Fasten neu gedacht: Weil regional nicht egal ist

23.02.2021 / Kaufen & Mitbestimmen, Essen & Gesundheit

Unsere Redakteurin Luisa startet den Selbstversuch: 40 Tage lang ernährt sie sich ausschließlich von regionalen und saisonalen Produkten. Auf welche Herausforderungen sie dabei stößt, lest ihr in ihren wöchentlichen Updates. Zeig uns, wie auch du mitmachst und markiere #40Tagegönnen und #gönndirÖsterreich auf Instagram und Facebook. 

Hier geht's außerdem zu regionalen Rezeptideen! Wir stehen für sinnvoll fasten, statt sinnlos hungern - du auch?

Fasten fast vorbei! - 30.3.

Olivenöl, Schokolade, Kaffee, Feta, Pfeffer, Curry, Pizza… Der Endspurt naht! Ich kann nicht sagen, dass ich nichts vermisst habe im letzten Monat. Am Ostersonntag einen saftigen Schokokuchen mit viiiel Schokoglasur essen und dazu eine Tasse Kaffee genießen – darauf freue ich mich so richtig. Vor meiner Fastenzeit war mir gar nicht bewusst, wie sehr mir manches abgehen wird. Bald 40 Tage lang habe ich auf alle Le­bensmittel verzichtet, die nicht regional und saisonal in Öster­reich verfügbar sind. Dafür kann ich sagen, dass ich dabei kreativ geworden bin: Mit Kürbiskerngugelhupf, Karottenkuchen, Topfenknödeln und selbstgemachtem Kürbiskern-Knuspermüsli konnte mein süßer Gusto zum Glück gestillt werden. Warum ich so viel selbst gebacken habe? Stellt euch einmal vor das Süßwaren-Regal eines Supermarkts und seht euch um. Einfach ist es nicht, glaubt mir das… Salziges war hingegen leichter als erwartet: Gerade was Fleisch, Eier und Milchprodukte betrifft, tut man sich mit heimischen Lebensmitteln gar nicht schwer. Aber auch Brot, Mehl, Nudeln und sogar österreichischer Reis findet sich bei genauerem Hinschauen. Genaueres Hinschauen – das wird mir vermutlich auch in Zukunft bleiben, der Blick auf die Rückseite der Produkte passiert mittlerweile schon ganz automatisch.

Obwohl ich mich schon auf Schokohasen & Co. freue, möchte ich mein neu­gewonnenes Bewusstsein für hei­mische Lebensmittel nicht bei der Osterjause enden lassen. Ge­rade bei verarbeiteten Produkten wie Schinken, Aufschnitt, Käse, Aufstrichen und sogar Ostereiern wird nämlich in vielen Fällen die Herkunft der Zutaten nicht ge­kennzeichnet. Das liegt daran, dass ein Ei zu kochen und zu färben als Verarbeitungsschritt gilt. Somit entfällt für den Hersteller die Pflicht zur Kennzei­chnung. Im Gegensatz zu frischen Eiern müssen die Herkunft und Haltungsform der Hennen nicht auf der Packung oder dem Ei an­gegeben werden. Es könnten sich also Käfigeier in euren Osternestern verstecken… Käfighaltung ist in Österreich seit Anfang 2020 verboten - weltweit jedoch noch weit verbreitet. Mittlerweile sind aber auch im­mer mehr freiwillig gekennzeich­nete Ostereier im Handel verfüg­bar - wer suchet der findet!

Übrigens noch ein weiterer Tipp für die perfekte Osterjause: Selbstgebackenes Sauerteigbrot! Ich bin während meiner Fastenzeit zur stolzen Brotbäckerin geworden. Hat man einmal einen Sauerteigansatz, geht es dann schlussendlich auch gar nicht mehr lange, bis das Brot im Ofen ist. Dazu kann ich euch eine Anleitung und ein Rezept von uns empfehlen. 

Meine Fastenzeit ist nun fast vorbei, und ich bin mir sicher, dass ich mir einiges davon mitnehmen kann: Neues Wissen über Saisonalität und Re­gionalität, insbesondere über die vielen Gemüse-Schätze, die sich im Winter bei uns finden. Aus Kraut und Kohl lässt sich viel mehr zaubern, als man zuerst denkt, und Ofengemüse mit roten Rüben und Karotten schmeckt auch sehr lecker! Außerdem habe ich mehr Bewusstsein für Herkunftskennzeichnungen dazu gewonnen und traue mich zu behaupten, dass ich mich mittlerweile schon besser im Kennzeichnungs-Wirrwarr auskenne. So steht auch in Zukunft einer nachhaltigeren Kaufentschei­dung nichts im Weg. :) Frohe Ostern!

 

„Mindestens haltbar bis“ heißt nicht „ab in die Mülltonne“ - 23.3.

Vor Beginn meiner Fastenzeit haben mich einige meiner Freunde gefragt, was ich denn mit den ganzen Lebensmitteln mache, die ich noch daheim habe und jetzt 40 Tage lang nicht essen kann (man erinnere sich an das Ausräumen der Schränke.) Glücklicherweise hat sich das Problem bei näherem Hinschauen quasi von selbst gelöst, da das meiste davon sowieso lange haltbar ist. Und nicht nur das: Nudeln sind im Schnitt auch noch ein Jahr nachdem sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben genießbar, dasselbe gilt für Mehl, Zucker, Pfeffer, Konserven, Reis und vieles mehr. Die Wiener Tafel begleitet zu dem Thema übrigens gerade eine spannende Ausstellung im Naturhistorischen Museum – kann ich nur empfehlen!

 

Was auch sehr gerne unterschätzt wird, ist, wie lange sich eigentlich Milchprodukte halten. Joghurt oder Sauerrahm sind mindestens 5 Tage nach dem MHD noch ohne Probleme genießbar. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu nur sagen: Meistens noch länger, sofern die Packung geschlossen ist. Bei Frischkäse sind es bei richtiger Lagerung 10 zusätzliche Tage, bei Hartkäse sogar bis zu 21 Tage.

Es gilt: Anschauen, daran riechen, einen Löffel probieren! Und nicht ungeöffnet wegschmeißen. Schließlich möchte ich mich in meiner Fastenzeit möglichst nachhaltig ernähren – und da gehört für mich ein achtsamer Umgang mit Lebensmitteln genauso dazu wie mehr Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität.

Essen bestellen & Take Away: Woher kommen die Zutaten? - 15.3.

„Woher das Fleisch kommt?“ Kurze Stille und ein sehr zögerliches „Ich glaube aus Österreich?“ folgen. Der freundliche Mitarbeiter am Telefon scheint selbst nicht überzeugt zu sein und wirkt sichtlich verwundert über meine Frage. Der Restaurant-Chef sei gerade nicht da, sagt er, dieser kaufe das Fleisch am Markt, aber „woher die das dann haben, weiß ich jetzt auch nicht…“ Beim nächsten Restaurant bekomme ich sofort eine Antwort, da heißt es, sie beziehen 99 Prozent ihrer Produkte aus Deutschland, da die Mutterfirma deutsch ist. Das ging schnell. Bei Restaurant Nummer drei wirkt man ebenfalls sehr verwundert über meine Frage. Offensichtlich gibt es nicht so viele Menschen, die anrufen und nachfragen, woher die Zutaten kommen. Aber was soll ich denn sonst tun, wenn weder auf der eigenen Website noch auf der Seite des Lieferdiensts irgendein Herkunftsverweis steht? Der Chef wird ans Telefon geholt und erklärt mir, dass sie ihr Fleisch von kleinen lokalen Fleischhauern aus Österreich beziehen, weil sie selbst ein kleiner Betrieb sind und auf Regionalität Wert legen. Richtig toll, sowas freut mich doch zu hören als Konsumentin! Aber warum kennzeichnet man das dann nicht in der Speisekarte? Das sollte man sich doch an die Fahnen heften!

 

Ich koche momentan sehr viel selbst, weil das am einfachsten ist. So kann ich genau beeinflussen, welche Zutaten in meiner Pfanne landen, von regionalem Öl und Gewürzen über Fleisch und Milchprodukten bis hin zu Nudeln, Reis und saisonalem Obst und Gemüse. Ja, es gibt sogar österreichischen Reis! Zusätzlich sind die Möglichkeiten, außer Haus zu essen, derzeit natürlich leider sehr beschränkt. Beim schnellen Snack unterwegs fällt es mir trotzdem auf, wie selten Produkte eigentlich gekennzeichnet sind. Weder beim Brötchen vom Bäcker, noch bei der Suppe zum Mitnehmen oder bei der bestellten Pizza ist die Herkunft der Zutaten für mich ersichtlich. In der Gastronomie kann die Her­kunft der Lebensmittel freiwillig angegeben werden, eine ver­pflichtende Regelung gibt es aber diesbezüglich in Österreich nicht. Blickt man hier jedoch etwas über die Grenze, sieht es anders aus: In der Schweiz müssen neben der Herkunft auch die Haltungs­bedingungen in der Speisekarte angegeben werden, sofern diese von den Standards in der Schweiz abweichen. Eier aus Käfighaltung müssen also zum Beispiel gekenn­zeichnet werden. Das wünsche ich mir für Österreich auch irgendwann.

Von Erdbeeren im Winter und Essen aus der Schulkantine - 9.3.

„Mama, so einfach ist es gar nicht!“ Zwei Arbeitskolleginnen von mir machen bei meinem neu gedachten Fasten mit – gemeinsam mit ihren Familien. Und das ist halt wirklich nicht so einfach, für alle Beteiligten! Für ihren geliebten Kakao verwenden die Kinder gerne ihren „Fasten-Joker“, wird mir erzählt, bekocht werden sie von ihren Müttern und Vätern möglichst regional und saisonal. Daheim bäckt die Mama Apfelkuchen und der Papa kocht Rindsrouladen; hier haben die Eltern natürlich Einfluss auf die Ernährung ihrer Kinder und gestalten die täglichen Menüs mit ihnen gemeinsam.

Maria und ihr Sohn beim Lebensmittel-Check - was darf während der Fastenzeit bleiben?

 

Regional daheim, und dann?

Außer Haus sieht‘s dann schon ganz anders aus: Der Sohn meiner Kollegin hat bei einem Schulfreund übernachtet, wo es dann tatsächlich Erdbeeren zum Frühstück gab. Mich hat das anfänglich irritiert, weil Erdbeeren im Winter für mich auch außerhalb der Fastenzeit nicht in Frage kommen. Aber natürlich ist es gerade im Winter gar nicht so einfach, etwas Gesundes und Regionales zum Naschen zu finden, wenn man sich nicht ausführlich damit befasst. Apfelmus ist schließlich auch nicht jedermanns/fraus Sache. Auch für Eltern, die ihre Kinder gesund ernähren wollen und ihnen Freude am Essen vermitteln wollen (Kinder lieben Erdbeeren natürlich) ist das Saisonalitäts- und Regionalitätsbewusstsein manchmal ein ganz neuer Ansatz. Meine Empfehlungen: Selbstgemachtes Kürbiskern-Knuspermüsli, Hafercookies und getrocknete Apfelchips bieten sich super an für den süßen Gaumen zwischendurch.

Ich glaube, es wird gerne unterschätzt, welche große Bedeutung es hat, wer für die Ernährung der Kinder zuständig ist. Und damit meine ich nicht nur daheim, sondern auch in öffentlichen Einrichtungen, wo die Kinder meiner Kolleginnen unter der Woche regelmäßig verpflegt werden. Wo die Schulkantine beginnt, endet der Einflussbereich der Eltern. Für meine Kolleginnen ist das ein großer Punkt: „Wer achtet darauf, dass meine Kinder ganz abgesehen von regional oder saisonal auch bedarfsgerecht ernährt werden?“ Dafür gibt es in Österreich noch keine gesetzlichen Rahmenbedingungen.  Das heißt: Niemand stellt sicher, dass in der Kinderbetreuung oder der Schule frische, vollwertige und ausgewogene, aber vor allem den gesundheitlichen Bedürfnissen der Kinder entsprechende Mahlzeiten auf den Tellern landen. Da haben wir in Zukunft wohl noch einiges zu bewegen!

Heimisches Vitamin C & regionale Rezeptidee - 2.3.

Apfel-Orange-Karotte: Ein frisch gepresster Energiekick wie er im Bilderbuche steht. Zu Beginn der Fastenzeit habe ich mich davon verabschiedet, im Wissen, nun 40 Tage darauf zu verzichten. Vergangenen Sonntag hatten mein Freund und ich schließlich die Erkenntnis, dass Apfel-Karotten-Saft nicht nur den Vorteil hat, dass er genauso lecker schmeckt, sondern auch regional ist. Auch wenn ich Orangen sehr gerne mag, stößt es mir doch ein bisschen sauer auf, wenn diese aus Südafrika eingeflogen werden. Also muss ich sie ja auch nach meiner Fastenzeit nicht in jeden Saft werfen, bei dem ich sowieso keinen großen Unterschied schmecke, sondern kaufe mir lieber seltener und dafür bewusster eine Orange – für den Genuss.

Besonders im Winter greifen viele von uns gerne zu Zitrusfrüchten und exotischem Obst, um ihren Vitamin C-Bedarf zu decken – und nehmen dabei lange Transportwege in Kauf. Dabei ist das gar nicht notwendig. Ein Vergleich: Eine weitgereiste Orange hat 50mg Vitamin C pro 100g, während heimische Gemüsesorten wie Rotkraut denselben Vitamin C-Gehalt aufweisen und den ganzen Winter über in Österreich erhältlich sind. Ich habe mir das mal auf Google Maps (in Autokilometer) angeschaut: Ein niederösterreichisches Rotkraut reist zwischen 50 und 200 Kilometer zu mir nach Wien, während eine handelsübliche Orange aus dem spanischen Valencia über 2.000 Kilometer unterwegs ist, eine aus Südafrika sogar unglaubliche 13.000 Kilometer.

Auch mit Kohlsprossen, Kohl, Erdäpfeln, Vogerlsalat und Äpfeln kann unser Vitamin C-Bedarf gestillt werden. Richtig gehört: Erdäpfel! Diese sind vor allem aufgrund der konsumierten Menge von Bedeutung für uns. Den Tagesbedarf an Vitamin C (bei Männern liegt der übrigens bei 110mg pro Tag, bei Frauen bei 95mg) kann so zum Beispiel mit 200 g Erdäpfel + 200 g Rotkraut + 1 mittelgroßer Apfel (150 g) gedeckt werden! Auch Kohlfans können sich glücklich schätzen: 200 g Kohlgemüse + 100 g Vogerlsalat deckt euren Tagesbedarf.

Klar, ich weiß, ich vergleiche Äpfel mit Birnen. Ich werde mir in meinen Saft logischerweise kein Kohl oder Rotkraut reinpressen. Aber ich finde es schön, dass ich mich durch meine Fastenzeit jetzt besser mit heimischen Vitamin-C-Lieferanten auskenne.

Und noch eine regionale Rezeptidee

Das Fasten läuft übrigens ansonsten nach wie vor ganz gut. Kopfschmerzen hatte ich vom Kaffee-Entzug zum Glück nur die ersten drei Tage. Schokolade geht mir zwar schon etwas ab, aber wir wussten uns dann eh zu helfen: Wir haben Kürbiskerne für uns entdeckt! Mein Freund hat einen vorzüglichen Kürbiskerngugelhupf gebacken. Hier findet ihr das Rezept, unbedingt reinschauen und nachbacken, kann ich nur empfehlen. Viel Spaß beim Nachzaubern!

Erste Erfahrungen - 23.2.

Mein erstes Update aus der Fastenzeit. Vorher groß reden geht immer einfach, werden sich jetzt vielleicht einige denken, aber nachher auch umsetzen? Knapp eine Woche bin ich jetzt schon am Fasten. Und ich muss sagen: Es fällt mir eigentlich leichter als gedacht. Ich habe mir eine Gemüsekiste bestellt! Ein tolles Konzept für Menschen wie mich, die in Wien leben und ihr Obst und Gemüse trotzdem von regionalen Bauern beziehen möchten. Bei den meisten Anbietern kann man ganz bequem eine saisonale, regionale Kiste auswählen und bekommt die dann nachhause geliefert.

Beim Einkaufen muss ich mir da vor dem Gemüseregal schon mehr Gedanken machen: Was wächst denn derzeit überhaupt in Österreich bzw. welches Gemüse wird wie lange gelagert? Gurken und Zucchini wohl eher nicht, Kohl und Karotten schon. Dabei hilft mir übrigens unser Saisonkalender ganz gut, der zeigt nämlich genau, wann welches Gemüse in Österreich Saison hat. Bei Obst und Gemüse muss im Einzelhandel übrigens (genauso wie etwa bei Eiern, Milch und verpacktem Frischfleisch) die Herkunft gekennzeichnet werden. Soweit so gut. 

 

 

Hergestellt in Österreich?

Schwieriger wird das Ganze, wenn Produkte einen Verarbeitungsschritt hinter sich haben; wenn Tomaten zu Ketchup oder Kartoffeln zu Chips werden. Mein Freund und ich haben jetzt schon einigen Lebensmitteln „nachgegoogelt“, weil es uns einfach überhaupt nicht klar war, woher die Rohstoffe kommen. Auf der Nudelpackung steht zwar 100% österreichischer Hartweizen, aber wo sind die Eier her? Auf der Senftube steht gar kein Herkunftsvermerk oben. Die Kekse sind zwar bio, beinhalten aber alle möglichen Nüsse, bei denen ich keinen Plan habe, wo sie her sind. Unter der kleinen grüne Flagge auf der Rückseite steht nur "Nicht-EU-Landwirtschaft." Alles was für mich unklar ist, bleibt im Regal. Ich merke dabei immer mehr, wie ich mich als Konsumentin oft gar nicht auskenne – was muss denn überhaupt angegeben werden? Wie erkenne ich, woher ein Produkt kommt? Was sagt mir „Hergestellt in Österreich“ eigentlich?

Jetzt wird’s kompliziert: Die Kennzeichnung „Hergestellt in Österreich“ bedeutet nicht automatisch, dass die im Lebensmittel enthaltenen Rohstoffe auch aus Österreich stammen. Sie zeigt, dass die Verarbeitung des Lebensmittels hier erfolgt ist. Seit April letzten Jahres gibt es dazu eine neue Regelung: Es muss nun immerhin zusätzlich über die Herkunft der Hauptzutat aufgeklärt werden, wenn diese nicht aus Österreich kommt. Beispielsweise muss man bei einem Erdbeerjoghurt, das als österreichisches Produkt ausgewiesen wird, jeweils die Herkunft der Milch und der Erdbeeren angeben, wenn die Milch und/oder die Erdbeeren nicht aus Österreich stammen. Paradoxerweise genügt es hier aber, als Herkunftsort „EU-/Nicht-EU“ anzugeben.

Es bleibt also alles zusammen ziemlich verwirrend. Bei sehr vielen Lebensmitteln bin ich immer davon ausgegangen, dass sie sowieso aus Österreich sind – und finde jetzt (überraschenderweise) entweder überhaupt keine Aufschrift oder sowas schwammiges wie „Abgefüllt in Österreich“ oder „Abgepackt in Österreich". Puh. Ich hoffe, dass ich mich nach dieser Fastenzeit im Kennzeichnungsdschungel besser auskenne…

 

Vor dem Start - 15.2.

Stell dir vor, du stehst im Supermarkt. Du befindest dich im Gemüse- und Obstabteil. Auf deinem Einkaufszettel steht: Äpfel, Bananen, Tomaten, Karotten. Die Äpfel findest du gleich, die Karotten liegen auch nicht weit weg. Nach den Bananen und den Tomaten suchst du vergeblich. Nachdem du dich noch einige Male umgeschaut hast, fällt es dir schlussendlich auf: In den Gemüse- und Obstfächern um dich herum liegen nur Lebensmittel, die im Jänner in Österreich verfügbar sind.

Keine Tomaten, keine Gurken, keine Paprika, keine Bananen, keine Erdbeeren, keine Orangen… Wie handelst du? Drehst du um und suchst dir einen anderen Supermarkt? Oder findest du saisonale und regionale Alternativen? Ich kann es selbst schwer beantworten, da ich noch nie in dieser Situation war.

Das wird aber nicht so bleiben: Ich möchte mich selbst damit konfrontieren. Schaffe ich es, eine ganze Fastenzeit lange, nur Lebensmittel aus Österreich zu konsumieren?
 

Ich beginne beim Frühstück. Apfel statt Banane, Käse statt Avocado, Karotte statt Tomate. Das Ei darf bleiben. Statt exotischem Smoothie ein naturtrüber Apfelsaft aus Fallobst. Klingt eigentlich doch auch nicht schlecht, oder? 

Ganz so leicht wird es aber vermutlich nicht. Beim Gedanken an 40 kaffeelose Tage stocke ich. Kann ich das schaffen? Will ich das schaffen? Kaffee zu ersetzen scheint mir als absolute Liebhaberin schwierig. Ich suche schon nach Ausreden, aber mein Freund redet mir ins Gewissen. „Wenn, dann musst du es schon gescheit machen“, sagt er. Dann macht er mit. Also gut, das will ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. 40 Tage lang bewusst einkaufen, bewusst auf die Herkunftsangaben von allen meinen Lebensmitteln und Getränken achten.

Es geht mir gar nicht darum, irgendwelche radikalen Werte zu verfolgen und nie wieder Kaffee zu trinken, sondern viel mehr um mein Bewusstsein für heimische, regionale Produkte zu schärfen. Ich möchte mir selbst wieder einmal in Erinnerung rufen, dass die bedingungslose Verfügbarkeit von Lebensmitteln schon viel zu selbstverständlich ist für uns. Dass wir bei unserer Kaufentscheidung nichts von den Konsequenzen für die Umwelt spüren. Dass eine Avocado für uns über den halben Kontinent geschifft wird, ohne dass es für uns Endkonsumenten irgendwelche direkten Folgen hat. Ich freue mich jedenfalls auf die Challenge – du auch?

Vorbereitungen: Lebensmittelcheck

Ich habe meine Küche ausgeräumt. Kein Frühjahrsputz, sondern ein Lebensmittelcheck: Woher kommen die ganzen Produkte, die sich in den Schränken verstecken? Das Ziel: Alles, was nicht aus Österreich kommt, ausfindig zu machen. Zugegebenermaßen gibt der Kühlschrank nicht viel Importiertes her, da ich die letzten zwei Wochen beim Einkaufen schon vermehrt auf die Herkunft meiner Produkte geachtet habe. Das Ganze wäre schließlich eher sinnlos, wenn ich dann wegen meiner (möglichst nachhaltigen) Fastenzeit Lebensmittel unnötigerweise wegwerfen muss.

Es sind also hauptsächlich haltbare Produkte, die sich auf meinem Küchentisch häufen: Nudeln, Reis, Tomatensoße, Kidneybohnen, Mais, Kokosmilch, Sojasauce, Tomatenmark, Schokolade, Kekse, Kakao, Semmelbrösel, Ketchup, Mayo, verschiedenste Gewürze und vieles mehr (auch davon werde ich natürlich nichts wegschmeißen, sondern nach der Fastenzeit aufbrauchen). Bei vielen der Produkte ist es gut möglich, dass regionale Rohstoffe dafür verwendet wurden, nur gibt es dabei einen großen Haken: Es ist nicht ersichtlich für mich.

Ganz genau darauf schauen und nachlesen heißt es also in nächster Zeit. Für manche mag mein Ansatz vielleicht extrem klingen, wenn ich sogar viele Gewürze für die nächsten 40 Tage aus meiner Küche verbanne, für mich macht es mein Experiment aber umso spannender, umso durchgängiger ich es verfolge. Ich freue mich schon auf die Suche nach regionalen Gewürzalternativen – von denen es übrigens gar nicht so wenige gibt, wie man denken würde!

Wenn du dich anschließt bei meiner etwas anderen Fastenzeit (eigentlich ein Muss wenn du schon so weit mitgelesen hast): Dann überleg doch für dich selbst, auf was du verzichten kannst und wobei du Ausnahmen machst. Eine Arbeitskollegin von mir konsumiert beispielsweise nur regionale und saisonale Produkte, aber verzichtet nicht auf Kaffee. Eine andere Kollegin würzt trotzdem weiterhin mit Curry, Pfeffer und Zimt, macht aber sonst keine Ausnahmen. Egal wie du dich entscheidest, es zählt auf jeden Fall, denn: Es zählt dein Bewusstsein. Dein Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität, dein Bewusstsein für deinen ökologischen Fußabdruck, dein Bewusstsein für Lebensmittel.

Das Land schafft Leben-Team unterstützt mich übrigens 40 Tage lang nicht nur mental, sondern auch medial: Neben den Blogbeiträgen auf unserer Website gibt es auch auf Facebook und Instagram regelmäßig Updates über das Experiment zu lesen. 

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