Trockenheit verschärft Spannungsfelder in der Landwirtschaft

24.09.2026

Futtermangel bei gleichzeitig hohen Anlieferungsmengen in der Milchwirtschaft, Kartoffelüberschüsse im Vorjahr und Ertragseinbußen heuer: Der trockene Sommer verschärft einige der bereits bestehenden Spannungsfelder in der Landwirtschaft. Im Podcast „Wer nichts weiß, muss alles essen“ diskutieren Land-schafft-Leben-Gründer und Bio-Bergbauer Hannes Royer und Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger darüber, wo Betriebe selbst gefordert sind, welche Einflussmöglichkeiten die Politik hat und wieso sich Einzelschicksale nicht automatisch auf den Märkten widerspiegeln.

Der heiße und trockene Sommer hat viele landwirtschaftliche Betriebe in Österreich unmittelbar getroffen. Vielen Bäuerinnen und Bauern fehlt Futter für ihre Tiere, im Ackerbau gibt es bei vielen Kulturen Ertragseinbußen. Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger berichtet von Familien, die aufgrund dieser Herausforderungen an ihre Grenzen kommen. Gleichzeitig zeigt sich: Die Probleme in den einzelnen Betrieben spiegeln sich nicht automatisch auf den Märkten wider. Ein Beispiel dafür ist die Milchwirtschaft. Land-schafft-Leben-Gründer und Bio-Bergbauer Hannes Royer führt aus: „Die Molkereien berichten, dass es europaweit sehr viel H-Milch gibt. Auch die Käselager sind voll.“ Außerdem gibt er zu bedenken, dass nicht alle Regionen in Europa gleichermaßen von der Trockenheit betroffen waren und die Produktion deshalb in manchen Gebieten auf Hochtouren weiterlaufen konnte. „Deswegen haben wir eigentlich viel zu viel Milch am Markt, obwohl es einzelne Bauern gibt, die vielleicht ihre Lieblingskuh verkaufen müssen“, so Royer. Moosbrugger setzt in puncto Anlieferungsmengen beim unternehmerischen Handeln der einzelnen Betriebe an. Angebot und Nachfrage würden auch in der Landwirtschaft als Grundprinzip der Preisbildung gelten. Betriebe müssten ihre Entwicklung nicht nur auf möglichst hohe Produktionsmengen ausrichten, sondern auch Futtergrundlage, Tierbestand und Marktentwicklung wieder verstärkt im Blick behalten.

Bio in der Dürre: Wie weit dürfen Ausnahmen gehen?

Kontrovers wird die Diskussion beim Umgang mit Bio-Betrieben geführt, denen aufgrund der Trockenheit regional ausnahmsweise der Zukauf von konventionellem Futter eingeräumt wurde. Royer, selbst Biobauer und Bio-Konsument, stellt zur Diskussion, ob solche Öffnungen in einem Markt mit ohnehin großen Mengen immer der richtige Weg sind. Für ihn steht dabei auch die Glaubwürdigkeit des Systems gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten zur Debatte. Bestimmte Öffnungen bewertet auch Moosbrugger kritisch und betont, dass es bundesländerweise zum Teil unterschiedliche Regelungen gebe. Gleichzeitig will er nicht allein die Trockenheit zum Anlass nehmen, um über Bio-Ausnahmeregelungen zu diskutieren. Auch verweist er auf Pläne der EU, die einen gewissen Prozentsatz an Bio-Produktionsflächen vorsehen. „Ich halte es für den falschen Ansatz, einfach eine Zahl zu definieren und den Markt nicht zu kennen.“ Grundsätzlich müsse auch im Biobereich gelten, dass Produktionsmengen und Nachfrage zueinanderpassen.

Ackerbau zwischen Übermengen und Ertragseinbußen

Wie dynamisch die Situation im Ackerbau sein kann, zeigt sich am Beispiel der Kartoffel. „Im Frühjahr mussten wegen der Übermengen im Vorjahr zigtausende Tonnen in Biogasanlagen vernichtet werden. Und jetzt haben wir uns gerade Zahlen zu den aktuellen Erntemengen eingeholt. Im niederösterreichischen Raum, hinauf ins Weinviertel, werden statt 35 Tonnen unter zwölf Tonnen Hektarertrag erwartet“, berichtet Royer. Zudem sei Mäusefraß in dieser Region ein Problem. Moosbrugger weist beim Ackerbau darauf hin, dass Kulturen und betriebliche Entscheidungen über mehrere Jahre hinweg zu betrachten sind. Denn Entscheidungen, die in der Landwirtschaft heute getroffen werden, reichen weit über die aktuelle Saison hinaus. Er bringt es so auf den Punkt: „Das ist kein Job, in dem ich von heute auf morgen den Schalter umlege. Landwirtschaft ist in Generationen gedacht, aber zumindest auf Jahre geplant.“

Reale Herausforderungen, unterschiedliche Standpunkte

Der heurige Sommer wird damit zum Ausgangspunkt für eine größere Debatte: Wie krisenfest müssen Betriebe wirtschaften? Wie stark müssen Produzentinnen und Produzenten auf Märkte reagieren? Wo sind Ausnahmen in Extremsituationen notwendig – und wo verschieben sie Probleme lediglich innerhalb der Landwirtschaft? Und wird zu schnell nach Hilfspaketen der Politik gerufen? Royer und Moosbrugger kommen dabei nicht in allen Punkten zur gleichen Antwort. Gerade darin liegt der Kern der Debatte: Die Herausforderungen sind real, die Interessen und Meinungen unterschiedlich – und viele der Antworten müssen auch innerhalb der Landwirtschaft diskutiert werden.

Die gesamte Folge mit Josef Moosbrugger ist im Land-schafft-Leben-Podcast „Wer nichts weiß, muss alles essen“ auf allen gängigen Podcast-Plattformen zu hören.

 

 

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