CRISPR/Cas9, auch als „Genschere“ bezeichnet, ist ein Werkzeug der Pflanzenzüchtung, das erst seit 2012 verwendet wird und die Produktion unserer Lebensmittel nachhaltig verändern könnte. Forscher feiern sie, Greenpeace und Gentechnikfrei-Verbände lehnen sie ab, die EU reguliert sie seit 2018 so streng wie klassische Gentechnik. Die Hoffnungen sind groß, aber auch die Befürchtungen. Wir haben mit jenen Menschen gesprochen, die sich mit der Genschere beschäftigen.

Veröffentlicht im April 2019

Ein kleines, zartes Gerstenpflänzchen hat gerade erst gekeimt. Es sieht aus wie jedes andere Gerstenpflänzchen, ist aber doch etwas Besonderes. Seine DNA wurde verändert, mit der neuen und umstrittenen Methode CRISPR/Cas9. Erst seit wenigen Jahren ist diese bekannt, aber bereits heiß diskutiert. Eva Stöger, Forscherin am Institut für Angewandte Genetik und Zellbiologie der BOKU Wien, zeigt uns bei unserem Besuch Pflanzen, die sie und ihr Team mithilfe der Genschere gezüchtet haben. Die meisten Pflanzen, die hier stehen, sind für die Medizin bestimmt. Sie werden einen Beitrag zur Herstellung von Medikamenten leisten. Die Genschere macht die Pflanzen besser dafür geeignet, ganz legal und unumstritten. Der Einsatz in diesem Bereich ist erlaubt, weil die Pflanzen nicht im Freien auf Feldern angebaut werden.

Ein Vorteil, der der Landwirtschaft und somit uns Konsumenten verwehrt bleiben könnte. Denn momentan ist der Anbau von genomeditierten Nutzpflanzen in der EU durch den rechtlichen Rahmen nicht möglich. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshof hat 2018 entschieden, dass die Genschere rechtlich Gentechnik ist, auch wenn sie keine Gene anderer Arten einbringt. Das bedeutet, es wird wie bei der klassischen Gentechnik ein teures Zulassungsverfahren verlangt, der Anbau wird praktisch verhindert, der Import aber grundsätzlich nicht. 

Was ist die Genschere?

Züchter machen Pflanzen besser dafür geeignet, für uns Menschen Lebensmittel zu erzeugen. Sie sollen Krankheiten und Schädlingen widerstehen können, selbst bei extremen Bedingungen gut heranwachsen und nicht zuletzt für eine gute Ernte sorgen. Mit aufwändigen Verfahren verfolgen Züchter und Forscher diese Ziele. 2012 entdeckten zwei Forscherinnen, die Französin Emmanuelle Charpentier und die US-Amerikanerin Jennifer Doudna, ein neues Züchtungswerkzeug. Es bekam die Bezeichnung CRISPR/Cas9, im deutschen Sprachraum auch die „Genschere“. Sie soll einfacher denn je das Genom – die Erbmasse der Zelle – an bestimmten Stellen verändern können. Diese und ähnliche neue Methoden werden als „Genome Editing“ bezeichnet. Mithilfe von bakteriellen Enzymen können DNA-Sequenzen relativ einfach herausgeschnitten, also entfernt, versetzt oder ersetzt werden. Die neuen Methoden sind einfacher und präziser als die alte Gentechnik und funktionieren auch ohne das viel kritisierte Einbringen artfremder Gene.