Mehr als satt werden: Was gutes Schulessen leisten muss
09.01.2026 / Essen & bewusster Konsum
Fast 400.000 Kinder essen in Österreich werktags außer Haus. Was bedeutet das für ihre Ernährung, ihre Gesundheit und ihren Alltag? Maria Fanninger befragt Claudia Ertl-Huemer, Ernährungswissenschaftlerin und Geschäftsfeldleitung Education Catering bei GOURMET, einem führenden österreichischen Unternehmen für die gesunde und nachhaltige Verpflegung von Kindern in Kindergärten und Schulen. Die beiden sprechen über Herausforderungen bei der Kinderverpflegung und warum Essen ein zentraler Bildungsauftrag ist.
Maria Fanninger: Ihr versorgt täglich 2.700 Kindergärten und Schulen. Eltern haben oft hohe Erwartungen an das Essen dort. Es soll schmecken, gesund und leistbar sein, sowie reibungslos funktionieren. Wie bringt man diese Anforderungen zusammen?
Claudia Ertl-Huemer: Wir arbeiten mit zwei großen Küchen in Wien und St. Pölten, die österreichweit Einrichtungen beliefern. Die Speisepläne werden zentral entwickelt, genau berechnet und umgesetzt. Dabei versuchen wir die Bedürfnisse der Kinder, die Erwartungen der Eltern, die organisatorischen Rahmenbedingungen der Einrichtungen und die ernährungswissenschaftlichen Vorgaben unter einen Hut zu bringen. Kinder aus unterschiedlichen Kulturen bringen auch verschiedene Geschmacksprägungen mit. Das ist herausfordernd und gleichzeitig eine große Chance: Gemeinsames Essen kann verbinden, neugierig machen und Kinder dazu bringen, Neues zu probieren – oft auch über Gruppendynamik.
Maria Fanninger: Was braucht ein gutes Mittagessen für Kinder aus ernährungswissenschaftlicher Sicht?
Claudia Ertl-Huemer: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben andere Energie- und Nährstoffbedürfnisse. Ein Mittagessen soll satt machen, aber nicht müde. Unsere Empfehlung – und auch jene der offiziellen Ernährungsgesellschaften – ist: maximal zwei Fleischgerichte pro Woche, drei vegetarische Gerichte, davon mindestens eines mit Hülsenfrüchten und einmal pro Woche oder alle 14 Tage Fisch. Vor allem Eiweiß, Gemüse, Milchprodukte und eine ausgewogene Zusammensetzung spielen eine zentrale Rolle.
Maria Fanninger: Ihr setzt außerdem stark auf Selbstbestimmung, etwa durch Buffetlösungen. Warum ist euch das wichtig?
Claudia Ertl-Huemer: Kinder sollen lernen, ihren Hunger einzuschätzen und Verantwortung zu übernehmen. Am Buffet können sie auswählen, kombinieren und nachnehmen. Das steigert die Zufriedenheit und reduziert Tellerreste. Unsere Erfahrung zeigt: Kinder kommen mit dieser Freiheit sehr gut zurecht – oft besser, als Erwachsene erwarten.
Das ganze Gespräch zum Nachhören findest du in Podcastfolge #255 auf Spotify, YouTube und anderen Plattformen.