Alkohol ist Kulturgut, Genuss-, Rausch- und Suchtmittel zugleich und in vielen Situationen in unserem Leben gegenwärtig. Die Folgen einer durchzechten Nacht für unser Wohlbefinden sind bekannt, Langzeitfolgen von Alkohol für unsere Gesundheit weniger. Österreich befindet sich EU-weit im oberen Drittel. Die Zahl der Alkoholabhängigen ist beträchtlich. Übermäßiger Alkoholkonsum ist in der EU nach Rauchen und Bluthochdruck der drittgrößte Risikofaktor für Gesundheit und Leben. 

Veröffentlicht im August 2019 / zuletzt aktualisiert im November 2020

Entspannung, Beruhigung, Entschleunigung und Wohlbefinden sind zunächst die Folgen, wenn wir Alkohol trinken. Er wirkt über das GABA-System aufs Gehirn. GABA steht für Gamma-Aminobuttersäure. Sie verringert die Erregbarkeit der Neuronen - der Nervenzellen im Gehirn. Wir tun Dinge, vor denen wir ohne Alkohol zurückscheuen. Dieser und weitere Effekte des Alkohols können manches Mal positiv sein, aber auch fatale Konsequenzen haben, etwa im Straßenverkehr. 

Davon unabhängig hat Alkohol grundsätzlich eine negative Auswirkung auf unseren Körper. Dieser baut Alkohol sukzessive ab, Großteils über die Leber. Dabei entsteht Azetaldehyd. Es ist sehr giftig und hauptverantwortlich dafür, dass Alkoholmissbrauch Schäden im ganzen Körper anrichtet. Ein zweites Produkt des Alkoholabbaus ist Azetyl, das für eine Fettleber verantwortlich sein kann. Grundsätzlich gilt wie so oft, die Dosis macht das Gift. Wie viel Alkohol für unsere Gesundheit verkraftbar ist, dazu etwas später.

Frauen sind schneller betrunken als Männer

Menschen mit einem höheren Anteil an Wasser im Körper werden weniger schnell betrunken. Männer haben im Schnitt einen höheren Anteil an Körperwasser als Frauen und "vertragen" daher mehr Alkohol. Ein hoher Fettanteil bewirkt einen niedrigeren Wasseranteil. Alkohol löst sich in Wasser besser als in Fett. Je größer der Wasseranteil im Körper, desto stärker wird Alkohol verdünnt und desto geringer der Alkoholgehalt im Blut nach Konsum einer beliebigen Menge. Obwohl Frauen schneller betrunken sind als Männer brauchen sie gleich lange, um wieder nüchtern zu werden.

Ist jemand Alkohol "gewohnt", wird er oder sie tatsächlich nicht so schnell betrunken. Dann steht mehr von einem Enzym zur Verfügung, das hilft, Alkohol schneller abzubauen. Das macht Alkohol aber keinesfalls gesünder. Je öfter und mehr Alkohol wir trinken, desto weniger spüren wir die angenehmen Wirkungen des Alkohols bei mäßiger Dosis. Grund dafür ist, dass das Gehirn über das so genannte Glutamatsystem dem GABA-System entgegenwirkt. Um den gleichen Effekt der Betrunkenheit zu erzielen, müsste man immer mehr und mehr trinken. 

Es gibt eine Reihe von Faktoren, durch die Alkohol schneller ins Blut gelangt und die für jedermann gelten. Diese sind Wärme, Kohlensäure, Zucker, schnelles Trinken, ein leerer Magen. Glühwein macht wegen Wärme und Zucker schneller betrunken als Wein, gleiches gilt für den kohlensäurehaltigen Sekt. Essen wir vor dem Alkoholkonsum, bleibt der Alkohol länger im Magen und gelangt langsamer ins Blut. Nicht nur fettiges Essen hat diesen Effekt, auch kohlenhydrat- und eiweißreiches. Eine Hypothese ist, dass Einzelteile von Fett im Dünndarm Alkohol binden und verhindern, dass diese frei ins Blut gelangen.

Alkoholnation Österreich?

Fasching, Maibaumaufstellen, Sonnwendfeier, Zeltfest, Weihnachten, Silvester - kaum ein Fest, das hierzulande trocken gefeiert wird. "Jetzt trink ma nu a Flascherl Wein", "A Gulasch und a Seitl Bier". Wir Österreicher feiern nicht nur mit Alkohol, wir feiern oftmals den Alkohol selbst. Feierabend, Wochenteilen, Freitag, Samstag - Gelegenheiten bieten sich auch abseits jährlicher Feste viele. Weniger gesellig und gar nicht lustig wird's, wenn der kurzfristig hohe Alkoholkonsum ernsthafte Konsequenzen hat oder wenn es in Richtung Abhängigkeit geht und Alkohol zum Alltag gehört.

Mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher trinkt Alkohol in geringen Mengen oder ist abstinent. 14 Prozent pflegen einen „mittleren Alkoholkonsum und neun Prozent haben einen „problematischen Alkoholkonsum“. Fünf Prozent der Bevölkerung sind alkoholabhängig. In Zahlen sind das geschätzte 443 000 Menschen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, weil die meisten Alkoholiker über viele Jahre noch 'gesellschaftlich funktionieren' und in dieser Zeit auch keine Hilfe suchen, wodurch sie auch in keiner Statistik erfasst werden. Letztere beiden genannten Gruppen trinken zwei Drittel der bundesweit getrunkenen Alkoholmenge.

Tschechien, Litauen und die Republik Moldau sind jene Länder, in denen einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge am meisten Alkohol getrunken wird. Gerechnet wird mit reinem Alkohol. Eine Halbe Bier mit fünf Volumsprozent enthält beispielsweise fünf Prozent oder 25 Milliliter reinen Alkohol. Österreich liegt EU-weit im oberen Drittel, mit jährlich 11,6 Liter reinem Alkohol pro Person über 15 Jahren. Gut 50 Prozent dieser 11,6 Liter reinen Alkohols konsumieren wir über Bier, etwa ein Drittel über Wein und knapp 15 Prozent über Spirituosen. Spannend ist auch der Wert Italiens als vermeintliche Wein-Nation. Die Italiener trinken rund zwei Drittel der Alkoholmenge insgesamt in Form von Wein. Am wenigsten wird offiziellen Zahlen zufolge in islamischen Ländern getrunken.