Schädlinge und Pflanzenschutz

Nicht nur uns Menschen schmeckt die Kartoffel. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen ist daher an eine Ernte nicht zu denken, das gilt für den konventionellen wie für den Bio-Bereich. Gegen jeden Schädling gibt es eine eigene Strategie der Bekämpfung.

BIENENGEFÄHRLICHES BIO-PFLANZENSCHUTZMITTEL

Bio-Bauern haben drei biologische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, um Kartoffeln gegen den Kartoffelkäfer zu schützen. Spinosad ist eines davon. Es ist besonders wirksam, aber auch umstritten.

Spinosad ist als bienengefährlich eingestuft und darf daher nicht auf blühende Pflanzen oder Unkraut ausgebracht werden. Die Kartoffelpflanze wird in der Regel nicht von der Honigbiene angeflogen. Ob Wildbienen sie anfliegen, dazu gehen die Meinungen auseinander. Die EU-Bio-Verordnung und der österreichische Verband Bio Austria erlauben die Verwendung von Spinosad. In der Schweiz ist es in der Bio-Landwirtschaft nicht zugelassen. In Österreich verbieten bestimmte Bio-Handelsmarken den Bauern, die ihnen liefern, Spinosad anzuwenden. Spinosad wird nicht vorbeugend eingesetzt, nur wenn pro Pflanze eine gewisse Anzahl Käferlarven gefunden werden oder wenn ein Warndienst eine hohe Wahrscheinlichkeit für viele Käferlarven vorhersagt. Maximal zweimal Ausbringen pro Anbausaison ist erlaubt. Besonders in Gebieten mit viel Kartoffelanbau ist das Risiko eines Kartoffelkäfer-Befalls hoch. Ein warmes Frühjahr fördert ein frühes Auftreten. Pro Jahr können sich mehrere Käfergenerationen entwickeln.

 

Auch Ameisengift

Spinosad-Hersteller züchten ein Bodenbakterium in einem Tank. Das Bakterium produziert durch seinen Stoffwechsel zwei Stoffe, die zusammen Spinosad ergeben. Spinosad wird auch als Ameisengift im Haushalt und als Lausmittel bei Tieren verwendet. Es lähmt die Insekten irreversibel. Für Säugetiere und Menschen hat Spinosad kein relevantes Risiko, auch nicht dessen Rückstände in Lebensmitteln.

KRAUTVERNICHTUNG VOR DER ERNTE

Drei bis vier Wochen bevor Kartoffeln geerntet werden, vernichten die Bauern den grünen Teil der Pflanzen. Konventionelle Bauern verwenden dafür ein spezielles Herbizid. Bio-Bauern schlägern die Pflanzen mechanisch ab. Erst wenn sie abgestorben sind, werden die Schalen der Kartoffeln fest. Den grünen Teil der Pflanzen bis zur Ernte stehen zu lassen, geht aber nicht. Denn die Kartoffeln würden dann zu groß werden oder nicht mehr ihrem Kochtyp entsprechen.

Das konventionelle Standardverfahren des so genannten “Krautvernichtens”, auch “Krautminderung” oder “Kraut töten” genannt, wird seit über 30 Jahren so praktiziert. Nachdem die Pflanzen mit dem chemisch-synthetisch hergestellten Wirkstoff Diquat behandelt wurden ist der sichtbare Teil der Kartoffelpflanzen ist nicht mehr grün und macht einen vertrockneten, leblosen Eindruck.

 

Kartoffel selbst nicht betroffen

Kartoffelbauer Erich Kaltenböck zeigt dem Land schafft Leben-Filmteam, wie abgetötete Pflanzen aussehen. Er betont: “Das Feld wird braun, aber das Mittel wird nicht von der Kartoffel (-Knolle, Anm.) aufgenommen.” Daher setzen selbst Bauern wie er, die Kartoffeln als Saatgut für das nächste Jahr anbauen, auf die Methode. In der konventionellen Landwirtschaft laufen dennoch Versuche, wie man auf Diquat verzichten könnte. Bio-Bauern müssen schon jetzt ohne Diquat auskommen. Sie schlägern das Kraut ab, was fünfmal länger dauert und weiteren Aufwand mit sich bringt.

Lagerung

So funktioniert die Lagerung
kartoffel kisten | © Land schafft Leben, 2019

Nach der Ernte ist wichtig, dass die Kartoffeln möglichst schnell abkühlen und trocknen. Damit verhindert man, dass sid Kartoffeln schnell austreiben und Lagerkrankheiten wie zum Beispiel Silberschorf entstehen. Das langsame Kühlen soll innerhalb von circa drei Wochen zur idealen Lagertemperatur für Speisekartoffeln von 4 Grad führen. Bei dieser Temperatur sind die Alterungsprozesse in der Knolle sehr reduziert. Die Lagerung über mehrere Monate sorgt dafür, dass bis zum Beginn der Frühkartoffel-Erntesaison heimische Ware verfügbar ist. Das geht sich in einem durchschnittlichen bis guten Erntejahr aus. Fällt die Ernte geringer aus, werden mehr Kartoffeln aus Ländern wie Ägypten und Israel importiert, bis es wieder heimische gibt.

Faktoren für die lange Lagerung

Um Österreich ganzjährig mit heimischen Kartoffeln zu versorgen, müssen diese sehr lange gelagert werden, da die Ernte im Oktober abgeschlossen ist und die neue erst Ende Mai beginnt. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind die entscheidenden Faktoren, die Kartoffeln gesund halten. Speisekartoffeln werden optimalerweise bei vier Grad gelagert. Es gibt viele kleinere Bauern, die keine Lagerräume mit Temperaturregulierung zur Verfügung haben. Sie lagern die Kartoffeln in möglichst kühlen Räumen, beispielsweise im umgebauten ehemaligen Kuhstall. Auch Packstellen, die Kartoffeln sammeln, lagern diese. Zunehmend gibt es Bauern, die selbst ein professionelles Lager betreiben. Derzeit lagern rund 15 Prozent der österreichischen Speisekartoffeln in Lagern mit Kühlung, 60 Prozent in Räumen mit automatisierter Lüftung.

Bei Kartoffeln, die zu Produkten wie Pommes verarbeitet werden, ist wichtig, dass die Lagertemperatur nicht unter sechs Grad beträgt. Ansonsten wandelt sich Stärke in Zucker um und die Pommes werden beim Backen zu braun.

GAS VERHINDERT, DASS KARTOFFELN AUSTREIBEN

Was man von zuhause kennt, gibt es auch in professionellen Lagern - die Kartoffeln treiben nach einer gewissen Zeit aus. Um das zu verhindern, gibt es die Möglichkeit, in Kartoffellager unterschiedliche Gase zu blasen, die das Austreiben verhindern. Bei der Lagerung von Bio-Kartoffeln dürfen keine chemisch-synthetischen Gase verwendet werden.

In den vergangenen Jahren war im konventionellen Bereich Chlorpropham der Wirkstoff der Wahl. Das Bundesamt für Ernährung führt dazu als “besondere Gefahren” an: “Reizt die Haut, Verdacht auf krebserzeugende Wirkung, Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Verschlucken, giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkung haben.” Im Bio-Bereich ist Chlorpropham nicht zugelassen. Die EU plant, es generell zu verbieten. Der Lebensmitteleinzelhandel arbeitet schon jetzt mit Packstellen und Bauern an Alternativen. Im Bereich der Zwei-Kilo-Packungen sind schon jetzt 80 Prozent der Kartoffeln nicht mit Chlorpropham begast. In Deutschland müssen behandelte Kartoffeln gekennzeichnet sein, in Österreich nicht. Der Verein für Konsumenteninformation schreibt zur fehlenden Kennzeichnung in Österreich: “Das ist ärgerlich, denn nicht alle Erdäpfel sind mit Keimhemmungsmitteln belastet.” In welcher Menge Rückstände von Chlorpropham auf Kartoffeln sein dürfen, ist gesetzlich geregelt.

 

Alternativen sind viel teurer und in der Testphase

Für die Lagerung von Speisekartoffeln nimmt die Bedeutung von Chlorpropham ab. Ein Verzicht auf Chlorpropham macht Kartoffeln auf jeden Fall teurer. Alternativen, die heute in den meisten Speisekartoffel-Lager angewendet werden, sind 1,4-Dimethylnaphtalen, Minzöl und Maleinsäurehydrazid. Alle diese Mittel werden während der Lagerung im Lager mit speziellen Kanonen vernebelt. Eine Ausnahme ist Maleinsäurehydrazid. Es wird am Feld ausgebracht und derzeit nur als Übergangslösung eingesetzt. Der Wirkstoff 1,4-Dimethylnaphtalen ist ein natürlich in der Kartoffel vorkommendes Pflanzenhormon, das teuerste zugelassene Mittel und im Bio-Bereich nicht zugelassen. Alternativ dazu versuchen einige Unternehmen, Keime mit Hilfe von Minzöl in Schach zu halten. Minzöl ist auch im Bio-Bereich zugelassen. Es ist teurer und seine Wirkung ist ähnlich wie jene von 1,4-Dimethylnaphtalen und Chlorpropham. Kartoffeln, die nicht behandelt werden, müssen zügig nach der Ernte vermarktet werden, weil sie nicht so lange lagerfähig sind. Frühkartoffeln werden nicht über mehrere Monate gelagert und daher nicht begast.