Ressourcen und Organisation
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540 österreichische Betriebe ziehen Masthühner auf. Davon sind etwa ein Fünftel Bio. Um von der Hühnermast leben zu können, reichen ein paar hundert Hühner längst nicht mehr aus. Ein Bauer braucht mehrere tausend Tiere, alleine um die hohen Investitionskosten für den Stall samt technischer Ausstattung erwirtschaften zu können. Wesentlich ist, dass die österreichischen Hühnermäster über Felder verfügen. Auch wenn sie dort meistens nicht (mehr) das spätere Futter für ihre Hühner selbst anbauen, so ist damit zumindest gewährleistet, dass der anfallende Mist später als Düngemittel einen sinnvollen Abnehmer findet.

Stallbau, Genehmigung und Emissionen

Österreich versorgt sich zu 79 Prozent selbst und viele Österreicher kaufen bevorzugt heimisches Hühnerfleisch. Dennoch ist es schwierig, einen Stall zu errichten. Anrainer beschweren sich über Gerüche oder stören sich an der Tatsache, dass der Nachbar tausende Tiere mästet. Zudem braucht es eine offizielle Genehmigung, die nicht leicht zu erhalten ist.

 

“Es ist sehr schwer, eine Genehmigung zu bekommen, speziell wenn man wenig Abstand zu einer Siedlung hat”, erklärt Hühnerbauer und Brütereibetreiber Gerhard Skreinig. Die Vorgaben müsse man “sowieso einhalten”, sonst hätte man “keine Chance”, ergänzt Skreinig. Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein erforscht Möglichkeiten zur Reduktion von Emissionen von Geruch und Lärm. Die Ställe sollen weniger Ammoniak und Kohlendioxid ausstoßen, weniger unangenehm riechen und leiser sein. “Der Bauernhof stinkt und niemand will neben dem Bauern wohnen. Auf der einen Seite wollen wir die Produkte vom Bauern, aber ihn nicht als Nachbarn haben”, sagt Michael Kropsch, Forscher an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Er weißt auf die Problematik einer möglichen Geruchsbelästigung von Anrainern hin. Die Forschungsergebnisse sollen zu weniger Emissionen und mehr Akzeptanz führen.

Weniger Emissionen erhöhen zudem die Chance, eine Baugenehmigung für einen Stall zu erhalten. Auch EU-Grenzwerte spielen hier eine Rolle. Die EU schreibt vor, wie hoch Schadstoffe in der Luft konzentriert sein dürfen. In der Forschung gehe es aber auch um Tierwohl. Michael Kropsch betont: “Je besser das Stallklima ist, desto besser geht es den Tieren.” Besonders Ställe mit einer modernen technischen Ausstattung verursachen wenig bis nicht wahrnehmbare Gerüche.

Vergleichsweise kleinstrukturiert
hühnerstall | © Land schafft Leben, 2016

Österreichische Hühnermäster halten im Schnitt 20.000 bis 25.000 Tiere. Es handelt sich in der Regel um bäuerliche Familienbetriebe. Während in Österreich Betriebe mit 40.000 Hühnern zu den größeren zählen, sind weltweit 100.000 keine Seltenheit. 10.000 Hühner pro konventionellem Betrieb sind für eine rentable Mast das Minimum, 40.000 braucht man für den Vollerwerb, wie uns Hühnerbauer Franz Nagelhofer erklärt. Er erinnert an seinen Großvater, der vor 30 Jahren mit 13.000 Hühnern im Vollerwerb wirtschaften konnte. 

Datenbank des Anerkannten Geflügelgesundheitsdienstes

Der österreichische Anerkannte Geflügelgesundheitsdienst (Qualitätsgeflügelvereinigung) hat eine Datenbank geschaffen, um den Weg der Hühner mit allen Kontrollen, Behandlungen und Salmonellenproben aufzuzeichnen. Fast alle Statistiken, die es über die Branche in Österreich gibt, haben die Datenbank als Grundlage. Offiziell heißt sie “Poultry Health Data”.

Zur Eingabe und Einsicht berechtigt sind Betreuungstierärzte, Labors, die Referenzzentrale für Salmonellen, Brütereien und Schlachtbetriebe. Bei den Elterntierbetrieben muss die Herkunft der Elterntierküken, deren Anzahl und alle Impfungen aufgezeichnet werden. Die Brütereien geben für die Datenbank die Herkunft der Bruteier, die Schlupfrate, die Ausfallsquote, die Impfung und die Menge und Versandadresse der ausgelieferten Küken bekannt.

Bei den Hühnermästern muss ein Tierarzt den Namen des Lieferanten der Mastküken, das Ein- und Ausstalldatum, die Anzahl an Hühnern und eventuelle Impfungen und Medikamentenbehandlungen in die Datenbank eingeben. Die Salmonellenprüfung drei Wochen vor der Schlachtung und die Lebendtieruntersuchung vor der Abholung müssen mit Datum festgehalten werden. Bei der Anlieferung der Hühner am Schlachthof muss eine Transportbescheinigung und eine Bestätigung der Einhaltung der Wartezeit nach einem Medikamenteneinsatz vorliegen. 

Bildung und Forschung
forschung geflügel | © Land schafft Leben, 2016

Zukünftige Hühnermäster besuchen eine landwirtschaftliche Fachschule oder machen eine höhere landwirtschaftliche Ausbildung. Viele absolvieren noch die Ausbildung zum Facharbeiter und können in weiterer Folge die Meisterprüfung ablegen. 

Zahlungen der öffentlichen Hand

Folgende Zahlungen erhalten die Hühnerbauern der LSL-Kontaktliste. Gründe für diese Zahlungen können auch andere landwirtschaftliche Tätigkeiten eines Bauern sein. Nicht nur die Hühnermäster, auch andere landwirtschaftlichen Betriebe entlang der Wertschöfpungskette können Ausgleichszahlungen bekommen. Auf www.transparenzdatenbank.at sind alle Zahlungen für jeden einzelnen Betrieb aufgelistet. Folgende Zahlungen findet man beispielsweise dort.

Betriebsprämienregelung Richtet sich seit 2003 nach der bewirtschafteten Fläche. Vor 2003 wurden die Zahlungen nach der Produktionsmenge berechnet. Seit 2015 gibt es einen Maximalbetrag für Betriebe mit sehr großer bewirtschafteter Fläche.
Teilnahme von Landwirten an Qualitätsprogrammen (M132)

Für Bauern, die sich an bestimmten Lebensmittelqualitätsprogrammen beteiligen.

Agrarumweltmaßnahmen Für Bauern, die sich zu bestimmten umweltschonenden Produktionsverfahren verpflichten.
Ausgleichszahlungen für Berggebiete Erhalten Landwirte in Berggebieten “für naturbedingte Nachteile” in der Produktion.
Ausgleichszahlungen für andere benachteiligte Gebiete

Bekommen Bauern, die nicht in Berggebieten, aber in Benachteiligten Gebieten sind, für naturbedingte Nachteile.

Tierschutzmaßnahmen Für Bauern, die sich an bestimmten Lebensmittelqualitätsprogrammen beteiligen.

 

Gesetzliche Grundlage

Die EU legt in einer Richtlinie Mindestvorschriften zur Haltung von Masthühnern vor.
Das österreichische Tierschutzgesetz darf diese Standards nicht unterschreiten und definiert im Gegenteil weitere, strengere Punkte. Somit gilt das nationale Tierschutzgesetz, in dem Österreich zum Beispiel eine maximale Besatzdichte von 30 Kilo Tiergewicht pro Quadratmeter für die konventionelle Mast vorschreibt, während die EU-Richtlinie in Ausnahmefällen mit zusätzlichen Auflagen 42 Kilo zulässt.

Darüber hinaus gibt es den Standard für “Besonders tierfreundliche Haltung” des Lebensministeriums. Dieser ist einzuhalten, um bestimmte Förderungen zu bekommen. Im Jahr 1992 wurde die Geflügelhygieneverordnung erarbeitet, 2007 novelliert. Ausschlaggebend war das Auftreten von Salmonellen in mehreren Fällen.

Für den Bio-Bereich gilt die EU-Bio-Verordnung. Nationale Bio-Regelungen dürfen nur Punkte regeln, die in der EU-Bio-Verordnung nicht geregelt sind. Verbände wie Bio Austria können zusätzliche oder strengere Vorgaben definieren.
Bio oder Konventionell
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Knapp fünf Prozent des im österreichischen Lebensmitteleinzelhandels verkauften Hühnerfleisches ist Bio. Einer Schätzung der ZAG zufolge gibt es 110 österreichische Bio-Mäster, bei stark steigender Tendenz. Demnach wirtschaften etwa ein Fünftel der Mastbetriebe biologisch. Bio-Mäster verwenden langsamer wachsende Tiere, haben strengere Auflagen zur Haltung und medizinischen Behandlung und verfüttern biologisch angebautes Futter. Die Gründe, warum ein Bauer biologisch oder konventionell wirtschaftet, sind ganz unterschiedlich. 

Umstellung von Konventionell auf Bio

Ein konventioneller Bauer kann nicht von heute auf morgen zum Bio-Bauern werden. Ab wann ein Mäster, der auf Bio umgestellt hat, Bio-Hühner als solche verkaufen darf, ist klar geregelt. Die EU-Bio-Verordnung schreibt eine Umstellungszeit des gesamten Bauernhofes von zwei Jahren vor. In der Hühnermast erfolgt die Umstellung für gewöhnlich schneller, denn die zwei Jahre betreffen Ackerflächen. Sobald Futtermittel und der Stall den Bio-Vorgaben entsprechen, kann der Betrieb biologisch mästen. Bio Austria schreibt neuen angehenden Bio-Bauern einen Kurs zur Weiterbildung vor.