Fasten neu gedacht: Weil regional nicht egal ist

23.02.2021 / Kaufen & Mitbestimmen, Essen & Gesundheit

Unsere Redakteurin Luisa startet den Selbstversuch: 40 Tage lang ernährt sie sich ausschließlich von regionalen und saisonalen Produkten. Auf welche Herausforderungen sie dabei stößt, lest ihr in ihren wöchentlichen Updates. Zeig uns, wie auch du mitmachst und markiere #40Tagegönnen und #gönndirÖsterreich auf Instagram und Facebook! 

Wir stehen für sinnvoll fasten, statt sinnlos hungern - du auch?

Erste Erfahrungen - 23.2.

Mein erstes Update aus der Fastenzeit. Vorher groß reden geht immer einfach, werden sich jetzt vielleicht einige denken, aber nachher auch umsetzen? Knapp eine Woche bin ich jetzt schon am Fasten. Und ich muss sagen: Es fällt mir eigentlich leichter als gedacht. Ich habe mir eine Gemüsekiste bestellt! Ein tolles Konzept für Menschen wie mich, die in Wien leben und ihr Obst und Gemüse trotzdem von regionalen Bauern beziehen möchten. Bei den meisten Anbietern kann man ganz bequem eine saisonale, regionale Kiste auswählen und bekommt die dann nachhause geliefert.

Beim Einkaufen muss ich mir da vor dem Gemüseregal schon mehr Gedanken machen: Was wächst denn derzeit überhaupt in Österreich bzw. welches Gemüse wird wie lange gelagert? Gurken und Zucchini wohl eher nicht, Kohl und Karotten schon. Dabei hilft mir übrigens unser Saisonkalender ganz gut, der zeigt nämlich genau, wann welches Gemüse in Österreich Saison hat. Bei Obst und Gemüse muss im Einzelhandel übrigens (genauso wie etwa bei Eiern, Milch und verpacktem Frischfleisch) die Herkunft gekennzeichnet werden. Soweit so gut. 

Hergestellt in Österreich?

Schwieriger wird das Ganze, wenn Produkte einen Verarbeitungsschritt hinter sich haben; wenn Tomaten zu Ketchup oder Kartoffeln zu Chips werden. Mein Freund und ich haben jetzt schon einigen Lebensmitteln „nachgegoogelt“, weil es uns einfach überhaupt nicht klar war, woher die Rohstoffe kommen. Auf der Nudelpackung steht zwar 100% österreichischer Hartweizen, aber wo sind die Eier her? Auf der Senftube steht gar kein Herkunftsvermerk oben. Die Kekse sind zwar bio, beinhalten aber alle möglichen Nüsse, bei denen ich keinen Plan habe, wo sie her sind. Unter der kleinen grüne Flagge auf der Rückseite steht nur "Nicht-EU-Landwirtschaft." Alles was für mich unklar ist, bleibt im Regal. Ich merke dabei immer mehr, wie ich mich als Konsumentin oft gar nicht auskenne – was muss denn überhaupt angegeben werden? Wie erkenne ich, woher ein Produkt kommt? Was sagt mir „Hergestellt in Österreich“ eigentlich?

Jetzt wird’s kompliziert: Die Kennzeichnung „Hergestellt in Österreich“ bedeutet nicht automatisch, dass die im Lebensmittel enthaltenen Rohstoffe auch aus Österreich stammen. Sie zeigt, dass die Verarbeitung des Lebensmittels hier erfolgt ist. Seit April letzten Jahres gibt es dazu eine neue Regelung: Es muss nun immerhin zusätzlich über die Herkunft der Hauptzutat aufgeklärt werden, wenn diese nicht aus Österreich kommt. Beispielsweise muss man bei einem Erdbeerjoghurt, das als österreichisches Produkt ausgewiesen wird, jeweils die Herkunft der Milch und der Erdbeeren angeben, wenn die Milch und/oder die Erdbeeren nicht aus Österreich stammen. Paradoxerweise genügt es hier aber, als Herkunftsort „EU-/Nicht-EU“ anzugeben.

Es bleibt also alles zusammen ziemlich verwirrend. Bei sehr vielen Lebensmitteln bin ich immer davon ausgegangen, dass sie sowieso aus Österreich sind – und finde jetzt (überraschenderweise) entweder überhaupt keine Aufschrift oder sowas schwammiges wie „Abgefüllt in Österreich“ oder „Abgepackt in Österreich". Puh. Ich hoffe, dass ich mich nach dieser Fastenzeit im Kennzeichnungsdschungel besser auskenne…

 

Vor dem Start - 15.2.

Stell dir vor, du stehst im Supermarkt. Du befindest dich im Gemüse- und Obstabteil. Auf deinem Einkaufszettel steht: Äpfel, Bananen, Tomaten, Karotten. Die Äpfel findest du gleich, die Karotten liegen auch nicht weit weg. Nach den Bananen und den Tomaten suchst du vergeblich. Nachdem du dich noch einige Male umgeschaut hast, fällt es dir schlussendlich auf: In den Gemüse- und Obstfächern um dich herum liegen nur Lebensmittel, die im Jänner in Österreich verfügbar sind.

Keine Tomaten, keine Gurken, keine Paprika, keine Bananen, keine Erdbeeren, keine Orangen… Wie handelst du? Drehst du um und suchst dir einen anderen Supermarkt? Oder findest du saisonale und regionale Alternativen? Ich kann es selbst schwer beantworten, da ich noch nie in dieser Situation war.

Das wird aber nicht so bleiben: Ich möchte mich selbst damit konfrontieren. Schaffe ich es, eine ganze Fastenzeit lange, nur Lebensmittel aus Österreich zu konsumieren?
 

Ich beginne beim Frühstück. Apfel statt Banane, Käse statt Avocado, Karotte statt Tomate. Das Ei darf bleiben. Statt exotischem Smoothie ein naturtrüber Apfelsaft aus Fallobst. Klingt eigentlich doch auch nicht schlecht, oder? 

Ganz so leicht wird es aber vermutlich nicht. Beim Gedanken an 40 kaffeelose Tage stocke ich. Kann ich das schaffen? Will ich das schaffen? Kaffee zu ersetzen scheint mir als absolute Liebhaberin schwierig. Ich suche schon nach Ausreden, aber mein Freund redet mir ins Gewissen. „Wenn, dann musst du es schon gescheit machen“, sagt er. Dann macht er mit. Also gut, das will ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. 40 Tage lang bewusst einkaufen, bewusst auf die Herkunftsangaben von allen meinen Lebensmitteln und Getränken achten.

Es geht mir gar nicht darum, irgendwelche radikalen Werte zu verfolgen und nie wieder Kaffee zu trinken, sondern viel mehr um mein Bewusstsein für heimische, regionale Produkte zu schärfen. Ich möchte mir selbst wieder einmal in Erinnerung rufen, dass die bedingungslose Verfügbarkeit von Lebensmitteln schon viel zu selbstverständlich ist für uns. Dass wir bei unserer Kaufentscheidung nichts von den Konsequenzen für die Umwelt spüren. Dass eine Avocado für uns über den halben Kontinent geschifft wird, ohne dass es für uns Endkonsumenten irgendwelche direkten Folgen hat. Ich freue mich jedenfalls auf die Challenge – du auch?

Vorbereitungen: Lebensmittelcheck

Ich habe meine Küche ausgeräumt. Kein Frühjahrsputz, sondern ein Lebensmittelcheck: Woher kommen die ganzen Produkte, die sich in den Schränken verstecken? Das Ziel: Alles, was nicht aus Österreich kommt, ausfindig zu machen. Zugegebenermaßen gibt der Kühlschrank nicht viel Importiertes her, da ich die letzten zwei Wochen beim Einkaufen schon vermehrt auf die Herkunft meiner Produkte geachtet habe. Das Ganze wäre schließlich eher sinnlos, wenn ich dann wegen meiner (möglichst nachhaltigen) Fastenzeit Lebensmittel unnötigerweise wegwerfen muss.

Es sind also hauptsächlich haltbare Produkte, die sich auf meinem Küchentisch häufen: Nudeln, Reis, Tomatensoße, Kidneybohnen, Mais, Kokosmilch, Sojasauce, Tomatenmark, Schokolade, Kekse, Kakao, Semmelbrösel, Ketchup, Mayo, verschiedenste Gewürze und vieles mehr (auch davon werde ich natürlich nichts wegschmeißen, sondern nach der Fastenzeit aufbrauchen). Bei vielen der Produkte ist es gut möglich, dass regionale Rohstoffe dafür verwendet wurden, nur gibt es dabei einen großen Haken: Es ist nicht ersichtlich für mich.

Ganz genau darauf schauen und nachlesen heißt es also in nächster Zeit. Für manche mag mein Ansatz vielleicht extrem klingen, wenn ich sogar viele Gewürze für die nächsten 40 Tage aus meiner Küche verbanne, für mich macht es mein Experiment aber umso spannender, umso durchgängiger ich es verfolge. Ich freue mich schon auf die Suche nach regionalen Gewürzalternativen – von denen es übrigens gar nicht so wenige gibt, wie man denken würde!

Wenn du dich anschließt bei meiner etwas anderen Fastenzeit (eigentlich ein Muss wenn du schon so weit mitgelesen hast): Dann überleg doch für dich selbst, auf was du verzichten kannst und wobei du Ausnahmen machst. Eine Arbeitskollegin von mir konsumiert beispielsweise nur regionale und saisonale Produkte, aber verzichtet nicht auf Kaffee. Eine andere Kollegin würzt trotzdem weiterhin mit Curry, Pfeffer und Zimt, macht aber sonst keine Ausnahmen. Egal wie du dich entscheidest, es zählt auf jeden Fall, denn: Es zählt dein Bewusstsein. Dein Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität, dein Bewusstsein für deinen ökologischen Fußabdruck, dein Bewusstsein für Lebensmittel.

Das Land schafft Leben-Team unterstützt mich übrigens 40 Tage lang nicht nur mental, sondern auch medial: Neben den Blogbeiträgen auf unserer Website gibt es auch auf Facebook und Instagram regelmäßig Updates über das Experiment zu lesen. 

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