Vielfältiges Angebot als Markt-Nische

Die Vielfalt der Paprika | © Land schafft Leben, (2020)

„Vielfalt heißt auch ökonomische und ökologische Standfestigkeit. Durch die Abwechslungen der verschiedenen Gemüsearten, der verschiedenen Bodennutzungen entsteht ein gemeinsames System: Boden-Pflanze-Mensch und das muss das Ziel sein eines nachhaltigen ökologischen Gemüseanbaus.“ So Pflanzenforscher Wolfgang Palme im Filminterview. Einer, der sich diese auch ökonomische Standfestigkeit „ergärtnert“ hat, ist der weithin bekannte Erich Stekovics. Er betreibt Chili- und Paprikaproduktion am heißesten Punkt Österreichs, wie er im Filminterview sagt, im Burgendländischen Seewinkel. Dort kultiviert er über 1000 verschiedenen Sorten unter freiem Himmel, die er hauptsächlich weiterverarbeitet und direkt vermarktet. Mit seinem Freilandanbau gehört er innerhalb der Paprikaproduzenten zu einer Minderheit, die zusammen nur drei Prozent zur österreichweiten Paprikaernte beitragen.

Auf die Frage, warum er sich dem geschützten Anbau verweigert, kommt als Hauptargument, dass er das gewünschte Freilandaroma im Glashaus nie schaffen würde: „Der extreme Wandel im nicht geschützten Klima, der Wind sorgen für ein bewegtes Leben. Pflanzen werden gebeutelt und verletzt. Das Ausheilen der Verletzungen erzeugt das besonders intensive Aroma.“ Als Vorbild dient ihm der Weinbau. Keine Winzerin der Welt würde ihre Trauben in einem geschützten Anbau wachsen lassen. Sie spricht vom und verkauft das “Terroir”, also die jeweilige Mineralik des Bodens, in dem ihre Rebstöcke wachsen. Diese sei mit geschmacksbestimmend. Dasselbe, meint Erich Stekovics, gelte auch für seine Chili- und Paprika-Pflanzen. Das heißt der Boden sei ein ganz wesentlicher Punkt für den Geschmack. Als Nachweis für die Anbaumethode kann der Geschmack aber nicht herangezogen werden, meint Wolfgang Palme. Nichtsdestotrotz spricht er sich für diese wertvolle Nische aus im Sinne des obgenannten Vielfaltsgedankens: „Spezialisierung ist eine Art Hochleistungssport und der Gärtner kann sich auf die eine Frucht konzentrieren mit entsprechend hohem Output, aber das Handwerkliche geht verloren. Ein Paprikagärtner versteht vielleicht gar nichts mehr von Salat.“ Demzufolge drohe die „hohen Kunst der Gemüse-Gärtnerei“ im vorherrschenden Intensivanbau verloren zu gehen.

> Vor- und Nachteile einer österreichischen Paprikaproduktion