Energie essen: Dominic Thiem im Interview

23.01.2026 / Ernährung & Gesundheit

Im Gespräch mit Maria Fanninger spricht Dominic Thiem offen über seine Tenniskarriere – vom Essen in intensiven Turnierphasen über die Anforderungen im Spitzensport und den großen Energiebedarf bis hin zu seinen aktuellen Projekten abseits des Courts. Außerdem erklärt er, warum Ernährung nach dem Ende seiner Tenniskarriere fast noch wichtiger ist als davor.


Maria Fanninger: Wenn du heute auf das US-Open-Finale 2020 zurückblickst – was hat dir in diesem Match geholfen, mental dranzubleiben?


Dominic Thiem: Das ganze Finale war so groß, dass es dabei relativ einfach war, ans Gewinnen zu glauben. Das ist eine Chance, die man nicht oft bekommt. In so einem Moment denkt man nicht ans Aufgeben oder daran, irgendwie nachzulassen. Ein kleiner Teil ist vielleicht angeboren, aber der Großteil ist harte Arbeit, jahrelanges Training und Erfahrungsammeln.


Maria Fanninger: Wann hast du erkannt, wie entscheidend Ernährung für deine sportliche Weiterentwicklung ist?


Dominic Thiem: Das war ein ziemlich konkreter Moment. Ich bin mit 20 Jahren in die Top 100 gekommen und habe bis dahin eigentlich gegessen, was ich wollte. In dem Jahr, in dem ich meinen Durchbruch im Ranking hatte, wog ich ein paar Kilo zu viel. Mein perfektes Kampfgewicht war etwa 79 oder 80 Kilogramm. Ich habe also begonnen, Zucker und Frittiertes wegzulassen. In Kombination mit dem Training sind die Kilos schnell gepurzelt. Ab da habe ich mich intensiv mit Ernährung beschäftigt.


Maria Fanninger: Würdest du rückblickend etwas anders machen?


Dominic Thiem: Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn ich mich ein bisschen früher mit der Ernährung auseinandergesetzt hätte, aber ich war einfach nicht bereit dazu. Mein Ziel war, unter die besten 100 zu kommen. Was ich esse, war da hintangestellt. Nach dem Durchbruch war meine Ernährung dann ein offensichtlicher Hebel, den ich noch nicht optimiert hatte. 


Maria Fanninger: Wie sah deine Ernährung in intensiven Turnierphasen aus?


Dominic Thiem: Das Wichtigste in den Turnierphasen war, genug Kalorien reinzubekommen. Ich habe unglaublich viel verbrannt – durch Training, Matches und Reisen. Ich liebe Bohnen, Linsen und Gemüse wie Spinat oder Kohlsprossen. In der Wettkampfphase waren solche Lebensmittel aber schwierig, weil sie die Verdauung zu stark belasten. Deshalb habe ich mich an einfachere Gerichte gehalten: Pasta mit Tomatensauce, Weißbrot mit Olivenöl – Dinge, die mir schmecken und die leicht runtergehen. Es war wichtig, die Verdauung und den Stoffwechsel möglichst wenig zu belasten.

Maria Fanninger: Welche Herausforderungen gab es bei Turnieren in der Verpflegung?


Dominic Thiem: Selbst bei Grand-Slam-Turnieren war die richtige Ernährung teils schwierig. Wenn man spät am Abend gespielt hat, war die Küche schon geschlossen, wenn das Match vorbei war. Man konnte vorher auswählen, was man essen will. Da gab es Optionen wie Proteinshakes, Pasta oder Sushi, die im Kühlschrank bereitgestellt wurden und die ich dann nach dem Match gegessen habe. Also in Wahrheit eine Katastrophe. Rückblickend wäre ein eigener Koch ein großer Vorteil gewesen. Einige Top-Spieler machen das und man kann damit ein paar Prozent rausholen, die auf dem Level einen Unterschied machen.


Maria Fanninger: Eiweiß ist im Sport, vor allem in Zeiten des Proteinhypes, oft ein großes Thema. Wie bist du damit umgegangen?


Dominic Thiem: Ich habe das locker gesehen. In der ersten halben Stunde nach dem Training oder nach langen Matches einen Regenerationsshake, das war wichtig. Aber Tennis ist kein Sport, wo viel Muskelmasse entscheidend ist. Ich habe im Corona-Lockdown gezielt ein bisschen Muskelaufbau gemacht und mehr Protein zu mir genommen. Das war fürs Tennis einfach zu viel: Es hat meine Beweglichkeit eingeschränkt und ich musste den Muskelanteil wieder runtertrainieren. Kohlenhydrate waren für mich als Energiequelle viel wichtiger.


Maria Fanninger: Spannend, das Thema Ernährung während der ganzen Karriere zu beobachten – auch, dass es danach noch Relevanz hat. 


Dominic Thiem: Ich finde, dass es nach der Karriere fast noch wichtiger ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich wirklich gut zu ernähren. Währenddessen verbrennt man sehr viel, deshalb verzeiht der Körper sehr viel, auch wenn man Unsinn isst. Das geht nach der Karriere nicht mehr. Ein großer Faktor ist, dass man danach älter ist, um die 30 oder 35. Da funktioniert der Körper auch anders als mit 20 Jahren. Nach dem Karriereende ist es sehr wichtig, sich gesund zu ernähren und den Körper so wenig wie möglich mit qualitativ schlechtem Essen zu belasten.
 

Das ganze Gespräch kannst du in Podcastfolge #257 nachhören.

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