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Wie werden Kartoffeln in Österreich angebaut?

Kartoffeln zählen in Österreich zu den Grundnahrungsmitteln und finden nicht nur in zahlreichen traditionellen Gerichten eine Anwendung, sondern bilden auch die Grundlage für die verschiedensten Veredelungserzeugnisse. Wie die Hackfrüchte angebaut werden, welche Herausforderungen es beim Anbau gibt und wie viele Kartoffeln in Österreich angebaut werden, könnt ihr auf den folgenden Seiten nachlesen.

Zwei Hände schälen mit einem Messer eine Kartoffel. Die Person trägt einen grünen Pullover.

Dass die Kartoffel nicht nur mit Tomaten und Auberginen verwandt ist, sondern auch zur gleichen Familie wie der Tabak gehört, ist eher selten bekannt. Was wir als Kartoffeln verzehren, sind eigentlich die Knollen der Kartoffelstaude. Die Pflanze bildet nicht nur über, sondern auch unter der Erde Triebe aus. An diesen unterirdischen Seitentrieben bilden sich Verdickungen, die Kartoffelknollen, welche der Pflanze als Speicherorgane dienen.1 Hier wird Energie hauptsächlich in Form von Stärke gespeichert. Sorten, die für die Stärkeindustrie bestimmt sind, können einen deutlich höheren Stärkeanteil in der Knolle haben als Speise- oder Futterkartoffeln.2

Die Vermehrung der Kartoffel erfolgt vegetativ, das heißt ungeschlechtlich. Hierbei werden keine Samen oder ganze Pflanzen zur Aussaat genutzt, sondern ganze Knollen. Diese Knollen sind genetisch exakte Kopien voneinander, sogenannte Klone. Nach der Aussaat bilden die Knollen mit der Zeit aus den „Augen“ neue Triebe aus. Unter der Erde bilden sich an diesen Seitentrieben nun erneut Verdickungen – hier wachsen neue Kartoffeln heran. Pro Pflanzknolle bilden sich drei bis acht Seitentriebe aus, wobei pro Trieb in der Regel zwei bis fünf neue Knollen wachsen.3

Wie werden Kartoffeln angebaut?

Mehrere Reihen gepflanzte Kartoffeln liegen ungeerntet auf brauner Erde auf einem geackerten Feld.

Um die Böden für die Pflanzung vorzubereiten, werden diese meist mit dem Pflug gelockert. Bei der sogenannten Herbstfurche wird die Bodenlockerung bereits vor dem Winter durchgeführt, dies ist vor allem auf schwereren Böden üblich. Schwere Böden zeichnen sich durch einen höheren Anteil an Ton aus, weswegen sie oft mehr Wasser speichern können als leichtere Böden, bei denen mehr sandige Anteile vorzufinden sind. Auf leichten Böden eignet sich eher eine Bearbeitung im Frühjahr. Vor der Pflanzung können die gelagerten Pflanzknollen durch Temperaturerhöhung zum Keimen gebracht werden. Dieses Vorkeimen beschleunigt die spätere Pflanzen- und Knollenentwicklung auf dem Feld und ermöglicht eine Pflanzung bei niedrigeren Bodentemperaturen. Der Pflanzzeitpunkt im Frühjahr ist von der jeweiligen Sorte, der Vorbehandlung der Pflanzknollen und von der Bodentemperatur abhängig. Die Kartoffeln benötigen eine Bodentemperatur von vier bis zehn Grad Celsius. Frühkartoffeln werden meist im März gepflanzt, während Lagerkartoffeln etwas später im Frühjahr in die Erde kommen.4

Bei der Pflanzung werden die Knollen in vorher geformte Legerinnen gelegt und anschließend mit Erde überschüttet, wodurch die sogenannten Dämme entstehen. In der Praxis bezeichnet man dies auch als „Anhäufeln“ der Kartoffeln. Die Pflanzung kann händisch oder maschinell erfolgen. Neben der hauptsächlich angewandten Dammkultur werden die Kartoffeln in selteneren Fällen auch in Beeten angebaut. Pro Quadratmeter wachsen üblicherweise vier bis sechs Pflanzen, dabei kann der Pflanzenabstand einen Einfluss auf die Knollengröße haben. Um größere Kartoffeln zu erzeugen, die zum Beispiel für die Verarbeitung zu Pommes benötigt werden, sind ein größerer Pflanzenabstand und größere Saatknollen von Vorteil. Nach der Pflanzung der Knollen werden fortlaufend Pflegemaßnahmen durchgeführt, die sicherstellen, dass die Kartoffeln eine ausreichende innere und äußere Qualität aufweisen.5

Die Kartoffel-Ernte

Frau sortiert frische Kartoffeln auf roter Erntemaschine, weitläufiges Feld im Hintergrund bei sonnigem Wetter.

Der Erntetermin ist stark vom jeweiligen Produktionsziel und der verwendeten Sorte abhängig. Bei Frühkartoffeln beginnt die Ernte, auch Rodung genannt, beispielsweise wenn die Größe der Knollen ausreichend ist, dass sie auf dem Markt angeboten werden können.6 Um die Ernte zu erleichtern und die Qualität der Knollen zu fördern, wird das Kraut gezielt vor der Rodung mechanisch oder chemisch bei der Sikkation (umgangssprachlich auch „Krautabtötung“ oder „Krautminderung“) abgetötet. Nach der Sikkation verbleiben die Knollen meist für weitere zwei bis drei Wochen in der Erde, da in dieser Zeit die Festigkeit der Schale zunimmt. Nur durch eine ausreichende Schalenfestigkeit können die Verletzungen der Knollen bei der Ernte gering gehalten werden.7 Die Ernte erfolgt  überwiegend mit Maschinen, die die Kartoffeln von Erde und Steinen trennen. Zu kleine Kartoffeln werden hierbei bereits aussortiert, die übrigen Knollen kommen in den Handel oder werden gelagert.

Welche Anbaubedingungen brauchen Kartoffeln?

Die Kartoffel richtet an Klima, Boden und Fruchtfolgestellung keine besonderen Ansprüche, da sie im Allgemeinen sehr anpassungsfähig ist und an unterschiedlichen Standorten angebaut werden kann. Trotzdem begrenzen bereits geringe Frosttemperaturen und sehr hohe Temperaturen den Anbau stark. Bei minus ein bis zwei Grad Celsius sterben die Knollen und das Kraut ab. Im Bereich der hohen Temperaturen wird das Wachstum der Knollen bei über 32 Grad Celsius eingestellt.8

Weitere begrenzende Faktoren sind Nässe und Trockenheit. Ein sehr schneller Wechsel zwischen verschiedenen Bedingungen – beispielsweise sehr feuchtes Wetter, das auf heiß-trockenes Wetter folgt – stört die Pflanze in ihrer Knollenbildung. Dadurch kann es in der Knolle zu Rissen oder zu Hohlräumen, der sogenannten Hohlherzigkeit, kommen.9 Der Verlauf der Temperaturen und Niederschläge während der verschiedenen Wachstumsstadien der Pflanzen beeinflusst demnach die Ertragshöhe und somit auch die Ertragsunsicherheit.

Der optimale Boden für Kartoffeln

Optimale Böden für den Kartoffelanbau sind frei von Beikräutern und Verdichtungen. Schwere Böden, die das Wasser gut halten können, sind nicht für die Kultivierung der Knollen geeignet. Zu viel Wasser oder sogar Staunässe kann zu Fäulnis an den Knollen führen. Zusätzlich muss der Boden für das Formen von Dämmen geeignet sein, weshalb lockere und siebfähige Bedingungen ideal sind.10

Vor allem die Versorgung der Pflanze mit Stickstoff bestimmt die innere und äußere Qualität der Knollen. In den ersten zwei Monaten nach dem Durchstoßen der Erdoberfläche ist eine ausreichende Düngung mit geeigneten Mitteln besonders wichtig, um die Ertragsqualität zu sichern. Benötigter Stickstoff kann aus den im Boden verbliebenen Resten der Vorkultur und durch das Ausbringen von Mist und Gülle bezogen werden. Zusätzlich ist meistens eine Ergänzungsdüngung mit Handelsdüngern notwendig, um den Stickstoffbedarf der Pflanzen zu decken. Nachteil dieser Handelsdünger ist jedoch, dass sie meistens recht teuer sind.11

Zahlen, Daten und Fakten

(Österreichischer) Kartoffelanbau in Zahlen

Ein Blick in die Daten aus 2025 zeigt, dass der Kartoffelanbau in Österreich zu den beiden vorherigen Jahren weiter ausgeweitet wurde, vor allem im Bio-Anbau. Insgesamt wurden rund 813.000 Tonnen Kartoffeln im Jahr 2025 produziert.12 Niederösterreich ist hierbei das Hauptanbaugebiet für Kartoffel. Mit rund 16.000 Hektar Anbaufläche in der konventionellen Landwirtschaft und rund 4.000 Hektar biologisch bewirtschafteter Fläche, hat das Bundesland einen Anteil von 78 Prozent an der gesamten Anbaufläche von Kartoffeln in Österreich. Insbesondere das Wein- und Waldviertel gelten in Niederösterreich als die größten Anbaugebiete für Kartoffeln.13

Infografik: 21.000 ha Kartoffelfläche in Österreich, davon 4.000 ha bio (19 %); Kartoffelpflanze rechts.

© Land schafft Leben 2026

Den größten Anteil an der Kartoffelproduktion haben Speisekartoffeln mit 48 Prozent im konventionellen Bereich und 67 Prozent im Bio-Anbau. Frühkartoffeln, das heißt Kartoffeln, die nach einer kürzeren Zeit auf dem Feld geerntet werden, machen lediglich 4 Prozent, beziehungsweise 9 Prozent in der biologischen Produktion aus. Die restlichen Prozente verteilen sich auf Kartoffeln für die Speise- und die Stärkeindustrie, wobei mehr Kartoffeln für die Produktion von Stärke angebaut werden.14

Infografik: Deutschland ist größter Kartoffelerzeuger der EU mit 282.000 ha, EU-weit 1,4 Mio. ha Anbaufläche.

© Land schafft Leben 2026

In der EU waren die Top-3 Länder mit der höchsten Anbaufläche für Kartoffeln in den 2020er Jahren Deutschland, Frankreich und Polen. Auch in diesen Ländern kann eine Ausweitung der Anbaufläche zu den vorherigen Jahren beobachtet werden. Mit rund 302.000 Hektar war Deutschland in 2025 der größte Kartoffelproduzent in der EU.15 In der Struktur sind die EU-Produzenten jedoch sehr unterschiedlich, so konnte beispielsweise Rumänien 2020 die höchste Anzahl an Kartoffel-produzierenden Betrieben vorweisen, aber lag in der Anbaufläche deutlich hinter den Top-3 Ländern.

Die Zahlen aus 2024 zeigen, dass im weltweiten Vergleich China das Land mit dem höchsten Gesamtwert in der Produktion von Kartoffeln ist, gefolgt von Indien und Frankreich. Aber auch die USA, Deutschland, Russland und die Ukraine zeigen im selben Jahr sehr hohe Bruttoproduktionswerte von mehr als drei Milliarden US-Dollar.16  

Infografik: Weltweite Kartoffelproduktion 2024 – Asien 53 %, Europa 26 %, Amerika 12 %, Afrika 9 %.

© Land schafft Leben 2026

Österreich verzeichnete im Jahr 2024 Kartoffel-Importe von rund 299.900 Tonnen und Exporte von rund 146.000 Tonnen. Der Selbstversorgungsgrad, der sich aus der in Österreich produzierten und der verbrauchten Menge berechnet, lag im Wirtschaftsjahr 2024/2025 für Kartoffeln bei 82 Prozent. Insgesamt aßen die Österreicherinnen und Österreicher in dieser Zeit pro Kopf durchschnittlich 54,1 Kilogramm Kartoffeln.17

Welche Herausforderungen gibt es im Kartoffelanbau?

Neben Umwelteinflüssen wie dem Wetter liegt eine weitere zentrale Herausforderung im Kartoffelanbau darin, Schädlinge und Krankheitserreger wirksam zu bekämpfen. Ohne ausreichende Gegenmaßnahmen können insbesondere Krankheiten wie die Kraut- und Knollenfäule die Erträge und die Qualität stark vermindern. Aber auch Kartoffelkäfer, Nematoden und Blattläuse spielen eine zentrale Rolle im Pflanzenschutz.

Die Landwirtschaft ist eine der Hauptbetroffenen des Klimawandels und dessen Folgen. Besonders veränderte Wetterbedingungen haben sich in den letzten Jahren im Kartoffelanbau als Herausforderungen herauskristallisiert, für die neue Maßnahmen erforscht und angewandt werden.18 Zunehmender Hitzestress durch steigende Temperaturen in Kombination mit längeren Trockenphasen wirken sich negativ auf die Widerstandsfähigkeit der Kartoffel gegen Schaderreger aus. Denn Hitzestress begünstigt die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten, z.B. der von Zikaden übertragenen Krankheit Stolbur, die die Erträge und die Kartoffelqualität erheblich vermindern kann.19

Zwei Hände inspizieren befallene Kartoffelpflanzen mit mehreren rot-schwarzen Kartoffelkäfern auf den Blättern.

Kartoffelkäfer

Herausforderung Wetter: Regen und Wind führen zu Erosion

Aufgrund der lockeren Böden und der Dammkultur besteht im Kartoffelanbau eine höhere Erosionsgefahr, das heißt, dass der Boden durch Regen oder Wind abgetragen wird. Gefördert wird das Abtragen durch die späte Entwicklung der Kartoffel, da Wurzeln und Begrünung den Boden stabilisieren und so vor dem Abtragen schützen. Auch die Zunahme von extremen Wetterereignissen, beispielsweise Starkregen, aufgrund des Klimawandels steigern die Erosionsgefahr weiter. Der Erosion kann mit verschiedenen Maßnahmen entgegengewirkt werden. So werden zum Beispiel Querdämme zwischen den eigentlichen Dämmen angelegt, die diese miteinander verbinden. Dadurch wird insbesondere die Furche stabilisiert, in der sich der Regenabfluss besonders konzentriert.20

Herausforderung richtige Fruchtfolge gegen Schaderreger

Die Kartoffel ist im Allgemeinen weitgehend selbstverträglich, das heißt, dass sie mehrmals hintereinander auf demselben Acker kultiviert werden kann. Trotzdem besteht die Gefahr, dass sich nach mehrmaligem Anbau bestimmte Schaderreger zu stark vermehren, weswegen eine mehrjährige Anbaupause auf dem Acker eingelegt werden sollte.21 Beispielsweise können die wirtschaftlich bedeutendsten tierischen Schaderreger, die Nematoden, die Wurzeln der Kartoffeln befallen. Der Befall führt zu schlechtem Wachstum der Pflanzen und Verkümmerung. Durch diese Kartoffelzystennematoden können Ertragseinbuße zwischen 30 und 80 Prozent entstehen.22 Deswegen ist die richtige Gestaltung der Fruchtfolge ein wichtiges Tool, um den Schaderregerdruck zu minimieren.

Eine hohe genetische Diversität kann unter anderem Pflanzenpopulationen besser vor Schädlingen und Krankheiten schützen, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass es einzelne Kartoffelpflanzen gibt, die genetisch bedingte Schutzmechanismen haben. Aufgrund der ungeschlechtlichen Vermehrung der Kartoffel, bei der genetisch identische Klone entstehen, fehlt aber eben diese genetische Diversität auf den Feldern. Dadurch sind die Pflanzen oft anfälliger für verschiedenen Krankheiten und Schaderreger.23 Auch die Verwendung von hofeigenem Pflanzgut kann die Virusverbreitung und somit Krankheiten fördern, da das Saatgut mit samenbürtigen Krankheitserregern infiziert sein kann. Landwirtinnen und Landwirten wird dementsprechend empfohlen geprüftes Pflanzgut von zertifizierten Unternehmen zu verwenden oder bei eigenem Nachbau das Pflanzgut untersuchen zu lassen.24

Herausforderungen bei der Lagerung

Bei der Lagerung der Kartoffeln nach der Ernte gibt es einiges zu beachten, um die Qualität der Knollen aufrechtzuerhalten. Eine zu geringe Luftzirkulation und nicht vollständig abgetrocknete Knollen können zu Fäulnis führen. Je nach Sorte kann sich die optimale Lagertemperatur unterschieden. Niedrige Temperaturen können zu einem Anstieg des Zuckergehalts führen, wodurch die Kartoffeln beim Backen und Garen möglicherweise nicht die erwünschten Eigenschaften aufweisen. Auch die Acrylamidbildung kann dadurch beim Braten erhöht sein.25

Sortenwahl als Maßnahme gegen Ernteeinbußen

Die Wahl der Sorte ist eine weitere Maßnahme, um bestehende Herausforderungen im Kartoffelanbau zu bewältigen. Beispielsweise gibt es Sorten, die eine geringere Krankheitsanfälligkeit aufweisen oder weniger Stickstoff und dementsprechend weniger Düngung benötigen.26 Ein Hindernis bei der Sortenwahl liegt jedoch im Anspruch der Abnehmerinnen und Abnehmer, sowie Konsumentinnen und Konsumenten an die Kartoffeln. Im konventionellen, aber auch im Bio-Anbau werden hauptsächlich die Sorten angebaut, die vom Handel gefordert werden. Bäuerinnen und Bauern, die ihre Erzeugnisse direkt vermarkten, haben eine größere Freiheit bei der Sortenwahl, sind letztendlich aber auch an die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden gebunden.27

Speisekartoffeln müssen bestimmte Qualität haben

Auch die Qualität der Knollen bestimmt über deren Abnahme durch den Handel. Die Mindestanforderungen, die an Speise- und Speisefrühkartoffeln gestellt werden, sind durch die nationale Verordnung über die Vermarktung von Speisekartoffeln festgelegt. Diese Anforderungen betreffen beispielsweise die Knollengröße, die Gesundheit, Verformungen und vieles mehr. Erfüllen die Knollen diese Anforderungen nicht, dürfen sie laut Verordnung nicht als Speisekartoffeln vermarktet werden.28 Im Anbau müssen demnach Maßnahmen getroffen werden, um Qualitätsminderungen zu minimieren, sodass die Anforderungen erfüllt werden können. Dafür sind unter anderem verschiedene Pflegemaßnahmen sehr wichtig. 

Pflegemaßnahmen beim Kartoffel-Anbau

Ein grüner Traktor fährt über ein Feld mit jungen Kartoffelpflanzen unter bewölktem Himmel.

Pflegemaßnahmen, wie zum Beispiel die Bodenbearbeitung und die Beikrautregulierung, fördern die Ertragsqualität und -stabilität. Während des Wachstums der Pflanzen werden verschiedenste Maßnahmen durchgeführt, um ein optimales Wachstum der Knollen bis zur Ernte zu garantieren. Vor allem eine durchgehende Bedeckung der Kartoffeln mit Erde ist ein wichtiger Teil der Pflegemaßnahmen. Außerdem müssen aufkommende Beikräuter reguliert und eine ausreichende Nährstoffversorgung der Pflanzen durch Düngung sichergestellt werden. Durch zusätzliche Beregnung der Felder können Ertragsschwankungen durch auftretenden Wassermangel ausgeglichen werden.29

Ziel der Bodenbearbeitung ist vor allem die Erhaltung der durchgeführten Bodenlockerung vor der Pflanzung, ohne dass harte Klumpen, auch Kluten genannt, das Wachstum stören können. Befinden sich zu viele Steine in den Böden können diese mit speziellen Siebmaschinen von den Steinen befreit werden, was unter anderem die spätere Ernte erleichtert.30

Dämme als Pflanzenpflege

Die für den Kartoffel-Anbau typische Dammkultur schützt die Knollen nicht nur vor lichtbedingtem Ergrünen, sondern auch vor Braunfäule. Da die Dämme das Bodenklima verbessern, indem sich der Boden in dieser Form schneller erwärmt, kann die Erde schneller abtrocknen. Sie bietet den Erregern der Fäule also weniger Feuchtigkeit, wodurch die Gefahr einer Infektion sinkt. Außerdem kann durch die schnellere Erwärmung der Dämme der Anbau schon früher begonnen werden. Des Weiteren regulieren die Dämme den Wasserhaushalt, weil die Böden schneller abtrocknen können und so, zum Beispiel, Staunässe verhindert werden kann. Auch der Gasaustausch wird verbessert, sodass Sauerstoff den Wurzeln besser zur Verfügung steht. Um die Vorteile der Dammkultur über den gesamten Verlauf der Kultivierung aufrechtzuerhalten, wird die Oberfläche der Dämme regelmäßig bearbeitet.31

Beikrautvernichtung

Während des Anhäufelns werden meist gleichzeitig Beikraut regulierende Maßnahmen durchgeführt. Mechanische, beispielsweise das Striegeln, aber auch chemische Maßnahmen werden dabei eingesetzt. Traditionell wurde die Handhacke eingesetzt, um das Wachstum von Beikräutern zu regulieren. Heutzutage können Maschinen verwendet werden, die an die jeweilige Kultur individuell anpassbar sind. Beispielsweise können durch Zinken, wie man sie von der Gartenhacke kennt, die Beikräuter beim Hacken bearbeitet und gleichzeitig durch spezielle Häufelkörper die Dämme geformt werden. Das Hacken und Striegeln wird einerseits durchgeführt bevor der Keimling die Erdoberfläche durchstößt, das heißt vor dem Aufgang der Pflanze. Aber auch nachdem die Pflanzen aufgegangen sind, wird die mechanische Regulierung mittels Hacke und Striegel weiterhin fortgeführt. Hierbei ist es wichtig, dass die Maßnahmen vorsichtig durchgeführt werden, damit die Knollen nicht beschädigt werden.32

Düngung im Kartoffelanbau

Die Düngung, zum Beispiel mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium, ist nicht nur vom Standort, sondern auch von der Sorte abhängig. Außerdem werden je nach Wachstumsstadium der Pflanze unterschiedliche Nährstoffe benötigt. Spezialisierte Betriebe arbeiten mit dem All-in-One-Verfahren. Hierbei werden in einem Durchgang die Knollen in die Legerinnen gesetzt, der Dünger aufgebracht und anschließend die Dämme geformt.33

Quellen

1 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 184-186

2 AGES (2025): Österreichische Beschreibende Sortenliste 2025 für Landwirtschaftliche Pflanzenarten, S. 212

3 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 187

4 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 185-187

5 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 186-1888

6 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 188

7 BLW (2022): Krautregulierung bei Kartoffeln

8 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 186

9 Bedlan (2020) Hohlherzigkeit der Erdäpfel, S. 1

10 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 186-187

11 FiBL (2015) Ergänzungsdüngung in Kartoffeln mit organischen Handelsdüngern, S. 1

12 Statistik Austria (statistik.at, STATCUBE: Feldfruchtproduktion ab 1970; Zugriff: 08.07.2026)

13 AgrarMarkt Austria (2025): Flächenauswertung Kartoffeln MFA, S.1

14 AgrarMarkt Austria (2025): Flächenauswertung Kartoffeln MFA, S.1-3

15 Eurostat (ec.europa.eu: Hackfrüchte und Pflanzen zur Grünernte vom Ackerland nach der Fläche; Zugriff: 19.06.2026)

16 FAO (fao.org, FAOSTAT: value of agricultural production, potatoes, gross production value; Zugriff: 19.06.2026)

17 Statistik Austria (statistik.at, STATCUBE: Versorgungsbilanz für Kartoffeln und Kartoffelstärke; Zugriff: 02.07.2026)

18 Bundesministerium Land- und Forstwirtschaft, klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (bmluk.gv.at: Auswirkungen des Klimawandels auf die Land- und Forstwirtschaft; Zugriff: 30.06.2026)

19 Ecoplus (ecoplus.at, Lebensmittelcluster Niederösterreich: Forschungsprojekt StolReg; Zugriff: 29.06.2026)

20 Bundesamt für Wasserwirtschaft (2022) Erosionsschutz im Kartoffelanbau - Handlungsempfehlungen für die Praxis, S. 1-3

21 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 187

22 AGES (ages.at: Kartoffelzystennematoden; Zugriff: 29.06.2026)

23 Becker (2022) Pflanzenzüchtung, S. 181

24 AGES (ages.at: Informationen zu Saat- und Pflanzgut; Zugriff: 29.06.2026)

25 BioAustria (2010): Biokartoffeln Merkblatt, S. 17

26 AGES (2025): Österreichische Beschreibende Sortenliste 2025 für Landwirtschaftliche Pflanzenarten, S. 207-212

27 BioAustria (2010): Biokartoffeln Merkblatt, S. 3

28 Bundeskanzleramt der Republik Österreich (ris.bka.gv.at: Gesamte Rechtsvorschrift für Vermarktung von Speisekartoffeln, BGBI II Nr. 244/2014; Fassung vom 23.06.2026)

29 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 188

30 Kaul, Kautz, Léon (2022) Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, S. 187

31 Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (landwirtschaft.de: Warum werden Kartoffeln angehäufelt?; Zugriff 30.06.2026)

32 Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg (2022) Steckbrief Kartoffeln, S. 3

33 Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg (2022) Steckbrief Kartoffeln, S. 2