Weniger als die Hälfte aus dem Inland
© Land schafft Leben, 2016

Gut zwei Millionen Putenküken werden jedes Jahr in Österreich eingestallt. Die Menge an Fleisch, die später daraus gewonnen wird, deckt den Bedarf der heimischen Konsumenten bei Weitem nicht. Zu 48 Prozent versorgte sich Österreich im Jahr 2017 selbst mit Putenfleisch. Im Vergleich dazu betrug beim Hühnerfleisch der Selbstversorgungsgrad 2017 82 Prozent. Vor allem im Außer-Haus-Konsum landet kaum heimisches Putenfleisch am Teller. Geht es rein um den Preis, fällt die Wahl auf ausländische Ware.

Eine Brüterei und zwei große Schlachthöfe

Wie in der Hühnerfleischproduktion teilen sich spezialisierte Unternehmen die Aufgaben entlang des Weges der Mastpute. Dieser Weg führt nach Österreich, wenn das Ei, aus dem später die Pute schlüpft, bereits gelegt ist. Einen Elterntierbetrieb gibt es in Österreich nicht, alle Bruteier kommen von Elterntierherden in Deutschland, Frankreich, Ungarn und teilweise in Kanada. Eine Brüterei mit zwei Standorten in Oberösterreich versorgt den österreichischen Markt mit Küken. Das Unternehmen hat sich in Mitteleuropa etabliert und liefert einen Großteil der Ware an Mastbetriebe im Ausland, weil es in Österreich gar nicht so viele Mastbetriebe gibt, wie die Brüterei beliefern könnte. Hauptabnehmer für schlachtreife österreichische Puten sind die beiden einzigen großen Schlachthöfe Pöttelsdorf im Burgenland und Glanegg in Kärnten. Sie planen die Ein- und Ausstallungstermine der Bauern so, dass der Schlachthof gleichmäßig und an die Nachfrage angepasst ausgelastet ist. Ein weiterer Betrieb, der österreichische Puten verarbeitet, schlachtet in Ampfing in Bayern.

Mehr als die Hälfte der Bauern mit über 5000 Puten

2019 gibt es in Österreich 165 Mastbetriebe, 35 davon produzieren Bio-Putenfleisch. Die Anzahl der konventionellen Betriebe sinkt, Bio-Betriebe werden mehr. Gut zwei Millionen Putenküken wurden insgesamt eingestallt. Um von der Putenmast leben zu können, braucht man mehrere Tausend Tiere. 81 Putenbauern, also mehr als die Hälfte, haben laut der QGV-Statistik 5.000 Tiere oder mehr. Die Hälfte der österreichischen Puten steht auf Bauernhöfen, die 10.000 Mastplätze oder mehr haben. Vier heimische Mastbetriebe haben über 20.000 Puten. Sie mästen 15 Prozent aller österreichischen Puten. Insgesamt hat Österreich eine Stallkapazität von 954.427 Mastplätzen, davon vier Prozent für Bio-Puten. In biologischer Haltung darf ein Betrieb maximal 2.300 Puten haben. Die Mastbetriebe sind auf fast alle Bundesländer verteilt und vor allem in Ackerbauregionen zu finden (Stand 2016). 

 

Betriebe Größe
15 < 1.000
48 1.000 - 4.999
55 5.000 - 9.999
22 10.000 - 19.999
4 > 19.999

 

850.000 Euro für neuen Stall
puten stall | © Land schafft Leben, 2016

Entscheidet sich ein Bauer, sein Einkommen aus der Putenmast zu beziehen ohne nebenbei einen anderen Beruf zu ergreifen, braucht er neben landwirtschaftlichen Flächen und Know-How den Mut zur Investition. Ein neuer Stall für 10.000 Puten in konventioneller Bodenhaltung kostet etwa 850.000 Euro. Maximal 140.000 Euro werden mit Förderungen abgedeckt. Die Hersteller für die technische Einrichtung von den Futtertränken bis zu den Ventilatoren für die Lüftung sind spezialisierte internationale Unternehmen. Österreichische Unternehmen beraten bei Stallbauprojekten und verkaufen die technische Einrichtung an die Mäster. Eine besondere Herausforderung beim Bau eines Putenstalles ist, dass die 50 Gramm schweren Küken ganz andere Bedürfnisse haben als schlachtreife Tiere mit 10 oder 20 Kilo. Der Bedarf an Frischluft und Wärme verändert sich im Laufe eines Mastputenlebens stark. 

Zahlungen der öffentlichen Hand

Der Neubau eines Stalles wäre für eine Bauernfamilie ohne finanzielle Unterstützung über das landwirtschaftliche Fördersystem fast undenkbar. Einen Teil der Kosten übernimmt die öffentliche Hand, die Obergrenze liegt hier bei 140.000 Euro. In Österreich wird im Jahr durchschnittlich ein einziger großer Erwerbs-Putenstall gebaut. Dazu kommt eine Reihe von Zahlungen, die Bauern meist jährlich erhalten. Alle Zahlungen an Bauern sind auf www.transparenzdatenbank.at einsehbar.

> HINTERGRÜNDE: Öffentliche Gelder für Bauern

 

Bio oder Konventionell
puten stall | © Land schafft Leben, 2016

Bio-Putenfleisch ist in der Regel doppelt so teuer wie konventionelles. 2019 gibt es 35 Bio-Putenbauern, neun Jahre davor waren es nur neun. Trotz dieses Anstiegs ist Bio im Vergleich der Mastplätze eine klare Minderheit. Vier Prozent der österreichischen Puten werden biologisch gehalten. Um Bio-Puten zu mästen braucht man neben einem Stall, der ähnlich aussieht wie ein konventioneller, viel Fläche für den Auslauf. Jede Bio-Pute hat Anspruch auf zehn Quadratmeter Auslauf. Anders als in der Hühnerfleischproduktion verwenden Bio-Putenbauern meist die Hybridlinien derselben Züchtermarke wie ein konventioneller Kollege, nur langsamer wachsende Typen. Durch den Auslauf gibt es in der biologischen Haltung eine zusätzliche Gefahr, dass sich die Puten mit Krankheiten anstecken. Dafür sollen die Klimareize im Freien Abwehrkräfte und Robustheit fördern. 

Vergleicht man die Anzahl der Betriebe, ist der Bio-Anteil inzwischen sehr hoch, und in den letzten Jahren stark gestiegen. Weil Bio-Bauern weniger Puten mästen, ist der Anteil von Bio-Putenfleisch an der Produktionsmenge vergleichsweise gering. 

Datenbank des Anerkannten Geflügelgesundheitsdienstes

Der österreichische Anerkannte Geflügelgesundheitsdienst (Qualitätsgeflügelvereinigung) hat eine Datenbank geschaffen, um den Weg von Geflügel mit allen Kontrollen, Behandlungen und Salmonellenproben aufzuzeichnen. Fast alle Statistiken, die es über die Branche in Österreich gibt, haben die Datenbank als Grundlage. Offiziell heißt sie “Poultry Health Data”.

Zur Eingabe und Einsicht berechtigt sind Betreuungstierärzte, Labors, die Referenzzentrale für Salmonellen, Brütereien, Schlachtbetriebe, Erzeugergemeinschaften und die Mäster selbst. Die Brütereien geben für die Datenbank die Herkunft der Bruteier, die Schlupfrate, die Ausfallsquote, die Impfung und die Menge und Versandadresse der ausgelieferten Küken bekannt.

Bei den Putenmästern muss ein Tierarzt den Namen des Lieferanten der Mastküken, das Ein- und Ausstalldatum, die Anzahl an Puten und eventuelle Impfungen und Medikamentenbehandlungen in die Datenbank eingeben. Die Salmonellenprüfung drei Wochen vor der Schlachtung und die Lebendtieruntersuchung vor der Abholung müssen mit Datum festgehalten werden. Bei der Anlieferung der Puten am Schlachthof muss eine Transportbescheinigung und eine Bestätigung der Einhaltung der Wartezeit nach einem Medikamenteneinsatz vorliegen. 

Know-How von Kollegen, Beratern und Forschern
putenbauer | © Land schafft Leben, 2016

Ein Teil der Ausbildung zum Geflügelfacharbeiter und des Geflügelmeister ist der Putenmast gewidmet. Kurse werden regelmäßig bundesländerübergreifend angeboten. Know-How holen sich Putenbauern auch von Kollegen, von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft und bei Tagungen. Forschungsergebnisse, etwa an der BOKU, werden in Schulungen über die Landwirtschaftskammer an die Bauern weitergegeben. 

Forschung
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Wissenschaftler, die sich mit ihren Teams mit Geflügelfleisch befassen, kommen auch an der Pute nicht vorbei. An der BOKU Wien forschen Karl Schedle und Werner Zollitsch an Tierernährung in der Nutztierhaltung. An der HBLFA Raumberg-Gumpenstein befasst sich Eduard Zentner mit Haltungssystemen, Stallklima und Luftemmissionen. Und an der Veterinärmedizinischen Universität Wien forscht Michael Hess zu Tiergesundheit und Impfstoffen. 

Gesetzliche Grundlage

Die Tierhaltungsverordnung, das Tierschutzgesetz, das Tiertransportgesetz, die Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung und das Tiergesundheitsgesetz sind die rechtlichen Grundlagen für die Putenmast in Österreich. 1992 ist die Geflügelhygieneverordnung in Kraft getreten, 2007 wurde sie novelliert. Ausschlaggebend dafür waren Fälle von Salmonellen in der Mastgeflügelhaltung. Die viel diskutierte Besatzdichte ist in der Tierhaltungsverordnung geregelt. Für sie und die Putenhaltung allgemein gibt es keine EU-Mindestrichtline. Für den Bio-Bereich gilt die EU-Bio-Verordnung. Wenn der Bauer Mitglied eines Bio-Verbandes wie Bio Austria ist, muss er sich zusätzlich an deren Produktionsrichtlinien halten.