Ich glaub, mein Schwein pfeift! 4 Mythen über das Schwein

20.02.2026 / Landwirtschaft & Lebensmittelproduktion

Der 1. März ist Tag des Schweins. Dazu haben wir mit Schweinebauer und Styriabrid-Obmann Josef Kaiser gesprochen. Im Podcast räumt er mit gängigen Vorurteilen auf – und gibt Einblicke in eine Branche, über die viele diskutieren, aber die wenige wirklich kennen.

 

Mythos 1: „Schweine sind dreckig“

Josef Kaiser: Schweine sind von Natur aus sehr reinliche Tiere. Sie trennen klar zwischen Liege-, Fress- und Kotbereich – wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Dass sich Schweine im Schlamm wälzen, hat nichts mit „Dreck“ zu tun, sondern mit Thermoregulation: Sie können nicht schwitzen. Schlamm schützt sie vor Überhitzung und Sonnenbrand. In modernen Ställen wird zudem viel Wert auf Hygiene gelegt – denn das bedeutet mehr Tiergesundheit und ermöglicht eine insgesamt nachhaltigere Produktion.

 

Mythos 2: „Österreichische Schweine fressen nur Soja aus Übersee“

Josef Kaiser: Mais, Getreide und Nebenprodukte aus der Herstellung von Lebensmitteln sind die Hauptbestandteile des Schweinefutters in Österreich. Schweine verwerten so auch Rohstoffe, die wir Menschen nicht direkt essen würden. Soja macht etwa 15 Prozent der Futterration bei Schweinen aus und kommt zum Teil aus Nord- oder Südamerika, wird aber vermehrt durch europäisches Soja, wie etwa Donausoja oder heimische Eiweißquellen ersetzt. Viele Schweinebäuerinnen und -bauern in Österreich produzieren den überwiegenden Anteil an Futtermitteln selbst am Betrieb.

 

Mythos 3: „In Österreich gibt es Massentierhaltung wie in anderen Ländern“

Josef Kaiser: Im internationalen Vergleich ist die österreichische Schweinemast kleinstrukturiert. Österreich setzt stark auf Familienbetriebe – jene, die entscheiden, stehen selbst im Stall. Diese Struktur unterscheidet sich deutlich von großen Konzernmodellen im Ausland. Im Schnitt haben heimische Schweinemastbetriebe rund 200 bis 300 Schweine. In anderen Ländern kommen Betriebe pro Standort teils bis auf 20.000 Mastschweine.

 

Mythos 4: „Schweinefleisch ist voller Antibiotika“

Josef Kaiser: Für Österreich gilt: Antibiotika sind ein Tierarzneimittel und kein „Futterzusatz“! Ihr Einsatz ist streng geregelt, dokumentiert und kontrolliert. Tiergesundheit, geschlossene Betriebssysteme und professionelle Betreuung sorgen dafür, dass Medikamente möglichst selten nötig sind. Antibiotika dürfen nicht vorbeugend eingesetzt werden. Zwischen Behandlung und Schlachtung muss ausreichend Zeit vergehen, damit keine Rückstände im Fleisch enthalten sind. In den AMA-Gütesiegel-Programmen und im Bio-Schweinebereich sind diese Fristen noch länger als es das Gesetz verlangt.

 

Josef Kaiser bewirtschaftet in Wildon in der Südsteiermark einen Ackerbau und Schweinehaltungsbetrieb mit Schwerpunkt Sauenhaltung und Ferkelaufzucht. Er ist Obmann der steirischen Schweineerzeuger- und Vermarktungsorganisation Styriabrid.

Du willst mehr wissen über Schweinezucht und Schweinemast in Österreich? Hör rein in Podcastfolge #261 mit Maria Fanninger und Josef Kaiser. Den Podcast findest du auf Spotify, YouTube oder vielen anderen Plattformen.

 

Wir lassen die Sau raus – sprichwörtlich zumindest: Rund um den Tag des Schweins blicken wir hinter die Stalltüren, schauen Metzgern über die Schulter und verwerten das ganze Tier – inklusive Blutwurst-Gröstl-Rezept von Cucina Alchimia. Am 1. März schmeißen wir gemeinsam mit Popchop die Party „La Fête Vol. 1: Das Schwein“. Sei Teil davon und genieße alles vom Schwein mit uns!

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