Milchprodukte aus Sicht der T(raditionellen) C(hinesichen) M(edizin)

04.10.2016 / Essen & Gesundheit, Gastbeitrag

Aus Sicht der TCM hat Milch einen süßen Geschmack. Dieser hilft Substanz zu nähren, Schleimhäute zu befeuchten und allgemein gegen Trockenheit/Säftemangel vorzugehen (Milch mit etwas Honig bei trockenem Husten). Die thermische Eigenschaft der Milch ist erfrischend. Sie wirkt in Richtung Lunge, Magen, Herz, Darm und Nieren.

Milchprodukte sind in bester Qualität extrem nahrhaft und wahre Yin-Toniks – sie geben Substanz nach einer auszehrenden Krankheit, bauen Körpersäfte und Blut auf.
Leiden wir an reiner Trockenheit (ohne Feuchtigkeitssymptome) enthält Milch wertvolle Stoffe die unseren stressgeplagten Körper in kleinen Mengen versorgen. Zeichen von Trockenheit: trockene, faltige Haut, trockener Mund, Durst, Kratzen im Hals, trockener Husten, …
 

Milchprodukte sind in bester Qualität extrem nahrhaft und wahre Yin-Toniks – sie geben Substanz nach einer auszehrenden Krankheit, bauen Körpersäfte und Blut auf

Man sollte Milch heutzutage als Genussmittel, statt als Grundnahrungsmittel sehen.

Die bei uns beliebte böhmische Küche mit Milch und Weizenprodukten hat einem anderen Lebensstil entsprochen. Damals hat man körperlich, hart gearbeitet, das hat Substanz gekostet die durch Milch und Weizen wieder gut aufgebaut wurde. Durch die körperliche Arbeit war ausreichend Wärme (Yang, Feuer) vorhanden um mit den erfrischenden Produkten umzugehen und sie umzuwandeln. Heute ist die Anforderung an unseren Körper eine andere. Wir bewegen uns wenig, verbrauchen wenig Energie und leiden durch die schlechte Qualität unserer Ernährung und unseren Lebensstil häufig unter einer schwachen Verdauung.

Aus Sicht der TCM ist die Verwendung von Milchprodukten/Milch unter diesen Umständen nicht empfehlenswert. Als Verfechterin regionaler, saisonaler Lebensmittel empfehle ich KlientInnen mit einer guten Verdauung bei Milch und Milchprodukte auf die konsumierte Menge und auf die Qualität zu achten. Denn die Qualität der Milch bzw. des Futters der Tiere ist ein weiterer Faktor, warum die Milch für uns weniger bekömmlich geworden ist. Menschen mit schwacher Verdauung rate ich eher zu Ziegen- und Schafmilch(produkten), da diese wärmer sind. Bereiten auch diese Produkte Beschwerden, empfehle ich auf Getreide- oder Nussmilchersatz zurückzugreifen.

KlientInnen mit einer guten Verdauung sollten bei Milch und Milchprodukte auf die konsumierte Menge und auf die Qualität achten

Das Wissen über die Wirkung der Lebensmittel bezieht sich allgemein auf ursprüngliche Lebensmittel die unter natürlichen Bedingungen produziert wurden oder entstanden sind. Die oben angesprochenen Funktionen der Milch das Yin zu nähren bezieht sich daher ausschließlich auf die von einer „glücklich lebenden Kuh“ stammenden Milch, am besten in Rohmilch Qualität (nicht pasteurisiert). Da diese Milch für uns Städter mitunter schwer erhältlich ist, würde ich empfehlen zumindest Heumilch in Bio-Qualität, (statt haltbarer Frischmilch oder H-Milch) zu kaufen!

Aus TCM Sicht machen laktosefreie Produkte, genau wie ihre laktosehältigen Verwandten, viel Feuchtigkeit im Körper. Ist man geschwächt und bewegt sich wenig, kann Nuss- und Getreide-Ersatzmilch weniger verschleimend als Kuhmilch sein. Dennoch empfehle ich, auch diese meist industriell hergestellten Produkte, nicht täglich in großen Mengen zu konsumieren. 

Die Funktionen der Milch das Yin zu nähren bezieht sich daher ausschließlich auf die von einer „glücklich lebenden Kuh“ stammenden Milch, am besten in Rohmilch Qualität

Was ist mit Joghurt?

Das Positive am Joghurt aus der Sicht der TCM ist die kühlende Eigenschaft und die darin enthaltenen milchsauren Bakterien. Diese kannst du dir auch durch fermentierte Produkte wie Sauerkraut, Kimchi, Misopaste zuführen und so deinen Darmschleimhaut stärken – ohne deiner Verdauung zu viel Kälte zu zumuten. Im Sommer ist etwas Joghurt zum Kühlen ok. Oder nach einer langen zehrenden Wanderung oder Sportaktion – um die Säfte wieder aufzubauen. Versuche das Joghurt allgemein eher in Speisen zu integrieren wo du die Thermik ausgleichen kannst. Also das Tzaziki zum Grill-Kotelette, oder die Joghurt Sauce zum Curry. Vermeide süße Frucht-Joghurts, da diese doppelt befeuchtend sind!

Pascale Neuens bloggt Rezepte, Lebensmittelkunde nach TCM und Geschichten unter neuensausderküche.com