Die Basis unserer Zivilisation

03.08.2017 / Landwirtschaft & Produktion

Keine Kultur ohne Agrikultur. Kein Theater, keine Oper, Kein Rockkonzert. Keine Medizinische Grundversorgung, keine Versorgung überhaupt. Keine Zeit für Freizeit, für Unterhaltungselektronik, für Spiel, Sport und Spaß, kein Urlaub. Nix. Nada.

Auch wenn wir es alle für komplett selbstverständlich halten und keinen Gedanken daran verschwenden: Ohne die Art der modernen Arbeitsteilung und das, was immer schon der primäre Sektor geheißen hat, also die Landwirtschaft, würde unser Leben komplett anders aussehen.

Würden wir nicht von unseren Bauern und ihren Produkten ernährt, müssten wir leben wie noch der Großteil unserer Großeltern, wie der nach wie vor größte Teil der Menschheit, nämlich in der Landwirtschaft. Als billige Arbeitskraft könnten wir uns all das nicht leisten, was wir als höhere von mir aus auch niedere oder Spaß-Kultur heute genießen.

Ohne sichere Grundversorgung keine „überschüssige“ Energie, die in Industrialisierung, in Forschung und Entwicklung, in hoch entwickelte Dienstleistung gesteckt werden könnte. Wenn (fast) alle in der Landwirtschaft sich im wahrsten Sinne erschöpfen müssten, wie dies über Jahrhunderte in den ländlichen Regionen unseres Landes der Fall war, würde sich (fast) keiner ein zeit- und kapitalaufwendiges Studium, Reisen, Unterhaltung oder irgendeine Art von Luxus leisten können. 

Alles ruht auf der Landwirtschaft. Der alte Spruch gilt nach wie vor: Es ist kein Stand so hoch im Land, dass er nicht lebt von Bauernhand

Wir sind satt. Und wir vergessen zu gern, worauf dies beruht. Im Gegenteil neigen wir dazu unreflektiert und ohne die nötige Differenzierung gewisse Aspekte, die mit der hoch effizienten Nahrungsmittelproduktion einhergehen, zu verteufeln. Dann sind es schnell mal pauschal „die Bauern“, die die Umwelt mit Chemie verseuchen, die das Artensterben fleißig vorantreiben, die ihre Tiere quälen, die von unserem Steuergeld leben, die Agrarförderungen abschöpfen, die den Verkehr mit ihren Traktoren behindern, die noch dazu immer jammern, egal ob es zu viel oder zu wenig regnet, zu heiß oder zu kalt ist.

Es ist nach meiner Erfahrung sehr leicht, der Landwirtschaft und unseren Bauern Unrecht zu tun, bei aller berechtigten Kritik, die ich keineswegs in Abrede stellen will. Es ist nach meiner Erfahrung sehr schwer, der Landwirtschaft und unseren Bauern und dem, was sie leisten, gerecht zu werden.

Ich möchte unseren Bauern heute einfach einmal „Danke!“ sagen

Seit ich durch meinen Job im ganzen Land herum komme; seit ich in die unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Sparten immer mehr Einblick gewinne; seit ich den Bauern auf ihren Äckern, im Grünland, in ihren Obst- und Gemüsekulturen über die Schultern schauen kann, verwandelt sich der eher theoretische Gedanke über die Wichtigkeit der Landwirtschaft in eine Art praktische Dankbarkeit: Ich möchte unseren Bauern heute einfach einmal „Danke!“ sagen.

Im Gymnasium musste ich eine Ballade von Adelbert von Chamisso auswendig lernen mit dem Titel

 

Das Riesenspielzeug

 

Burg Niedeck ist im Elsaß der Sage wohlbekannt,

die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;

sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,

du fragest nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

 

Einst kam das Riesenfräulein aus jener Burg hervor,

erging sich sonder Wartung und spielend vor dem Tor

und stieg hinab den Abhang bis in das Tal hinein,

neugierig zu erkunden, wie's unten möchte sein.

 

Mit wen'gen raschen Schritten durchkreuzte sie den Wald,

erreichte gegen Haslach das Land der Menschen bald,

und Städte dort und Dörfer und das bestellte Feld

erschienen ihren Augen gar eine fremde Welt.

 

Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut,

bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;

es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,

es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.

 

"Ei! artig Spielding!" ruft sie, "das nehm' ich mit nach Haus!"

Sie knieet nieder, spreitet behend ihr Tüchlein aus

und feget mit den Händen, was sich da alles regt,

zu Haufen in das Tüchlein, das sie zusammenschlägt,

 

und eilt mit freud'gen Sprüngen, man weiß, wie Kinder sind,

zur Burg hinan und suchet den Vater auf geschwind:

“Ei Vater, lieber Vater, ein Spielding wunderschön!

So Allerliebstes sah ich noch nie auf unsern Höh'n."

 

Der Alte saß am Tische und trank den kühlen Wein,

er schaut sie an behaglich, er fragt das Töchterlein:

“Was Zappeliges bringst du in deinem Tuch herbei?

Du hüpfest ja vor Freuden; laß sehen, was es sei."

 

Sie spreitet aus das Tüchlein und fängt behutsam an,

den Bauer aufzustellen, den Pflug und das Gespann;

wie alles auf dem Tische sie zierlich aufgebaut,

so klatscht sie in die Hände und springt und jubelt laut.

 

Der Alte wird gar ernsthaft und wiegt sein Haupt und spricht:

“Was hast du angerichtet? Das ist kein Spielzeug nicht!

Wo du es hergenommen, da trag es wieder hin,

der Bauer ist kein Spielzeug, was kommt dir in den Sinn?

 

Sollst gleich und ohne Murren erfüllen mein Gebot;

denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot;

es sprießt der Stamm der Riesen aus Bauernmark hervor,

der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor.

 

Burg Niedeck ist im Elsaß der Sage wohl bekannt,

die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;

sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,

und fragst Du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.