Zum Inhalt springen
Land schafft Leben
Land schafft Leben

Wir brauchen Dich! Begib dich mit uns auf die Spur deines Essens – werde Mitglied oder spende einmalig.

Tourismus und Landwirtschaft: Warum ist Österreich bei Gästen so beliebt?

Der Tourismus ist eine tragende Säule der Wirtschaft in Österreich und sorgt für beträchtliche Wertschöpfung. Seine Basis dürfte vielen Menschen kaum bewusst sein: die von Bäuerinnen und Bauern gepflegte Kulturlandschaft.

Ohne Tourismus und Freizeitwirtschaft wäre Österreich ein deutlich ärmeres Land. Mit der Beherbergung, Verköstigung oder Unterhaltung von Gästen verdienen viele Menschen hierzulande ihren Lebensunterhalt. Und so manch verarmtes Bergbauerndorf hat sich – aufgrund vermehrt kommender Gäste – innerhalb weniger Jahrzehnte zum wohlhabenden Tourismusmagneten entwickelt. Doch wo genau liegen die Anfänge dieses heute so wichtigen Wirtschaftszweiges, was genau ist es eigentlich, das Menschen zur Erholung nach Österreich zieht? Und in welcher Weise hängen Tourismus und Landwirtschaft voneinander ab?

Aktueller Tourismus in Österreich – die wichtigsten Zahlen

Laut Statistik Austria6 konnten Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen in Österreich im Jahr 2024 mit mehr als 154 Millionen Nächtigungen einen neuen Rekord verbuchen. Damit lag die Anzahl der Übernachtungen noch einmal um ein Prozent über dem bisherigen Rekordjahr 2019. Im Durchschnitt verbrachte jeder Gast 3,3 Nächte in touristischen Unterkünften.

Fast drei Viertel (74 Prozent), genauer gesagt rund 114 Millionen dieser Übernachtungen fielen dabei auf Gäste aus dem Ausland, wobei Deutschland mit großem Abstand das wichtigste Herkunftsland darstellt. Besuche von unserem nördlichen Nachbarn waren allein für 38 Prozent oder 59 Millionen der Nächtigungen des Jahres 2024 verantwortlich. Das zweitwichtigste auswärtige Herkunftsland für die Tourismusbranche waren die Niederlande mit sieben Prozent, auf dem dritten Platz folgten die Schweiz und Lichtenstein mit zusammen rund drei Prozent der Übernachtungen.

Unverzichtbar für die Tourismusbranche sind aber auch jene Gäste, die aus dem eigenen Land kommen und in hiesigen Gefilden Erholung suchen. Auf sie fiel 2024 ein gutes Viertel (26 Prozent) oder 40 Millionen der Nächtigungen. So gesehen stellt Österreich selbst das zweitwichtigste Herkunftsland für die heimische Tourismusbranche dar.

Auf Ebene der Bundesländer zeigt sich eine ungleiche Verteilung: Mehr als die Hälfte aller Übernachtungen, rund 79 Millionen, entfielen im Jahr 2024 auf Tirol und Salzburg. Zählt man das in dieser Hinsicht drittstärkste Bundesland Wien dazu, dann übernachten rund zwei Drittel aller Gäste in diesen drei Bundesländern.

Interessant ist auch der Anteil des Städtetourismus. Wien und alle Bundesländerhauptstädte zusammengenommen verbuchten im Betrachtungsjahr mit annähernd 28 Millionen Nächtigungen einen Anteil von 18 Prozent aller Übernachtungen. Anders ausgedrückt: Mehr als vier von fünf Nächten verbringen Gäste in Österreich in Landgemeinden oder Kleinstädten.

© Land schafft Leben 2025
© Land schafft Leben 2025

Was ist Tourismus?

Das Wort „Tourismus“ stammt aus dem Französischen. Dort steht das Substantiv „le tour“ für die Reise, den Ausflug oder die Runde. Deshalb lässt sich das berühmteste Radrennen der Welt, die Tour de France, auch mit Frankreichrundfahrt übersetzen. Im 19. Jahrhundert, als in den Alpen das Wandern und Bergsteigen so richtig in Mode kam, bezog sich der Begriff Tourismus noch speziell auf die Runde, die jemand in den Bergen drehte. Ein Tourist war also ein Wanderer oder Bergsteiger.

Zum Überbegriff mit seiner heutigen Definition mutierte der Tourismus erst im 20. Jahrhundert, als er nach und nach den lange gebräuchlichen Begriff „Fremdenverkehr“ ablöste. Aber noch heute findet sich hier und da an der Fassade mancher Frühstückspension das Wort „Fremdenzimmer“.

Laut Definition der Tourismus-Organisation der Vereinten Nationen (UN Tourism) sind unter dem Begriff Tourismus die „Aktivitäten von Besuchern“ zu verstehen. Dabei ist mit einer Besucherin oder einem Besucher eine Person gemeint, die „für weniger als ein Jahr, aus einem (geschäftlichen, freizeitlichen oder anderem persönlichen) Haupt-Grund, (…) zu einem Hauptziel außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reist.“ Ausgenommen sind lediglich Menschen, die bei einem ortsansässigen Unternehmen angestellt sind. Kurz gesagt: Touristinnen und Touristen besuchen einen Ort außerhalb ihres eigenen Wohn- und Arbeitsumfelds. Auch geschäftliche Aufenthalte zählen also dazu (außer, der eigene Arbeitsplatz wird aufgesucht). Eine Übernachtung ist übrigens nicht erforderlich, um eine Reise als touristisch zu qualifizieren.

Das Geld, das Touristinnen und Touristen am Ort ihrer Wahl ausgeben, sorgt für touristische Wertschöpfung. Zum Beispiel dadurch, dass sie eine Tageskarte für die Bergbahnen erwerben, einen Skikurs belegen, Wanderstöcke kaufen, im Restaurant essen oder im Supermarkt einkaufen.

Nicht dem Tourismus zuzuordnen sind jene Ausgaben, die für dieselben Waren und Dienstleistungen von Ortsansässigen getätigt werden. Schließlich fahren auch sie gerne auf ihren Hausbergen Ski, gehen wandern oder besuchen ihr Lieblings-Beisl ums Eck. Ein Beispiel: Fährt eine Wienerin zum Skifahren nach Stuhleck, dann ist sie Touristin. Der mit ihr in derselben Wohnung lebende Partner, der sich zur gleichen Zeit im Wiener Museumsquartier eine Ausstellung ansieht, ist kein Tourist. Er trägt stattdessen zur Wertschöpfung innerhalb der Freizeitwirtschaft bei. Die beiden Kategorien voneinander zu trennen, kann herausfordernd sein und ist Gegenstand wissenschaftlicher Analysen, wie sie etwa das WIFO mittels Befragungen, der Auswertung aller möglichen statistischen Daten und Modellrechnungen betreibt. Beispielsweise könnte man in mehreren Restaurants einer Gemeinde stichprobenartig ermitteln, ob es sich bei den Gästen eines Abends jeweils um Touristen oder um Einheimische handelt und die Ergebnisse anschließend hochrechnen. Außerdem führen das WIFO und die Statistik Austria gemeinsam ein sogenanntes Tourismus-Satellitenkonto. Dieses Satellitenkonto „kreist“ gewissermaßen um vorhandene Statistiken und Datensätze herum und nimmt alles auf, was gemäß internationalen Richtlinien dem Tourismus angerechnet werden kann.

Gemeinsam tragen Tourismus und Freizeitwirtschaft einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung Österreichs bei.

Welche Werte schafft der Tourismus?

Laut Statistik Austria haben im Jahr 2023 Tagesgäste und nächtigende Gäste auf Urlaubs- und Geschäftsreisen in Österreich rund 37 Milliarden Euro ausgegeben. Davon fiel mit knapp 23 Milliarden mehr als die Hälfte auf Touristinnen und Touristen aus dem Ausland. Die daraus erzielte direkte Wertschöpfung betrug 4,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs beziehungsweise des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Aber was genau bedeutet eigentlich direkte Wertschöpfung und was unterscheidet sie von der Indirekten?

Welchen Wert bestimmte Aktivitäten für eine Volkswirtschaft haben beziehungsweise erschaffen, lässt sich mittels modellhafter Berechnungen der sogenannten Wertschöpfung abschätzen. Damit ist zum Beispiel Anna Burton vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) beschäftigt. Sie erklärt: „Vereinfacht gesagt ist die Wertschöpfung der Wert, der neu geschaffen wird, wobei die jeweiligen Vorleistungen nicht eingerechnet sind.“ Die direkte Wertschöpfung eines Hotels lässt sich demnach aus dem Zimmerpreis (ohne Mehrwertsteuer) errechnen, indem man jene Kosten für die notwendigen Vorleistungen abzieht, die das Hotel bei anderen Unternehmen einkaufen muss, um die eigene Leistung überhaupt erbringen zu können. Dazu gehört im Fall des Hotelzimmers etwa die Tischlerei, die das Hotelzimmer einrichtet oder die Wäscherei, die für frische Handtücher und Bettwäsche sorgt.

Wichtig zu beachten ist, dass das Hotel nach demselben Prinzip sowohl bei der Tischlerei als auch bei der Wäscherei zusätzlich für indirekte Wertschöpfung sorgt. „Die Leute von der Wäscherei kommen selbst zwar nie mit dem Touristen oder der Touristin in Kontakt, aber nur weil diese Urlaub machen, gibt es das Hotel, das die Wäscherei braucht“, sagt Anna Burton.

Die Modellrechnungen des WIFO7 zeigen beispielhaft für das Jahr 2023, dass allein der Tourismus innerhalb Österreichs für direkte und indirekte Wertschöpfungseffekte von fast 30 Mrd. Euro (28,9 Mrd.) sorgte. Das entspricht 6,1 Prozent des 2023-er BIP. Das BIP ist eine vielfach genannte statistische Größe zur Bemessung der wirtschaftlichen Stärke eines Landes. Sie umfasst den Gesamtwert aller in Österreich produzierten Waren und Dienstleistungen (inklusive der auf die Güter zu zahlenden Steuern, abzüglich der dafür empfangenen Subventionen).

© Land schafft Leben 2025
© Land schafft Leben 2025

Österreich ist eines der beliebtesten Urlaubsländer der Welt

Dass die Tourismuswirtschaft zum Wohlstand des Landes Zig-Milliardenbeträge an direkter und indirekter Wertschöpfung beisteuern kann, liegt auch an der internationalen Beliebtheit Österreichs als Urlaubsland. Wie beliebt genau, das zeigen die Statistiken der UN-Tourismusorganisation. Diese veröffentlicht alljährlich die Rangfolge der weltweit beliebtesten Urlaubsdestinationen, gemessen in der Anzahl internationaler Ankünfte. Eine Ankunft bezieht sich dabei jeweils auf eine Person, die aus dem Ausland kommend in Österreich ankommt. Dabei landete Österreich in jüngster Vergangenheit regelmäßig unter den ersten zehn Ländern.

Im Jahr 2024 belegte Österreich mit 32 Millionen internationalen Ankünften Platz 13 der beliebtesten Urlaubsnationen im weltweiten Tourismus. Dabei handelt es sich bei allen davor platzierten Ländern um deutlich größere Staaten. Platz eins erreichte zum Beispiel Frankreich mit 102 Millionen Ankünften, gefolgt von Spanien und den USA mit 94 beziehungsweise 72 Millionen Ankünften.

© Land schafft Leben 2025

Österreichs Seilbahnen

In Österreich gibt es rund 640 Seilbahnbetriebe, die insgesamt circa 2.500 Seilbahnanlagen und Schlepplifte betreiben und vor allem vom Skitourismus leben. Wer gerne Ski- und Snowboard fährt, kann sich in Österreich laut Fachverband der Seilbahnen auf insgesamt 23.700 Hektar (237 Quadratkilometer) Pistenflächen austoben. Das entspricht ungefähr der Fläche der Insel Elba im Mittelmeer oder 0,3 Prozent des österreichischen Staatsgebiets.

Welche Werte schafft die Landwirtschaft?

Auch die Landwirtschaft schafft Werte. Diese bestehen in erster Linie aus Lebensmitteln bzw. landwirtschaftlichen Rohstoffen. Laut Statistik Austria8 lag die direkte Wertschöpfung der Landwirtschaft (ohne Forstwirtschaft) im Vergleichsjahr 2023 bei rund 4,4 Milliarden Euro. Und somit bei 0,9 Prozent des BIP.

Darüber hinaus erschaffen und erhalten Bäuerinnen und Bauern weitere Werte, die sich weniger leicht bemessen lassen und die in der Regel nicht in den Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse enthalten sind. Dazu gehören gegebenenfalls die Schönheit der Landschaft oder der Beitrag zur Selbstversorgung und damit zur Krisensicherheit des Landes. Für den Tourismus und die Freizeitwirtschaft ist dabei der Beitrag der Landwirtschaft zur Pflege der Kulturlandschaft von entscheidender Bedeutung. Unter Kulturlandschaft versteht man eine Landschaft, deren Aussehen durch Eingriffe des Menschen wesentlich verändert wurde. Vor allem die Land- und Forstwirtschaft erhalten und pflegen die Kulturlandschaft, indem sie sie zu Produktionszwecken nutzen. Im Gegensatz dazu verkörpert eine Wildnis eine sich weitgehend selbst überlassene Naturlandschaft. Als reine Wildnis wären weite Teile Österreichs von dichten Wäldern bedeckt.

© Land schafft Leben 2025

Warum besuchen Menschen Österreich?

Menschen aus dem In- und Ausland, die den Lebensraum Österreich zu Erholungszwecken besuchen und nutzen, tragen ganz erheblich zum Wohlstand dieses Landes bei. Daher lohnt sich die Auseinandersetzung mit den Motiven dieser Menschen: Warum ist Österreich als Urlaubsland so beliebt? Was zieht jedes Jahr so viele Menschen nach Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten oder zu anderen schönen Flecken des Landes?

Solche und ähnliche Fragen sind essenziell für die nationale Tourismusorganisation „Österreich Werbung“. Deren Aufgabe liegt in der Bewerbung der Marke „Urlaub in Österreich“ sowie darin, sich für „den Erhalt bzw. den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit des Tourismuslandes Österreich“9 einzusetzen. Anders gesagt: Auch in Zukunft soll Österreich als Urlaubsland bekannt und beliebt bleiben. Aus diesem Grund sammelt die Österreich-Werbung regelmäßig relevante Daten und will wissen, warum Gäste eigentlich ins Land kommen. Zuletzt wurden im Sommer 2024 rund 20.400 Gäste befragt, im darauffolgenden Winter 2024/25 nahmen 19.600 an der Befragung teil.

Der entscheidende Zusammenhang zwischen der Beliebtheit Österreichs auf der einen und den von der Landwirtschaft erschaffenen Werten auf der anderen Seite zeigt sich beim Blick auf die Frage „Was waren die Gründe für die Wahl der Destination?“. Dabei offenbart sich, dass „Natur“ und Landschaft den mit Abstand wichtigsten Grund für einen Besuch in Österreich darstellen. Am deutlichsten wird dies bei den Sommergästen. Unter Ihnen gaben 62 Prozent „Natur/Landschaft“ an, während der zweitwichtigste Grund, die Unterkunft, mit 29 Prozent der Befragten folgte. Bei den Wintergästen zeigten sich die Sportmöglichkeiten mit 47 Prozent als wichtigster Grund. Allerdings ist auch der mit Abstand wichtigste Wintersport Skifahren an die Landschaft als Austragungsort gekoppelt. Auch im Winter folgte als zweitwichtigster Grund explizit die Landschaft mit 37 Prozent.

© Land schafft Leben 2025
© Land schafft Leben 2025
© Land schafft Leben 2025

Österreichs Landschaften sind stark geprägt durch die Landwirtschaft und gleichzeitig das wichtigste Motiv für Besucherinnen und Besucher. Der Schluss liegt daher nahe, dass Österreich ohne Bäuerinnen und Bauern ein großer Teil seines touristischen Markenkerns verloren ginge. Theresa Mitterer-Leitner ist Tourismusforscherin am Management-Center Innsbruck (MCI) und formuliert es so: „Gerade die Berglandwirtschaft mit ihren dazugehörigen Almen formt eine anziehende Kulturlandschaft, die seit über 150 Jahren für Sport und Erholung genutzt wird, von Gästen genauso wie von Einheimischen. Nur durch die fortlaufende Bewirtschaftung bleibt diese starke Anziehungskraft erhalten.“

Ohne diese Bewirtschaftung würde sich das vorherrschende Landschaftsbild durch Verbuschung und Verwaldung radikal verändern. Welche Werte dadurch verloren gingen, findest du weiter in diesem Report.

Quellen

6 Statistik Austria (statistik.at): Ankünfte und Nächtigungen im Kalenderjahr 2012 bis 2024 (Zugriff: 12.08.2025);

7 Statistik Austria (statistik.at): Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus, Tourismus- Satellitenkonten 2023 (Zugriff: 11.08.2025)

8 Statistik Austria (statistik.at): Landwirtschaftliche Gesamtrechnung auf nationaler Ebene; Zugriff: 20.02.2025

9 Österreich-Werbung (austriatourism.com): Die Österreich-Werbung /Austria Tourism; Zugriff: 20.02.2025