Stalleinrichtung

© Land schafft Leben, 2016

Ein Putenstall, den der Bauer im Haupt- oder Vollerwerb betreibt, ist eine längliche Halle mit mehreren Tausend Puten. Es gibt eine Ebene, am Boden liegen meist Hobelscharten als Einstreu. Die Puten können sich frei bewegen. Manche Bauern halten männliche und weibliche Tiere im selben Stall, trennen sie aber mit einer Wand oder einem Gitter. In den meisten Ställen wird die Einstreu während eines Mastdurchganges nicht entfernt, sondern immer wieder durch zusätzliche Einstreu ergänzt. 

BESCHÄFTIGUNG UND TIERWOHL

 

Sie haben mehr als ausreichend zu fressen und zu trinken, ihre Gesundheit wird regelmäßig überwacht, das Stallklima passt und die Einstreu ist trocken. Selbst wenn all diese Tierwohl-Parameter erfüllt sind, bleibt ein Thema übrig - ihre Bedürfnisse auszuleben.

 

In einem konventionellen Stall sind Tränken, Futtertröge, Einstreu und Artgenossen die einzigen Möglichkeiten der Beschäftigung. Materialien, die den Stall abwechslungsreicher machen würden, sind nicht vorgeschrieben. Putenbauer und GGÖ-Obmann Robert Wieser sagt: “Wir haben schon versucht, anderes Beschäftigungsmaterial anzubieten. Das haben die Puten aber kaum angenommen.” Die Puten spielen zum Beispiel miteinander, solange sie noch nicht ausgewachsen sind. Dabei laufen sie mitunter durch den ganzen Stall.In der Bio-Haltung ergeben sich im Auslauf durch abwechslungsreiches Gelände Möglichkeiten der Beschäftigung.

 

Andere Faktoren entscheidend

Putenbauern weisen darauf hin, dass für das Wohlergehen der Tiere vor allem deren Gesundheit wichtig ist. Wesentliche Faktoren dafür seien die Trockenheit der Einstreu, die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur im Stall.  

Bio-Haltung

bio puten | © Land schafft Leben, 2016

Bio-Puten müssen mindestens 10 Quadratmeter Auslauf pro Tier haben. Er darf nicht betoniert sein. In der Regel besteht der Auslauf aus Wiesen und Erdflächen. Die Küken wachsen wie in der konventionellen Haltung ohne ihre Mütter auf. Im ersten Drittel der Mastdauer brauchen sie durchgehend Schutz und Wärme des Stalles. Nach dieser Zeit ist die Befiederung stark genug ausgeprägt und die Küken werden ins Freie gelassen. Eine ausschließliche Freilandhaltung gibt es in Österreich nicht. Vor allem in der kalten Jahreszeit brauchen Puten einen Stall. 

Ankunft der Küken im Stall

Bereits von der Brüterei werden die Küken in männliche und weibliche Tiere getrennt. In Kisten und per LKW kommen sie zum Mastbetrieb. Vor ihrer Ankunft bereitet der Bauer den Stall vor. Mindestens eine Woche sollte der Stall zwischen zwei Mastdurchgängen leer stehen. Die Einstreu wird entfernt und die Stalleinrichtung gereinigt und desinfiziert. Bei der Ankunft der Küken soll die Temperatur über den ganzen Stall gleichmäßig 35 Grad betragen. Der Bauer organisiert kurzfristig Helfer, meist Bekannte und Verwandte, die die Kisten in den Stall tragen und später entleeren. Sie stellen alle Kisten auf den Boden. Dann kippen sie diese und die Küken purzeln auf die Einstreu am Stallboden. Die Küken bekommen eigene Futterbehälter, die für sie leichter erreichbar sind als die großen Futterbehälter. Bei ihrer Ankunft im Maststall sind die Küken maximal einen Tag alt. Erstmals in ihrem Leben fressen und trinken sie.

BESATZDICHTE

 

Die Besatzdichte ist die Anzahl an Tieren pro Quadratmeter. Dass diese gesetzlich limitiert ist, ist eine österreichische Besonderheit. Die Puten haben in Österreich mehr Platz als in ausländischen Ställen, der Bauer kann pro Mastdurchgang aber weniger Puten pro Quadratmeter verkaufen als die Konkurrenz im Ausland.

 

In Österreich ist die Besatzdichte mit 40 Kilo pro Quadratmeter im konventionellen Bereich geregelt. Bis auf die Schweiz und Schweden hat sonst kein Land in Europa eine ähnliche Regelung für die Putenmast. In Deutschland gibt es eine freiwillige Beschränkung, dass 52 Kilo weibliche oder 58 Kilo männliche Puten pro Quadratmeter stehen dürfen. In Europa sind laut GGÖ-Obmann Robert Wieser 60 bis 70 Kilo üblich. “Den Preisunterschied muss der Konsument bezahlen, sonst kann es (mit diesem Gesetz, Anm.) bei uns keine Produktion geben.”  In den meisten Ställen Europas stehen also eineinhalb bis doppelt so viele Puten wie in österreichischen Ställen. Importiert werden darf das Fleisch dennoch. Die Spielregeln in der Tierhaltung sind unterschiedlich, der freie Markt ist derselbe.

 

Auswirkung auf die Puten

Nutztierexperte Werner Zollitsch von der BOKU sieht hinsichtlich des Tierwohls klare Vorteile der in Österreich deutlich geringeren Besatzdichte: “Je mehr sich die Tiere bewegen, desto gesünder sind sie. Außerdem ist die Schadstoffbelastung im Stall mit weniger Tieren geringer.” Diesen Vorteil der österreichischen Besatzdichte bestätigt auch Bärbel Mägdefrau-Pollan, Fachtierärztin für Geflügel: “Unsere Puten haben ausreichend Platz und dementsprechend ist der Krankheitsdruck natürlich geringer als in ehemaligen Ostblockländern, wo der Stall voll ist und Pute an Pute steht.” GGÖ-Obmann und Putenmäster Robert Wieser sagt, “dass das Platzangebot, das die Puten jetzt zur Verfügung haben, schon sehr ausreichend ist. Wenn wir noch weniger Tiere einstallen, würde das Produkt so teuer werden, dass es niemand mehr kaufen würde”.

 

Beratung und Kontrolle der Einhaltung

Die Brüterei plant mit dem Mäster, wie viele männliche oder weibliche Küken er einstallen darf, um die Besatzdichte einhalten zu können, wenn sie ausgewachsen sind. Der Amtstierarzt kann die Besatzdichte während der Mast am Betrieb kontrollieren. Am Schlachthof werden die Puten abgewogen. Je nach Stallfläche des Bauern darf nur eine entsprechende Summe an Lebendgewicht vorhanden sein.