Verhalten auf der Alm: 10 Regeln für deinen Wanderurlaub
26.06.2026 / Lebensraum & Nachhaltigkeit
Die Sommerferien sind zum Greifen nahe! Auf der Suche nach Abkühlung und Erholung zieht es viele Leute zum Wandern in die Berge. Gepflegte Wege, idyllische Wiesen und beeindruckendes Panorama: Almen sind beliebte Ausflugsziele in Österreich. Worauf du – abgesehen von der passenden Ausrüstung – bei deiner nächsten Almwanderung achten solltest, haben wir hier für dich zusammengefasst.
Veröffentlicht am 11.07.2025
Aktualisiert am 26.06.2026
Richtiges Verhalten auf Almen und Weiden
Österreichs schöne Almlandschaft ist ein wahres Paradies für Wanderinnen und Wanderer und lädt ein zum Seele-baumeln-lassen. Trotzdem gibt es ein paar wichtige Verhaltensregeln zu beachten.
Das solltest du beim Umgang mit Weidevieh beachten
Nicht nur wir verbringen unseren Sommer gerne im alpinen Raum, sondern auch viele Nutztiere. 2024 waren es annähernd 470.000. Der Großteil davon sind Rinder. Aber Achtung: So friedlich die Tiere auf der Alm auch meistens sind – bei falschem Verhalten kann es zu unangenehmen oder sogar gefährlichen Vorfällen kommen. Mit folgenden Regeln bist du aber in der Regel auf der sicheren Seite:
- Die oberste Regel ist: Keine eingezäunten Weideflächen betreten, wenn sie nicht als Teil eines Wanderweges markiert sind.
- Führt dein Weg doch über eine Weide, solltest du Rinderherden mit möglichst großem Abstand umgehen. Gehe nicht auf die Tiere zu – schon gar nicht, um sie zu streicheln, aus der Nähe zu fotografieren oder zu füttern.
- Besondere Vorsicht ist zum einen bei liegenden Rindern geboten. In der Regel liegen sie, weil sie gerade wiederkäuen. Dabei wollen sie nicht gestört werden. Zum anderen solltest du vor allem um eine Kuhherde mit Kälbern einen großen Bogen machen. Mutterkühe beschützen ihre Kälber und könnten sich bedroht fühlen.
- Verlasse die Weidefläche möglichst schnell wieder und achte darauf, Tore und Gatter wieder richtig zu schließen.
Unfälle mit Rindern verhindern
Am sichersten ist es also, den Kontakt zum Weidevieh zu vermeiden. Es kann aber durchaus vorkommen, dass dir ein Rind doch zu nahe kommt. Dann gilt: Ruhe bewahren und nicht hektisch werden. Bewege dich langsam rückwärts von dem Rind weg. Instinktiv würdest du dich wahrscheinlich lieber umdrehen und davonlaufen – das solltest du allerdings nicht tun. Unter Umständen sieht das Tier das nämlich als Einladung zum Spiel und zum Mitlaufen. Das könnte genau das Gegenteil von dem bewirken, was du erreichen möchtest: dass sich das Tier von dir entfernt. Manchmal lassen sich aggressive Rinder auch durch lautes Zurufen stoppen.
Hund beim Wandern? Aufgepasst!
Nicht auf allen Wanderwegen sind Hunde erlaubt – erkundige dich, bevor du die Wanderung antrittst. Auskunft bekommst du zum Beispiel beim örtlichen Tourismusverband. Nimmst du einen Hund mit, gibt es noch ein paar zusätzliche Verhaltensregeln zu beachten:
- Grundsätzlich solltest du Hunde an der kurzen Leine führen und darauf achten, genügend Abstand zu den Weidetieren zu halten. Vor allem solltest du eine Begegnung zwischen Mutterkühen und Hunden vermeiden.
- Sorgt dein vierbeiniger Wandergefährte aber trotzdem dafür, dass ein Rind aggressiv wird und infolgedessen ein Angriff absehbar ist, solltest du ihn sofort ableinen und wegschicken. Das senkt die Gefahr, dass das Rind auf dich zuläuft. Der Hund ist in der Regel schnell genug, um davonzulaufen.
Almen und Weiden sind keine Müllhalde
Zu einer ausgiebigen Wanderung gehören auch genügend Pausen und die richtige Verpflegung. Deinen Müll nimm aber bitte wieder mit ins Tal oder entsorge ihn in den dafür vorgesehenen Mistkübeln. Wasserflaschen, Jausensackerl, Müsliriegel-Verpackungen und Co. auf den Wegen und den Wiesen sehen nicht nur unschön aus, sondern können auch weitreichendere Folgen haben: Plastikflaschen beispielsweise brauchen 100 bis 5.000 Jahre, um zu verrotten. In dieser Zeit werden sie etwa durch landwirtschaftliche Geräte zerkleinert und von den Rindern beim Grasen auf der Alm aufgenommen. Das kann unter Umständen zu Verletzungen führen.
Das achtlose Hinterlassen von Abfällen in der Natur oder im öffentlichen Raum nennt man auch „Littering“. Mehr zu diesem Thema erfährst du in diesem Blogartikel.
Wissen im Gepäck für den nächsten Almurlaub
Jetzt bist du bestens ausgestattet für die Almsaison. Grundsätzlich gilt: Sei ruhig und mit Respekt in den Bergen unterwegs. Das sorgt für ein gutes Miteinander zwischen Besucherinnen und Besuchern, Bergbäuerinnen und Bergbauern, Tieren und Pflanzen. Indem wir alle einen kleinen Beitrag leisten, können unsere schönen Almflächen auch in Zukunft weiter als beliebte Ausflugsziele bestehen und Produktionsort für hochwertige Lebensmittel bleiben.
Warum sind Almen so wichtig für Österreich?
Wusstest du, dass die Fläche von Österreichs Almwiesen und -weiden in Summe fast achtmal der Fläche Wiens entspricht? Die wertvollen Futterflächen bedecken knapp vier Prozent unseres Staatsgebiets. Rechnet man die Almwälder und Geröllflächen dazu, sind es elf Prozent – eine Fläche, fast so groß wie Kärnten. Aber Almen sind viel mehr als Futterflächen und Ausflugsziele.
Was ist eine Alm?
Eine Alm ist vereinfacht gesagt eine Weide auf einem Berg. Auch wenn viele Menschen Österreichs Almgebiete als schönes „Naturerlebnis“ bezeichnen, sind diese alles andere als naturgegeben. Almen sind Kulturlandschaften, also – wie der Name schon verrät – kultivierte Landschaften. Sie wurden von Menschen schon vor Jahrhunderten oder länger durch die Rodung von Wäldern angelegt. Die Landwirtschaft hat sie geformt und pflegt sie bis heute. 2024 wurden in Österreich knapp 8.000 Almen bewirtschaftet. Würden Bäuerinnen und Bauern Almwiesen nicht mehr mähen oder kein Vieh mehr auf die Weiden treiben, dann würden die meisten Almen wieder zu dem werden, was sie einst waren: Wälder. Die offene, abwechslungsreiche Landschaft würde verschwinden. Darunter würde nicht zuletzt der österreichische Tourismus leiden.
Welche Funktionen erfüllt eine Alm?
Die schönen Kulturlandschaften sind der Hauptgrund, warum jährlich Millionen von Menschen ihren Urlaub in Österreich verbringen. Besonders beliebt ist dabei der ländliche Raum. Almen sind beliebte Erholungsziele – nicht nur bei Touristinnen und Touristen, sondern auch bei Einheimischen. Die Almwirtschaft ist außerdem ein Bestandteil der österreichischen Kultur: In vielen Regionen ist etwa der Almauftrieb im Frühling und vor allem der Almabtrieb im Herbst ein wahres Spektakel.
Bewirtschaftete Almen sehen aber nicht nur schön aus, sondern erfüllen auch wichtige Funktionen. Sie schützen vor Naturgefahren wie zum Beispiel Lawinen. Die bunten Almwiesen sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und erhalten so die Biodiversität. Und besonders wichtig: Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften diese Flächen, um Lebensmittel zu produzieren. Zwar machen Fleisch, Milch und Milchprodukte von der Alm nur einen kleinen Teil der insgesamt in Österreich produzierten Mengen aus, sie stammen aber aus besonders hochwertiger, nachhaltiger und traditionsreicher Produktion.
Neugierig geworden? Dann lies rein in unseren Report „Landwirtschaft, Lebensraum und Tourismus“ und erfahre mehr über die Geschichte des österreichischen Tourismus und welche Rolle die Almen dabei spielen. Mehr zu den Verhaltensregeln gibt's auch als Video – schau dafür auf Instagram vorbei.
Was macht der Alpenverein? Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 gegründet. Das Ziel damals: „Die Kenntnis von den Alpen zu verbreiten, die Liebe zu ihnen fördern und ihre Bereisung zu erleichtern.“ Heute motiviert der Alpenverein mit über 726.000 Mitgliedern Menschen zum Sport in den Bergen und hält dazu auch Hütten und Wege instand. Außerdem versteht sich der Verein als „Anwalt der Alpen“ und setzt sich dafür ein, dass die Natur erhalten und zukünftig für alle zugänglich bleibt.
Mit der Initiative Bergsteigerdörfer gibt der Alpenverein Anreize und Unterstützung für einen umweltverträglichen Alpintourismus. Sie ist auch Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention, die wichtige Eckpunkte für die nachhaltige Entwicklung des Alpenraums festschreibt, auch für den Bereich Berglandwirtschaft.
Dieser Beitrag entsteht mit Unterstützung von Bund und EU. Im Rahmen des Projekts „Bergsteigerdörfer 2030 – Gemeinsam für nachhaltigen Alpintourismus“ setzen Land schafft Leben und der Österreichische Alpenverein ein Umweltbildungsprojekt um.