Die Pute, der wenig geliebte Exote im Reich des Geflügels?
© Land schafft Leben, 2016

Die Schweiz ist das einzige Land der Welt mit noch höheren Tierwohlstandards in der Putenmast als Österreich, “bezahlt” diesen Spitzenplatz aber mit einer de facto nicht mehr vorhandenen Selbstversorgung. Wie Branchenvertreter aus der Schweiz uns anlässlich eines in Graz stattfindenden Tierwohlsymposiums verrieten, habe das auch mit mangelnder Akzeptanz der Pute als einem “regionalen, einem ‘schweizerischen’ Tier” zu tun. Der Schweizer Konsument verspüre wenig emotionale Nähe zum exotischen Vogel Pute, ganz anders etwa als zur Kuh. Aber auch das Huhn wird als quasi “alteingesessenes” Tier wahrgenommen. Es sei dem Schweizer Konsumenten daher nicht so wichtig, wie es der Pute zu Lebzeiten ergeht. Das heißt weiter, wenn er Pute kaufe, so greife er mit weniger Hemmungen als etwa bei Rind- oder auch Schweinefleisch zum wesentlich billigeren ausländischen Produkt. 

Auch wenn diese Aussagen sicher nicht eins zu eins auf Österreich umzulegen sind, so sprechen die nackten Zahlen jedenfalls für eine ähnliche Praxis des österreichischen Puten-Konsumenten. Hält man sich nämlich vor Augen, dass von den 21.000 produzierten Tonnen hochwertigen heimischen Putenfleisches - bei einem geschätzten Gesamtkonsum der beinah dreifachen Menge! - gerade einmal 6.000 Tonnen im Inland verkauft werden und also mehr als zwei Drittel für das Ausland produziert werden, muss man zum Schluss kommen, dass weder der heimische Konsument noch Gast noch Gastwirt grosso modo bereit sind, die hohen Ansprüche in der Produktion auch entsprechend zu honorieren. Besonders der Außer-Haus-Konsum in all seinen Formen, der große Volumen bedienen muss, greift bei der Pute praktisch zumeist zur billigeren Ware aus dem Ausland.