Vom (Über-)Lebensmittel zum Wegwerfprodukt

Rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel landet weltweit im Müll. Österreich ist Mittäter der Verschwendung und verantwortlich für rund eine Million Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfälle im Jahr. Damit erlebt das Lebensmittel im 21. Jahrhundert einen drastischen Wertverlust.

Veröffentlicht am 01. Oktober 2020

Wer kennt es nicht? Ein, zwei schrumpelig gewordene Äpfel, Reste vom Gericht des Vortags, ein halbes Joghurt in den tiefsten und dunkelsten Ecken des Kühlschranks: Zuhause lassen wir die Tonne zum Tatort werden und sind damit Teil einer Gesellschaft, die massiv wertvolle Lebensmittel verschwendet. Und das nicht nur zuhause: Die Orte der Verschwendung ziehen sich durch die gesamte Wertschöpfungskette: von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung, die Gastronomie, die Gemeinschaftsverpflegung, den Supermarkt bis zu uns nach Hause. Die Summe der vermeidbaren Lebensmittelabfälle (landwirtschaftliche Produktion ausgenommen) liegt geschätzt bei 907.300 Tonnen, also etwa einer Million Tonnen pro Jahr. 

(Infobox) Schon gewusst? – So teilt man Lebensmittelabfälle ein!

Vermeidbare Lebensmittelabfälle beschreiben jene Lebensmittelabfälle, die zum Zeitpunkt ihrer Entsorgung noch uneingeschränkt genießbar sind oder die bei rechtzeitiger Verwendung genießbar gewesen wären, aber entweder nicht marktgängig waren bzw. aus verschiedenen Gründen nicht gegessen wurden und daher entsorgt werden müssen. Beispiele sind weggeworfene verpackte oder nicht verpackte Lebensmittel in privaten Haushalten und beim Außerhausverzehr, die zum Zeitpunkt des Wegwerfens noch uneingeschränkt genießbar gewesen wären.

Teilweise vermeidbare Lebensmittelabfälle beschreiben vorwiegend Speisereste, die aufgrund unterschiedlicher Gewohnheiten im Müll landen. Ein Beispiel sind Tellerreste.

Nicht vermeidbare Lebensmittelabfälle sind jene Lebensmittelabfälle, die üblicherweise im Zuge der Speisenzubereitung entfernt werden. Beispiele sind Zubereitungsreste wie Apfelgehäuse, Fischgräten oder Knochen.

„Zumindest sind wir nicht alleine damit“ wäre hier der relativierende, beschwichtigende Spruch, doch macht es das nicht besser: Neben Österreich verschwenden auch andere Staaten – allen voran die Industrieländer - riesige Mengen an Lebensmitteln.

Alleine in Europa liegen die Verluste an Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei rund 280-300 Kilogramm pro Person und Jahr. Gründe dafür sind unter anderem eine mangelnde Abstimmung in der Wertschöpfungskette, Konsumgewohnheiten (z.B. der Kauf einer zu großen Menge an Lebensmitteln durch den Griff zu Aktionsware), Verschwendung in der Produktion von nicht der Norm entsprechenden Produkten und nicht zuletzt übertriebene Vorsicht hinsichtlich des Mindesthaltbarkeitsdatums.

In den als „Entwicklungsländer“ bezeichneten Staaten ist die Verschwendung pro Kopf geringer und anders verteilt: Sie verzeichnen mehr Verluste in der Landwirtschaft und der Verarbeitung durch finanzielle und technische Einschränkungen. Beispielsweise können das Probleme bei der Kühlung oder der Lagerung sein. Anders als in Industriestaaten wie Österreich, wo der Großteil der Lebensmittel im Haushalt entsteht, fallen bei Entwicklungsländern deutlich geringere Mengen an Lebensmittelabfall an.