Atemwegserkrankungen und Durchfall am häufigsten
versuchsstall | © Land schafft Leben, 2017

Am häufigsten von Erkrankungen betroffen sind die Atemwege und der Verdauungstrakt. Die Ursachen dafür sind Infektionserreger. Teilweise begünstigt die Ammoniakemission der Ausscheidungen, die durch Spalten im Boden fallen und sich darunter befinden, die Entstehung von Atemwegserkrankungen. Das Hauptproblem in der Ferkelaufzucht sind Durchfallerkrankungen, die durch das Absetzen von der Milch und die Futterumstellung begünstigt werden. Im Bio-Bereich gibt es mehr Probleme mit einer Verwurmung der Tiere. Da der Kot nicht wie in der Standard-Haltung durch Spalten nach unten fällt, können sich die Schweine leichter über den Kot mit Würmern infizieren. Ein Entwurmen, wie man es etwa von Hauskatzen kennt, wird in der Nutztierhaltung kritisch gesehen, weil diese Arzneimittel auch jene Organismen vernichten, die das Stroh im Mist abbauen und es zu Humus umwandeln.

Faktoren für Tiergesundheit
mastferkel | © Land schafft Leben, 2017

Einer der wichtigsten Faktoren für gesunde Mastschweine ist, dass gesunde Ferkel eingestallt werden. Vor allem wenn der Bauer Ferkel von mehreren Betrieben bezieht, ist das eine Herausforderung. In der Ferkelproduktion wie in der Mast haben das Stallsystem, der Bauer und der Tierarzt Einfluss auf die Gesundheit der Tiere. Das einwandfreie Funktionieren von Lüftung, Wasserversorgung und Fütterungssystem sowie weiteren Elementen im Stall ist die Basis für gesunde Schweine. Der Bauer ist bei der Beobachtung der Schweine gefragt, Symptome frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf den Tierarzt zu holen. Der Tierarzt sammelt zudem Erfahrungen von verschiedenen Bauernhöfen und gibt diese weiter. 

Tierärzte und Tiergesundheitsdienst
tierarzt | © Land schafft Leben, 2017

Besuch vom Tierarzt bekommen die Schweine routinemäßig zwischen der 16. und 20. Lebenswoche. Bei Bedarf kommt der Tierarzt zusätzlich im Krankheitsfall. Nur er darf Antibiotika verschreiben. Bauern, die Mitglieder beim Tiergesundheitsdienst sind, müssen sich laufend fortbilden und dürfen verschriebene Antibiotika verabreichen. In jedem Bundesland ist ein Tiergesundheitsdienst eingerichtet. In ihm sind Tierärzte und Bauern vertreten. Etwa 90 Prozent der Schweine sind im Tiergesundheitsdienst erfasst. Sinn und Zweck dieser Einrichtung sind die Beratung von Bauern, eine verpflichtende tierärztliche Begleitung, die Kontrolle von Betrieben, die Entwicklung von Impfprogrammen und viele Aufgaben mehr. Für den Umgang mit Tierseuchen und Krankheitserregern auf nationaler Ebene ist die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES zuständig.

Vorbeugend wird geimpft

Gegen die meisten Infektionserreger bei Schweinen gibt es Impfstoffe. Im Gegensatz zum Antibiotikaeinsatz werden Impfungen vorbeugend und routinemäßig durchgeführt, in der konventionellen und biologischen Landwirtschaft. Schweine werden gegen die beiden Infektionskrankheiten Circovirose und Mycoplasmose geimpft. Dadurch sind die Tiere gegen diese Krankheitserreger geschützt. Bei Impfstoffen sind keine Resistenzen bekannt. 

ANTIBIOTIKAEINSATZ

Das Gerücht, Schweine würden vorbeugend Antibiotika bekommen, um nicht krank zu werden, stimmt grundsätzlich nicht. Die Schweinebranche ist dennoch in die Kritik geraten, weil drei Viertel der in der österreichischen Nutztierhaltung eingesetzten Antibiotika an Schweine verabreicht werden. NGOs führen diesen Umstand auf die Standard-Haltungsbedingungen zurück.

 

Wird ein Schwein krank, muss es behandelt werden. Da sind sich alle Experten einig. Prophylaktisch, also vorbeugend, darf kein Antibiotika eingesetzt werden, metaphylaktisch aber schon. Das bedeutet, dass ein Schwein behandelt werden darf, wenn ein anderes Schwein im selben Stall bereits krank geworden ist und das Risiko hoch ist, dass andere Tiere bereits angesteckt sind und erkranken werden. Im Vergleich zu anderen Nutztierarten braucht die Schweinehaltung besonders viel Antibiotika, auch umgerechnet auf den Einsatz pro Tiereinheit. Das besagt der Bericht der AGES über den Vertrieb von Antibiotika in der Veterinärmedizin in Österreich. Verglichen wird aber nur das Gewicht, nicht die Eigenschaften der Antibiotika, was auch Friedrich Schmoll, Tiergesundheitsexperte der AGES, anmerkt.

 

Haltungssystem als Ursache?

Sebastian Theissing-Matei von der Umweltschutzorganisation Greenpeace spricht von einer positiven Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren. Der Antibiotikaeinsatz sei aber vor allem in der Schweinehaltung bedenklich. “Das Problem, das wir momentan haben ist, dass die Tiere in einer Art und Weise gehalten werden, die sie oft krank macht”, so Theissing-Matei. Problematisch seien etwa der “unnatürliche Boden” und zu viele Schweine pro Quadratmeter, was sich negativ auf deren Sozialverhalten auswirke und sie zum Teil krank mache. Der Greenpeace-Landwirtschaftssprecher sagt: “Hier gilt es, (...) die Tierhaltung insgesamt so auszulegen, dass die Tiere gesund bleiben können.”

 

Kein valider Vergleich zwischen Bio und Konventionell

Auch Bio-Bauern dürfen im Krankheitsfall Antibiotika einsetzen. Laut Sebastian Theissing-Matei verbraucht die Bio-Landwirtschaft viel weniger Antibiotika, weil die Haltungsbedingungen besser seien. Ulrich Herzog, Leiter der Veterinärbehörde im Gesundheitsministerium, sagt dazu, dass es keinen validen Vergleich des Antibiotikaeinsatzes im Bio- und konventionellen Bereich gibt. Er sieht vor allem technische Möglichkeiten zur Optimierung, wie das Desinfizieren von Schuhen beim Betreten des Stalles. In einem sind sich Theissing-Matei und Herzog einig, Österreich gehört in Europa zu jenem Drittel der Länder, die am wenigsten Antibiotika in der Nutztierhaltung einsetzen. Seit 1. April 2017 müssen die eingesetzten Antibiotikamengen vollständig aufgezeichnet werden und rückverfolgbar sein.

Gesetz verhindert Rückstände im Fleisch

Zwischen einem etwaigen Antibiotikaeinsatz und der Schlachtung muss ein bestimmter Zeitraum liegen, um Rückstände im Fleisch zu vermeiden. Dieser ist je nach Wirkstoff geregelt und beträgt im Bio-Bereich, wo dieselben Medikamente zugelassen sind, die doppelte Zeit. Laut AGES wurden im Zeitraum 2012 bis 2016 bei 0,07 Prozent aller Proben Antibiotikarückstände gefunden. Selbst bei diesen positiven Proben habe kein gesundheitliches Risiko für Konsumenten bestanden, wie wir auf Anfrage von der AGES erfahren. Auch die in österreichischen Grund- und Trinkwässern festgestellten Antibiotikarückstände würden in Konzentrationsbereichen liegen, “die keine toxikologischen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben”. 

Eisen als Nahrungsergänzung für Ferkel

Viele Bauern verabreichen den Ferkeln wenige Stunden nach der Geburt eine Eisen-Injektion. Besonders wenn ein Wurf viele Ferkel hat, würde bei einzelnen Tieren sonst ein Eisenmangel auftreten. Dazu kommt, dass Schweine üblicherweise nicht die Möglichkeit haben, im natürlichen Boden zu wühlen, und so über diese Quelle kein Eisen aufnehmen können. 

STUTEN-HORMONE FÜR ZUCHTSAUEN

Von trächtigen Stuten wird ein Hormon gewonnen, das manchen Zuchtsauen verabreicht wird, um sie zum richtigen Zeitpunkt trächtig werden zu lassen. Zwei Schweizer Tierschutzorganisationen haben recherchiert, wie die Stuten gehalten werden, und erschreckende Bilder veröffentlicht.

Im Herbst 2015 haben der Tierschutzbund Zürich und die Animal Welfare Foundation eine Recherche über die Herkunft des Hormons PMSG publiziert. Die Art und Weise wie das Hormon in Uruguay und Argentinien gewonnen wird, sorgte nach der Publikation für heftige Kritik. Videos zeigten unvorstellbares Tierleid in den südamerikanischen Farmen - trächtige und abgemagerte Stuten, denen literweise Blut abgezapft wird, ungeborene Fohlen, die im Mutterleib per Hand zerquetscht werden. Das Blut ist begehrt, denn es enthält ein Hormon, das in der Nutztierhaltung eingesetzt wird.

 

Kein Gesetz im Herkunftsland

Die Schweizer Tierschützer waren in Uruguay und haben herausgefunden, dass es dort praktisch kein Gesetz für die PMSG-Gewinnung gibt. Wenige Farmen zapfen das Blut zehntausender Stuten ab. Manche Zuchtsauen, vor allem vor der ersten Besamung, bekommen PMSG, um in den Drei-Wochen-Rhythmus eines Schweinezuchtbetriebes eingegliedert zu werden. Wieviel PMSG in Österreich und anderen europäischen Ländern eingesetzt wird und aus welchen Ländern es zu welchen Anteilen kommt, ist nicht bekannt. Bio-Sauen bekommen nur in medizinischen Ausnahmefälle Hormone verabreicht. In Deutschland schätzt man, dass jede zehnte konventionelle Zuchtsau PMSG bekommt.

 

“Restriktive Handhabung” in Österreich

Die österreichische Zeitschrift Pferderevue hat Gottfried Schoder vom oberösterreichischen Tiergesundheitsdienst zum Thema befragt: “Der Einsatz dieser Hormone wird in Österreich sehr restriktiv gehandhabt und kommt vor allem bei der Eingliederung von Jungsauen in Betrieben mit Gruppenabferkelung zum Einsatz.” Was aber nicht heiße, dass dort jede Jungsau damit behandelt werde, ergänzt Schoder. Johann Stinglmayr vom VLV Ferkelring sieht die Verantwortung bei den Pharmaproduzenten, “die gewährleisten müssen, dass ihre Produkte auch ethisch unbedenklich sind.” Stinglmayr stellt im Interview mit der Pferderevue aber klar: “Wir verurteilen die aufgedeckten Missstände in aller Schärfe und fordern die zuständigen Behörden auf, das abzustellen.” In der Bio-Landwirtschaft ist der Einsatz von PMSG nicht erlaubt, nur in medizinischen Ausnahmefällen.

Afrikanische Schweinepest nahe an österreichischer Grenze

Die Afrikanische Schweinepest ist eine für Schweine meist tödliche Krankheit, die nicht auf den Menschen übertragen werden kann. In Österreich ist sie bisher noch nie aufgetreten. Im Sommer 2017 trat die Schweinepest in Tschechien auf, nur 80 Kilometer von der Grenze entfernt. Ein Übergreifen auf österreichische Schweine wäre für die Bauern der betroffenen Region ein Desaster. Vorbeugend müssen die wenigen Betriebe, die Freilandhaltung haben, die Weide doppelt umzäunen und so den Kontakt zu Wildschweinen verhindern. Das Gesundheitsministerium und die AGES geben auf ihren Webseiten ausführliche Informationen zu dieser für Wild- und Nutztiere gefährlichen Krankheit und die aktuelle Lage in Europa und Österreich.