Schwein aus Österreich

ferkel | © Land schafft Leben, 2017

In keinem anderen EU-Land wird pro Kopf so viel Schweinefleisch gegessen wie in Österreich. Schwein ist Bestandteil vieler typisch österreichischer Gerichte und die beliebteste aller Fleischarten. Dennoch hörten in den vergangenen Jahren viele Schweinebauern auf zu produzieren, im Jahr 2000 gab es noch mehr als doppelt so viele wie heute. 2017 hält ein Bauer dafür dreimal so viele Schweine wie damals. Österreichs Schweinebranche ist dennoch vergleichsweise kleinstrukturiert. Die heimischen Schweinebauern sind Familienbetriebe. Die bedeutendsten Schweineregionen sind die Ackerbaugebiete in Ober- und Niederösterreich sowie in der Steiermark. Den Großteil des Futters bauen die Bauern selbst an. Die Zuchtarbeit wird in Österreich gemacht, in der modernen Landwirtschaft eine Besonderheit. Die heimische Schweinebranche kann noch selbst mitentscheiden, welchen Zuchtzielen sie welche Priorität gibt.

Der überwiegende Teil der in Österreich gemästeten und geschlachteten Schweine wird auf heimischen Bauernhöfen geboren. Ihre Mutter ist während der Säugezeit und während der Geburt im Kastenstand. Dies steht genauso wie Eingriffe an Ferkeln und die Haltungsbedingungen in der Mast in der Kritik. Die Branche prüft laufend Verbesserungen, ist aber in der Wahl ihrer Mittel aus ökonomischen Gründen beschränkt, steht sie doch im globalen Wettbewerb. Das halbe Schwein wird in Länder rund um die Welt exportiert, weil wir Österreicher für Teile wie Schnauze, Ohren und Füße keine Verwendung mehr finden. 

Der Schweinebestand in Österreich nahm in den vergangenen Jahren ab. 2000 gab es noch 3,3 Millionen Zucht- und Mastschweine, 2016 weniger als 2,8 Millionen. Diese Zahl bezieht sich auf den Schweinebestand zu einem Stichtag, die Zahl der Schlachtungen ist höher, weil ein Schwein ein halbes Jahr alt wird. Nach der Schlachtung wird der Stall wieder belegt. Schweinehaltung in Österreich teilt sich im Wesentlichen auf Ober- und Niederösterreich sowie die Steiermark auf. Alleine in Oberösterreich werden über 1,1 Millionen Schweine gehalten. Nur 2,2 Prozent der österreichischen Schweine werden in biologischer Landwirtschaft gehalten. Es gibt 5.000 Bio-Schweinebauern, das sind rund 13 Prozent. Da sie im Schnitt jedoch nur 12 Schweine halten, entspricht das nur 2,2 Prozent des heimischen Schweinebestandes. Insgesamt beträgt der Selbstversorgungsgrad 101 Prozent. Das bedeutet, die österreichischen Schweinebauern produzieren so viele Schweine wie die Österreicher essen. Durch den Export von bei uns unbeliebten Teilen und den Import beliebterer Teile hat der Weltmarkt für Österreich große Bedeutung. China hält als weltweit größter Produzent 474 Millionen Schweine. Das klingt viel, pro Kopf gibt es in China aber etwa gleich viele Schweine wie in Österreich. 60 Prozent der weltweit von Menschen gehaltenen Schweine sind in Asien. Europas Hauptproduzenten sind Deutschland und Spanien.

Heiß diskutierte Themen in Österreich

Vollspaltenböden und Beschäftigungsmöglichkeiten

Konventionelle Schweine werden großteils auf Vollspaltenböden aus Beton, ohne Einstreu und ohne Auslauf gehalten. Das spart Platz und ein tägliches Ausmisten. Typische Verhaltensweisen wie Wühlen können die Schweine meist nicht ausleben. Wie das Beschäftigungsmaterial auszusehen hat, ist gesetzlich definiert. Bio-Schweinen muss ein befestigter Auslauf zur Verfügung stehen, Freilauf auf eine Weide ist nicht vorgeschrieben. 

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Fixierung der Sau rund um die Geburt

Fünf Tage vor und vier Wochen nach der Geburt sind konventionelle Zuchtsauen derzeit noch im Kastenstand fixiert. Das schützt Ferkel vor dem Erdrücken und erleichtert Arbeitsabläufe für den Bauern. Der Kastenstand steht in der Kritik, weil die Bewegungsfreiheit der Sau stark eingeschränkt ist. Ab dem Jahr 2033 ist die routinemäßige Fixierung im Kastenstand verboten.

> Fixierung der Sau rund um die Geburt

Kastrieren ohne Betäubung

In Österreich werden wie in vielen anderen Ländern männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert. Eine Schmerzmittelgabe ist in Österreich verpflichtend. In der ersten Lebenswoche werden die Hoden der männlichen Ferkel entfernt, damit ihr Fleisch keinen unangenehmen Geruch entwickelt und sie ein weniger aggressives Verhalten zeigen. Auch Bio-Bauern dürfen ohne Betäubung kastrieren. 

> Kastration

Kürzen der Schwänze

Konventionellen Mastferkeln werden in der Woche nach der Geburt die Schwänze gekürzt. Diese Maßnahme reduziert Schwanzverletzungen, die durch das Beißen von Artgenossen entstehen können. Kritisiert wird neben der Methode an sich, dass die Schweine an die Haltungsbedingungen angepasst werden, anstatt umgekehrt die Haltungsbedingungen an die Bedürfnisse der Schweine anzupassen. 

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Nahrungskonkurrenz zum Menschen

Ein konventionelles Schwein muss etwa 2,7 Kilo Futter fressen um ein Kilo an Gewicht zuzunehmen. Das und die Zusammensetzung des Futters aus Mais, Getreide und Soja führt zur Kritik, dass das Schwein dem Menschen etwas wegfrisst. 

> Nahrungskonkurrenz: Frisst das Schwein dem Menschen etwas weg?

Gentechnisch verändertes Soja

Soja ist wegen seines hohen Eiweißgehaltes ein wichtiger Futterbestandteil in der Schweinemast. Gentechnisch verändertes Soja aus Übersee ist deutlich billiger als die gentechnikfreie Variante und als Futtermittel zugelassen. Vor allem der großflächige Sojaanbau in Südamerika steht wegen seiner Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in der Kritik. 

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Betäubung in der CO2-Senke oder Elektrobetäubung

Auch am Schlachthof ist Zeit- und Kosteneffizienz wichtig, um im nationalen und globalen Wettbewerb bestehen zu können. Die CO2- und die Elektrobetäubung sind  aus ökonomischer Sicht für die Anwendung am Schlachthof am besten geeignet. Die CO2-Betäubung ist noch effizienter, weil sie Gruppen von Schweinen betäubt. Tierschützer kritisieren aber die Methode und vergleichen sie mit qualvollem Ersticken. Bei etwa der Hälfte der heimischen Schweine wird sie angewendet. 

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Antibiotikaeinsatz

Das Gerücht, Schweine würden vorbeugend Antibiotika bekommen, um nicht krank zu werden, stimmt grundsätzlich nicht. Die Schweinebranche ist dennoch in die Kritik geraten, weil drei Viertel der in der österreichischen Nutztierhaltung eingesetzten Antibiotika an Schweine verabreicht werden. NGOs führen diesen Umstand auf die Standard-Haltungsbedingungen zurück.

> Antibiotikaeinsatz
> Antibiotika und multiresistente Keime

Stuten-Hormone für Zuchtsauen

Von trächtigen Stuten wird ein Hormon gewonnen, das manchen Zuchtsauen verabreicht wird, um sie zum richtigen Zeitpunkt trächtig werden zu lassen. Zwei Schweizer Tierschutzorganisationen haben recherchiert, wie die Stuten gehalten werden, und erschreckende Bilder veröffentlicht.

> Stuten-Hormone für Zuchtsauen

Nottöten lebensschwacher Ferkel

Ist ein Ferkel so krank, so schwach oder so schwer verletzt, dass es keine Überlebenschance hat, muss der Bauer dem Tier ein Leiden ersparen und es töten oder es vom Tierarzt töten lassen. Ein Töten, nur weil etwa eine Sau mehr Ferkel auf die Welt gebracht hat als sie Zitzen hat, ist verboten.

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Blitzg'scheit

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