BOKU Hackathon: 24 Stunden für die Zukunft der Landwirtschaft

19.05.2021

In begrenzter Zeit mit anderen TüftlerInnen innovative Projekte und Lösungen aushecken – so kann das Prinzip eines „Hackathons“ beschrieben werden. Vorrangig aus IT-Kreisen bekannt, wurde ein solcher von 10. bis 11. Mai 2021 nun erstmals an der BOKU Wien zum Thema „Zukunft Landwirtschaft 2030“ veranstaltet. 

Anstatt der alljährlichen Besichtigungen landwirtschaftlicher Betriebe, die Corona-bedingt abgesagt werden mussten, waren die Studierenden des Masterstudiengangs Agrar- und Ernährungswirtschaft heuer gefordert, innerhalb von zwei Tagen Ideen für praxistaugliche Projekte zum Thema „Zukunft Landwirtschaft 2030“ zu entwickeln. Den thematischen Auftakt dazu machten VertrerterInnen vom Bund, dem Land Oberösterreich, dem Verein Land schafft Leben und der BOKU selbst. In kurzen Vorträgen gaben Hubert Huber (Land OÖ), Johannes Fankhauser (BMLRT), Maria Fanninger (Land schafft Leben) Vera Kasparek und Julia Jungmair (beide BOKU), die auch die fünfköpfige Jury bildeten, den Studierenden inhaltliche Impulse für die Entwicklung ihrer Projekte.

Landwirtschaft und KonsumentInnen wieder näherbringen

Aufgeteilt in sieben Projektteams beschäftigten sich die 30 teilnehmenden Studierenden anschließend mit den Themen Agrarpolitik, Agrarbildung, Kommunikation, Lebens- und Arbeitsplatz Bauernhof, erlebbare regionale Kulinarik, Innovation, Digitalisierung & Klimawandel sowie Fairness entlang der Wertschöpfungskette. Die inhaltliche Basis bildete dabei das Strategiepapier der oberösterreichischen Landesregierung „Zukunft Landwirtschaft 2030“, das Visionen, Ideen und Maßnahmenvorschläge von rund 1500 LandwirtInnen, KonsumentInnen sowie Medien- und BranchenvertreterInnen abbildet. Warum die Wahl auf dieses Thema fiel, erklärt Siegfried Pöchtrager, Leiter der Lehrveranstaltung:

„Die Arbeit in der Landwirtschaft muss den Konsumentinnen und Konsumenten wieder erklärt werden. Dazu müssen wir unser Wissen so aufbereiten, dass wir die Konsumentin oder den Konsumenten damit dort abholen, wo er steht. Jedes Gespräch und jeder direkte Kontakt ist eine Chance, Botschafterinnen und Botschafter für die Landwirtschaft zu gewinnen.“

Transparente Informationen, bewusste Konsumentscheidungen

Die Ideen der Studierenden, die dazu im Rahmen des zweitägigen BOKU Hackathons entstanden sind, begeisterten Jury und ProfessorInnen gleichermaßen. Überzeugen konnte schließlich die „Genussregion App“, die überregionale Kulinarik-Initiativen wie „Gutes vom Bauernhof“ oder „Wirtshauskultur“ auf einer Plattform bündeln und produktspezifische Informationen transparent aufbereiten soll. Für Maria Fanninger vom Verein Land schafft Leben ein innovativer Schritt, wenn es darum geht, KonsumentInnen und Landwirtschaft einander wieder näherzubringen:

„Die Projektidee steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber ich sehe eine durchgängige Transparenz der Lebensmittel von der Produktion bis auf den Teller als unumgängliche Forderung der nächsten Generation. Nur so können wir bewusste, wertebasierte Konsumentscheidungen treffen und Verantwortung für unser Handeln übernehmen.“

Als Preis wurde dem Siegerteam, bestehend aus Fabian Camus, Henrike Heinicke, Lukas Knafl und Yasmin Kunzi, ein einmonatiges Praktikum beim Verein Land schafft Leben angeboten. Und für die VeranstalterInnen ist nach dem vielversprechenden Output aller TeilnehmerInnen klar: Das Format „Hackathon“ wird es in Zukunft noch öfter an der BOKU geben.

Die Projekte

Aufgeteilt in 7 Teams entwickelten die 30 teilnehmenden StudentInnen ihre Projekte in unterschiedlichen Themenfeldern entlang der Wertschöpfungskette:

Kommunikation: Team 1 gründete die Plattform „Landwirt*innen erleben“, auf der Bäuerinnen und Bauern ihren eigenen Betrieb vorstellen und gleichzeitig Fragen der KonsumentInnen beantworten können. Ziel ist es, ein ehrliches und praxisnahes Bild der Landwirtschaft zu erzeugen und den Dialog beidseitig zu stärken.

Agrarpolitik: Team 2 setzte auf die Etablierung einer weitreichenden Lebensmittelkennzeichnung – vom CO2-Ausstoß in der Produktion bis zum Transport zum Endverbraucher samt Einbindung der Gastronomie mit entsprechender Kennzeichnung auf Speisekarten - um damit klimaneutrale, nachhaltige und regionale landwirtschaftlicher Produkte zu stärken.

Erlebbare regionale Kulinarik: Team 3 entwickelte eine Genussregion-App „Österreich is(s)t eins“ mit dem Ziel, die bereits bestehenden kulinarischen österreichischen Initiativen (Gutes vom Bauernhof, Bio Austria, Urlaub am Bauernhof, Wirtshauskultur, Österreich Wein, …) auf einer Genuss-Plattform zusammenzuführen, zu optimieren und auszubauen.

Innovation, Digitalisierung, Klimawandel: Team 4 rief eine Österreichische Agriphotovoltaik-Offensive ins Leben, die es LandwirtInnen ermöglichen soll, ihren eigenen CO2-neutralen Strom zu produzieren und gleichzeitig die uneingeschränkte Nutzung des darunterliegenden Bodens zuzulassen – mit der zusätzlichen Verdienstmöglichkeit der Einspeisung des selbst erzeugten Stroms in das lokale Versorgungsnetz.

Lebens- und Arbeitsplatz Bauernhof: Team 5 schlug die Zertifizierung für eine lebenswerte österreichische Landwirtschaft (LÖL) vor. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und den Dialog mit den KundInnen soll gesellschaftlich mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft erlangt und die Lebensqualität am Bauernhof gestärkt werden.

Fairness Wertschöpfungskette: Team 6 setzte auf starke Partnerschaften zwischen Erzeugern, Verarbeitern, Handlern und Einzelhändlern als innovative Perspektive für regionale Wertschöpfungsketten mit dem Ziel, vor allem kleine und mittelständige Lebensmittelproduzenten wirtschaftlich zu unterstützen und neue Marktchancen für diese zu schaffen.

Agrarbildung: Team 7 präsentierte ihr Projekt ,,Persönlichkeitsschmiede“ mit dem Fokus auf die die Stärkung der UnternehmerInnen-Persönlichkeiten und die Weiterbildung für JungübernehmerInnen zur Identitätsfindung. Konkrete Maßnahmen u.a. Vernetzung und Austausch von LandwirtInnen, Persönlichkeitscoaching, Rhetoriktrainings und Social-Media-Promotion.

Für Rückfragen oder ein Interview stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!


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Bildbeschreibungen:

  • Siegi Pöchtrager und Maria Fanninger im Land schafft Leben-Podcast „Wer nichts weiß, muss alles essen“ (Credit: Land schafft Leben)
  • Zukunft Landwirtschaft 2030 Hackathon:_Siegfried Pöchtrager, Vera Kasparek (Credit: BOKU Wien)

 

Weiterführende Links für Ihre Recherche:

„Wachse oder Landwirtschaft“: Siegi Pöchtrager zu Gast bei Maria Fanninger im Land schafft Leben-Podcast „Wer nichts weiß muss alles essen“: https://www.youtube.com/watch?v=quVxGPrsQ60

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