Senfpflanze – ökologischer Mehrwert auf Österreichs Äckern?

30.11.2021

Während der Senfanbau für die Körnernutzung eher eine Nische darstellt, findet Senf häufig im Zwischenfruchtanbau Verwendung. Das hat für den Boden Vor- und Nachteile. Der Verein Land schafft Leben ist dem Kreuzblütengewächs auf der Spur.

Obwohl der heimische Speisesenf-Anbau in den vergangenen Jahren ausgebaut wurde, ist die gelb leuchtende Pflanze auf den Feldern Österreichs noch rar: Senf für die Paste aus der Tube wurde im Jahr 2020 lediglich auf knapp 1.500 Hektar angebaut – der größte Teil davon in Niederösterreich mit 1.300 Hektar. Zum Vergleich: Mais (inklusive Silo- und Grünmais) ist hierzulande mit knapp 300.000 Hektar die meistangebaute Ackerkultur. „Regionalität beginnt bereits beim kleinsten Senfkorn. Das Bedürfnis heimischer Verarbeitungsbetriebe sowie Konsumentinnen und Konsumenten nach mehr inländischem Senf in der Tube stärkt nicht nur uns Bäuerinnen und Bauern, sondern auch die Biodiversität auf unseren Feldern“, so Hannes Royer, Obmann von Land schafft Leben.

Wirtschaftliche Bedeutung

Bäuerinnen und Bauern, die Senf für die Körnernutzung anbauen, sind einem relativ hohen Risiko ausgesetzt. Da die Pflanze wirtschaftlich nur eine geringe Bedeutung hat, gibt es in der Sortenentwicklung nur wenig Fortschritt. Der Ertrag kann außerdem stark schwanken: Beim Gelben Senf liegt der Durchschnittsertrag zwischen 1.000 und 1.400 Kilogramm pro Hektar. Bei Braunem etwas weniger und beim Schwarzen Senf sind es mit bis zu 900 Kilogramm pro Hektar deutlich weniger. Die Schwankungen sind auf das Verbot vieler Pflanzenschutzmittel bei gleichzeitig hohem Schädlingsdruck sowie auf die unbeständigen Witterungsbedingungen zurückzuführen.

Gern gesehen in der Gründüngung…

Eine wesentlich größere Bedeutung hat die Senfpflanze im Zwischenfruchtanbau. In den Gründüngungsmischungen findet sich neben Buchweizen, Phacelia, Ölrettich und weiteren auch häufig der Senf wieder. Der Zwischenfruchtanbau liefert keine Senfsamen zur Herstellung von Speisesenf. Meist handelt es sich um Sorten, die speziell für die Gründüngung gezüchtet werden. Diese bilden mehr Blattmasse und weniger Kornertrag. Durch die Pfahlwurzel des Senfs wird der Boden gelockert. Außerdem keimen Senfsamen sicher, gehen schnell auf und wachsen schnell. Diese Eigenschaften sorgen für einen raschen Bodenschutz vor Erosion und Unkraut.

…oder doch nicht?

Mittlerweile wird versucht, durch die Reduzierung des Senfanteils die Mischungen vielfältiger zu gestalten. Die im Senf enthaltene Erucasäure kann sich in großen Mengen negativ auf das Bodenleben auswirken. Da die Pflanze nicht zwischen nützlichem und schädlichem Bodenleben unterscheiden kann, drängt der Senf zum Eigenschutz sämtliches Bodenleben zurück. Er wirkt also antibakteriell in jeglicher Hinsicht. Zuletzt gibt der Senf relativ viel Stickstoff an die Luft ab, wenn er stirbt. Je nach Blüh-Zeitpunkt der Gründüngungen können sie für Bienen Fluch oder Segen sein: Senfblüten können im Oktober/November Bienen dazu motivieren, in dieser eigentlich für sie zu kühlen Zeit wieder auszufliegen, um Nektar zu sammeln. Dadurch geht viel Energie verloren. Früher blühende Zwischenfrüchte können die Insekten hingegen zur Aufstockung ihres Wintervorrats nutzen. Zur 21. Lebensmittelrecherche von Land schafft Leben meint Hannes Royer: „Kleines Korn mit großer Wirkung – sei es im Boden oder bei der Biodiversität. Es gibt so viel Wissen über einzelne Pflanzen und Lebensmittel, deshalb ist es wichtig, immer wieder über den Tellerrand zu schauen und sich zu informieren.“


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Bildbeschreibungen:

•    Bild 1: In Österreich spielt der Senfanbau für die Körnernutzung eher eine untergeordnete Rolle. © Land schafft Leben
•    Bild 2: Aus dem gelben Korn kann man verschiedenste Produkte wie Speisesenf, Senfkaviar und Senföl herstellen. © Land schafft Leben
•    Bild 3: Senf für die Paste aus der Tube wurde hierzulande im Jahr 2020 auf knapp 1.500 Hektar angebaut. © Land schafft Leben
•    Infografik 1: Die gelb blühende Senfpflanze wird hierzulande vor allem in Niederösterreich angebaut. © Land schafft Leben
•    Infografik 2: In Österreich werden vor allem drei Arten für den menschlichen Konsum angebaut: der Gelbe, der Braune und der Schwarze Senf. © Land schafft Leben

 

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