Warum und in welchem Ausmaß Bauern Förderungen bekommen

Bauern bekommen viel Geld von uns Steuerzahlern. Förderungen der öffentlichen Hand machen im Schnitt zwei Drittel der Einkommen der Bauern aus. Land zu bewirtschaften oder Tiere zu halten alleine reicht nicht, um das Geld zu erhalten. Die Bauern müssen für die Zahlungen Leistungen erbringen, die der Umwelt, ihren Nutztieren oder der Allgemeinheit zugute kommen.

Veröffentlicht im Mai 2018
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Die Landwirtschaft ist der größte Posten im EU-Budget. Die EU gibt europaweit pro Jahr 56,5 Milliarden Euro dafür aus. Österreich hat ein Agrarbudget von 1,9 Milliarden Euro, durch die Einwohnerzahl gerechnet 220 Euro pro Österreicher und Jahr. 61 Prozent davon kommen aus dem EU-Topf, 17 Prozent vom Bund und 22 Prozent von den Ländern. 70 Prozent der gesamten EU-Mittel, die Österreich erhält, gehen in die Landwirtschaft und die “Ländliche Entwicklung” (dazu später mehr). Größter Empfänger 2016 ist die AMA, die für die Verwaltung des Fördersystems 26,6 Millionen erhält. Dann folgen die Salzburger Nationalparkfonds, die im Rahmen der “Ländlichen Entwicklung” 5,3 Millionen Euro bekommen. Alle weiteren Empfänger erhalten zwischen einem Cent und 2,8 Millionen Euro.

Förderungen weltweit

In Industrienationen sind Agrarförderungen längst üblich. Die EU gibt einen Rahmen vor, in dem ihre Mitglieder die Zahlungen gestalten können. In den USA sind Förderungen zum Teil eine Art Versicherung für Bauern. Ist die Situation am Weltmarkt schwierig, wird den Bauern finanziell unter die Arme gegriffen. Die USA subventionieren bestimmte Lebensmittel - eine Praxis, die in der EU wegen der Marktverzerrung stark kritisiert und schließlich abgeschafft wurde. Besonders viel für die Landwirtschaft zahlen die Nicht-EU-Länder Norwegen und die Schweiz. Australien, Chile und Neuseeland überweisen ihren Bauern fast gar kein Geld mehr. Neuseeland musste nach einer Wirtschaftskrise Mitte der 1980er-Jahre die Staatskasse schonen und schaffte fast alle Förderungen ab. Das führte zu vielen Hofschließungen, die verbleibenden Betriebe wurden größer und wirtschaftlicher. Heute ist Neuseeland ein bedeutendes Exportland und verkauft Lebensmittel in alle Welt. Nicht zuletzt wegen des günstigen Klimas, das zum Beispiel ganzjährige Weidehaltung von Wiederkäuern ermöglicht.

Bauer zu sein allein reicht nicht

Wir wollen genau wissen, wofür Bauern in Österreich Geld bekommen, und besuchen Elisabeth Schübl von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Sie bildet jene Berater aus, die ihr Wissen an Bauern weitergeben und sie beim komplexen Beantragen der Förderungen unterstützen. Einfach anrufen und schon ist das Geld am Konto - so einfach ist das nicht. Ganz im Gegenteil, jede der ganz unterschiedlichen Zahlungen muss einzeln beantragt und begründet werden. Jedes Jahr bis 15. Mai muss jeder Bauer einen Antrag eingereicht haben, für das Anbauen von Zwischenfrüchten im Herbst bis 15. Oktober. Seit 2015 muss der Bauer die Formulare im Internet ausfüllen. Stellt er keinen Antrag, bekommt er kein Geld.

Vom Melkroboter bis zur Hangneigung

Am einfachsten erklärt man die vielen verschiedenen Zahlungen anhand von Beispielen. Bäuerin A kauft sich einen Melkroboter und bekommt 20 bis 50 Prozent des Kaufpreises als Investitionsförderung. Ohne diese könnte sie sich den Melkroboter nicht leisten und müsste womöglich die Landwirtschaft aufgeben. Bauer B baut auf einem Feld über den Winter eine so genannte Winterbegrünung an. Das sind Pflanzen, die den Boden verbessern und die er nicht ernten und verkaufen wird. Bauer B ackert sie ein und führt dem Boden so wertvolle Nährstoffe zu. Er bekommt für diese Fläche eine zusätzliche Förderung aus dem ÖPUL-Programm (Infobox unten). Bäuerin C hat erst kürzlich den Betrieb ihrer Eltern übernommen und bekommt die “Jungübernehmerförderung”. Ihr soll nach der Übernahme eine finanzielle Unterstützung zukommen.

Bauer D entscheidet sich, auf seinem Feld auf Fungizide zu verzichten. Pilze, die seine Nutzpflanzen angreifen könnten, spritzt er somit nicht. Es ist zu erwarten, dass er deswegen weniger Ernte einfährt. Den zu erwartenden Ausfall bekommt Bauer D ersetzt. Auf einem anderen Feld, das einen sehr guten Boden hat und viele Erträge erwartet, verzichtet er nicht auf Fungizide. Der Ernteverlust durch Pilzkrankheiten könnte hier so hoch sein, dass die Förderungen diesen nicht ausgleichen könnten. Bauer E mäht steile Wiesen und nutzt sie so als Futterquelle für seine Milchkühe. Das Mähen ist viel aufwändiger als auf flachen Wiesen. Daher bekommt E eine so genannte Ausgleichszulage für Berggebiete. Sie soll den wirtschaftlichen Nachteil ausgleichen, der ihm durch die Steilheit seiner Wiesen entsteht. Ohne Ausgleichszulage könnte Bauer E seine steilsten Flächen nicht bewirtschaften. Sie würden zuwachsen, ein weiteres Stück wertvolles Grünland und Kulturlandschaft mit hoher Artenvielfalt würde verloren gehen. Im Onlinesystem der AMA sind die Flächen je nach Steilheit in unterschiedlichen Farben gekennzeichnet.