Sind Bio-Gebäck und -Brot ökologisch nachhaltiger?

Die Frage klingt anfangs wohl fast ein bisschen paradox: Ist Bio nicht immer automatisch ökologisch nachhaltiger? Es muss schließlich einen Grund geben, warum geschätzt rund zehn Prozent des Brotes und Gebäcks in Österreich Bio sind. Auf die Frage gibt es keine einfache Antwort. Ein Blick auf das gesamte System Landwirtschaft ist notwendig:

Brot und Gebäck als Wegwerf-Produkte

Wenn es um Lebensmittelverschwendung in Österreich geht, tönt immer wieder das gleiche Beispiel durch die Medien: „Mit dem Brot und Gebäck, das in Wien pro Tag verschwendet wird, könnte man die gesamte Bevölkerung von Graz ernähren.“ Diese Berechnung stammt aus dem Film „We feed the world“, welche so das öffentliche Scheinwerferlicht auf die Verschwendung von Brot und Gebäck lenkte - jene Lebensmittelgruppe, die wie keine andere in so großen Mengen von uns verschwendet wird.

Etwa 210.000 Tonnen Brot und Gebäck landen in Österreich pro Jahr im Müll.

Verschwendung in der Produktion

Brot und Gebäck machen einen Großteil der verschwendeten Lebensmittel in der Lebensmittelproduktion aus. Damit werden alleine in den Bäckereien jährlich rund 52.000 Tonnen Brot und Gebäck im Jahr verschwendet. Gründe für den hohen Anteil sind unter anderem Überproduktion, Fehler bei Brot und Gebäck in der Produktion und nicht zuletzt: sogenannte freie Retourwaren von Supermärkten.

Mit freien Retourwaren ist Brot und Gebäck gemeint, das die Bäckereien zuerst in Form von gekühlten Teiglingen in den Supermarkt liefern und dann als aufgebackene Ware zurückbekommen, da es nicht verkauft werden konnte. Die Bäckereien schreiben den Supermärkten dann zurückgelieferte Menge gut. Für die Supermärkte entstehen so also keine finanziellen Einbußen. Die Bäckereien haben hingegen das Nachsehen. Sie müssen einen Weg finden, das alte Brot und Gebäck zu verwerten. Wenn keine tierischen Zutaten wie Käse oder Schinken – zum Beispiel bei Käse- oder Schinkenstangerl – dabei sind, kann die Ware als Tierfutter verwertet werden. Ein anderer Weg ist die Biogasanlage, wo Brot und Gebäck in Energie umgewandelt werden.

Die Praxis der freien Retouren wird mittlerweile immer mehr zum Auslaufmodell, da Supermärkte zunehmend selbst Verantwortung für ihre aufgebackenen Brote und Gebäcke übernehmen. Verschwendet wird jedoch auch nach wie vor im Handel.

> Fehler in der Produktion können zu Lebensmittelverschwendung führen

Problemzone Supermarkt

Supermärkte verschwenden pro Jahr rund 13.000 Tonnen an Brot und Gebäck. Diese Menge entsteht laut Philipp Hietler vor allem, da die Märkte mehr aufbacken als benötigt, um dem Kundenwunsch nach einer großen Auswahl an frischem Brot und Gebäck am Abend nachzukommen. Philipp Hietler empfiehlt Supermärkten daher „bedarfsgerecht“ aufzubacken. Durch Messungen kann zum Beispiel festgestellt werden, wie viel Kundschaft um welche Uhrzeit einkaufen geht und welche Produkte vor allem gekauft werden. Daraus kann dann abgeleitet werden, wie viel und welches Brot und Gebäck am Abend noch aufgebacken werden sollte, um den Bedarf zu decken. „Wichtig ist, dass der Kunde nicht davon ausgeht, dass auch am Abend alles da ist und sich beschwert“, so Philipp Hietler. „Denn ein engagierter Filialleiter bäckt wirklich nur bedarfsgerecht, also am Abend nur wenig auf. Bekommt dann aber eine Beschwerde vom Kunden. Es liegt also in unserer Verantwortung, etwas zu ändern.“

Verschwendung im Privathaushalt

In österreichischen Haushalten wird mit Abstand die größte Menge an Brot und Gebäck verschwendet:

Etwa 146.000 Tonnen an Brot und Gebäck landen jährlich in Österreichs Haushalten im Müll. Das entspricht etwa 16 Kilogramm an verschwendetem Brot pro Person und pro Jahr.

Verminderung der Lebensmittelverschwendung als UN-Ziel

Österreich hat sich bis zum Jahr 2030 zum UN-Ziel verpflichtet, 50 Prozent der Lebensmittelabfälle im Handel sowie im Haushalt zu reduzieren. Ein Großteil der Supermärkte in Österreich kooperiert bereits mit sozialen Organisationen, damit die Lebensmittel noch verwendet werden. Beispiele dafür sind nicht nur Projekte bekannter Hilfsorganisationen wie etwa der Caritas, sondern auch kleinere Zusammenschlüsse von Lebensmittelrettern und -retterinnen, die sich über die Webseite www.foodsharing.at austauschen und Abholungen bei Supermärkten durchführen. Diese dürfen auch Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) entgegennehmen und auf eigene Verantwortung konsumieren oder weiterverschenken. Damit sich jedoch flächendeckend etwas verändert, müsse man laut Philipp Hietler in der ganzen Gesellschaft Bewusstsein schaffen: „Wir müssen hier etwas gemeinsam tun, um diese riesige Menge an Lebensmittelabfällen zu vermeiden: Wir alle stehen in der Pflicht!“