Tolle Knolle: 10 Kartoffel-Fakten zur Erntezeit

30.07.2026 / Essen & bewusster Konsum

Kartoffel-Fans aufgepasst: Etwa ab Mitte August beginnt die Ernte der Lagerkartoffeln. Ein Großteil der Ernte wird eingelagert und sorgt so dafür, dass wir – bei ausreichendem Ernte-Ertrag – bis zum nächsten Frühjahr mit österreichischen Kartoffeln versorgt sind. In unserem Artikel über Kartoffel-Fakten erfährst du alles, was du über diese Knolle wissen musst.

Fakt 1: Wie beliebt sind Kartoffeln?

In Österreich wurden im Jahr 2023 pro Kopf und Jahr rund 43 Kilogramm Kartoffeln beziehungsweise „Erdäpfel“, wie die Knolle in vielen Teilen Österreichs genannt wird, gegessen. Damit liegen wir unter dem EU-Durchschnitt von rund 63 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Die meisten Kartoffeln in der EU wurden übrigens in Polen gegessen – der Pro-Kopf-Verbrauch liegt hier bei knapp 93 Kilogramm.

Fakt 2: Welche Arten von Kartoffeln werden in Österreich angebaut?

Rund 52 Prozent der in Österreich in 2025 geernteten Menge an Erdäpfeln sind Früh- und Speisekartoffeln. Frühkartoffeln werden früher gepflanzt als Speisekartoffeln, die eingelagert werden und weisen eine sehr dünne Schale auf. Die restlichen Prozente verteilen sich auf Knollen für die Stärkeproduktion und die Speiseindustrie.

Im heimischen Kartoffelanbau werden unter anderem Sorten angebaut, die in Österreich von der Niederösterreichischen Saatbaugenossenschaft (NÖS) gezüchtet wurden. Beispielsweise hat das Zuchtunternehmen die Sorten Ditta, Chiara und Nöstling entwickelt.  Weltweit gibt es mehrere tausend verschiedene Kartoffelsorten, die vor allem in Südamerika in den Anden gefunden wurden und oftmals gar nicht auf den Weltmarkt kommen. Erhalten werden sie durch den Handel zwischen Dörfern und Gemeinschaften.

Die Kartoffel (Solanum tuberosum) kommt in verschiedenen Erscheinungsformen vor, beispielsweise können die Knollen rund, oval oder auch nierenförmig sein. Das Fleisch kann zum Beispiel die Farben weiß, gelb, rosa und violett aufweisen. Auch die Schale kann weißlich, gelb, rot, braun oder violett sein.  Spezielle farbige Züchtungen, wie beispielsweise Violet Star, findet man auch bei der NÖS (Niederösterreichische Saatbaugenossenschaft) in Österreich.

Fakt 3: Wann haben Kartoffeln Saison?

Die Ernte der Frühkartoffeln – wir nennen sie oft auch „Heurige“ – startet im Juni und findet bis zum 10. August statt. Alle Knollen, die nach dem 10. August bis etwa Ende Oktober geerntet werden und in den Handel kommen, werden nicht mehr „Heurige“ genannt, sondern Lagerkartoffeln. Diese lassen sich über den Winter gut lagern, wodurch wir uns in Österreich grundsätzlich fast das ganze Jahr über mit Erdäpfeln aus eigenem Anbau versorgen. Wenn die Erträge der letzten Ernte allerdings niedrig ausgefallen sind, kann es auch vorkommen, dass du zu bestimmten Jahreszeiten in den Supermarktregalen Kartoffeln aus dem Ausland vorfindest.

Fakt 4: Isst man Kartoffeln besser mit oder ohne Schale?

Kartoffeln sollten idealerweise mit Schale gekocht werden, um zu vermeiden, dass Nährstoffe übers Wasser verloren gehen. Einige Nährstoffe, wie Mineralstoffe oder sekundäre Pflanzenstoffe, kommen zum großen Teil direkt in und unter der Schale vor.  Wer das Kochwasser anschließend zur Speisenzubereitung, zum Beispiel für Suppen oder Eintöpfe, verwenden möchte, sollte die Kartoffeln vor dem Kochen schälen. So werden die Kartoffeln schneller gar und die Nährstoffe, die ins Wasser übergehen, bleiben trotzdem im Gericht erhalten. Das Wasser sollte übrigens nur bei Frühkartoffeln oder bei kurz gelagerten Kartoffeln ohne Keimen zur weiteren Speisenzubereitung verwendet werden. Bei länger gelagerten Kartoffeln beinhaltet das Wasser nach dem Kochen das leicht giftige Solanin.

Fakt 5: Welchen Kochtypen verwendet man wofür?

Es gibt drei verschiedene Kochtypen, die für unterschiedliche Gerichte geeignet sind: Mehlig, festkochend und vorwiegend festkochend. Festkochende Kartoffeln bleiben nach dem Kochen fest und eignen sich daher zum Beispiel für Erdäpfelsalat, Bratkartoffeln und Pommes. Vorwiegend festkochende Kartoffeln sind Allround-Talente, weil sie beim Kochen weitgehend ihre Form behalten, aber trotzdem etwas weicher werden. Mehlige Kartoffeln zerfallen leicht beim Kochen und können daher gut in Püree, Suppen oder Eintöpfen verarbeitet werden.

Fakt 6: Kann man Kartoffeln mit grünen Stellen essen?

Grüne Stellen an Kartoffeln entstehen, wenn die Knollen dem Licht ausgesetzt sind. Dabei bilden sich vermehrt Glykoalkaloide. Das sind Stoffe, zu denen auch der natürliche Giftstoff Solanin gehört. Ein hoher Gehalt dieser Stoffe kann gesundheitsschädlich sein. Solanin sitzt vor allem direkt unter der Schale und in den Keimansätzen. Schälen reduziert daher den Gehalt, Kochen dagegen nicht, da der Stoff hitzestabil ist. Da das Solanin aber ins Kochwasser übergehen kann, sollte es nicht weiterverwendet werden.

Werden größere Mengen aufgenommen, kann es zu einer leichten Vergiftung kommen, die sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall äußern kann. Leicht grüne Stellen können zwar großzügig weggeschnitten oder abgeschält werden – der restliche Teil der Kartoffel ist dann meist noch essbar. Sind Kartoffeln jedoch stark grün, bitter im Geschmack oder bereits stark gekeimt, sollten sie nicht mehr verzehrt werden. Ab einem bestimmten Gehalt an Solanin und weiteren giftigen Glykoalakaloiden schmecken die Knollen bitter und lösen ein brennendes Gefühl im Mund aus.  

Tipp: Lagere Kartoffeln kühl, trocken und vor Licht geschützt, damit sich gar nicht erst grüne Stellen bilden.

Fakt 7: Mehr als nur Beilage: Wo Kartoffeln überall drinstecken

Wusstest du, dass Kartoffeln nicht nur auf dem Teller landen? Die Knolle ist Bestandteil vieler Produkte – von Lebensmitteln über Kosmetik bis hin zu industriellen Anwendungen – und begegnet uns im Alltag häufiger, als auf den ersten Blick vermuten lässt.

In der industriellen Produktion werden Kartoffeln zunächst fein zerrieben und gewaschen, um die Stärke zu gewinnen.  Diese Kartoffelstärke ist ein wichtiger Bestandteil vieler Produkte. Der verbleibende Brei, auch Kartoffelpülpe genannt, kann als energiereiches Viehfutter genutzt werden. Die Pülpe kann auch zu Stärkezucker, Branntwein und Papier weiterverarbeitet werden. Auch in der Lebensmittelindustrie spielt die Kartoffel eine große Rolle. Speiseindustriekartoffeln werden zu Kartoffelpüree, Knödel- und Teigprodukten, Kroketten, Gnocchi oder Kartoffelpuffern verarbeitet und sind Bestandteil vieler Tiefkühlprodukte.

Außerhalb der Küche ist die Kartoffelstärke Bestandteil von Kosmetikprodukten wie Feuchtigkeitscremes, Lotionen, Sonnenschutz, Puder oder Mascara. Zudem wird Stärke weiterverarbeitet und zu Sirup verzuckert, der etwa in Gelee- und Gummiartikeln, Süßwarenfüllungen oder Speiseeis verwendet wird. Auch in der Textil-, Pharma- und Chemieindustrie – etwa bei Klebstoffen oder Farben – kommt sie zum Einsatz. Mit etwas Abstand betrachtet zeigt sich also: Die Kartoffel ist weit mehr als nur eine Beilage – sie ist in unserem Alltag nahezu omnipräsent.

Fakt 8: Auch Kartoffeln müssen manchmal in Quarantäne

Im Kartoffelanbau gibt es verschiedene Schadorganismen, vor denen die Pflanzen geschützt werden müssen, um wirtschaftliche Einbuße möglichst gering zu halten. Manche dieser Organismen verursachen als Erreger Krankheiten, die besonders streng überwacht und reguliert werden müssen. Zu diesen Quarantänekrankheiten gehört beispielsweise der Kartoffelkrebs, der zu blumenkohlartigen Auswüchsen an den Knollen führt.

Quarantänekrankheiten und -erreger werden auf nationaler und EU-Ebene als solche eingestuft und unterliegen besonderen Maßnahmen. Bei Befall der Knollen müssen Pflanzenschutzdienste benachrichtigt werden, die die betroffenen Felder als Befallszonen ausweisen. Befallene Pflanzen in dieser Zone werden bei einem positiven Nachweis der Krankheit vernichtet. Kann nicht festgestellt werden, wo genau der Ausgangspunkt des Ausbruchs liegt, müssen alle Pflanzen beseitigt werden.

In manchen Ländern gelten bestimmte Schaderreger als ausgerottet. Da es jedoch zu einer Verschleppung der Quarantäneerreger und Krankheiten über Im- und Exporte kommen kann, gibt es strenge gesetzliche Auflagen, die den Handel mit EU- und Nicht-EU-Staaten regulieren.

Fakt 9: Herkunft der Kartoffel: Von den Anden nach Europa

Die Herkunft der Kartoffel liegt in den Anden Südamerikas. Dort wurden Wildtypen der Kartoffel, die natürlich in diesem Gebiet vorkommen, von der indigenen Bevölkerung seit Jahrtausenden kultiviert – auch heute kommen in dieser Region noch zahlreiche knollenbildende Wildformen vor. Für die dort lebenden Menschen und Einwohner war die Kartoffel schon früh ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte die Kartoffel schließlich nach Europa.  Erzählungen zufolge brachten Europäer sie auf zwei unterschiedlichen Wegen auf den Kontinent: Rotschalige Knollen mit violetten Kartoffelblüten gelangten über Spanien nach Portugal und Italien, während gelbschalige Kartoffeln etwa zur gleichen Zeit über England auf das europäische Festland kamen.

Die Geschichte des Kartoffelanbaus in Europa begann zunächst langsam. Die Pflanze wurde anfangs vor allem als botanische Kuriosität in Gärten kultiviert und zunächst eher als medizinische Pflanze anstatt als Nahrungspflanze angesehen. Erst Jahrzehnte später begann ein größerer Anbau, zunächst in Irland, wo sich die Kartoffel rasch zu einer wichtigen Kulturpflanze für Ernährung und landwirtschaftliche Produktion entwickelte.  Die Kulturkartoffeln, wie wir sie heutzutage in Österreich kennen und konsumieren, ist durch jahrzehntelange Züchtungsarbeit entstanden.  

Fakt 10: Keine Verwandte: Die Süßkartoffel

Auf den ersten Blick wirken Süßkartoffeln und Kartoffeln durch ihre ähnliche Form und Farbe verwandt – botanisch gehören sie jedoch zu unterschiedlichen Pflanzenfamilien. Die Kartoffel zählt zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae) und ist zum Beispiel mit Aubergine, Paprika und Tomate verwandt. Die Süßkartoffel hingegen gehört zur Familie der Windengewächse (Convolvulaceae), zu denen auch die bei uns verbreitete Acker-Winde gehört. Da die Süßkartoffel aus Regionen nahe dem Äquator stammt, benötigt sie höhere Temperaturen als die Kartoffel, weshalb die Pflanzung erst zu einem späteren Termin nach möglichem Spätfrost erfolgen kann.

Neben der botanischen Einordnung unterscheiden sich die beiden Knollen auch in ihren Inhaltsstoffen. Süßkartoffeln enthalten mehr Kohlenhydrate und Kalorien als Kartoffeln und liefern größere Mengen an Biotin, Pantothensäure, Calcium und Vitamin E. Besonders auffällig ist ihr hoher Gehalt an Vitamin A, der auch für ihre oft orange Farbe verantwortlich ist. Im Gegensatz zur Kartoffel enthalten sie jedoch kein Vitamin K. Durch ihren höheren Wassergehalt sind Süßkartoffeln außerdem weniger lange haltbar als klassische Speisekartoffeln. Trotz äußerlicher Ähnlichkeiten unterscheiden sich die beiden Knollen also deutlich – sowohl botanisch als auch in ihren Inhaltsstoffen.

Du willst mehr über die Kartoffel erfahren? Dann lies rein in unsere Erdäpfel-Lebensmittelrecherche

Unsere Quellen für diesen Artikel:

  • Agentur für Gesundheit Ernährungssicherheit und (ages.at: Glykoalkaloide; Zugriff: 17.07.2026)
  • AGRANA Beteiligungs-AG (agrana.com: Produkte für technische Anwendungen; Zugriff: 20.07.2026)
  • AGRANA Beteiligungs-AG (agrana.com: Wissenswertes über die Stärke; Zugriff: 20.07.2026)
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (lfl.bayern.de: Die Kartoffelpülpe; Zugriff: 20.07.2026)
  • BGBI Nr. 244/2014 Vermarktungsnormen für Speisekartoffeln; Zugriff: 20.07.2026
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (bfr.bund.de; Fragen und Antworten zu Solanin in Kartoffeln; Zugriff: 20.07.2026)
  • Burgenlandflora (burgenlandflora.at: Winde; Zugriff: 20.07.2026)
  • Ernährungs-Umschau (ernaehrungs-umschau.de: Dürfen Kartoffeln mit der Schale verzehrt werden; Zugriff: 17.07.2026)
  • EU-Verordnung Nr. 2019/2072
  • FAO (fao.org, FAOSTAT: Food Balances (2010-), potatoes, food supply quantity: Zugriff: 20.07.2026)
  • International potato center (cipotato.org: Potato; zugriff: 20.07.2026)
  • Landwirtschaftskammer Steiermark (stmk.lko.at: Kulturanleitung Süßkartoffel; Zugriff: 20.07.2026)
  • LGBI Nr. 23/1997 Kartoffelkrebs-Verordnung; Zugriff: 20.07.2026
  • Miedaner (2014) Kulturpflanzen, S.227ff 
  • Niederösterreichische Saatbaugenossenschaft (noes.at: Sortenübersicht; Zugriff: 20.07.2026)
  • Rimbach, Nagursky, Erbersdobler (2025) Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger
  • Statistik Austria (2025) Feldfruchternte 2025 endgültige Ergebnisse, S. 11-12
  • Statistik Austria (STATCUBE, Versorgungsbilanz Kartoffeln und Kartoffelstärke; Zugriff: 17.07.2026)
  • Verbraucherzentrale Bayern (verbraucherzentrale.bayern: Kartoffeln: Sind grüne Stellen giftig?; Zugriff: 17.07.2026)
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (verbraucherzentrale.nrw: Kartoffeln: Sorten, Lagerung und Zubereitungstipps; Zugriff: 17.07.2026)

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