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Alm und Umwelt: Was ist das Problem?

Überweidung und Stickstoff-Emissionen sind prinzipielle Umweltprobleme, die mit der Nutztierhaltung in Verbindung stehen können. Eine ganz andere Herausforderung bringt der Klimawandel mit sich. Wie ist die Situation auf Österreichs Almen? 

Für Österreichs Almen gelten spezielle Umweltstandards. Sie sind unter anderem in den Förderrichtlinien des Agrarumweltprogramms ÖPUL festgeschrieben. Nahezu die gesamte Almfutterfläche des Landes wird über ÖPUL gefördert und unterliegt damit den speziellen Richtlinien. Im Jahr 2023 waren es laut Landwirtschaftsministerium 99 Prozent. 

Die Almenförderung verfolgt mehrere Ziele. Grundlegendes Ziel ist der Erhalt der Kulturlandschaft. In der Folge geht es um ihre Funktionen, wie dem Schutz vor Naturgefahren sowie um die „Erhaltung der hohen pflanzlichen und tierischen Diversität auf Almflächen durch die Umsetzung extensiver landwirtschaftlicher Nutzungsformen“. Extensiv bedeutet in diesem Zusammenhang das Gegenteil von intensiv und spiegelt die Tatsache wider, dass auf Almfutterflächen weniger Futterbiomasse heranwächst als auf dem Grünland im Tal und somit auch weniger Tiere damit gefüttert werden können. 

Gleichzeitig bewirkt die extensive Bewirtschaftung eine größere pflanzliche Artenvielfalt und in Folge auch eine größere tierische Artenvielfalt. Vereinfacht gesagt liegt das vor allem an geringeren Düngermengen sowie der Tatsache, dass einzelne Pflanzen nicht zu häufig von den Weidetieren abgefressen oder von Maschinen abgemäht werden. Dadurch gedeihen auch viele konkurrenzschwache Kräuter, die mehr Zeit zum Wachsen brauchen und genetisch nicht auf nährstoffreiche Böden angepasst sind. Diese hätten auf einer stark gedüngten Fläche, die intensiv und häufig abgefressen oder gemäht wird, keine Chance. Auf solchen intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen, wie sie im Tal häufiger vorkommen, dominieren dagegen wenige, viel schneller wachsende Grasarten. 

Um diese speziellen Bedingungen auf den Almfutterflächen zu honorieren und zu erhalten, begrenzen die Förderbedingungen die Zahl der Tiere pro Hektar. So dürfen im Regelfall pro Hektar Almweidefläche maximal 2,0 sogenannte Großvieheinheiten (GVE) an Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden, Ponys, Eseln, Lamas oder Alpakas aufgetrieben werden. Dabei entspricht eine GVE zum Beispiel einem ausgewachsenen Rind oder knapp sieben ausgewachsenen Schafen, Ziegen oder Alpakas. Aber auch nach unten gibt es eine Begrenzung: Es muss mindestens eine GVE pro Hektar aufgetrieben. 

Ein Hektar umfasst 10.000 Quadratmeter und entspricht knapp eineinhalb Fußballfeldern. Der maximale Viehbesatz soll verhindern, dass Flächen überweidet werden, wodurch kahle Stellen und Bodenerosion entstehen könnten. In der Praxis ist das Problem aber eher, dass auf Österreichs Almen zu wenige Tiere unterwegs sind. Dadurch wächst das Risiko von Verbuschung und Verwaldung, was diesen speziellen Lebensraum ebenso gefährdet. Daher ist die nach Hektar ausbezahlte Prämie umgekehrt auch an einen Mindest-Viehbesatz gekoppelt. 

Sind Österreichs Almen überdüngt? 

Auf Österreichs Almfutterflächen dürfen nur solche Düngemittel ausgebracht werden, die gemäß der EU-Bioverordnung zugelassen sind. Dies gilt für alle über ÖPUL geförderten Almen, unabhängig davon, ob die Alm zu einem biologisch oder konventionell wirtschaftenden Betrieb gehört. Vor allem sind dadurch sogenannte leicht lösliche Mineraldünger ausgeschlossen. Diese werden umgangssprachlich auch als „Kunstdünger“ bezeichnet. 

Solche Mineraldünger tragen weltweit zwar zu erheblichen Ertragssteigerungen bei. Auf Almen sind sie aber gemäß ÖPUL auch deshalb nicht erlaubt, weil sie aufgrund ihrer leichten Wasserlöslichkeit aus den eher dünnen und wenig speicherfähigen Almböden leichter ausgewaschen werden könnten. Der unerwünschte Eintrag von Nährstoffen in Gewässer und Ökosysteme wäre die Folge. 

Allerdings kommen auch Almpflanzen nicht ohne Nährstoffe aus. Maßvolle Düngung sorgt für gute Futterqualität und stabile Erträge. Die Richtlinien erlauben die Düngung mit Gülle, Jauche oder Mist (Wirtschaftsdünger), in denen die Nährstoffe weniger konzentriert und zudem überwiegend in organisch gebundener Form vorliegen. Dabei gilt, dass der Wirtschaftsdünger auf der Alm selbst anfallen muss. Lediglich Stallmist darf auch vom Heimbetrieb oder von anderen Betrieben stammen. 

Außerdem dürfen auf Österreich Almfutterflächen pro Jahr und Hektar höchstens 30 Kilogramm reiner Stickstoff als Wirtschaftsdünger ausgebracht werden. Dies gilt zusätzlich zu der Menge an Stickstoff, die die Weidetiere in Form ihrer Exkremente fallen lassen. Das regelt die sogenannte Nitrat-Aktionsprogramm-Verordnung (NAPV). Nitrat ist die pflanzenverfüg- bare Form des Stickstoffs. Zum Vergleich: Auf fünf- oder sechsmal jährlich gemähten Wiesen außerhalb der Almen dürfen es unter bestimmten Umständen bis zu 200 Kilogramm oder mehr sein – solange die Pflanzen den allergrößten Teil aufnehmen können und im Durchschnitt des Betriebes 170 Kilogramm pro Hektar nicht überschritten werden. Die genauen Höchstmengen sind detailliert, je nach Art der Grünlandfläche und ihres potenziellen Ertrages, festgeschrieben. Durch diese Mengenbegrenzung sind Nährstoffauswaschungen zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber das Risiko wird stark minimiert. Die Einhaltung der Bestimmungen wird unter anderem durch die Gewässeraufsicht überwacht. 

Was ist der Unterschied zwischen Gülle, Mist und Jauche?

In der landwirtschaftlichen Tierhaltung fallen verschiedene Formen von Wirtschaftsdüngern an. Sie enthalten unter anderem die tierischen Exkremente.

Als Gülle bezeichnet man ein flüssiges Gemisch aus Kot, Harn, Wasser und zum Teil Einstreuresten. Sie fällt schwerpunktmäßig in Stallhaltungssystemen an, die ohne Einstreu, wie etwas Stroh arbeiten.

Die traditionelle Form der Lagerung von Dung ist der Misthaufen. Fester (Stall-)Mist oder Festmist besteht aus Kot, vermischt mit Einstreu und darin gebundenem Urin.

Zu einem Misthaufen gehört eine Jauchegrube. Darin sammelt sich zum einen der Harn, der nicht von der Einstreu aufgenommen wurde. Zum anderen enthält die Jauche das Sickerwasser, das in einem nicht überdachten Misthaufen von Regenwasser gebildet wird.

In allen drei Düngerformen liegen die Nährstoffe größtenteils in organisch gebundener Form vor. Vor allem festmist ist auch ein wertvoller Humuslieferant.

Pflanzenschutzmittel spielen auf Almen keine Rolle 

Auf Almen ist der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel laut Förderrichtlinien nicht erlaubt. Zur Anwendung kommen dürften theoretisch zwar solche Wirkstoffe, die eine Zulassung gemäß der EU-Bio-Verordnung haben. Auf Weiden und Bergmähdern findet sich aber kein Zweck für ihre Anwendung. 

Grundsätzlich benötigt die Landwirtschaft Pflanzenschutzmittel in erster Linie im Ackerbau beziehungsweise bei der Produktion von Getreide, Eiweiß- und Ölpflanzen, Obst und Gemüse. Bäuerinnen und Bauern müssen ihre Kulturpflanzen vor Schädlingen und konkurrierenden Wildpflanzen schützen. Das machen sie mit unterschiedlichsten Mitteln und Methoden, zu denen auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gehört. Wirkstoffe natürlichen Ursprungs kommen auch bei bestimmten Bio-Kulturen zum Einsatz. 

Auf Wiesen und Weiden spielen Pflanzenschutzmittel auch außerhalb der Almen eine sehr untergeordnete Rolle. Nur in Ausnahmefällen kann es aus landwirtschaftlicher Sicht notwendig werden, auf einem Stück Grünland einzelne Gift- oder andere Problempflanzen mit einem chemischen Unkrautbekämpfungsmittel zu bekämpfen. Auch die komplette Neuaussaat kann sinnvoll sein, was die vorige chemische oder mechanische Abtötung des Altbestands voraussetzt. Da es unter den bio-konformen Wirkstoffen keinen Unkrautvernichter gibt, ist diese Art des Einsatzes auf Almen nicht relevant. 

Die Grünlandflächen auf Österreichs Almen zählen zum extensiv bewirtschafteten Grünland Österreichs. Sie werden maximal einmal im Jahr gemäht beziehungsweise wenig intensiv beweidet, und die chemische Unkrautbekämpfung ist durch die Förderrichtlinien ausgeschlossen. Dadurch beheimaten sie eine große Artenvielfalt und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. 

Der Klimawandel und zu wenige Tiere sind das größte Problem für Österreichs Almen 

Häufiger und intensiver auftretende Extremwetter wie Hitze, Trockenperioden oder Starkregen gehören zu jenen Folgen des Klimawandels, die regelmäßig und ausführlich in den Medien besprochen werden. Für Österreichs Almen ist allerdings eine andere Auswirkung entscheidend: die längere Vegetationsperiode. Unter der Vegetationsperiode ist jener Zeit- raum zu verstehen, in dem es warm genug für das Wachstum von Pflanzen ist. Grundsätzlich ist sie in Höhenlagen kürzer als in den Tieflagen. Grund dafür ist die physikalisch erklärbare Beobachtung, dass die Lufttemperatur pro 100 Höhenmeter um ein Grad Celsius sinkt. 

Salopp gesagt bringt es der Klimawandel mit sich, dass der Frühling früher beginnt und der Herbst später endet. Die Vegetationsperiode verlängert sich sowohl nach vorne als auch nach hinten. Beispielsweise stellte die Geosphere Austria (ehemals ZAMG) fest: „Insgesamt war die Vegetationsperiode 2024 um zwei Wochen länger als in einem durchschnittlichen Jahr der Klimaperiode 1991–2020 und vier Wochen als in der Klimaperiode 1961–1990.“52 Im Rekordjahr 2020 wuchsen Pflanzen in Österreich gar fünf Wochen länger als noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zwar haben einzelne Jahre für sich wenig Aussagekraft, aber der messbare Trend in Richtung längerer Vegetationsperioden ist eindeutig. 

Wer zuhause einen Rasen hat und diesen vier oder fünf Wochen lang nicht mäht, der bekommt vielleicht ein Gefühl dafür, wie viel Biomasse auf den Almen zusätzlich heranwachsen kann – auch wenn das Gras auf Almen langsamer wächst als auf dem Durchschnittsrasen im Flachland. Prinzipiell bedeuten die längeren Vegetationsphasen somit mehr Futter für die Tiere, deren Anzahl sich dadurch vergrößern ließe. Prinzipiell also eine betriebswirtschaftlich erfreuliche Entwicklung. Aber dennoch hat das Ganze für die Almwirtschaft eine zweite Seite. 

„Wenn für das zusätzliche Futter zu wenige Tiere auf der Alm sind, entsteht ein Nachteil“, erläutert Alm-Obmann Josef Obweger. „Die Tiere können dann gar nicht alles wegfressen und konzentrieren sich auf die schmackhaftesten Bereiche der Alm, während sie andere eher auslassen. In der Almwirtschaft ist das momentan unser Hauptproblem.“ Wo die Tiere nicht fressen und auch nicht gemäht wird, setzen sich nach und nach Farne, Zwergsträucher, Grünerlen oder Latschenkiefern durch. Die Fläche verbuscht und verwaldet allmählich. 

Auch der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft nimmt Einfluss auf die Entwicklung. So hat sich die Zahl der Betriebe mit Almauftrieb seit dem Jahr 2010 um rund 5.000 reduziert. Hier zeigt sich auch ein grundlegender Unterschied zwischen der Berglandwirtschaft und der Landwirtschaft in der Ebene. Wird etwa ein Bauernhof im Weinviertel aufgegeben, dann übernehmen in der Regel Betriebe aus der unmittelbaren Umgebung die Bewirtschaftung der freigewordenen Äcker, die meist zwischen den Flächen der anderen Betriebe verteilt liegen. 

Almflächen liegen dagegen in schwerer erreichbaren Berggebieten und nicht selten isoliert von Nachbarbetrieben. Für die ist es deswegen oft sehr viel schwerer bis unmöglich, frei gewordene Almflächen in den eigenen Betrieb zu integrieren. „Im Berggebiet ist es nicht so einfach, dass ein anderer die Flächen übernimmt“, meint Josef Obweger. Das liege auch daran, dass Alm-Arbeit viel Handarbeit ist und Arbeitskräfte knapp sind. „Wenn ein Bergbauernbetrieb aufhört, dann fehlen die Tiere einfach auf der Alm.“ 

Auf diese Weise gingen allein seit dem Jahr 2010 über 50.000 Hektar an Almfutterflächen und damit mehr als die Fläche Wiens verloren. Und damit auch wertvoller Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, genauso wie etliche weitere Funktionen, die mit Almen verbunden sind. Ziel der Almwirtschaft Österreich ist es, dass künftig wieder Tiere den Sommer auf Österreichs Almen verbringen. Betriebe, die grundsätzlich auftreiben könnten, es aber derzeit nicht tun, sollen vor allem die tiergesundheitlichen Vorteile des Almauftriebs überzeugen. 

Quelle

52 GeoSphere Austria (2024): Wärmstes Jahr der Messgeschichte; Pressemitteilung vom 19.12.2024