Dürre macht deutlich: Heimische Lebensmittel sind keine Selbstverständlichkeit

22.09.2026

Der trockene und heiße Sommer hat in vielen Teilen Österreichs deutliche Spuren auf den Feldern hinterlassen. Im Podcast „Wer nichts weiß, muss alles essen“ sprechen Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben, und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger darüber, wie die Klimaverschlechterung mit zunehmenden Wetterextremen die heimische Lebensmittelproduktion zunehmend unter Druck setzt – und weshalb Versorgungssicherheit nur mit einer wirtschaftlich tragfähigen Landwirtschaft gewährleistet werden kann.

Kaum Regen, hohe Temperaturen und damit einhergehende Ertragseinbußen haben zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe in Österreich im Sommer gefordert. In der Grünlandwirtschaft fehlt Futter für die Tiere, auch im Ackerbau sind die Ertragsverluste erheblich. Für Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben, macht der heurige Sommer sichtbar, was im Alltag leicht in Vergessenheit gerät: Lebensmittel entstehen nicht im Supermarkt. Ihre Produktion ist von natürlichen Einflüssen abhängig und lässt sich nicht beliebig an Markt und Nachfrage anpassen. „Dieser Sommer hat vermutlich einige Menschen wachgerüttelt und ihnen gezeigt, dass es am Ende des Tages problematisch werden kann. Spätestens seit Corona und diversen Kriegen wissen wir, dass internationale Versorgungswege zum Erliegen kommen können“, so Royer. Umso wichtiger ist die Versorgungssicherheit innerhalb Österreichs. Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, beschreibt, wie stark die aktuelle Situation manche Landwirtinnen und Landwirte, belastet: „Wenn man sieht, dass am Feld mehr kaputtgeht als wächst, und man nicht mehr weiß, wie man das Vieh füttern soll, dann steigt in der Familie die Verzweiflung.“

Trockenheit setzt Kartoffeln zu

Wie schnell sich die Verfügbarkeit heimischer Lebensmittel verändern kann, zeigt sich besonders deutlich am Beispiel der Kartoffel. Nach großen Erntemengen und niedrigen Preisen im Vorjahr werden heuer aufgrund der Trockenheit Ernteeinbußen erwartet: Laut vorläufigen Branchenschätzungen wird im niederösterreichischen Kartoffelanbau regional mit Erträgen von weniger als zwölf statt rund 35 Tonnen pro Hektar gerechnet. Zusätzlich beeinträchtigt teilweise Mäusefraß die Ernte. Ein weiterer Faktor: Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Kartoffelanbauflächen österreichweit laut AMA-Daten um elf Prozent zurück.

Die Trockenheit beeinflusst auch den Marktpreis. Vereinfacht gesagt gilt: Kleineres Angebot, höherer Preis. Aber höhere Preise bedeuten nicht automatisch höhere Erlöse für die Bäuerinnen und Bauern, da geringere Erntemengen die Erlöse wieder reduzieren. Internationale Märkte, Lagerbestände und die Qualität der Ernte spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Kaufentscheidungen beeinflussen Lebensmittelproduktion

Der heurige Sommer zeigt nicht nur die unmittelbaren Folgen extremer Wetterbedingungen und des Klimawandels, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Wie krisenfest ist unsere Lebensmittelproduktion? Was braucht es, damit Landwirtschaft langfristig wirtschaftlich bestehen kann? Und welchen Beitrag können Konsumentinnen und Konsumenten dazu leisten? Royer und Moosbrugger sind sich einig: Damit die heimische Landwirtschaft langfristig bestehen kann, braucht es Klimaschutz, Klimaanpassung, nachhaltiges und vorausschauendes Wirtschaften sowie faire Rahmenbedingungen für österreichische Produzentinnen und Produzenten am Markt. Moosbrugger nimmt auch die EU-Politik in die Pflicht und warnt auf europäischer Ebene vor einer Abhängigkeit von anderen Ländern im Lebensmittelbereich. In anderen Segmenten wie Energie oder Rohstoffen sei dies bereits der Fall. „Das darf uns bei Lebensmitteln nicht passieren.“

Gleichzeitig tragen auch Konsumentinnen und Konsumenten Verantwortung: Wer Wert auf Regionalität, hohe Produktionsstandards, eine krisensichere heimische Landwirtschaft und eine für den Tourismus und Einheimische erhaltene kleinteilige Kulturlandschaft legt, beeinflusst mit seinen Kaufentscheidungen mit, welche Form der Lebensmittelproduktion wirtschaftlich bestehen kann.

Im Land-schafft-Leben-Podcast „Wer nichts weiß, muss alles essen“ diskutieren Hannes Royer und Josef Moosbrugger neben den Auswirkungen der Trockenheit auf Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion auch über Themen wie Preisbildung, Lebensmittelimporte, Einfluss und Möglichkeiten der Politik, staatliche Dürrehilfen und wirtschaftliche Eigenverantwortung der Betriebe. Die Episode ist in voller Länge auf allen gängigen Podcast-Plattformen zu hören.

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