Wie und warum das am emotionalsten diskutierte Pestizid verwendet wird

Kein anderes Pflanzenschutzmittel ist so bekannt und wird so emotional diskutiert wie das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Umweltschutzorganisationen verweisen auf eine Einstufung der WHO, die es im Gegensatz zum deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung und Behörden in weiteren Ländern als “wahrscheinlich krebserregend” einstuft. Österreichische Bauern geben zu Bedenken, dass sich ein Glyphosat-Verbot sogar negativ auf die Umwelt auswirken könnte.

Veröffentlicht im Dezember 2017
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Auch in Österreich wird Glyphosat verwendet, als Unkrautvernichter in öffentlichen und privaten Gärten, um Gleisanlagen freizuhalten und auch in manchen Bereichen der konventionellen Landwirtschaft. In der heimischen Landwirtschaft darf Glyphosat nur angewendet werden, bevor ausgesät wird oder kurz nach der Aussaat, noch bevor die jeweilige Nutzpflanze heranwächst. Vor allem in folgenden Kulturen wird es in Österreich angewendet:

  •  Mais
  •  Soja
  •  Zuckerrübe

 

Für den Anbau von Futtermitteln für österreichische Nutztiere, Baumwolle für Kleidung und die Erzeugung von Lebensmitteln, die importiert werden, kommt Glyphosat zur Anwendung. Daran würde ein österreichisches Verbot nichts ändern. In Österreich kann beispielsweise unmöglich so viel Soja angebaut werden, wie die Nutztiere derzeit fressen.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein chemisch-synthetischer Wirkstoff, der ein bestimmtes Enzym in der Pflanze blockiert und sie so vernichtet. In der Landwirtschaft wird es gegen Unkraut eingesetzt, das den Nutzpflanzen Platz, Licht und Nährstoffe wegnimmt. Monsanto ließ Glyphosat in den 1970er-Jahren patentieren und verkaufte es im großen Stil. Da das Patent mittlerweile ausgelaufen ist, dürfen heute viele Pestizidhersteller Glyphosat produzieren.

Glyphosat und Gentechnik

Dass Glyphosat heute das bekannteste Pestizid ist, hat mit dem intensiven Einsatz im Zusammenhang mit Gentechnik außerhalb Europas zu tun. Die Technologie der gentechnischen Veränderung wird vor allem dazu verwendet, Nutzpflanzen gegen Glyphosat resistent zu machen. Dann vernichtet es nur das Unkraut rundherum und die Nutzpflanzen halten ihm stand, obwohl sie es auf die Blätter bekommen. Durch diese Resistenz kann Glyphosat in großen Mengen auf die Felder ausgebracht werden. Vor allem im Anbau von Soja, Mais und Baumwolle in Nord- und Südamerika ist dieses System weit verbreitet. In Argentinien und Paraguay werden beispielsweise zwei Drittel der Ackerfläche mit gentechnisch veränderten Pflanzen bewirtschaftet.

In Österreich kein Kontakt der Kulturpflanzen mit Glyphosat

In Österreich ist sowohl der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen als auch das Ausbringen von Glyphosat in der Form, wie es großflächig in Nord- und Südamerika praktiziert wird, ausnahmslos verboten. Eine weitere Form der Glyphosat-Anwendung ist die so genannte Sikkation. Dabei wird es vor der Ernte auf die Kulturpflanzen ausgebracht, um diese schneller abreifen zu lassen. Diese Methode kann zu Glyphosat-Rückständen in Lebensmitteln führen und ist in einer Reihe von EU-Ländern zugelassen, in Österreich nicht. Die einzige Form der Anwendung im heimischen Ackerbau ist die Bekämpfung von Unkraut unmittelbar vor oder nach der Aussaat. Im Obst- und Weinbau wird Glyphosat eingesetzt, um die Baumreihen von Unkraut freizuhalten. Die Blätter sowie Obst und Weintrauben kommen nicht mit Glyphosat in Kontakt.

Lorenz Mayer, der unter anderem Zuckerrüben anbaut, sagt im Interview mit dem Nachrichtenmagazin profil: “Das Saatgut kommt mit dem Glyphosat nicht in Kontakt. Es befindet sich zwei Zentimeter tief im Boden.” Die Nutzpflanzen kommen demnach nicht mit Glyphosat in Berührung. Im Interview für die Land schafft Leben-Filmreihe “Der Weg des Zuckers” erklärt Roman Loyer, Ackerbauer in Niederösterreich, warum er Glyphosat ausbringt.

 

“Nur durch Glyphosat ist es möglich, (...) auf die Frühjahrs-Bodenbearbeitung ganz zu verzichten.”

Roman Loyer, Ackerbauer aus Niederösterreich

 

Glyphosat macht das, was sonst ein Pflug erledigen müsste, es vernichtet das Unkraut. “Wenn ich das alles mechanisch (mit dem Pflug oder einem anderen Bodenbearbeitungsgerät, Anm.) bekämpfen müsste, würde ein sehr lockerer Boden entstehen, der bei einem Gewitterregen davon geschwemmt werden würde. Mit Glyphosat kann man genau das verhindern.” Loyer spricht in diesem Fall von einem Hang mit leichter Neigung, vor allem solche Flächen seien nach einer mechanischen Bodenbearbeitung erosionsgefährdet. Gernot Bodner, Pflanzenbauexperte an der BOKU, bestätigt dies im Filminterview mit Land schafft Leben und verweist auf Erfahrungen aus den vergangenen Jahren, wo sich die Erosion im Bio-Bereich stärker als Problem gezeigt habe als bei den konventionellen Rübenbauern. In der Bio-Landwirtschaft ist Glyphosat wie alle chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verboten. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES informiert auf ihrer Webseite ausführlich über Glyphosat. Dabei heißt es über die Glyphosat-Anwendung in Österreich: “Im landwirtschaftlichen Bereich ist Glyphosat vor allem bei bodenschonenden Maßnahmen (Minimal-Bodenbearbeitung) und zum Erosionsschutz notwendig.”

Im folgenden Foto ist eine zweigeteilte Fläche erkennbar. In der linken Bildhälfte wurde der Boden mechanisch bearbeitet, rechts mit Glyphosat.