Abholung zur Schlachtung
puten ausstallen | © Land schafft Leben, 2016

Bevor die Puten ihren letzten Weg bestreiten, müssen sie aus dem Stall auf einen LKW oder Traktoranhänger verladen werden. Dazu holt der Bauer kurzfristig Mitarbeiter, meist Bekannte und Verwandte. Tausende Puten könnte er nicht alleine fangen. Ausländische Fangtrupps, die den Betrieb nicht kennen, sind in Österreich nicht üblich. Das Ausstallen passiert meist nachts, weil die Schlachthöfe in der Früh die Puten brauchen. Im Gegensatz zum Ausstallen von Hühnern lässt der Putenbauer das Licht im Stall brennen. Auf die Ruhe der Tiere hat das keine Auswirkung. Die Mitarbeiter nehmen jeweils ein Tier an den Beinen und tragen es kopfüber aus dem Stall. Insgesamt dauert es bei einem mittelgroßen Betrieb ein, zwei Stunden, bis alle Puten verladen sind. 

Männliche Tiere leben länger

Ab einem bestimmten Zeitpunkt im Leben einer Mastpute zahlt es sich für den Bauern nicht mehr aus, das Tier zu mästen. Weibliche Tiere verkauft er deshalb mit etwa vier Monaten, männliche Tiere im Alter von fünf Monaten. Die Truthähne legen in ihrem fünften Lebensmonat noch so viel Gewicht zu, dass sich die Fütterung wirtschaftlich auszahlt. 

Transport und Ankunft am Schlachthof

Die Puten fahren in einem LKW- oder Traktoranhänger zum Schlachthof. Wie weit dieser Weg ist, hängt von der Lage des Mastbetriebes ab. Der Transport kann durch halb Österreich oder über wenige Kilometer gehen. Die größten Schlachthöfe für österreichische Puten befinden sich in Bayern, Kärnten und im Burgenland. Tiertransporte dürfen innerhalb Österreichs maximal 4,5 Stunden dauern, in Ausnahmefällen 8 Stunden. Geflügel darf international maximal 12 Stunden transportiert werden, wenn ausreichend Futter und Frischwasser vorhanden sind. Am Schlachthof werden die Tiere in den Transportkisten abgeladen. Die Puten warten mehrere Stunden in den Kisten. Sie beruhigen sich dabei, wie uns Herbert Bodner von Wech Geflügel erklärt. 

Ablauf am Schlachthof

BETÄUBUNG KOPFÜBER IM ELEKTROBAD ODER CO2-BETÄUBUNG

 

Die in der industriellen Putenschlachtung weltweit übliche Betäubungsmethode ist das Elektrobad. Eine Betäubung, bevor dem Tier der Hals aufgeschnitten wird, ist gesetzlich verpflichtend. Vor allem das Einhängen kopfüber ins Schlachtband bei vollem Bewusstsein wird kritisch betrachtet. Ein moderneres System ist die Betäubung durch Sauerstoffentzug. Ein österreichischer Schlachthof wendet es bereits an, der zweite plant eine Umstellung.

 

Kommt im Schlachthof mit dem System Elektrobad eine Ladung Puten an die Reihe, hängen Mitarbeiter jede einzelne Pute an den Beinen kopfüber an ein Schlachtband. Die Pute ist zu diesem Zeitpunkt noch bei vollem Bewusstsein. Das Schlachtband bringt sie zu einem Elektrobad. Der Kopf taucht ein, Strom fließt durch das Gehirn der Pute und sie verliert das Bewusstsein.

 

Sauerstoffentzug als Alternative

In Österreich löst die CO2-Betäubung (in der Bildergalerie dargestellt) das Elektrobad in der Geflügelschlachtung ab. Ein österreichischer Putenschlachthof betäubt bereits mit Sauerstoffentzug, der zweite plant eine Umstellung. Brancheninsider bezeichnen diese Entwicklung als richtungsweisend für Europa. Der stufenweise Sauerstoffentzug soll die tierschonendere Variante sein. Die Puten müssen nicht mehr bei vollem Bewusstsein kopfüber ins Schlachtband gehängt werden, sondern fahren in den Transportkisten in den CO2-Tunnel. 

Töten durch Aufschneiden des Halses

Die Pute ist bereits betäubt und hängt kopfüber am Schlachtband. Ein Mitarbeiter schneidet mit einem Messer den Hals auf. Davon bekommt die Pute nichts mehr mit. Das Blut fließt heraus und das Tier stirbt. Am Schlachtband erledigen Maschinen die weiteren Schritte. Die Pute entblutet und der Kopf wird abgetrennt. Die Schlachtkörper fahren durch heißes Wasser, dann kann eine Maschine die Federn entfernen. Auch die Innereien werden entnommen. 

Teile unterschiedlich beliebt

Spezialisierte Mitarbeiter zerlegen die Pute in die Teile, die man aus dem Supermarkt kennt. Aus den Keulen und Flügeln wird ein Filet herausgeschnitten. Ein typisches Gericht aus diesen Filetstücken ist der Putenrollbraten. Obwohl sie geschmacklich nicht mit Keulen und Flügeln mithalten kann, ist die Putenbrust das gefragteste Teil. In der RollAMA Motivanalyse gaben 61 Prozent der Befragten an, mit Putenfleisch Schnitzel aus dem Filet zuzubereiten. Keulen bereiten nur 5 Prozent zu, Puten im ganzen gar nur 2 Prozent. 45 Prozent kochen laut eigener Angabe Putenragouts, 29 Prozent werden für Salate verwendet. 

Tierarzt muss alles kontrollieren

Laut Gesetz muss der Tierarzt bei der Ankunft der Puten kontrollieren, ob die Transportkisten ordnungsgemäß sind und ob die Tiere einen optisch gesunden Eindruck machen. Nach der Betäubung sollte er prüfen, ob diese wirksam erfolgt ist. Die Schlachtkörper muss er auf Qualität kontrollieren. 

Schlachtung am Hof
pute hofschlachtung | © Land schafft Leben, 2016

Manche Putenmastbetriebe, vor allem kleinere, schlachten ihre Tiere selbst. Für sie gelten wie auf großen Schlachthöfen strenge Hygienevorschriften. Diese umzusetzen bedeutet für Bauernhöfe einen ungleich größeren Aufwand pro verarbeitetem Tier. Wie bei der Schlachtung auf einem Schlachthof muss die Pute vor dem Töten betäubt werden. Eine professionelle Möglichkeit dazu ist die Verwendung eines Bolzenschussapparates.