"Das Gewürz des Bieres"
© Land schafft Leben, 2019

Der Hopfen verleiht dem Bier den bitteren Geschmack und sorgt für Geschmacksnoten von Kräutern, Gewürzen, Zitrusfrüchten und vielem mehr. Man bezeichnet Hopfen daher als "das Gewürz des Bieres". Er regt zum Biertrinken an. Außerdem sorgt Hopfen für die Haltbarkeit, die Schaumbildung und -stabilität. Hopfen gehört botanisch zu den Cannabisgewächsen, macht aber nicht abhängig. 

Ist Hopfen gesund?
Bier im Glas | © Land schafft Leben, 2019

Polyphenole sind Gerbstoffe im Bier und gehören zu den Antioxidantien. Das Polyphenol Xanthohumol kommt gar nur im Hopfen vor. Antioxidantien können im Körper das Schutzsystem, das uns vor Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs schützt sowie bei der Verlangsamung von Alterungsprozessen der Zelle mitwirken. Hopfen ist als Heilkraut auch für medizinische Zwecke verwendbar, zum Beispiel als Hopfentee oder -kissen. Hopfen wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd, beruhigend, schlaffördernd, antibakteriell und bei Frauen zusätzlich menstruationsfördernd.

Weltweit hat die USA die größte Hopfenfläche, gefolgt von Deutschland. Die größte deutsche Anbauregion Hallertau ist mit 16.300 Hektar das das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Auf Platz Drei folgt Tschechien mit der Anbauregion Saaz im Nordwesten des Landes. Dagegen sind Österreichs Hopfenanbauregionen vergleichsweise klein. Im Mühlviertel wurden 2017 auf knapp 140 Hektar Hopfen geerntet, in Leutschach auf rund 95 Hektar und im Waldviertel auf 17 Hektar. Während Deutschland und Tschechien weltweit exportieren, müssen Österreichs Brauereien Hopfen importieren. 

Hopfen erfordert viel Arbeit
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30 Jahre bleiben Hopfenpflanzen üblicherweise am Feld, erst dann werden sie ausgetauscht. Eine Hopfenanlage neu zu errichten bedeutet eine Investition von 40.000 Euro pro Hektar. Um von der konventionellen Hopfenerzeugung leben zu können, braucht man, so sagt man, zehn Hektar. Das entspricht einer Investition von 400.000 Euro, wobei 25 bis 30 Prozent durch die Investitionsförderung der EU gedeckt werden kann. Steht die Anlage einmal, ist der Arbeitsaufwand übers Jahr hoch, um erfolgreich Hopfen zu ernten.

Größere Betriebe, die Tätigkeiten in der Hopfenanlage so weit wie möglich mit Maschinen erledigen, rechnen mit 350 bis 700 Arbeitsstunden pro Hektar. Zum Vergleich, der Weinbau erfordert 800 Arbeitsstunden pro Hektar, Getreidebau 5 bis 15.

Jahresablauf am Hopfenfeld

Der erste wichtige Arbeitsschritt erfolgt im März. Der Hopfen muss, so wie Rosen oder gewisse Sträucher, komplett zurückgeschnitten werden. Spezielle Schneidmaschinen schneiden den Hopfen 20 Zentimeter unter der Erde ab, woraufhin die Pflanze dann im Frühjahr austreibt und bis zur Sonnwende 30 Zentimeter pro Tag wächst. Ebenfalls im März werden die Drähte montiert, an denen sich die Hopfenpflanze später in die Höhe rankt und es erfolgt die erste Düngung. Ende Mai wird der Boden zwischen den Hopfenreihen bearbeitet und begrünt und ein zweites Mal gedüngt. Je nach Bedarf werden Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt. Anfang bis Mitte Juli bilden die weiblichen Pflanzen Blüten. Die Blüten entwickeln sich zu Dolden, diese Phase nennt man Ausdoldung. Rund sechs Wochen nach der Blüte erfolgt die Ernte und die sofortige Trocknung der Dolden.

Hohe Pflanzen, Hoher Nährstoffbedarf
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Sieben Meter wachsen Hopfenpflanzen in die Höhe und ihre Wurzeln wachsen vier Meter in die Tiefe. Diese gewaltige Grünmasse braucht für das Wachstum viel Wasser. Trotz dieser tiefen Wurzeln ist Trockenheit im Sommer schlecht für den Hopfenertrag. Denn dann nutzen die Pflanzen das Wasser, um zu überleben, und bilden zu wenige Dolden für die Ernte aus. Weil sie viel Grünmasse bilden, brauchen die Hopfenpflanzen auch viele Nährstoffe, allen voran Stickstoff. Der Bedarf an reinem Stickstoff ist mit 180 Kilo pro Hektar relativ hoch. Die Bauern machen eine Bodenprobe und führen mit Handelsdüngern genau jene Nährstoffe zu, die die Pflanzen brauchen. Biologische Hopfenbauern düngen mit Kompost und mit zugelassenen Düngemitteln.

> HINTERGRÜNDE: Weg der Nährstoffe

Natürliche Feinde und Pflanzenschutz

Dürre, Sturm und Hagel können der Hopfenpflanze trotz oder gerade wegen ihrer Größe zusetzen. Außerdem gibt es einige Pilze, Tierchen und Krankheiten, die Schaden anrichten können. Das sind die wichtigsten Schaderreger im Hopfenanbau:

Falscher Mehltau

Am gefürchtetsten ist der Falsche Mehltau, ein Pilz, der sich an der Unterseite der Blätter bildet und diese durchlöchert. 

Blattläuse

Auch die kleinen Blattläuse können großen Schaden anrichten. Sie kommen Mitte Mai mit dem Wind an die Hopfenpflanzen, und vermehren sich dort. 

Gemeine Spinnmilbe

Wegen ihrer roten Farbe wird sie auch als Rote Spinnmilbe bezeichnet. Sie wandert auf ihren Beinchen zu den Hopfenfeldern und erklettert die Pflanzen von unten nach oben.

Bio-Pflanzenschutz

Bio-Hopfenbauern sind mit den gleichen Gefahren konfrontiert. Gegen den Falschen Mehltau kontrollieren auch sie die Befallswahrscheinlichkeit und wenden vorbeugend zugelassene Pflanzenstärkungsmittel und Kupferpräparate an. Pro Spritzung werden 200 bis 500 Gramm Reinkupfer pro Hektar ausgebracht. Die maximale Kupfermenge darf vier Kilo pro Jahr und Hektar nicht überschreiten, weil sich Kupfer im Boden anreichert und nicht abgebaut wird. Auf Kupfer setzen teilweise auch konventionelle Bauern. Im Bio-Hopfenbau sind keine Insektizide zugelassen, auch keine biologischen mit organischer Herkunft. Die Bauern fördern Nützlinge, die die Rote Spinne fressen. Gegen Blattläuse streichen sie bei anfälligen Bitterholzextrakt auf die Reben, der die Blattläuse vertreiben soll.

Hopfenernte
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Es ist sehr wichtig, den richtigen Erntezeitpunkt zu erwischen, damit das Aroma voll ausgeprägt und die Dolde noch nicht überreif ist. Die Ernte erfolgt maschinell. Die Ranken werden auf einer Höhe von einem halben Meter abgeschnitten und vom Hopfengerüst herabgerissen. Unter dieser Höhe bildet die Pflanze keine Dolden.

„Naturhopfen“?
Hopfen | © Land schafft Leben, 2019

Der Begriff „Naturhopfen“, den wir aus der Werbung kennen, ist umstritten. Es gibt unterschiedliche Formen, wie Hopfen an die Brauerei geliefert und dort verwendet werden kann. Jene Brauerei, die mit „Naturhopfen“ wirbt, verwendet Doldenhopfen. Das ist die ursprüngliche Form, Hopfen zu verarbeiten. Das bedeutet nicht, das es die „beste“ Methode ist. Die getrockneten Dolden werden von den Hopfenbauern in rechteckige Ballen gepresst und so an die Brauerei geliefert.

Vorbereiten für die Brauerei
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Es gibt Doldenhopfen, daraus gepresste Pellets und daraus gewonnener Hopfenextrakt. Die konzentrierteren 45er-Pellets und der Extrakt können in Österreich nicht hergestellt werden, da sich diese Anlagen nicht rechnen würden. Daher werden die Rechteckballen nach Bayern gebracht und dort verarbeitet.

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