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Wie funktioniert eine Alm?

Die meisten Menschen dürften eine Vorstellung von Almen haben. Aber was genau ist eigentlich eine Alm? Wie sieht der Alltag auf dem Berg aus? Worin besteht die tägliche Arbeit von Bäuerinnen, Hirten oder Sennerinnen? Fest steht: Auf Almen dreht sich alles um das Vieh. 

Eine Weide ist eine dauerhaft von Gräsern und Kräutern bewachsene Fläche, auf der Nutztieren grasen. Eine Alm ist dem Wortsinn nach eine Weide auf einem Berg. Oder, in einem Wort gesagt: eine Bergweide. Ganz im Westen Tirols, in Vorarlberg oder in der Schweiz benutzen die Menschen noch heute die älteren, gleichbedeutenden Begriffe Alp oder Alpe, die aus den alemannischen Dialekten stammen. Auch das Mittelgebirge Schwäbische Alb in Baden-Württemberg trägt seinen Namen aufgrund der Weideflächen, die seit jeher auf dieser Hochebene genutzt wurden. Gemeinsam mit dem Gebirgsnamen der Alpen gehen all diese Bezeichnungen wahrscheinlich auf ein vorindogermanisches Wort zurück, das für Berg oder hoher Berg stand. Die Menschen, die den Sommer über auf einer Alm arbeiten und sie bewirtschaften, werden auch „Almlerinnen“ und „Almler“ genannt. Im Salzburger Land sind dafür auch die Begriffe „Halterin“ und „Halter“ üblich. Als Hirtin oder Hirte bezeichnet man jenes Almpersonal, das sich speziell um die Tiere kümmert und diese gezielt zu wechselnden Weidebereichen der Alm treibt. Auf Almen, wo Käse gemacht wird, arbeiten „Sennerin“ und „Senner“. 

Ist jede Weide innerhalb der Alpen eine Alm? Nein, eine reine Hanglage macht ein Stück Wiese, eine Kuh-, Schaf- oder Ziegenweide nicht automatisch zur Alm. Wichtig ist die Einschränkung, dass Almen weder am Talboden noch in Talnähe liegen. Vielmehr handelt es sich um eine gesondert zu betrachtende Bewirtschaftungseinheit in Lagen deutlich oberhalb von und in gewisser Entfernung zu den dazugehörigen Bergbauernhöfen. Zumindest müssen sie räumlich abgetrennt von diesen sein. Heutzutage gehört längst nicht mehr zu jedem Bergbauernhof eine Alm.

Was ist der Unterschied zwischen Almwirtschaft und Berglandwirtschaft? 

Um Verwirrung zu vermeiden, ist ganz generell die Unterscheidung zwischen Almgebieten und Berggebieten wichtig. Dazu muss man sich vergegenwärtigen: Der Begriff Berglandwirtschaft ist als Überbegriff zu verstehen. Er umfasst sowohl die landwirtschaftlichen Flächen am Fuß der Berge beziehungsweise im Talbereich als auch die geografisch darüber liegenden Almflächen auf dem Berg. 

Die Almwirtschaft ist also ein Teil der gesamten Berglandwirtschaft. Die Gebiete, in denen Berglandwirtschaft betrieben wird, sind gemäß einer EU-Verordnung als „Berggebiet“ definiert. Landwirtschaftlichen Betrieben innerhalb des Berggebiets stehen bestimmte öffentliche Gelder in Form von Ausgleichszulagen zu. Ausgleichen sollen diese Gelder die Benachteiligungen, die durch die Bewirtschaftung steiler Hänge oder schattiger, enger Tallagen gegenüber der Landwirtschaft im Flach- und Hügelland entstehen. Dies soll zum Erhalt der Berglandwirtschaft und damit der von ihr gepflegten Kulturlandschaft beitragen. Speziell die alpenländische Kulturlandschaft erfüllt von der Gesellschaft als erhaltenswert betrachte Funktionen im Bereich Tourismus, Biodiversität, Gefahrenvorsorge oder regionaler Lebensmittelproduktion. 

70 Prozent der Staatsfläche Österreichs sowie mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegen definitionsgemäß im Berggebiet.41 Es umfasst neben dem Großteil der österreichischen Alpen auch auf der Böhmischen Masse gelegene Teile des Mühl- und Waldviertels in Ober- und Niederösterreich. 

Es gibt zwar keine definierten Mindesthöhen oder Mindestentfernungen, aber Almen liegen jedenfalls oberhalb der ortsüblichen Siedlungsgrenze und sind für Mensch und Tier nur unter mehr oder weniger großem Aufwand erreichbar. Auch deshalb grenzen sie sich organisatorisch und in der Art und Weise ihrer Bewirtschaftung deutlich von den eigentlichen Bauernhöfen, den sogenannten Heimbetrieben, und deren Betriebsflächen in der näheren Umgebung ab. 

Aufgrund ihrer Höhenlage und der damit verbundenen geringeren Temperaturen beginnen die Gräser und Kräuter der Almflächen im Jahresverlauf deutlich später mit dem Wachstum als in tieferen Lagen. Daher werden Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde ausschließlich über einen begrenzten Zeitraum während der Sommermonate auf der Alm gehalten. Dieser spezielle sommerliche Weidegang wird zum Teil auch „Sömmerung“ oder „Almbestoßung“ genannt. Ungefähr zwischen Oktober und Mai bleiben Almen innerhalb Österreichs in der Regel ohne landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings verlängert sich durch den Klimawandel allmählich auch in den Höhenlagen der Berge die Vegetationszeit, also die naturbedingte Wachstumsphase. 

Durch die zusätzliche Bewirtschaftung einer Alm steht dem dazugehörigen Bauernhof, dem „Heimbetrieb“, insgesamt eine größere Futterfläche zur Verfügung. Fachleute gehen davon aus, dass landwirtschaftliche Betriebe durch die Almen um bis zu ein Drittel mehr Tiere ernähren können. Die Menge der täglichen Futterration der Almtiere wird im Tal eingespart. Was dort während des Sommers wächst, kann stattdessen zu Heu oder Silage gemacht und für den Winter eingelagert werden. 

Von Gästen wird der Begriff Alm häufig allein mit der Almhütte in Verbindung gebracht, auf die man während einer Bergwanderung stößt und wo man im besten Fall Erfrischungen und Stärkungen zu sich nehmen kann. Genau genommen sind Hütten, Zäune und Wege aber lediglich Teil der Infrastruktur einer Alm. Der flächenmäßig bedeutendste und funktional alles entscheidende Teil einer Alm sind ihre Weideflächen. 

Almtypen nach Höhenlage37

Niederalmen/Niederleger

  • auf 1.300/14.00 Metern oder darunter (mittlere Seehöhe)

  • durchschnittlich über 120 Weidetage pro Jahr

Mittelalmen/Mittellleger

  • mittlere Seehöhe zwischen 1.300/1.400 und 1.700 Metern

  • durchschnittlich ca. 110 Weidetage pro Jahr

Hochalmen/Hochleger

  • oberhalb von 1.700 Metern (mittlere Seehöhe)

  • durchschnittlich ca. 90 Weidetage; oberhalb von 2.000 Metern: weniger als 75 Weidetage pro Jahr

Almwiesen und -wälder sind fast so groß wie Kärnten 

Obwohl die generellen Voraussetzungen für die Landwirtschaft auf den Almen in Sachen Klima, Boden, Geländeform oder Verkehrsanbindung sehr viel ungünstiger sind als im Tal, gibt es in Österreich noch immer knapp 8.000 Almen (Stand: 2024). Ihr Kern besteht aus Weiden und Mähwiesen, die zusammen eine Almfutterfläche von etwas mehr als 320.000 Hektar ausmachen. Das entspricht knapp vier Prozent der Staatsfläche Österreichs und annähernd der achtfachen Fläche Wiens. Die Mähwiesen der Almen nennt man auch Bergmähder. Bergmähder sind Grünlandflächen, die höchstens einmal im Jahr, mindestens aber einmal in zwei Jahren gemäht werden. Sie liegen häufig an besonders steilen Stellen, die speziell für Rinder nur schwer zu begehen sind. Laut ÖPUL-Richtlinien ist maximal eine sogenannte Nachweide nach dem 15. August möglich. 

Zu einer Alm gehören in der Regel aber auch Wald-, Geröll- oder von Fels dominierte Flächen. Addiert man sie dazu, dann kommen Österreichs Almen auf eine Gesamtfläche von annähernd 900.000 Hektar (Stand 2024). Der Lebensraum Alm als Ganzes nimmt damit 11 Prozent der Staatsfläche Österreichs ein, etwas weniger als das Bundesland Kärnten. 

Mehr als 23.000 landwirtschaftliche Betriebe in Österreich schicken einen Teil ihres Tierbestandes im Sommer auf die Alm. Dass es dennoch „nur“ knapp 8.000 Almen gibt, liegt daran, dass manche von ihnen als Gemeinschaftsalmen geführt werden, also unter Beteiligung mehrerer Bauernhöfe. Zuletzt (2024) verbrachten in Österreich rund 430.000 Nutztiere ihren Sommer auf einer Alm – von der Ziege über das Rind bis zum Pony. Rinder machten dabei mit 70 Prozent (302.000 Stück) den weitaus größten Anteil aus, gefolgt von Schafen mit 24 Prozent (103.000 Stück) und Ziegen mit drei Prozent (13.000 Stück). Der Rest bestand aus Pferden mit ebenfalls rund drei Prozent (11.000 Stück). 

© Land schafft Leben 2025

Österreichs Almwirtschaft ist vergleichsweise kleinstrukturiert. Das bedeutet, dass sie von sehr vielen kleinen und mittelgroßen Almen geprägt ist und nur wenige vergleichsweise große Almen existieren. So zeigen Zahlen des Grünen Berichts für das Jahr 2022, dass 78 Prozent oder rund 6.200 der Almen über eine Futterfläche (Weiden und Bergmähder) von 50 Hektar oder weniger verfügen. Annähernd 1.300 Almen bestehen sogar nur aus einer Grünlandfläche von weniger als fünf Hektar. Fünf Hektar entsprechen genau sieben Fußballfeldern nach FIFA-Norm. Auf der anderen Seite des Spektrums finden sich rund 200 Almen größer als 200 Hektar. 

© Land schafft Leben 2025

Auch bei der Anzahl der aufgetriebenen Tiere zeigt sich diese Kleinstrukturiertheit. Nimmt man die zahlenmäßig bedeutendste Kategorie der Almen mit Rindern, dann weiden auf einem Viertel (25 Prozent) der Rinderalmen zehn oder weniger Rinder. Auf dreiviertel (76 Prozent) dieser Almen sind es bis zu 50 Rinder. Im Bereich der größten Almen zeigt sich dagegen, dass laut Statistik nur rund 140 Betriebe auf mehr als 200 Rinder kamen. 

Dabei ist zu beachten, dass ungefähr ein Viertel aller Almen als Gemeinschaftsalmen von mehreren landwirtschaftlichen Betrieben gemeinsam genutzt werden und somit auch die Tiere mehrere Bauernhöfe dort aufgetrieben werden. 

Warum sind Almen keine „Natur“? 

Auch wenn wir beim Wandern durch Almgebiete häufig von der „schönen Natur“ um uns herum sprechen, spiegelt sich darin im Grunde eine falsche Sichtweise wider. Diese wird durch eine Reihe von Umständen gefördert. Dazu gehören etwa das häufige Fehlen asphaltierter Straßen, lauten Verkehrslärms oder größerer Betonbauwerke. Genau wie der im Sommer meist üppig-grüne Bewuchs der Almen mit seinen bunten Blüten, die Geräuschkulisse aus plätschernden Bäche oder Kuhglocken oder der Duft nach frischem Gras. Zwar sind all diese almtypischen Erscheinungen auf die Kräfte der Natur zurückzuführen beziehungs- weise durch das Wirken der Naturgesetze entstanden, dennoch handelt es sich bei Almen nicht um Natur im Sinne einer unberührten Wildnis. 

Almen sind Kultur-Landschaften, die von Menschen in der Regel schon vor Jahrhunderten oder länger zurück durch die Rodung von Wäldern angelegt wurden. Sie blieben nur aufgrund regelmäßiger Beweidung durch Nutztiere bis heute bestehen. Ohne diese Beweidung oder das Mähen zur Heugewinnung würden die meisten Almen wieder zu dem werden, was sie einst waren: Wälder. Genau wie bei den Kulturlandschaften der tiefer gelegenen Acker- und Wiesenlandschaften, handelt es sich bei den Almweiden also um landwirtschaftliche Nutzflächen, bei den dazugehörigen Wäldern um forstwirtschaftliche Nutzflächen. Allerdings werden Almen viel weniger intensiv genutzt als landwirtschaftliche Flächen im Tal. Da das Pflanzenwachstum wegen des Höhenklimas mit seinen kurzen Sommern sowie der oft dünnen Humusauflage der Böden verlangsamt ist, können die Almflächen viel weniger Tiere pro Hektar ernähren als Wiesen in fruchtbareren Tallagen. Daher sind vergleichsweise wenige Rinder, Schafe oder Ziegen auf großen, weitschweifenden Flächen unterwegs. Ihr Bo- den wird in der Regel niemals umgebrochen, da es keinen Ackerbau gibt. Somit sieht man auf Almen allenfalls selten größere Traktoren und andere schwere Maschinen. Zusammen mit der weiteren Entfernung zu Siedlungen und ihrer Infrastruktur, häufig in Verbindung mit unmittelbarer Nähe zu schroffen Felslandschaften und hohen Bergen, vermittelt uns all dies einen Gesamteindruck von Ursprünglichkeit, den wir allzu leicht mit und Natürlichkeit, Natur oder gar Wildnis verwechseln. 

Nichtsdestotrotz sind Almen ein von Bäuerinnen und Bauern erschaffener Lebensraum. Warum sie dennoch auch aus Sicht des Artenschutzes und der Biodiversität schützenswert sind, erfährst du im Artikel „Wie helfen Almen beim Schutz der biologischen Vielfalt?“.

Wie viele Tiere leben auf Österreichs Almen? 

Laut amtlicher Statistik wurden in Österreich im Jahr 2024 etwas mehr als 1,8 Millionen Rinder gehalten. Etwas mehr als 300.000 davon lebten über Sommer auf einer Alm. Das entspricht knapp 17 Prozent der Rinder. Etwas höher ist der Anteil der Schafe und Ziegen mit Almzugang, wobei von diesen Nutztierarten im Vergleich zu den Rindern insgesamt sehr viel weniger in Österreich gehalten werden. 

Interessant sind die Unterschiede, die sich beim Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigen: So liegt der Anteil der gealpten Rinder etwa in Tirol mit 60 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt, ebenso in Vorarlberg mit 55 Prozent und im Bundesland Salzburg mit etwas mehr als 40 Prozent. Daneben haben Almen auch in Kärnten und der Steiermark noch eine Bedeutung für die Rinderwirtschaft. In Nieder- und Oberösterreich, wo die mit Abstand meisten Rinder innerhalb Österreichs gehalten werden, ist der Alm-Anteil am geringsten. In Wien und im Burgendland gibt es mangels höherer Berge keine Almen.  

© Land schafft Leben 2025

Dass Almen im Osten Österreichs weniger verbreitet sind, liegt unter anderem daran, dass klimatische und andere Bedingungen für die Landwirtschaft hier günstiger sind, vor allem in jenen Regionen, die zu den Voralpen zählen. Daher haben sich hier vor allem solche Formen der Rindfleisch- und Milchproduktion etabliert, die im Vergleich zur Rinderhaltung weiter westlich intensiver sind. So verfügen die Betriebe hier zum Beispiel über Ackerflächen, auf denen der Anbau von Mais möglich ist. Ihn zu verfüttern, lässt die Tier schneller wachsen und mehr Milch geben. Ein typischer Almbetrieb hat diese Möglichkeit nicht oder nur beschränkt. Welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Produktionssysteme für die Lebensmittel Milch und Rindfleisch mit sich bringen, kannst du auf unserer Webseite nachlesen. 

Die Statistik verrät auch, wie hoch der Anteil der gealpten Milchkühe im jeweiligen Bundesland ist. Auch hier liegt Tirol mit fast 50 Prozent vorne, genauso wie auch bei dieser Statistik die Bundesländer Vorarlberg und Salzburg auf Rang zwei und Rang drei folgen. Bemerkenswert ist hier, dass sogenannte Sennalmen, also Almen mit Milchkühen, nahezu ausschließlich in diesen drei Bundesländern zu finden sind. Österreichweit grasen derzeit zehn Prozent aller Milchkühe im Sommer auf einer Almweide (Stand 2024). 

Übrigens: Weiden gibt es prinzipiell auch in tiefer gelegenen Lagen außerhalb der Almgebiete. Etwa in Form der Hofweide direkt beim landwirtschaftlichen Betrieb. Der Anteil der gealpten Tiere darf daher nicht gleichgesetzt werden mit dem allgemeinen Anteil der Tiere, die zumindest zeitweise Zugang zu einer Weide haben.  

Was ist eine Sennalm und was machen Sennerinnen und Senner?  

Auf einer Sennalm, auch als Melkalm bekannt, leben Kühe, sprich weibliche Rinder, die bereits mindestens einmal ein Kalb geboren haben und somit Milch geben. Die Kühe werden von Sennerinnen beziehungsweise Sennern betreut und auf der Alm zweimal täglich gemolken. Der Begriff Senner, auch der Senn, dürfte laut Duden auf das keltische Wort „sanion“ zurückzuführen sein, das für „Melker“ steht. Regional sind etliche alternative Bezeichnungen wie etwa Schwaigerin oder Brentler zu finden. 

Neben dem in der Regel maschinellen Melken und der Hirten-Funktion sind Sennerin und Senn auch für die Vor-Ort-Verarbeitung der gewonnenen Milch zu Käse oder Butter verantwortlich. Diese beiden Lebensmittel dienten ursprünglich vor allem dazu, die auf Almen gewonnene Milch in eine transport- und lagerfähige Form zu überführen. 

Eine Sennalm unterscheidet sich damit wesentlich von jenen heutzutage weit vorherrschen- den Almen, wo nicht gemolken wird. Dazu gehören die Galtalmen, wo das Galtvieh aufgetrieben wird, zum Beispiel Ochsen (kastrierte, männliche Rinder) oder Kalbinnen (weibliche Rinder, die noch kein Kalb geboren haben und daher keine Milch geben). Auch Kühe, die gerade keine Milch geben, sei es, weil sie trächtig sind oder im Herbst geschlachtet wer- den, sind hier zu finden. Das Adjektiv „galt“ stammt aus dem im Mittelalter gesprochenen Mittelhochdeutschen und bedeutet „keine Milch gebend“. 

Daneben sind auch Mutterkuhherden auf Almen zu finden. Sogenannte Mutterkühe sind in Begleitung ihrer Kälber, die sie säugen. Diese Kühe geben zwar Milch, werden aber nicht gemolken. Der Arbeitsaufwand auf diesen zuletzt genannten Almen ist zwar nicht vergleich- bar mit dem einer Sennalm, aber dennoch beträchtlich. 

Wir haben ausführlich aufbereitet, wie Käse hergestellt wird. Auch alles Wichtige zum Thema Rind haben wir bereits für dich recherchiert. 

Was genau passiert bei Almauftrieb und Almabtrieb? 

Wie es die Bezeichnung nahelegt, ist mit dem Almauftrieb die Übersiedelung des Viehs auf die Alm zu Beginn des Almsommers gemeint. In früheren Zeiten, vor Erfindung von Auto und Traktor, mussten die Tiere dazu grundsätzlich aus eigener Kraft den Berg hinaufgehen, sprich tatsächlich von Menschen geführt und getrieben werden. „Zum Teil musste man mitten in der Nacht mit dem Auftrieb beginnen“, erklärt Josef Obweger. Er ist Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins sowie der österreichweiten Interessensvertretung Almwirtschaft Österreich. „Die Leute waren dann sehr lange unterwegs und sind mit ihren Tieren irgend- wann am Nachmittag auf der Alm oben angekommen.“ Heutzutage bringt oftmals ein Traktor mit Viehanhänger die Tiere auf die Alm. Streng genommen müsste man also in diesem Fall eher von der Almauffahrt statt vom Almauftrieb sprechen. Aber auch der traditionelle Fußmarsch ist nach wie vor gängige Praxis. „Ob eher getrieben oder eher gefahren wird, ist von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich“, sagt Josef Obweger. „Auf unsere eigene Alm treiben wir auf. Aber Österreich ist heute viel mehr verbaut als früher und wenn der Weg vom Heimbetrieb längere Strecken durch Wohngebiete oder über viel befahrene Straßen führt, dann ist es schwierig. Dazu kommt Personalmangel und natürlich kommt es auch auf die Streckenlänge insgesamt an.“ Um Risiken zu vermeiden und Zeit zu sparen, wählen viele Betriebe daher die motorisierte Variante. 

Am Ende des Sommers geht es für Mensch und Tier retour ins Tal. Auch dieser Weg wird inzwischen häufig motorisiert zurückgelegt. Da der Weg nach unten aber etwas weniger anstrengend ist und schneller abläuft – zumal die Tiere dann aus dem „Höhentraining“ zurückkommen und meist fitter sind – wird in diese Richtung noch häufiger getrieben. Und das auch in Form des traditionellen, festlichen Almabtriebs. An manchen Orten gleicht der Almabtrieb einem offiziellen Feiertag und ist ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens – nicht selten auch eine touristische Attraktion. Je nach Region wird er zu einem feststehenden alljährlichen Termin im September oder Anfang Oktober gefeiert, begleitet von Blasmusik, Kirtag, Trachtengruppen und ähnlichem Rahmenprogramm. 

Es gibt aber auch die stillere Variante des Almabtriebs, die in keinem Veranstaltungskalender vermerkt ist. Sie dient als eine Art Abschlussfest, beim dem die Bauernfamilien mit den oftmals außerfamiliären Hirtinnen und Hirten zusammensitzen, um für die geleistete Arbeit zu danken und den Almsommer ausklingen zu lassen. 

Regional unterschiedliche Bräuche zum Almabtrieb 

Zum Almabtrieb werden die Rinder mit aufwendigen Kränzen aus Blumen und Reisig, Glocken, bestickten Lederschildern, Spiegeln, Schnitzereien, Heiligenfiguren oder bunten Bändern und Maschen geschmückt und anschließend talwärts geleitet. Der Brauch soll ursprünglich böse Geister vertreiben und göttlichen Segen für eine sichere Rückkehr in den heimischen Stall erbitten. Dabei tragen Leittiere oder jene mit der besten Milchleistung den prächtigsten Schmuck, wobei die Art des typischen Schmucks je nach Region variiert. 

Laut dem Webportal Unsere Almen tragen die Rinder beispielsweise beim Almabtrieb in Kärnten Marienbilder und das Landeswappen, typisch für die Steiermark sind glänzende Metallfolien. In Tirol fällt der Kopfschmuck besonders üppig aus und wird aus vielen bunten Naturmaterialien, Papierblumen, bestickten Bändern und Halftern, Heiligenbildern und sogar ganzen kleinen Fichtenbäumchen gestaltet. In Vorarlberg legt man dagegen Wert auf eher schlichter ausfallende Kränze. 

Sollte es während des Sommers einen Todesfall unter Mensch oder Tier gegeben haben, ver- bietet die Tradition bunten Schmuck. Dieser wird dann zum Teil durch einen Trauerflor ersetzt, also einen schwarzen Stoff als Form der Beileidsbekundung. Oder es wird gar nicht „aufgekranzt“. 

Wie sieht der Alltag auf Almen aus? 

Der Tagesablauf auf den heute noch bewirtschafteten rund 8.000 Almen Österreichs hängt von verschiedenen Umständen ab und ist auf jeder Alm individuell geregelt. Den größten Unterschied macht dabei wohl die Frage, ob auf der Alm gemolken und gekäst, also Käse hergestellt wird, oder nicht. Auf Sennalmen dreht sich alles um das besonders zeit- und arbeitsaufwendige Melken und Käsen. Von Natur aus würde eine Kuh ihr Kalb mehrfach täglich säugen und dabei eine entsprechende Menge Milch abgeben. Möchte man ihre Milch stattdessen als Lebensmittel gewinnen, muss sie jeden Morgen und jeden Abend gemolken werden – auch an Sonn- und Feiertagen. Ansonsten würde die Kuh Schmerzen erleiden und das Risiko für Euterentzündungen und andere gesundheitliche Folgen wäre deutlich größer. Auf Sennalmen dreht sich alles ums Melken. Zudem kann der Tag wesentlich durch die Herstellung von Butter und Käse bestimmt werden. Das gilt zumindest dann, wenn gewonnene Milch nicht von einer Molkerei abgeholt, sondern selbst verarbeitet wird. 

Auch die Entfernung zum Heimbetrieb, also zum eigentlichen Bauernhof, wirkt sich stark auf die Almlogistik aus. Leichter und schneller erreichbare Almen werden heute zum Teil nicht mehr von Menschen bewohnt, sondern vom Tal aus betrieben. Im Fall einer Sennalm kann das bedeuten, dass die Bäuerin oder der Bauer zweimal täglich vom Hof aus per Auto oder Traktor auf die Alm fährt, um zu melken. 

Aber auch auf Almen ohne zu melkendes Vieh (Galtalmen) muss regelmäßig jemand nach dem Rechten sehen, auch wenn sie vom Tal aus gemanagt werden. Maßgeblich ist dabei das Tierschutzgesetz. Für nicht in Ställen untergebrachte Tiere sieht es vor, dass diese „soweit erforderlich vor widrigen Witterungsbedingungen und soweit möglich vor Raubtieren und sonstigen Gefahren für ihr Wohlbefinden zu schützen“ sind. Um dies zu gewährleisten, sind „regelmäßige“ Kontrollen explizit vorgeschrieben.42 

Die Alm-Bewirtschaftung ohne ständige Anwesenheit ist zum Teil auch der Tatsache ge-chuldet, dass für eine sommerlange Dauerbesetzung der Alm keine Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Zwar freut sich die Almwirtschaft über eine zuletzt wieder wachsende Zahl an Hirtinnen und Hirten – 2024 waren es 7.600 – für eine durchgehende Behirtung reicht dies allerdings nicht. Zudem wäre dies für die vielen kleinen Almen mit fünf, zehn oder 20 Rindern weder leistbar noch rentabel. In früheren Jahrhunderten war es Standard, dass Hirtinnen und Hirten den ganzen Sommer lang auf den Almen lebten und mehr oder weniger rund um die Uhr in der Nähe ihrer Tiere waren. Im Rahmen einer heutigen regulären Anstellung mit ihren gesetzlichen Arbeitszeiten erscheint ein solches Modell für die meisten Almen unrealistisch. 

Auf etlichen Almen ist es aber auch heute noch so, dass mit dem Almauftrieb im Mai oder Juni nicht nur das Vieh, sondern auch die dazugehörigen Menschen ihr Sommerquartier voll- ständig auf der Alm beziehen. Diese Hirten, Sennerinnen oder Almler sind in dieser Zeit für das Wohl der Tiere und den möglichst reibungslosen Ablauf des Almbetriebs verantwortlich. Falls es sich um eine Alm mit Bewirtungsbetrieb handelt, dann gehören auch die Zubereitung von Speisen und die Verköstigung von Wanderern und Bergsteigerinnen zum Aufgabenbereich der Almbewohnerinnen und -bewohner. 

Was gibt es auf Almen zu tun? 

Vor allem auf Sennalmen beginnt der Tag früh. Dies gilt umso mehr, je größer und weitläufiger die Alm ist. Auf einigen können sich dutzende Kühe über ein Areal von mehreren hundert Hektar bewegen. Zum Vergleich: Der Wiener Prater umfasst rund 600 Hektar, inklusive der hinter dem Vergnügungsbereich liegenden Parklandschaft. Um sie morgens zum Melken rechtzeitig „einzusammeln“ und zum Stall – und damit zur Melkmaschine – treiben zu können, müssen Hirtinnen und Hirten manchmal schon vor Sonnenaufgang mit der Taschenlampe ausrücken. Aber auch auf kleineren Sennalmen beginnt der Tag selten nach sechs Uhr morgens. Nach dem Eintreiben der Kühe werden diese gemolken. Das Frühstück steht für die Almlerinnen und Almler in der Regel erst danach an. 

Am späten Nachmittag folgt das gleiche Melkprozedere wie am frühen Morgen. Auf einigen Betrieben wird die Arbeit aber dadurch erleichtert, dass die Kühe zwischen dem morgendlichen und abendlichen Melken im Stall verbleiben und erst nach Letzterem wieder auf die Weideflächen entlassen werden, wo sie die Abend- und Nachtstunden verbringen. So lässt sich der tägliche Arbeitsaufwand für das Eintreiben der Tiere um die Hälfte reduzieren. Je nach Alm kann dies bedeuten, dass die Tiere während dieser Stallzeit angebunden bleiben. Mehr zu den Haltungsformen bei Rindern im Allgemeinen findest du hier. Falls eine Käserei direkt zur Sennalm gehört, sind auch die dazu gehörenden Arbeiten zu erledigen. 

Etwas entspannter kann das Leben auf einer Galtalm aussehen. Da hier nicht gemolken wird, entfallen zwei zentrale und zeitintensive Fixpunkte des Tages. Aber auch hier gibt es ausreichend Arbeit: vor allem die Betreuung oder Behirtung der Tiere, das Weidemanagement sowie die Instandhaltung oder Erneuerung von Zäunen, Gattern (Tore einer Umzäunung), Tränken, Wegen, des Stalls oder der Almhütte. Auch die Pflege von Weideflächen gehört dazu, sowie das Ausmisten des Stalls, sofern dieser vorhanden ist oder genutzt wird. All diese Tätigkeiten fallen auf einer Sennalm zusätzlich zum Melken und gegebenenfalls Käsen an. 

Oftmals endet der Arbeitstag auf einer Alm erst mit Einbruch der Dunkelheit. Wer am nächsten Morgen um vier Uhr wieder ausrücken muss, geht oftmals schon um neun, halb zehn am Abend schlafen. Alles in allem gibt es aber nicht den typischen Tagesablauf auf einer Alm. 

„Dazu sind die Almen in Österreich heute zu unterschiedlich“, wie es Peter Fuchs vom Webportal „Unsere Almen“ begründet. „Auf einer typischen Melkalm im Tiroler Oberland geht's wirklich schon um drei oder vier in der Früh aus dem Bett, um nachher mit dem Melken rechtzeitig dran zu sein. Danach geht ein Teil der Hirten mit raus, um die Tiere zu bewachen, der andere bleibt da und käst.“ Der Tiroler Peter Fuchs ist ehemaliger Mitarbeiter von Land schafft Leben und hat schon mehr als ein Dutzend Sommer lang auf unterschiedlichen Almen gearbeitet, in den meisten Fällen als allein verantwortlicher „Alminger“. Er weist auf die unterschiedlichen Gegebenheiten und Größenverhältnisse der Almen hin. „Auf reinen Galtalmen mag sich der eine oder andere Tag relativ entspannt anfühlen. Wenn die Sonne scheint, alle Tiere gesund sind und sich nicht ‚verstecken‘. Am Tag darauf irrst du aber vielleicht von morgens bis abends im Nebel herum. Am Abend jedenfalls schläfst du nur gut, wenn du alle Tiere tagsüber gesehen hast.“ 

Was genau machen Hirtinnen und Hirten? 

Derzeit erfreut sich der Hirtenberuf zunehmender Beliebtheit. Im Jahr 2024 arbeiteten österreichweit rund 7.600 Hirtinnen und Hirten, rund tausend mehr als noch zu Beginn des Jahrtausends. Laut Josef Obweger, Obmann der Interessenvertretung Almwirtschaft Österreich, melden sich auch immer mehr Quereinsteiger für Hirtenkurse an. 

Die Behirtung wird über das Agrarumweltprogramm ÖPUL gefördert. Dazu müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. So hat die Behirtung laut Förderrichtlinien der Agrarmarkt Austria (AMA) „zumindest während eines wesentlichen Teils des Tages zu erfolgen. Eine reine Nachschau ist nicht ausreichend.“ Aber was genau bringt der Hirtenberuf konkret mit sich? Josef Obweger, der mit seiner Familie selbst alljährlich rund 30 Rinder auf eine Gemeinschaftsalm bei Millstatt in Kärnten treibt, leitet außerdem regelmäßig einen fünftägigen Hirtenkurs. Er sagt: „Wir versuchen zu vermitteln, dass die Betreuung einer Alm kein romantischer Urlaub, sondern mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Aber trotzdem ist es eine sehr befriedigende und erfüllende Arbeit, weil man am Abend zwar müde ist, aber weiß, wovon man müde ist.“ 

Sich um die gealpten Tiere zu kümmern, gehört zum zentralen Aufgabenbereich einer Hirtin oder eines Hirten. Dazu gehört etwa die Kontrolle der Wasserversorgung sowie der Gesundheit der Tiere. Ist ein Tier krank oder verletzt, muss es entsprechend behandelt oder eine tierärztliche Versorgung organisiert werden. 

Zur Behirtung gehört aber auch die scheinbar simple Pflicht, fortwährend sicherzustellen, dass sich alle Tiere auf den vorgesehenen Weideflächen befinden. Immer wieder kommt es vor, dass Nutztiere auf einer Alm verloren gehen, zum Beispiel, weil sie sich „verlaufen“ haben oder aufgrund einer Verletzung nicht mehr mit der Herde ziehen können. Manchmal verenden Tiere auch auf der Alm. Zu den Todesursachen zählen dabei etwa der Absturz in steilem Gelände, Blitz- oder Steinschlag und Erkrankungen. Auch Risse durch Raubtiere wie Wölfe, Bären oder Goldschakale haben in jüngerer Vergangenheit für Aufsehen gesorgt. 

Wenn ein Tier verendet ist, muss die Veterinärbehörde des zuständigen Bezirks informiert werden. Zudem ist die Bergung der Kadaver zu organisieren. Abtransport und Entsorgung über die Tierkörperverwertungsanstalt (TKV) sind etwa aus Gründen der Seuchenvorsorge gesetzlich vorgeschrieben und können nur in Ausnahmefällen und mit Sondergenehmigung umgangen werden. Auch wenn Hirtinnen und Hirten in solchen Extremfällen am Geschehen beteiligt sind, Letztverantwortliche bleiben jene, in deren Eigentum sich die Tiere befinden. 

Laut einem Bericht des Forschungsinstituts Eurac Research kamen beispielsweise in Südtirol in den Sommern 2022 und 2023 von allen gealpten Schafen und Ziegen sechs Prozent um, was 5.700 Tieren entspricht. Davon gingen rund 17 Prozent auf das Konto von Beutetieren, rund 83 Prozent auf Ursachen wie Krankheit, Absturz, Blitzschlag und Ähnliches.43 In Österreich werden dazu bislang keine offiziellen Statistiken veröffentlicht. Einige Fachleute stellen aber eine Übertragbarkeit dieser Zahlen auf Österreich in Frage. In einem aktuellen Forschungsbericht zu mehreren Herdenschutzprojekten im Auftrag des Landes Tirol wird erwähnt, dass bei der Alpung von Schafen Abgänge in Höhe von circa fünf Prozent die Norm abbilden.44 

Für alle Beteiligten deutlich erfreulicher ist die Geburt eines Kalbes auf der Alm, auch wenn das vergleichsweise selten vorkommt. In der Regel fallen geplante Geburtstermine trächtiger Kalbinnen oder Kühe auf die Zeit nach dem Almabtrieb, in manchen Fällen aber auch bewusst auf die Zeit des Almsommers. 

Trotz der zunehmenden Beliebtheit des Berufes werden „nur“ rund 5.000 der 8.000 Almen durch Hirten betreut. Diese sind zum Teil auch abseits der Almen tätig. So kümmern sich zum Beispiel auch im Waldviertel oder im Burgendland Schaf- und Ziegenhirtinnen und -hirten um die extensive Beweidung von Naturschutzflächen und tragen so zum Erhalt von Biodiversität und Artenvielfalt bei. 

Neben den Tieren und der Infrastruktur einer Alm muss sich das Hirtenpersonal auch um den Zustand der Weideflächen kümmern. Diese müssen gepflegt werden. Das bedeutet, dass der Mensch unter Umständen steuernd eingreifen muss, um einen günstigen Zustand der Weiden zu erhalten. Ein regelrechtes Weidemanagement ist zwar nicht zwingend vorgeschrieben, wird aber von Fachleuten empfohlen. Das gilt umso mehr in Anbetracht des Klimawandels. 

Wozu brauchen Kühe Glocken? 

Kuh mit Kuhglocke auf der Alm – dieses Motiv zählt zweifellos zu den meistverbreiteten Alpenbildern und ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der kollektiven Wahrnehmung der alpenländischen Kulturlandschaft. Beim Wandern durch Almgebiete gehört das schon von Weitem wahrnehmbare Bimmeln der Kuhglocken vielerorts zur Geräuschkulisse. Und genau hierin liegt auch ihre wichtigste und naheliegende Funktion: Rinder mit einer am Hals angebrachten Glocke sind durch die ständig wahrnehmbaren akustischen Signale auf den weitläufigen, teils aufgrund des Geländes schlecht einsehbaren oder zeitweise eingenebelten Almflächen leichter auffindbar. Auch bei Dämmerlicht oder im Falle von verlorengegangen Tieren erleichtern Glocken die Betreuung und Aufsicht der Herde beziehungsweise das Auf- spüren einzelner Tiere. 

Es gibt unterschiedlich große Glocken, kleinere etwa für Schafe und Ziegen und größere für Rinder. Besonders große, fünf Kilogramm oder mehr wiegende und teils mit Gravuren und anderem verzierte Glocken werden in der Regel ausschließlich für Festtage wie den traditionellen Almabtrieb oder für Ausstellungen und dergleichen benutzt. Die im Almalltag getragenen Glocken sind normalerweise sehr viel kleiner. Ob Alm- oder auch Weidetiere abseits der Almen Glocken tragen, hängt von den näheren Umständen und der Entscheidung der Betriebsleiterin oder des Betriebsleiters ab. 

Beeinträchtigen Glocken das Tierwohl? 

Eine Studie45 der ETH Zürich sorgte Mitte der 2010er-Jahre für mediales Interesse. In ihrem Rahmen stellten vier Forscherinnen bei glockentragenden Kühen zeitlich reduziertes Wiederkäuen sowie eine verminderte Liegedauer fest. Beide Verhaltensweisen gelten als Maßstab für die Beurteilung des Tierwohls. Auch eine stummgeschaltete Glocke, also mit fixiertem Klöppel, zeigte Effekte in Form von Verhaltensänderungen, was auf ihr hohes Gewicht von mehr als fünf Kilogramm zurückzuführen sein könnte. 

Eine schwerwiegende Hörschädigung konnten die Forscherinnen in einer Folgestudie nicht feststellen, obwohl 20 Zentimeter von der Glocke entfernt eine Lautstärke von mehr als 110 Dezibel gemessen wurde. Zum Vergleich: 85 Dezibel dürfen in Österreich am Arbeitsplatz nur überschritten werden, wenn es technisch unvermeidlich ist. Allerdings reagierten Kühe, die regelmäßig Glocken trugen, weniger sensibel auf laute Geräusche – was als ein möglicher Hinweis auf eine veränderte akustische Wahrnehmung interpretiert wird.46 

Das hohe Gewicht der genutzten Glocke von fünf Kilogramm war einer der Hauptkritikpunkte an der Studie. Laut Fachkreisen liegt das Gewicht einer Kuhglocke in der Praxis eher im Be- reich von einem Kilogramm. Mit GPS-Sendern existiert heutzutage ein weiteres technisches Hilfsmittel: Sie sind leicht, geräuschlos und ermöglichen ebenfalls die Ortung – allerdings nur bei entsprechender Netzabdeckung. GPS-Sender werden in der Praxis auch in Kombination mit Glocken eingesetzt. 

Was bedeutet „gelenkte Weideführung“? 

Unter einer „gelenkten Weideführung“ ist das gezielte und planmäßige Hintreiben der Weidetiere auf bestimmte Teilflächen einer Alm zu verstehen. Dies soll verhindern, dass die Herde in einzelnen Bereichen der gesamten Almfutterfläche zu lange verweilt und diese zu stark abweidet, während sie andere Teilflächen zu wenig beweidet und dort deshalb unerwünschte Pflanzen aufkommen. 

Anders gesagt: Die Tiere sollen einzelne Bereiche der Alm weder zu intensiv noch zu wenig nutzen. Fressen und treten sie immer an denselben Stellen, kann das Gras nicht schnell genug nachwachsen, wodurch größere, dauerhafte Schäden an der Grasnarbe und in Folge Bodenerosion entstehen können. Auf der anderen Seite können Qualität und ökologischer Nutzen einer Fläche negativ beeinträchtigt werden, wenn sie von den Tieren nur unzureichend abgefressen wird. Dort setzen sich dann allmählich Gehölze durch. Diese eignen sich nicht als Futter für Rinder oder Schafe, weshalb die Fläche durch eine solche Verbuschung ihren Wert als Weide verliert. Die in Sachen Futter deutlich anspruchsloseren und robusteren Ziegen sind diesbezüglich eine Ausnahme, da sie auch Blätter von Gehölzen oder gar deren Rinde fressen. Fachleute sehen in Ziegen daher klassische „Almputzer“, die auch das fressen, was andere Weidetiere verschmähen. 

Mit der Verbuschung und Verwaldung geht der Verlust wertvoller Gräser und Kräuter einher. Die Fläche verliert damit neben ihrem Futterwert auch ihren speziellen ökologischen Wert als Lebensraum einer spezifischen Flora und Fauna. Mit dem Fortschreiten des Klimawandels wächst das Risiko der Verbuschung. Aufgrund der Erwärmung verlängern sich die durchschnittlichen Vegetationsperioden eines Jahres, wodurch insgesamt mehr Biomasse heranwächst. Weil aber gleichzeitig die Zahl der gealpten Tiere und damit auch der Futterverbrauch rückläufig sind, gibt es mehr unzureichend abgeweidete Fläche. Hinzukommt, dass durch den Klimawandel auch die natürliche Baumgrenze nach oben wandert. Eine an den jeweiligen Standort angepasste, gelenkte Beweidung kann dieser Entwicklung entgegenwirken. Seit dem Jahr 2025 wird die Erstellung und Umsetzung eines sogenannten Almweideplans aus Mitteln des ÖPUL-Programms gefördert. 

Brauchen Almen Zäune? 

Für eine gelenkte Beweidung kann es hilfreich sein, die Almweideflächen mit Zäunen zu unterteilen. Dabei handelt es sich in der Praxis überwiegend um Stacheldrahtzäune. Zäune, die sich für Rinder eignen, eignen sich nicht automatisch für Schafe oder Ziegen. Diese können Barrieren aufgrund ihrer geringeren Körpergröße leichter überwinden. 

Werden Schafe eingezäunt, dann häufig mit elektrischen Netzen. Das Problem dabei ist allerdings: Bei langen Zäunen, die häufig an Sträuchern oder anderen Hindernissen entlangführen, kommt es immer wieder zu einer Ableitung des Stroms, wodurch der Zaun unwirksam wird. Wenn es über Nacht schneit, was im Hochgebirge auch mitten im Sommer vorkommt, kann der Zaun umfallen. Besonders auf größeren Schafalmen werden die Tiere daher häufig von Hirtinnen und Hirten begleitet, statt eingezäunt. 

Als besonders heikel gilt das Einzäunen von Ziegen. Sie sind noch mobiler als Schafe und besonders geschickte Kletterer und können so Zäune vergleichsweise mühelos überwinden. 

„Ein Stacheldrahtzaun mit drei Drähten hält schon ein Schaf nicht ab“, gibt Josef Obweger zu bedenken. „Aber die Königsdisziplin ist es, Ziegen einzuzäunen.“ 

Das bestätigt auch Almexperte Peter Fuchs. „Die Ziege wäre eigentlich ein ganz, ganz wichtiges Tier auf der Alm, weil sie selbst in steilstem Gelände gut zurechtkommt und auch die Blätter von Sträuchern frisst und deren Rinde annagt.“ Im Hinblick auf die Erhaltung der Almfutterflächen wären Ziegen die ideale Ergänzung zu den Rindern. „Aber leider wird die Geiß viel zu wenig gealpt, weil diese charakterstarken Tiere so schwer zu handhaben sind. Ziegen sind viel gescheiter als Schafe. Sie steigen herum und kennen keinen Zaun.“ 

Für ein gutes Weidemanagement und eine gelenkte Weideführung sind Zäune zwar hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich. Auch durch die Behirtung kann die Herde im passenden Ausmaß auf unterschiedliche Bereiche einer Alm geführt werden. 

Unabhängig davon wird das Thema Zäune auch immer wieder im Zusammenhang mit dem Schutz von Menschen diskutiert, die Almen zum Wandern oder aus anderen Gründen besuchen. Folgt man der aktuellen Rechtsprechung in Österreich, dann besteht für Almbetriebe keine generelle Pflicht, Weidevieh mittels Zäunen am Betreten von Wanderwegen zu hindern. Dies wird als logistisch und finanziell nicht zumutbar bewertet und ist nur unter bestimmten Umständen vorgeschrieben. Zum Beispiel dann, wenn sich ein Tier wiederholt ungewöhnlich aggressiv gezeigt hat. Mehr zu potenziellen Konflikten auf Almen findest du hier.

Was bedeutet Schwenden? 

Mit dem Schwenden ist das Entfernen von unerwünschtem Gehölzen auf Almfutterflächen gemeint. Heutzutage wird dies in der Regel per Motorsäge oder -sense erledigt. Wenn Almflächen über längere Zeiträume zu wenig bestoßen, sprich beweidet werden, machen sich beispielsweise Latschenkiefern und Grünerlen breit. Helferinnen und Helfer im Schwendeinsatz sägen sie ab und verbrennen das Material meist vor Ort. Zum Teil wird der Boden danach auch oberflächlich gelockert und neues Futterpflanzen-Saatgut ausgesät. Ziel der Maßnahmen ist der Erhalt oder die Wiederherstellung der zur Alm gehörenden Futterflächen. Das Schwenden einer Almfläche kann die Verbuschung aufhalten. Längerfristig erfolgreich ist sie aber nur in Verbindung mit einem ausreichenden Maß an darauffolgender Beweidung. 

Das Schwenden erfolgt häufig in Gemeinschaftsarbeit, die an bestimmten Tagen von Mitgliedern der Bauernfamilie und Menschen aus deren Umfeld oder Hirtinnen und Hirten ausgeführt wird. Der Umgang mit Gehölzen sowie Sägen und Sensen ist trotz Motorisierung eine körperlich anstrengende Tätigkeit, zumal in steilem Gelände. In Kärnten kommen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von AMS und Almwirtschaft seit einiger Zeit auch Langzeitarbeitslose zum Schwenden auf Almen. Laut Josef Obweger, der auch Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins ist, mit Erfolg. 

Quellen

41 bmluk.gv.at: Benachteiligte landwirtschaftliche Gebiete (Zugriff: 05.06.2025) 

42 Lebensraum Tirol Holding GmbH (unsere-almen.at): Grundbergriffe der Almwirtschaft (Zugriff: 12.05.2025) 

43 Rechtsinformationssystem des Bundes (ris.bka.gv.at): Tierschutzgesetz, § 19, 20 (Zugriff: 29.07.2025) 

44 Eurac Research (eurac.edu), 2025: Almvieh in Gefahr? Abgänge von Schafen und Ziegen in Südtirol (Zugriff: 15.05.2025) 

45 Moser, Willems (2025): Zwischenbericht 2024 zu den Herdenschutzprojekten Spisser Schafberg-Alm, Lader Heuberg-Alm und Verwall-Alm, S. 21 

46 Johns et al. (2015): Do Bells Affect Behaviour and Heart Rate Variability in Grazing Dairy Cows?