Kennzeichnung von Lebensmitteln - Fragen & Antworten

Den meisten Konsumenten ist es nicht gleichgültig, woher ihre Lebensmittel kommen, ob sie umweltfreundlich und gentechnikfrei hergestellt wurden und wie es den Menschen und Tieren geht, die entlang der Wertschöpfungskette an der Produktion des Lebensmittels beteiligt sind. Verpackungen geben uns offene und versteckte Hinweise, gleichzeitig verschweigen sie mitunter Wesentliches. Die einen Angaben sind verlässlich und unmissverständlich, andere können irreführend sein. 

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Wir beantworten folgende Fragen und zeigen euch, wie ihr eure Wünsche beim Lebensmittelkauf erfüllen könnt, egal, ob sie Herkunft, Tierhaltung, Sozialstandards, Pestizidrückstände oder Gentechnikfreiheit betreffen.

 

Darf Lebensmittelkennzeichnung irreführend sein?

Muss die Herkunft von Lebensmitteln gekennzeichnet sein?

Was bedeutet “Hergestellt in Österreich”?

Sind Lebensmittel mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel ausnahmslos aus Österreich?

Regelt das AMA-Gütesiegel auch die Herkunft von Futtermitteln?

Garantieren “Geschützte Ursprungsbezeichnung” und “Geschützte Geografische Angabe” die Herkunft?

Was sagt das Identitätskennzeichen über die Herkunft aus?

Gibt es bei Lebensmittel-Importen Regelungen bezüglich Tierwohl und Sozialstandards?

Regelt Bio Sozialstandards bei Importen?

Gilt für importierte Bio-Lebensmittel die gleiche Bio-Regelung?

Was bedeutet “EU-Landwirtschaft/Nicht-EU-Landwirtschaft” auf der Verpackung von Bio-Produkten?

Gelten Höchstwerte für Pestizidrückstände auch für Lebensmittel aus Drittländern?

Muss Gentechnik immer gekennzeichnet sein?

Sind Bio-Lebensmittel immer gentechnikfrei?

Müssen neue Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas9 gekennzeichnet sein?

Steht das AMA-Gütesiegel ausnahmslos für Gentechnikfrei?

Was sagt die Nährwerttabelle aus?

Wie kann man sich bei all den Siegeln beim Kauf von Lebensmitteln noch orientieren?

Was soll man als Konsument beim Lebensmittel-Kauf beachten, um sich nicht täuschen zu lassen?

Darf Lebensmittelkennzeichnung irreführend sein?

Im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz heißt es: “Es ist verboten, Lebensmittel mit zur Irreführung geeigneten Informationen in Verkehr zu bringen oder zu bewerben (...)”. Doch was genau ist eine zur “Irreführung geeignete Information”? Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) meint: “Oft ist es ein Graubereich oder die Frage ‘Wie beweise ich jetzt, dass die Kennzeichnung irreführend ist?’” Ob ein Text oder ein Bild irreführend ist, sei eine Einzelfallentscheidung. Die Schwierigkeit sei, dass man eine Irreführung beweisen müsse. Konsumenten können sich zum Beispiel an den VKI wenden, der eine Klage einbringt, wenn bei einem Fall der vermutlichen Irreführung rechtlich eine Chance besteht. Dann entscheidet ein Gericht, ob der Hersteller das Produkt anders kennzeichnen muss.

 

“Die Schwierigkeit ist: Wenn der Unternehmer etwas (Irreführendes, Anm.) aufs Produkt schreibt, muss ich erst beweisen, dass es irreführend ist.”

Birgit Beck, Verein für Konsumenteninformation

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Muss die Herkunft von Lebensmitteln gekennzeichnet sein?

Nur von bestimmten Lebensmitteln. Bei vielen Arten von Frischobst und -gemüse sowie bei unverarbeiteten Eiern und verpacktem Rind-, Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch muss die Herkunft angegeben sein. Außerdem muss bei Fisch und Fischereierzeugnissen das Fanggebiet angegeben sein, wenn im Meer gefischt wurde. Eine verpflichtende Herkunftsangabe gibt es außerdem bei Olivenöl und Honig.

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Was bedeutet “Hergestellt in Österreich”?

“Hergestellt in Österreich” ist eine freiwillige Angabe, die wie jegliche Form der Lebensmittelkennzeichnung laut Gesetz nicht irreführend sein darf. “Hergestellt in Österreich” bedeutet, dass die Verarbeitung des Lebensmittels in Österreich erfolgt, die Rohstoffe müssen aber nicht aus Österreich sein. Laut Birgit Beck vom VKI ist die Angabe “Hergestellt in Österreich” für viele Konsumenten irreführend. Meist sei die Schrift durch eine rot-weiß-rote Fahne ergänzt, was annehmen lasse, dass auch die Rohstoffe aus Österreich seien. Auch Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace Österreich, sieht Angaben wie “Hergestellt in Österreich” problematisch: “Solche Angaben suggerieren oft, dass das Produkt zur Gänze in Österreich produziert wurde.”

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Sind Lebensmittel mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel ausnahmslos aus Österreich?

Wesentliche Punkte bezüglich der Herkunft sind geregelt. Fleisch darf nur das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel tragen, wenn die Tiere in Österreich geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt wurden. Milchkühe müssen auf österreichischen Bauernhöfen leben und dort gemolken werden. Die Milch muss in einer heimischen Molkerei verarbeitet worden sein. Eier werden auf einem heimischen Bauernhof gelegt und gestempelt und in einer österreichischen Packstelle sortiert und verpackt. Obst, Gemüse und Erdäpfel werden auf heimischen Feldern, in heimischen Obstgärten oder Glashäusern gezogen.

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Regelt das AMA-Gütesiegel auch die Herkunft von Futtermitteln?

Zum Großteil. Tierprodukte, die mit dem AMA-Gütesiegel gekennzeichnet sind, müssen die Kriterien des “pastus+” erfüllen. Das ist jene AMA-Richtlinie, die das Tierfutter betrifft. Der Großteil der Futtermittel muss vom eigenen Hof stammen, zum Beispiel in der Rindermast zu mindestens 75 Prozent. Werden ergänzende Futtermittel zugekauft, müssen diese qualitäts-, aber nicht herkunftszertifiziert sein.

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Garantieren “Geschützte Ursprungsbezeichnung” und “Geschützte Geografische Angabe” die Herkunft?

Ja und zum Teil. Beide Siegel sind durch die EU geregelt. Das rot-gelbe Gütezeichen mit der Aufschrift “Geschützte Ursprungsbezeichnung” garantiert, dass ein bestimmtes Lebensmittel in einem bestimmten geografischen Gebiet erzeugt und verarbeitet wird. Beim blau-gelben Gütezeichen mit der Aufschrift “Geschützte Geografische Angabe” muss nur eine der Produktionsstufen - Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung - in der angegebenen Region erfolgen. Darüber hinaus regeln die beiden Gütezeichen bestimmte Eigenschaften eines Lebensmittels, die es mit einer Region verbinden. Die Gütezeichen werden pro Lebensmittel und Region eigens eingereicht und genau definiert.

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Was sagt das Identitätskennzeichen über die Herkunft aus?

Das Identitäts- oder Genusstauglichkeitskennzeichen gibt mit dem Länderkürzel, zum Beispiel “AT” für Österreich, jenes Land an, indem das Produkt verpackt wurde. In der zweiten Zeile ist die Betriebsnummer des Verpackers angegeben. Über die Herkunft der Rohstoffe, etwa Fleisch oder Milch, sagt es nichts aus. Das Identitätskennzeichnen besagt, dass der verpackende Betrieb nach EU-Hygienestandards gearbeitet hat.

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Gibt es bei Lebensmittel-Importen Regelungen bezüglich Tierwohl und Sozialstandards?

Nein. Weder Tierwohl noch Sozialstandards sind nach EU- oder österreichischem Recht bei Importen aus Nicht-EU-Ländern geregelt. Für die Produktion gelten Tierschutzgesetz und Arbeitsrecht im Herkunftsland, wie uns das Gesundheitsministerium bestätigt. Importieren wir Lebensmittel aus Drittländern, besteht die Möglichkeit, dass Sozial- und Umweltstandards sowie Tierwohl und -gesundheit teilweise nicht geregelt sind oder kontrolliert werden. Diverse Zeichen wie “Fairtrade” regeln in unterschiedlichem Ausmaß Sozial- und Umweltstandards. Für Lebensmittel aus EU-Ländern gelten die Mindeststandards der EU oder ein nationales Gesetz, dass nicht weniger streng sein darf als die EU-Vorgaben.

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Regelt Bio Sozialstandards bei Importen?

Nein. Das grün-weiße europäische Bio-Zeichen und die damit verbundene Regelung für Bio-Produkte beziehen sich nicht auf Sozialstandards und regelt diese nicht über gesetzliche Mindeststandards des jeweiligen Herkunftslandes hinaus. Werden Bio-Lebensmittel mit einem Zeichen wie “Fairtrade” gekennzeichnet, müssen bei der Herstellung die Fairtrade-Standards eingehalten werden. “Fairtrade” kann sowohl konventionelle als auch biologisch erzeugte Lebensmittel aus Drittländern kennzeichnen, wenn diese alle Fairtrade-Standards einhalten.

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Gilt für importierte Bio-Lebensmittel die gleiche Bio-Regelung?

Zumindest gilt eine gleichwertige Regelung wie für Bio-Landwirtschaft in der EU. Bio-Lebensmittel aus Drittländern müssen gemäß der EU-Bio-Verordnung produziert worden sein. Die Bio-Regelung in einer Reihe von Ländern ist von der EU anerkannt. Das betrifft Argentinien, Australien, Costa Rica, Indien, Israel, Japan, Kanada, Neuseeland, die Schweiz, Tunesien und die USA. Importe von anderen Drittländern müssen von der zuständigen Behörde genehmigt werden.

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Was bedeutet “EU-Landwirtschaft/Nicht-EU-Landwirtschaft” auf der Verpackung von Bio-Produkten?

Kommen die Zutaten eines Bio-Produktes zum Teil aus EU-Ländern und zum Teil aus Drittländern, muss das EU-Bio-Siegel mit dieser Herkunftsangabe gekennzeichnet sein. Nur wenn ein Bio-Produkt ausschließlich aus der EU kommt, darf es nur mit “EU-Landwirtschaft” gekennzeichnet sein. Wenn alle Zutaten aus einem einzigen Land kommen, darf zum Beispiel “Österreich Landwirtschaft”, “Italien Landwirtschaft” oder “Argentinien Landwirtschaft” unter dem EU-Bio-Logo stehen. 

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Gelten Höchstwerte für Pestizidrückstände auch für Lebensmittel aus Drittländern?

Ja. In Lebensmitteln aus anderen EU-Ländern und Drittländern dürfen genauso viele bzw. wenige Rückstände chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel enthalten sein wie in Lebensmitteln aus Österreich. Auf den Schutz von Menschen und Umwelt bei der Anwendung der Pestizide im Herkunftsland hat die Gesetzgebung importierender Länder hingegen keinen Einfluss.

> HINTERGRÜNDE: Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel

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Muss Gentechnik immer gekennzeichnet sein?

Nein, nur wenn Lebensmittel direkt gentechnisch verändert sind. Dann müsste jede betroffene Zutat mit einem entsprechenden Vermerk versehen sein. Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen bestehen, verkauft der österreichische Lebensmitteleinzelhandel ohnehin nicht. Dabei wäre das mit entsprechender Kennzeichnung gar nicht illegal. Der Verkauf von gentechnisch veränderten Pflanzen ist in Österreich nicht verboten, der Anbau schon.

 

“Eine große Lücke in der Kennzeichnung besteht (...) bei tierischen Produkten.”

Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace Österreich

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Sind Bio-Lebensmittel immer gentechnikfrei?

Ja, Bio-Lebensmittel müssen immer gentechnikfrei hergestellt sein. Manche Verarbeiter kennzeichnen Bio-Produkte dennoch mit dem Kontrollzeichen der ARGE Gentechnik-frei, andere verzichten darauf. Egal ob mit oder ohne Zeichen, Bio-Produkte sind immer gentechnikfrei, Bio-Tiere werden immer gentechnikfrei gefüttert. 

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Müssen neue Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas9 gekennzeichnet sein?

Grundsätzlich ja. Der Europäische Gerichtshof hat Ende Juli 2018 entschieden, dass auch neue Züchtungsmethoden dem Gentechnikgesetz unterliegen und damit gekennzeichnet werden müssen. Methoden wie CRISPR/Cas9 ermöglichen eine präzisere und einfachere genetische Veränderung von Organismen als die klassische Gentechnik. Die Gene können verändert werden ohne fremde DNA einzubringen. Das kann allerdings am Organismus nicht nachgewiesen werden, was eine Kontrolle unmöglich machen könnte.

> BLOG: Gentechnik: Müssen wir umdenken?

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Steht das AMA-Gütesiegel ausnahmslos für Gentechnikfrei?

Nein, nicht ausnahmslos. Bestandteile von Produkten mit dem AMA-Gütesiegel dürfen nicht direkt gentechnisch verändert sein. Das AMA-Gütesiegel schreibt außerdem vor, dass Legehennen, Mastgeflügel und Milchkühe gentechnikfrei gefüttert werden. Bei Schweine- und Rindfleisch ist eine gentechnikfreie Fütterung in den AMA-Richtlinien nicht vorgeschrieben. Manuela Schürr von der AMA weist auf ein freiwilliges Modul für gentechnikfreie Fütterung hin.

 

“Wir hoffen, dass sich dieses Programm (das Modul gentechnikfreie Fütterung, Anm.) gut am Markt - wenn auch als Nische - etablieren kann und sich immer mehr Konsumenten bewusst für diese Produkte entscheiden - auch wenn diese etwas teurer sind.”

Manuela Schürr, Leiterin Unternehmenskommunikation AgrarMarkt Austria

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Was sagt die Nährwerttabelle aus?

Die Nährwerttabelle zeigt, welche Nährwerte ein Produkt in welcher Menge enthält. Für Konsumenten, die bestimmte Bestandteile weniger oder bevorzugt auf ihrem Speiseplan haben wollen, kann die Nährwerttabelle eine wertvolle Orientierung sein.

“Die Nährwerttabelle halte ich für ganz wichtig, weil wir in Europa und auch in Österreich ein großes Übergewichtsproblem haben”, sagt Birgit Beck. Die freiwillige Angabe in Portionsgrößen zusätzlich zur Angabe pro 100 Gramm hält sie für überflüssig, “weil wer isst schon nur eine Handvoll Chips.” Als Positivbeispiel, wie die Nährwerttabelle übersichtlicher zu gestalten wäre, nennt sie das freiwillige System der Ampelkennzeichnung in England. Diese lässt durch ein Farbsystem auf einen Blick erkennen, ob ein Produkt beispielsweise viel Fett enthält. Empfehlungen, welche Nährstoffe man in welchem Ausmaß konsumieren sollte, werden meist in Prozent der Gesamt-Nährstoffzufuhr eines Menschen pro Tag angegeben. 

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Wie kann man sich bei all den Siegeln beim Kauf von Lebensmitten noch orientieren?

Um genau zu wissen, welches Siegel was aussagt und was offen lässt, empfiehlt sich ein Blick auf die Webseite des VKI. Dort hat der Verein alle bei uns gängigen Lebensmittelgütezeichen aufgelistet und bewertet. Es gibt Siegel, die vom Staat oder von der EU vergeben werden. Zudem kommt eine Vielzahl von Siegeln, die private Lebensmittel-Produzenten und -Händler, Interessensvertreter, Bio-Verbände oder Non-Profit-Organisationen vergeben. Als Qualitätskriterium für Siegel nennt Birgit Beck die externe Kontrolle durch unabhängige Kontrollstellen. Diese werden bei staatlichen oder EU-Siegeln auf jeden Fall durchgeführt, auch bei vielen weiteren Siegeln. 

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Was soll man als Konsument beim Lebensmittel-Kauf beachten, um sich nicht täuschen zu lassen?

Fragen wir Birgit Beck vom VKI. “Mein Tipp an die Konsumenten ist zuerst immer, die Packung umzudrehen. Das ist das Wichtigste. Also nicht auf Werbeversprechungen und schöne Bilder reinfallen, sondern Angaben wie die Zutatenliste lesen”, empfiehlt sie.

Ist man sich beim Kauf von Lebensmitteln, egal, ob im Lebensmitteleinzelhandel, bei Direktvermarktern oder in der Gastronomie, nicht sicher, woher das Produkt kommt und wie es produziert wurde, lohnt es sich nachzufragen. 

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