er-Betriebe.

Hühner im “Wohnwagen” - die Idee der mobilen Ställe
© Steiner Automation

In der Bio- und Freilandhaltung kann der Boden vor allem in Stallnähe in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn zu viele Hennen am selben Fleck scharren und koten. Eine Lösung dieses Problems sind mobile Ställe. Die Legehennen werden in einer Art “Wohnwagen” gehalten. Dieser wechselt regelmäßig den Standort. So werden die Böden weniger belastet und immer wieder ein anderer Bereich mit Hühnerkot gedüngt. Die Hennen kommen immer wieder auf neue Weideplätze mit grünem Gras. Das Gras ist nicht optisch schön, sondern auch ein wertvoller Futterbestandteil, weil die Hennen damit Betacarotin aufnehmen. Einer der wirtschaftlichen Nachteile der mobilen Ställe ist, dass die Zahl an Legehennen begrenzt ist. Der Transport des Stalles von einem Standort zum nächsten kann problematisch sein, wenn der Boden zu nass ist. Im Winter wird ein fester Standort benötigt.