Gentechnikfreies Soja aus Europa
ei futter | © Land schafft Leben, 2018

Legehennenhalter dürften in Österreich gentechnisch verändertes Soja aus Übersee füttern. Sie tun das aber nicht mehr, weil sich die heimische Eierbranche 2010 auf gentechnikfreie Fütterung geeinigt hat. Sie geht jedoch noch einen Schritt weiter auf den für dieses Thema längst sensibilisierten Konsumenten zu, indem sie auf Soja aus der Donauregion setzt und damit hilft, die Überseeimporte zu vermindern. Immerhin 40.000 bis 50.000 Tonnen Soja (Extraktionsschrot, Sojakuchen, Sojabohne) werden an Österreichs Legehennen pro Jahr verfüttert. Stelle ich jeden 10. Österreicher auf die Waage, dann ergibt das in etwa dasselbe Gewicht. Seither finden sich auf jeder heimischen Frischeipackung die Siegel der ARGE Gentechnik-frei ebenso wie die des Vereins Donausoja. Letzterer steht laut seiner Webseite dafür, dass “Soja-LandwirtInnen sich an die EU-Pflanzenschutzrichtlinien und die EU Arbeits- und Sozialrechte halten und kein Land kultivieren, welches nicht bereits vor dem 1. Januar 2008 als landwirtschaftliche Fläche genutzt wurde.” Damit sollen ebenjene ökologischen Aspekte, deren Fehlen in der Sojaproduktion in Übersee seit vielen Jahren bemängelt wird, berücksichtigt werden.

Züchtung auf Hochleistung
legehenne | © Land schafft Leben, 2018

Weltweit sind es vorrangig Legehühner aus dem Zuchtkonzern Lohmann, die den gigantischen Appetit von uns Menschen auf Eier stillen. Lohmann ist ein Tochterunternehmen der niedersächsischen Wesjohann Gruppe, hat seinen Sitz in Cuxhaven und agiert weltweit. Die große Masse der beinah zwei Milliarden Eier, die Herr und Frau Österreicher im Jahr konsumieren, wird von diesen Hochleistungstieren gelegt. So genannte Hybridlinien, die Namen wie “Lohmann Brown”, “Lohmann Sandy” oder LSL (Lohmann selected Leghorn) tragen. Sie sind es, die aufgrund von strenger Selektionszucht im Laufe ihrer ca. einjährigen Legezeit beinahe täglich ein Ei legen. Weltmarktführer Lohmann Tierzucht beschreibt die Züchtung auf Land schafft Leben-Anfrage als “Balanced Breeding” und meint damit eine ausgeglichene Züchtung zwischen Leistung und Tierwohl. Die wichtigsten Zuchtziele seien “Eiqualität, Legeleistung, Eigewicht, Tierwohl und Verhalten”.

Es geht auch ohne Käfige
hennen | © Land schafft Leben, 2018

 

Was dem österreichischen Konsumenten ganz normal erscheint, dass er nämlich im Supermarkt keine Frischeier aus Käfighaltung vorfindet, ist global gesehen alles andere als normal. 2004 beschloss der Nationalrat die Käfighaltung zu verbieten - ein weltweites Novum. Michael Wurzer, Geschäftsführer des Geflügeldachverbandes ZAG, der die Situation in vielen großen Produktionsländern unter die Lupe genommen hat, geht davon aus, dass global immer noch weit über 95 Prozent aller Legehühner in Käfigen gehalten werden. Das österreichische Erfolgsbeispiel hat zumindest in einigen EU-Ländern Nachahmer gefunden, allerdings bei weitem nicht flächendeckend. Dass das heimische Experiment glücken konnte, ist auf intensive und aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten zurückzuführen. Branchenvertreter, Futtermittelhersteller, Legehennenenhalter und der Handel mussten hier an einem Strang ziehen. Vor allem aber war und  ist es letztlich der Konsument, der die höheren Preise für entschieden verbessertes Tierwohl akzeptiert hat. Allerdings fehlt diesem bis heute das Bewusstsein dafür, dass er zwar im Frischeibereich keine Käfigeier mehr kauft, sehr wohl aber im großen Bereich der Verarbeitung und im Außer-Haus-Konsum.

> Käfighaltung weltweit noch weit verbreitet

> Oft unklare Herkunft im Außer-Haus-Konsum und bei verarbeiteten Produkten

Es geht auch ohne Schnabel kupieren
junghenne | © Land schafft Leben, 2018

 

Die international weit verbreitete Praxis des so genannten Schnabelkupierens soll die Folgen des in der Legehennenhaltung gefürchteten Federpickens minimieren helfen, das bis zum  Kannibalismus reichen kann. Dabei wird bereits den Küken routinemäßig die Spitze ihres Schnabels entweder mit einer heißen Klinge abgeschnitten oder mit einem Laserstrahl verödet. Dieser Umstand wird seit jeher von Tierschützern als rein vorbeugende Symptombehandlung kritisiert. Außerdem handle es sich um einen schmerzhaften Eingriff an einem wichtigen Tastorgan für die Tiere. Die Ursache des Federpickens, die in den Haltungsbedingungen, in der Züchtung, Fütterung und letztlich im Stallmanagement vermutet werden, blieben dabei unbehandelt. Wie bei der Abschaffung der Käfighaltung geht Österreichs Eierbranche hier erfolgreich einen alternativen Weg, wie uns Knut Niebuhr, Geflügelexperte und Forscher an der Vetmeduni Wien im Filminterview erklärt. Die entscheidenden Faktoren wie Stress, Unterversorgung mit wichtigen Nahrungskomponenten, Stallklima, Licht- und Luftqualität müssten zusammenkommen, damit man, wie in Österreich, auf das Kupieren verzichten und das Problem des Federpickens trotzdem in zumutbaren Grenzen halten könne.

Töten oder Mästen männlicher Küken
küken | © Land schafft Leben, 2018

Noch schlüpft aus jedem zweiten Ei, das für die spätere Eierproduktion ausgebrütet wird, ein männliches Küken. Dieses wird weder Eier legen noch eignet es sich aufgrund seiner Genetik für die Mast, also dafür schnell und viel Fleisch anzusetzen. Aus diesem Grund werden diese Küken sofort nach dem Schlüpfen getötet und meist als Tierfutter verwertet, zum Beispiel in Zoos als Futter für Schlangen, Greifvögel etc.. Allein in Österreich sind das jährlich mehrere Millionen Küken. Dieser Umstand stößt seit vielen Jahren bei Tierschützern und zusehends mehr Konsumenten auf heftige Kritik. Züchter und die heimische Branche reagieren auf diesen Druck und arbeiten an der Früherkennung des Geschlechts im Ei. In wenigen Jahren, davon gehen Branchenkenner aus, sei man hier so weit und könne damit das Problem mit den männlichen Küken technisch lösen. Dann werden sie gar nicht erst ausgebrütet. Wobei bereits jetzt einige Tierschutzverbände die Frage erheben, ob und ab wann man nicht auch bei ungeschlüpften Küken von “Töten” sprechen müsse. Auf Anfrage von Land schafft Leben lässt Weltmarktführer Lohmann Tierzucht die Frage offen, wann die Früherkennung marktreif sein wird, Zitat: “Bei dieser Methode könnte der Ersteinsatz einer ersten praxistauglichen Anlage in einer Brüterei nach jetzigem Stand ab Herbst 2018 erfolgen. Aufgrund dieser Testphase kann eine verlässliche Aussage zum jetzigen Zeitpunkt zur Markteinführung nicht getroffen werden.”

In Österreich wurde für die Biobranche ein anderer Weg gefunden. Die Brüder der Bio-Legehennen werden nicht als Eintagsküken getötet, sondern ähnlich einem Bio-Masthuhn etwa 8 bis 10 Wochen gemästet, anschließend geschlachtet und als Delikatesse vermarktet. Zum Teil als “Bio-Gockel” etikettierter ganzer Schlachtkörper überwiegend aber in verarbeiteter Form.

 

Der “Bruderhahn”: Ein Meilenstein oder eine Zwischenlösung mit Ablaufdatum?
© Die Eiermacher

Das Mästen der Bruderhähne bei Bio-Eiern wird von Tierschutzvereinen wie Vier Pfoten, die an der Umsetzung des Projektes mitgearbeitet haben, als Meilenstein begrüßt, der international für Aufsehen sorgte. Der sensibilisierte Bio-Eier-Konsument könne jetzt mit noch besserem Gewissen zum Bio-Ei greifen, weil er weiß, dass der “Bruder seiner Legehenne” nicht als Eintagsküken getötet wird. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die die Aktion als “Alibilösung” mit Ablaufdatum sehen. Einerseits wird kritisiert, dass dem Konsumenten ein geschöntes Bio-Bild unter Verwendung von Phantasienamen für die Bio-Eier verkauft wird. Als setze Bio neuerdings wieder auf ein Zweinutzungshuhn alten Schlages. Dabei wird bei Bio ebenso ein Hochleistungs-Legehuhn Namens “Lohmann Sandy” oder “Lohmann Brown” verwendet. Letztere Rasse finden wir auch in der konventionellen Legehennenhaltung. Da diese Hochleistungshybride ausschließlich auf Legeleistung, und nicht auf Fleischansatz gezüchtet wurden, eignen sich Sandy’s oder Lohmann Brown’s Brüder zur Zweitnutzung als Fleischlieferant prinzipiell nicht. Und weil hier 8 bis 10 Wochen hochwertiges Biofutter an kaum masttaugliche Tiere verfüttert wird, sprechen Kritiker von Ressourcenverschwendung. Manfred Söllradl, Geschäftsführer der größten heimischen Bio-Brüterei und Mastermind der Bruderhahn-Branchenlösung hingegen spricht lieber von hochwertigem Bio-Fleisch, das leben durfte und das auch mit seiner Fleischqualität überzeugen könne.

Freilandhaltung hat nicht nur Vorteile
ei freilauf | © Land schafft Leben, 2018

In der Freilandhaltung wird das Auslaufareal oft nicht voll genutzt, wie uns Tierschutz-Experte Michael Zoklits im Filminterview mitteilt. Er sieht darin die eigentliche Herausforderung für diese Form der Haltung. Zwar werden rechnerisch jedem Tier 8 (in Bio sogar 10) Quadratmeter zugemessen, aufgrund der instinktiven Angst der Hennen vor Raubtieren halten sie sich aber lieber im Nahebereich des Stalles auf. Vor allem dann, wenn der Freilandbereich zu wenig schützende Elemente wie Bäume, Sträucher oder sonstige Unterstände aufweist. Außerdem fehlen in aller Regel Hähne, die dem instinktiven Schutzbedürfnis der Hennen entgegen kommen würden. Das alles hat häufig zur Folge, dass sich in der Nähe der Ausgänge zu viele Tiere befinden, deren Exkremente dort zu Problemen mit Parasiten führen. Zudem steigt im stallnahen Bereich des Auslaufs der Nitrateintrag in die Böden und der Grasbewuchs bleibt nicht lange erhalten. Knut Niebuhr, Geflügelexperte der Vet-Med-Uni Wien verweist in diesem Zusammenhang auf sinnvolle Beschränkungen der Legehennen-Bestandszahlen wie sie in Bio vorgeschrieben sind. Aber auch in vielen nicht biologisch zertifizierten Freilandbetrieben, die am Programm “Tierschutz geprüft” teilnehmen. Anders als im benachbarten Deutschland etwa, wo es weder in Freiland- noch in Bio-Haltung Größenbeschränkungen pro Stall gibt. Einen wirklich nutzbaren Auslauf auf Grünflächen ohne unerwünschten Parasitendruck und Nitrateintrag können am besten Mobilställe gewährleisten, deren Größe per se begrenzt ist.

> Hühner im “Wohnwagen” - die Idee der mobilen Ställe