Boden und Düngen,
Kreisläufe und Sackgassen

Auch Pflanzen haben Hunger und brauchen Nährstoffe, um heranzuwachsen. Wir zeigen und beschreiben, wie Nährstoffe zu den Pflanzen kommen, wie die unterschiedlichen Düngemittel funktionieren, warum tierische wie menschliche Ausscheidungen sehr wertvoll sein können, welche Nährstoffkreisläufe und -sackgassen es gibt und wie Wasser und Umwelt gefährdet und geschützt werden.

Veröffentlicht im September 2017
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In einer Handvoll Boden befinden sich mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde leben. Pflanzen freunden sich mit Mikroorganismen an, damit diese bei den Wurzeln ihr Geschäft verrichten und Nährstoffe hinterlassen. Die Wurzeln von Pflanzen erreichen unterirdisch ungeahnte Ausmaße, wenn sie der Boden lässt. Auf einer Reise durch die Unterwelt trifft man alte Bekannte wie den Regenwurm oder die weniger berühmten Springschwänze. “Wunderwelt Boden” zeigt, was sich unter unseren Füßen abspielt und warum diese verborgene Welt für die Erzeugung unserer Lebensmittel wichtig ist.  

Mineraldünger liefern am schnellsten jene Nährstoffe, die Pflanzen brauchen. Um herauszufinden, worauf Getreide und Co gerade Appetit haben, gibt es immer modernere Technologien. Im Chemiepark Linz werden Stickstoff, Phosphat und Kali zu Nahrung für Nutzpflanzen auf konventionellen Feldern verarbeitet. Der unverzichtbare Nährstoff Phosphor wird heutzutage zum Beispiel in Marokko abgebaut und zu Düngemitteln verarbeitet. Die Reserven sind endlich. Über die Landwirtschaft, unsere Ernährung, über Toiletten und Kanalsystem landet der Phosphor im Klärschlamm und kommt bisher zumeist nicht zurück in den Kreislauf. Auch Nutztiere produzieren Düngemittel. Sie müssen sich dazu nur erleichtern, und schon liefern sie dem Bauern einen wertvollen Dünger. 

Nährstoffe, die im Bio-Abfall Haushalte und öffentliche Einrichtungen verlassen, kommen über den Kompost zurück in den Boden. Auch Pflanzen können wertvollen Stickstoff im Boden anreichern, mithilfe der so genannten Knöllchenbakterien. Der Anteil an organischen Substanzen, kurz Humus, ist ein wichtiger Indikator für Bodengesundheit. Den Boden langfristig fruchtbar zu halten und die Pflanzen mit Nährstoffen zu versorgen bedeutet viel mehr als einfach nur Düngen, wie uns Experten erklären. 

Dieser Artikel widmet sich den zentralen Themen rund um die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kali sowie den verschiedenen Formen der Pflanzenernährung.

 

Phosphor-Reserven endlich und in wenigen Ländern

Einer der drei Hauptnährstoffe für das Pflanzenwachstum ist Phosphor. Ohne Phosphor würde es kein Leben geben. Das chemische Element ist für den Aufbau von Organismen wesentlich. Menschen, Tiere und Pflanzen sind auf Phosphor angewiesen. Über Lebens- und Futtermittel nehmen Menschen und Tiere Phosphor auf und scheiden ihn wieder aus. Die Pflanzen verwerten die Ausscheidungen und wachsen heran. Mit der Ernte von Lebensmitteln verlässt Phosphor das Feld und damit den Kreislauf am Betrieb. Im konventionellen Ackerbau verwenden die meisten Bauern daher chemisch produzierte Phosphor-Dünger, Bio-Bauern dürfen Rohphosphat einsetzen.

Weltweit ist die moderne Landwirtschaft von Phosphat abhängig, das das lebenswichtige Element Phosphor enthält. Der Rohstoff entstand aus der organischen Substanz von Meeresbewohnern und Vögeln, wird im Tagebau gewonnen und zu Phosphordüngemitteln verarbeitet. Die Menschheit braucht immer mehr Phosphat, während die Ressourcen schwinden. Dietrich Pradt, Hauptgeschäftsführer des deutschen Industrieverbandes Agrar, erwähnt eine Kalkulation der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die von einer Verfügbarkeit von 400 Jahren ausgeht. Einzelne Schätzungen kämen sogar auf über 1.000 Jahre. “Das würde ich im ökonomischen Sinne nicht als knapp bezeichnen”, so Pradt im Interview mit Land schafft Leben. Andere Schätzungen rechnen mit einer Erschöpfung der Reserven noch in diesem Jahrhundert. Laut der Global Phosphorus Research Initiative internationaler Forscher dürfte der “Peak Phosphor” schon um das Jahr 2040 erreicht sein. Das ist jener Zeitpunkt, ab dem die Fördermenge nicht mehr zunehmen kann - was den Preis in die Höhe treibt. Der Bedarf der Menschheit nach möglichst billigem Phosphor steigt aber an.