Ökobilanz

Erwerbsapfelanbau erfolgt in Österreich, wie weltweit, in intensiv geführten Plantagen. Waren es früher hauptsächlich Streuobstanlagen, in denen die verschiedenen Obstarten produziert wurden, sind es heute hochtechnisierte Intensivkulturen in denen nichts mehr dem Zufall überlassen wird. Dies gilt für den biologischen Anbau genauso wie für den so genannten “integrierten”. Dennoch bestehen zwischen den beiden Anbauformen einige grundlegende Unterschiede, welche sich auf die jeweilige Ökobilanz niederschlagen.

“Integrierter Anbau” versus kontrolliert biologischer Anbau
apfel ökobilanz | © Land schafft Leben, 2016

Der so genannte “integrierte Anbau” bildet eine Art Bindeglied zwischen der industrialisierten konventionellen Landwirtschaft, die hauptsächlich auf Produktivität ausgerichtet ist, und der ökologischen/biologischen Landwirtschaft. Hier werden vorzugsweise Methoden verwendet, die möglichst geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben, ohne jedoch alle Beschränkungen aus der ökologisch betriebenen Landwirtschaft zu übernehmen.

Höchster Bio-Anteil europaweit
bio verpackung | © Land schafft Leben, 2016

Etwa 18 bis 19 Prozent der österreichischen Apfelplantagen werden laut Fritz Prem, Präsident des Europäischen Bio-Obstforums und selbst Bio-Apfelbauer “der ersten Stunde” biologisch kultiviert. Ein deutlicher Anstieg in den vergangenen Jahren sei vor allem auf die große Umstellungswelle bis Ende 2016 zurückzuführen. Damit ist Österreich Bio-Europameister. Bei einem Anteil von zwei Prozent an der gesamten konventionellen europäischen Apfelproduktion liegt der Anteil an der biologischen bei 13 bis 14 Prozent. Auch in Sachen Know-how habe sich die österreichische Bio-Produktion in der europäischen Spitze angesiedelt, so Prem weiter. Dies sei gerade für das ökonomische Überleben von Bio-Bauern und umstiegswilligen Konventionellen von allergrößter Wichtigkeit. 

CO2-Bilanz im engeren Sinn: Transportwege und Lagerung
apfel transport | © Land schafft Leben, 2016
Transportwege

Äpfel wachsen in Österreich und müssen nicht zwangsläufig über weite Strecken transportiert werden. Österreichische Äpfel werden im Herbst geerntet und können dann je nach Sorte monatelang gelagert werden. Vor allem von Mai bis August liegen Äpfel aus Übersee in den Regalen heimischer Supermärkte, weil diese dann frisch sind. Von der Vorjahresernte hängt ab, ob noch österreichische Äpfel in den Lagern sind. Sowohl diese als auch ausländische Äpfel haben dann relativ hohe CO2-Emissionen verursacht - die einen bei der langen Lagerung, die anderen beim Transport.

Pflanzenschutz im “integrierten” und biologischen Anbau
apfel pestizide | © Land schafft Leben, 2016

Kaum ein landwirtschaftliches Thema wird dermaßen kontroversiell gesehen und diskutiert wie der so genannte “Pflanzenschutz”. Dabei fokussiert die Diskussion schnell einseitig auf die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, so genannten “Pestiziden”. Diese stehen massiv in der Kritik sowohl von Seiten einer bestimmten Fraktion innerhalb der Experten und Praktiker als auch beim interessierten Laien. Dabei betonen Bauern und Experten egal welcher Richtung, dass Pflanzenschutz lange vor der Frage chemisch-synthetische oder “biologische” Mittel beginnt.

Die Biene und der Pflanzenschutz
© tookapic, Terry Artt

Die Honigbiene hat für den heutigen, modernen Obstbau eine nicht mehr wegzudenkende Bedeutung. Dies ist wissenschaftlich in zahlreichen Versuchen weltweit immer wieder bewiesen worden. Diese Erkenntnisse haben gezeigt, dass etwa 85 Prozent der gesamten Obstanlagen in Europa heute von der Honigbiene bestäubt werden. Durch die Kulturführungen im Intensivanbau hat sich auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln konzentriert. Zwar wird von den meisten Imkern eingeräumt, dass sich in den vergangenen Jahren die Pflanzenschutzmittel hinsichtlich der Bienentoxizität durch ihre selektive Wirkung stark verbessert haben, es hänge aber immer noch auch von der guten landwirtschaftlichen Praxis des Anwenders ab, ob und in welcher Form Schäden an Bienen auftreten oder nicht.