Pute aus Österreich

puten cordon bleu

Konventionelle Putenställe sehen weltweit ähnlich aus. In einer Halle stehen tausende Tiere auf Einstreu. In österreichischen Ställen haben Puten mehr Platz, maximal 40 Kilo stehen pro Quadratmeter. Das sind zwei schlachtreife männliche Tiere. Nur die Schweiz und Schweden haben eine ähnliche Regelung. Alle anderen Länder in Europa begrenzen die Besatzdichte nicht. Das 40-Kilo-Limit sorgt für mehr Tierwohl in Österreich, schafft aber gleichzeitig einen Wettbewerbsnachteil. Im Außer-Haus-Konsum hat die österreichische Putenbranche den Wettbewerb verloren. Das Putenschnitzel beim Wirten oder in der Kantine ist selten aus Österreich. Die heimische Produktion geht zurück, Österreich versorgt sich mittlerweile zu weniger als 40 Prozent selbst mit Putenfleisch. 

Mehr als die Hälfte der Bauern hat über 5000 Puten. So viele braucht man in etwa, um von der Putenmast leben zu können. Am besten wären noch ein paar Tausend Tiere mehr. Eine einzige Brüterei versorgt den heimischen Markt mit Küken. Deren Eltern stehen ausschließlich im Ausland, Elterntierbetriebe gibt es in Österreich nicht. Auch die Züchtung liegt in der Hand internationaler Unternehmen. Zwei Rassen haben Bedeutung. Bio-Bauern verwenden die gleiche Genetik wie konventionelle oder die englische Rasse “Kelly Bronze”.

In modernen Ställen steuert ein Computer das Stallklima. Futter und Wasser werden ständig angeboten. Antibiotika bekommen Puten nur im Krankheitsfall, geimpft werden sie routinemäßig. Futtermittel kommen zum Großteil aus Österreich. In der Gentechnik-Frage ist die Branche zweigeteilt. Die einen verwenden gentechnisch-verändertes Soja aus Südamerika, die anderen gentechnikfreies aus Europa. 

Daten und Fakten

Der Weg der hemischen Pute beginnt erst mit dem Ausbrüten in Österreich. Züchtunternehmen und Betriebe, die die Eltern der Mastputen halten, gibt es im Inland nicht. Eine einzige Brüterei versorgt kann den heimischen Bedarf an Küken locker decken und exportiert einen Großteil der Tiere. 125 konventionelle und 19 Bio-Mastbetriebe registriert die Qualitätsgeflügelvereinigung QGV. Zwei große Schlacht- und Zerlegebetriebe gibt es in Österreich, daneben viel kleinere Hofschlachter und Direktvermarkter. 19 Millionen Kilo produzierten die Schlachthöfe 2015, um 5 Millionen Kilo weniger als fünf Jahre davor. Das sind 0,37 Prozent der Weltproduktion. Deutschland erzeugt fast ein Zehntel der Weltproduktion und ist damit zweitwichtigster Putenfleischproduzent, sogar noch vor Brasilien. Fast die Hälfte des weltweit erzeugten Putenfleisches kommt aus den USA. Ein Österreicher isst im Schnitt 5,5 Kilo Putenfleisch im Jahr, Tendenz leicht sinkend. 

Heiß diskutierte Themen

Züchtung auf Hochleistung

Damit aus 50 Kilo Futter eine 20-Kilo-Pute wird, muss die Züchtung entsprechend auf die Mastleistung ausgelegt sein. Außerdem soll der Brustfleischanteil hoch sein. Die intensive Züchtung hat zu Gesundheitsproblemen geführt. Tierärzte sagen, die Putengesundheit hätte sich verbessert, weil die Züchter tendenziell mehr auf Robustheit und Gesundheit züchten.

> Futterverwertung und Hochleistung

Immer weniger Selbstversorgung

2015 versorgte sich Österreich laut Statistik Austria zu 41 Prozent selbst mit Putenfleisch. 2016 dürfte der Selbstversorgungsgrad bereits unter 40 Prozent liegen. Im Außer-Haus-Konsum, wo die Herkunft von Putenfleisch nicht gekennzeichnet werden muss, kommt nur selten heimische Pute auf den Teller. 

> Immer weniger Selbstversorgung
> Wenn der (österreichische) Konsument für Tierwohl nicht mehr zahlen will, wer bezahlt dann die Rechnung?
> Kennzeichnungspflicht im Außer-Haus-Konsum - ein möglicher Konjunkturmotor für die heimische Putenproduktion?
 

Krankheiten und Antibiotika

Die häufigsten gesundheitlichen Probleme betreffen die Atemwege und den Verdauungstrakt der Puten. Die berüchtigte Schwarzkopfkrankheit tritt sehr selten auf, kann aber die gesamte Mastherde vernichten. Antibiotika dürfen nur im Krankheitsfall verabreicht werden. Dann gilt eine Wartefrist bis zur Schlachtung, um Rückstände im Fleisch zu vermeiden. In dieser Zeit dürfen die Puten nicht geschlachtet werden. 

> Krankheiten und Behandlungen
> Antibiotika

Infrarot-Schnabelbehandlung

Jedem konventionellen Küken entfernt in der Brüterei eine Maschine  die nach unten gebogene und scharfe Schnabelspitze mit Infrarot. Tierschützer kritisieren den Eingriff am sensiblen Schnabel und dass die Küken mit einem Eingriff an die Haltungsbedingungen angepasst werden, und nicht umgekehrt. Die Brüterei meint, dass nur die unempfindliche vorderste Spitze entfernt werde und konventionelle Bauern betonen die positiven Auswirkungen auf die Tiergesundheit während der Mast.

> Infrarot-Schnabelbehandlung

Betäubung kopfüber im Elektrobad

Die in der industriellen Putenschlachtung weltweit übliche Betäubungsmethode ist das Elektrobad. Eine Betäubung, bevor dem Tier der Hals aufgeschnitten wird, ist gesetzlich verpflichtend. Vor allem das Einhängen kopfüber ins Schlachtband bei vollem Bewusstsein wird kritisch betrachtet. Ein moderneres System ist die Betäubung durch Sauerstoffentzug. Ein österreichischer Schlachthof wendet es bereits an, der zweite plant eine Umstellung.

> Betäubung kopfüber im Elektrobad oder CO2-Betäubung

Teilweise gentechnisch verändertes Soja

Puten wären Allesfresser und keine Vegetarier. Seit dem Verbot von Tiermehl im Jahr 2001 sind aber Soja und chemisch-synthetische Aminosäuren die wichtigsten Eiweißquellen im Putenmastfutter. In Österreich wird in der konventionellen Landwirtschaft sowohl gentechnikfreies als auch gentechnisch verändertes Soja gefüttert. Ein Großteil des heimischen Fleisches ist mit dem Kontrollzeichen der ARGE Gentechnik-frei gekennzeichnet, also garantiert frei von gentechnisch verändertem Soja.

> Teilweise gentechnisch verändertes Soja
> HINTERGRÜNDE: Grüne Gentechnik

Keine Elterntierbetriebe in Österreich

Der Weg der österreichischen Pute beginnt immer im Ausland. Einen Betrieb, der die Eltern für die Produktion von Bruteiern hält, gibt es in Österreich nicht. Die einzige heimische Brüterei kauft alle Eier aus dem Ausland zu. Auch die Züchtung liegt längst in der Hand internationaler Unternehmen, für die konventionelle und biologische Landwirtschaft. 

> Eine Brüterei und zwei große Schlachthöfe 

> Zwei internationale Hybridlinien für Österreich

Beschäftigungsmöglichkeiten für die Puten

Sie haben mehr als ausreichend zu fressen und zu trinken, ihre Gesundheit wird regelmäßig überwacht, das Stallklima passt und die Einstreu ist trocken. Selbst wenn all diese Tierwohl-Parameter erfüllt sind, bleibt ein Thema übrig - ihre Bedürfnisse auszuleben.

> Beschäftigung und Tierwohl

Abholung zur Schlachtung

Putenbauern verkaufen meist eine ganze Mastherde auf einmal an den Schlachthof. In ein bis zwei Stunden verladen sie tausende Tiere auf einen LKW oder Traktor-Anhänger. Sie fangen die Puten an den Beinen und geben sie in die Transportkisten. 

> Abholung zur Schlachtung

Aussortieren untauglicher Küken

Etwa 0,5 bis 2 Prozent der Küken, die in der Brüterei schlüpfen, sind krank und lebensschwach. Sie verkauft die Brüterei nicht, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in den ersten Stunden oder Tagen in der Mast verenden würden. Die ausgeschiedenen Küken werden betäubt und getötet. 

> Sortieren und Impfen

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