Scharfe Wurzel: Kren aus Österreich

27.02.2024 / Ernährung & Gesundheit

Ob beim Würstelstand, zur klassischen Jause oder als feine Schärfe zum Fisch – Kren ist aus der österreichischen Küche kaum wegzudenken. Doch kaum jemand weiß, wie aufwendig sein Anbau tatsächlich ist. Kren aus Österreich steht für mehr als Geschmack: Wo wird die scharfe Wurzel hierzulande angebaut, welche Wirkung hat sie auf unseren Körper und mit welchen Pflanzen ist sie eigentlich verwandt?

Veröffentlicht 27.02.2024 / Aktualisiert Juni 2026

Der österreichische Kren ist weit mehr als nur eine scharfe Beilage – er zählt zu den traditionsreichsten und zugleich aufwendigsten Kulturpflanzen der heimischen Landwirtschaft. Vom Anbau bis zur Ernte ist nahezu jeder Schritt Handarbeit. Laut jüngster Erhebung der Statistik Austria widmeten sich im Jahr 2020 in Österreich rund 140 landwirtschaftliche Betriebe dem Anbau dieser anspruchsvollen Wurzel.

Eine Besonderheit ist auch der Anbauzyklus: Kren wird im Frühjahr gesetzt und gleich zweimal geerntet – erstmals im Herbst desselben Jahres und ein weiteres Mal im darauffolgenden Frühling, bevor die Pflanze neue Blätter ausbildet. Unterschiedliche Sorten gibt es dabei nicht; vielmehr wird vor allem nach der regionalen Herkunft unterschieden. Gerade diese enge Verbindung zu bestimmten Regionen macht Kren zu einem echten Stück österreichischer Identität.

Die Kultivierung erfordert Erfahrung, Geduld und Präzision: Pro Pflanze sind rund 12 bis 15 manuelle Arbeitsschritte notwendig. Damit zählt Kren zu den arbeitsintensivsten Kulturen im Gemüsebau – ein Umstand, der seinen besonderen Stellenwert in Österreich zusätzlich unterstreicht.

Wo wird Kren angebaut?

Im Jahr 2025 wurden in Österreich laut Erhebung der Statistik Austria rund 3.200Tonnen Kren erzeugt. Angebaut wird Kren zu über 99 Prozent im südlichen beziehungsweise südöstlichen Teil der Steiermark. Da es beim Kren keine Sorten gibt, wird nach Anbaugebiet unterschieden. Kren, der in der Steiermark angebaut wird, schmeckt anders als Kren, der beispielsweise aus Ungarn kommt.

Steirischer Kren g.g.A. – heimischer Anbau, Verarbeitung teils im Ausland

Der steirische Kren ist mit dem europäischen g.g.A.-Siegel geschützt. Das steht für „geschützte geografische Angabe“. Krenprodukte, die dieses Siegel tragen, dürfen nur Kren enthalten, der in der Steiermark angebaut worden ist. Um das Zertifikat zu bekommen, muss der Kren aber nicht in der Steiermark verarbeitet werden.

Ist Kren gesund?

Kren wirkt antibakteriell, antiviral, schleimlösend und fördert die Durchblutung. Deshalb kann er bei Erkältungskrankheiten wie Bronchitis oder bei Harnwegsinfekten unterstützend wirken. Das liegt an den ätherischen Ölen im Kren. Diese Senföle verleihen der Wurzel auch ihre Schärfe.

Schon gewusst: Kren hat mehr Vitamin C als die gleiche Menge Zitrone!

 

Sind Kren, Meerrettich und Wasabi das Gleiche?

Meerrettich ist die deutsche Bezeichnung für Kren. Wasabi wird nicht umsonst als „Japanischer Meerrettich“ bezeichnet. Er gehört wie Kren zur Familie der Kreuzblütler und wird ähnlich wie Kren verwendet. In Europa ist „Wasabi“ hauptsächlich als Pulver in Gläsern oder als Paste in Tuben erhältlich. Dabei handelt es sich meist nicht um echten Wasabi, sondern teils um gefärbten Kren oder einen Nachbau der Pflanze. Wasabi zu kultivieren ist sehr aufwendig und teuer.

Schon mal gehört? Kren-Vokabel

  • Krenschwärze: Eine Pilzkrankheit, gegen die es kein Fungizid gibt. Nach dem verursachenden Pilz auch als „Verticillium“ bekannt. Im Inneren der Wurzel bilden sich bräunliche Ringe. Mit diesen würden der Kren zwar essbar bleiben, die Verfärbung ist aber von verarbeitenden Betrieben und Konsumentinnen und Konsumenten unerwünscht. Die Pflanzenkrankheit kann über die „Fechser“ (die Stecklinge) oder im Boden auf den nächsten am selben Feld angebauten Kren übertragen werden. Eine ausgedehnte Fruchtfolge beugt der Krankheit zum Teil vor.
  • Kren heben: Damit der Kren eine dicke, kräftige und scharfe Hauptwurzel ausbildet und nicht viele minderwertige dünne Wurzeln, gibt es das sogenannte „Kren heben“. Für diesen Arbeitsschritt ist keine handelsübliche Maschine erhältlich – der Aufwand ist enorm. Jeder einzelne Kren, der bereits seit zwei Monaten vergraben ist, muss aus der Erde gehoben werden. Die Arbeiterinnen und Arbeiter reiben die Seitenwurzeln ab, legen die Hauptwurzel zurück in die Erde und schütten sie wieder zu.
  • Kren ausbau’n“ sagt man in der Steiermark auch zur Ernte des Krens.
  • Kren reißen: So nennt man das Reiben der Krenwurzel. Damit Kren sein volles Aroma entfaltet, hält man die Krenstange am besten senkrecht zur Reibefläche. So reißt man den Kren eher, als ihn zu reiben und verhindert, dass er faserig wird.
  • Semmelkren ist eine Beilage in der österreichischen Küche und wird meist zu gekochtem Rindfleisch wie Tafelspitz und anderen Fleisch- und Wildgerichten serviert. Der sämige Brei wird traditionell aus trockenen, geschnittenen Semmeln, Rindsuppe und geriebenem Kren zubereitet. Eine Rezeptidee zum Kren haben wir im Artikel „Krenschaumsuppe mit knusprigen Rote-Rüben-Chips“ für dich ausprobiert!

 

Ob frisch gerieben, als Beilage oder in traditionellen Gerichten – Kren aus Österreich bleibt ein unverzichtbarer Teil der heimischen Küche.

Eine Auswahl unserer Quellen für diesen Text:

  • Serviceverein geschützte Herkunftsbezeichnungen für Lebensmittel, SVGH (svgh.at: Geschützte geografische Angabe (g.g.A.); Zugriff: 03.06.2026)
  • Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (hswt.de: Krankheiten und Schädlinge an Meerrettich; Zugriff: 03.06.2026)

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