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Pflanzenschutz im Kartoffelanbau

Pflanzenschutz ist ein wichtiger Teil der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette: Werden die Pflanzen vor den verschiedensten Schadorganismen geschützt, kann das die Erträge sichern und eine hohe Qualität der Kartoffeln garantieren. Über die wichtigsten Schädlinge und Schaderreger, sowie entsprechende Maßnahmen im Kartoffel-Anbau liest du im folgenden Text .

Die häufigsten Schadursachen bei Kartoffeln

Wie bei allen Kulturpflanzen werden auch die Kartoffelerträge von verschiedenen Schadorganismen gefährdet, die wirtschaftliche Einbußen verursachen und die Ernährungssicherheit beeinträchtigen können. Viren, Bakterien und Pilze gehören zu den Pathogenen (Krankheitserreger), die verschiedene Krankheiten bei der Kartoffel auslösen können. Unter den Schädlingen, also den tierischen Schadverursachern, finden sich Insekten, Schnecken und verschiedene Wirbeltiere.1 Schädlinge wie der Kartoffelkäfer oder Blattläuse beeinträchtigen die Kartoffelpflanzen vor allem durch Fraß oder Saugen. Auch Beikräuter – die umgangssprachlich oft als Unkraut bezeichnet werden – zählen zu den Schadursachen, da sie ab einer gewissen Bestandsdichte das Wachstum der eher konkurrenzschwachen Kartoffel hemmen können.2

Ausgerissene Kartoffelpflanze mit grünen Blättern, Wurzeln und mehreren anhaftenden Kartoffelknollen auf hellem Hintergrund.

Herausforderung am Feld

Die Kraut- und Knollenfäule ist im Kartoffelanbau eine der wirtschaftlich wichtigsten Krankheiten. Sie wird von Phytophthora infestans ausgelöst. Diese Organismen gehören zu den sogenannten „Eipilzen“; sie sind also eher mit Algen verwandt als mit Echten Pilzen, zu denen zum Beispiel unsere Champignons oder Pfifferlinge gehören. Die Krankheit ist für die Ertragsqualität sehr bedeutsam, da sie zu einer Fäule des Krautes und der Knollen führen kann. Bei einem Befall werden die Blätter braun und sterben ab, wodurch sie keine weiteren Nährstoffe mehr produzieren können, die eigentlich in den Knollen eingelagert werden. Dadurch wachsen die Knollen nicht mehr weiter und werden durch die Fäule ungenießbar.3 Ein berühmtes Beispiel für die Auswirkungen der Kraut- und Knollenfäule ist die Hungerepidemie in Irland um 1845. Sie zeigt, wie wichtig der Schutz von Pflanzen in der Landwirtschaft ist, um die Ernährungssicherheit gewährleisten zu können.

Ausgelöst wurde die irische Hungersnot durch das Zusammenbrechen des Kartoffelanbaus, der für die irische Bevölkerung um 1845 eine der wichtigsten Nahrungsquellen darstellte. Die Kraut- und Knollenfäule, deren Erreger eingeschleppt wurde, breitete sich im Land aus, wodurch der Großteil der Ernten vernichtet wurde. Da der Erreger bis dato in Irland unbekannt war, hatten die Landwirtinnen und Landwirte keine Möglichkeiten ihre Pflanzen und Ernten zu schützen und den Erreger zu bekämpfen.4 Insgesamt starben rund eine Million Menschen an den Folgen der Hungersnot und viele weitere mussten aufgrund der Nahrungsknappheit aus Irland auswandern.

Kartoffeln in Quarantäne

Unter den echten Pilzen findet sich der Erreger von Kartoffelkrebs, der zu blumenkohlartigen Auswüchsen an den Knollen führt, ein bedeutender Schaderreger der Kartoffel. Diese meldepflichtige Krankheit wurde mittels EU-Verordnung als Quarantänekrankheit eingestuft, wodurch sie besonderen Maßnahmen, beispielsweise der Vernichtung der befallenen Produkte, unterliegt.5 In Österreich gilt der Erreger laut der Europäischen und Mediterranen Pflanzenschutz Organisation (EPPO) als ausgerottet.6 In Nachbarländern wie Deutschland und Tschechien tritt der pilzliche Erreger immer noch auf. Die Einfuhr von Pflanzkartoffeln aus EU- und Nicht-EU-Staaten ist deswegen durch strenge Auflagen reguliert, um die Verschleppung des Erregers zu verhindern.7

Auch die im Boden lebenden Kartoffelzystennematoden gelten als Quarantäneschädlinge und werden als die wirtschaftlich bedeutendsten Schädlinge der Kartoffel beschrieben.8 Nematoden sind Fadenwürmer, von denen gewisse Vertreter auch eine gesundheitliche Gefahr für den Menschen darstellen. Beispielsweise können in Wildfleisch Trichinen vorkommen, die nach dem Verzehr von befallenem Fleisch Krankheiten auslösen können.9

Die Eier der Kartoffelzystennematoden überdauern in  Zysten im Boden, die von den weiblichen Fadenwürmern gebildet werden. Die Larven schlüpfen, sobald die Kartoffelpflanzen ab etwa März eingepflanzt werden. Dann geben die Pflanzen Wurzelstoffe ab, die die Nematoden anlocken. Sie befallen die Wurzeln der Kartoffelpflanzen und stören unter anderem durch ihre Saugaktivität die Nährstoffversorgung, wodurch das Wurzelwachstum beeinträchtigt wird. Die Knollen fallen dadurch kleiner aus – es kommt folglich zu Ertragseinbußen. Nicht immer treten auch oberirdische Symptome, wie dem Verkümmern der Pflanzen, auf, beispielsweise wenn der Befall weniger stark ist.10

Gefahr im Lager

Auch nach der Ernte der Knollen kann es zu einem Befall mit Schaderregern kommen. So können auch im Lager noch wirtschaftlichen Schäden entstehen. Beispielsweise kann bei Kartoffeln, die vor dem Einlagern nicht ausreichend abtrocknen, eine Nassfäule entstehen. Feuchte und sauerstoffarme Bedingungen in den Lagerräumen bieten den bakteriellen Erregern optimale Bedingungen für ihre Vermehrung. Durch die Fäule können die Kartoffeln breiig werden und eine dunkle Verfärbung annehmen. Infolgedessen können die Knollen nicht mehr vermarktet werden.11

Wie schaden Beikräuter der Kartoffel?

Obwohl Beikräuter keinen direkten Schaden an den Kartoffelpflanzen verursachen (wie etwa der Kartoffelkäfer), können zu dichte Beikrautbestände das Wachstum der Kartoffelpflanze hemmen. Wenn sich die Beikräuter im Kartoffelbestand etablieren, konkurrieren sie mit den Pflanzen um die begrenzt verfügbaren Ressourcen, wie Nährstoffe, Wasser, Licht und Platz. Da die Kartoffel eher konkurrenzschwach ist, wird ihr Wachstum dadurch eingeschränkt, wodurch die Knollen kleiner und somit auch die Erträge geringer ausfallen. Außerdem verdichten die Beikräuter die Bestände, wodurch diese schlechter abtrocknen und das Risiko für eine Infektion mit der Kraut- und Knollenfäule steigt. Denn je feuchter der Pflanzenbestand ist, desto besser können sich die Erreger über Sporen ausbreiten.12 Typische Beikräuter der Kartoffel sind verschiedene Gänsefuß-, Knöterich und Franzosenkraut-Arten, sowie der besonders schwer zu regulierende Schwarze Nachtschatten, der übrigens zur selben Pflanzenfamilie gehört, wie die Kartoffel.13

So kann die Kartoffel geschützt werden

Die Vielzahl an möglichen Schädlingen und Schaderregern und die durch sie verursachten Probleme zeigen, dass ein wirksamer Schutz der Kartoffel im Anbau unerlässlich ist. Pflanzenschutzmaßnahmen können auf verschiedene Weisen durchgeführt werden, unter anderem mit chemisch-synthetischen oder biologischen Pflanzenschutzmitteln, auf mechanische Weise oder durch anbautechnische Maßnahmen. Um die richtigen Maßnahmen durchführen zu können, muss die Schadursache zuerst anhand einer korrekten Diagnose identifiziert werden. Dies ist nicht immer einfach, da verschiedene Schadorganismen aber auch abiotische Schäden, wie zum Beispiel Welke durch Trockenheit, ähnliche Symptome hervorrufen können.14

Wie können Kartoffeln mit Pflanzenschutzmitteln geschützt werden?

Pflanzenschutzmittel, die im Kartoffelanbau verwendet werden dürfen, können unterschiedliche Wirkstoffe haben. Neben chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel gibt es auch sogenannte biologische Mittel, die lebende Organismen enthalten. Die Gesamtheit der verfügbaren Mittel kann gegen ein breites Spektrum an Schadorganismen eingesetzt werden und so einen Befall vorbeugen oder ihn gezielt behandeln. Um zu verhindern, dass resistente Schadorganismen überleben oder eine Resistenz gegenüber einzelnen Wirkstoffen ausbilden, werden oftmals mehrere Wirkstoffe in einem Mittel kombiniert oder es werden die Wirkstoffe abwechselnd ausgebracht. So wird sichergestellt, dass alle Organismen abgetötet werden und sich nicht erneut vermehren können.15

Pflanzenschutzmittel können unter anderem nach den Zielorganismen, gegen die sie wirken, eingeteilt werden. So werden beispielsweise Fungizide gegen verschiedene Pilzarten, aber auch gegen den Erreger der Kraut- und Knollenfäule eingesetzt. Dabei lagern sich die Mittel zum Beispiel äußerlich an die Wachsschicht der Blätter an oder sie dringen nach dem Auftragen in das pflanzliche Gewebe ein und werden dann in einem kleinen Bereich oder in der gesamten Pflanze verteilt.16,17

Einschränkungen von Pflanzenschutzmitteln

Da Pflanzenschutzmittel teuer sein können und ihre Anwendung nach den Prinzipien des Integrierten Pflanzenschutzes auf das notwendige Maß begrenzt werden sollte, wird ihr Einsatz oftmals mit Prognosemodellen kombiniert. Solche Modelle gibt es beispielsweise für den Erreger der Kraut- und Knollenfäule. Hierbei wird auf Basis von Wetterdaten und weiteren Faktoren berechnet, wann der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit entsprechenden Mitteln für den jeweiligen Standort mit hoher Wahrscheinlichkeit eintritt.18

Bei Bakterien ist eine direkte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln nur begrenzt möglich. Die in den Mitteln enthaltenen Wirkstoffe, die auch Antibiotika genannt werden, können grundsätzlich die Ausbildung von Resistenzen in Bakterien fördern. Durch das Ausbringen dieser Wirkstoffe in die Umwelt oder etwa durch die Aufnahme von Rückständen in Lebensmitteln, können etwa auch Resistenzen von Bakterien entstehen, die Krankheiten bei Menschen auslösen können. Daher sind diese Wirkstoffe nur noch in speziellen Fällen erlaubt. Um das Risiko eines bakteriellen Befalls zu verringern, ist beispielsweise die Verwendung von gesundem Saatgut unerlässlich, da infizierte Pflanzkartoffeln die Krankheitserreger auf das Feld und in die Bestände einbringen können.19

Mechanische und anbautechnische Pflanzenschutzmaßnahmen

Pflanzenschutz umfasst neben dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit bestimmten Wirkstoffen auch viele weitere Maßnahmen. Eine mechanische Regulierung kann beispielsweise gegen die Larven des Kartoffelkäfers eingesetzt werden. Dafür gibt es unter anderem spezielle Maschinen, welche die Käfer und ihre Larven von den Pflanzen schütteln und einsammeln. Aber auch durch die gezielte Düngung der Pflanzen können Schaderreger vorbeugend reguliert werden, da die Kartoffeln durch eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen ihnen gegenüber weniger anfällig sein können.20

Eine weitere wirksame Methode im Anbau von Kartoffeln ist die Wahl von Sorten, die gegen bestimmte Schadorganismen resistent sind. Vor allem gegen Kartoffelzystennematoden ist der Anbau von resistenten Sorten wichtig, um die Auswirkungen eines Befalls möglichst gering zu halten. Resistente Kartoffelsorten können aufgrund ihrer Eigenschaften die Vermehrung der Nematoden hemmen.21 Wie die Züchtung von Kartoffelsorten abläuft, kannst du im Artikel über die Züchtung von Kartoffeln nachlesen.

Pflanzenschutz im Bio-Kartoffelanabau

Der Bio-Anbau ist durch EU-weite Rechtsvorschriften geregelt. Dabei ist genau angegeben, wie die Produkte erzeugt und welche Stoffe dabei verwendet werden dürfen. Nur was in sogenannten Positiv-Listen erlaubt ist, darf auch in der Erzeugung von Bio-Kartoffeln verwendet werden. Einige Wirkstoffe, die in der konventionellen Landwirtschaft gegen Schadorganismen eingesetzt werden können, dürfen deswegen nicht im Bio-Anbau verwendet werden. Andere Stoffe, wie zum Beispiel Kupferverbindungen, dürfen auch in der biologischen Landwirtschaft angewendet werden. Kupfer wird vor allem gegen den Erreger der Kraut- und Knollenfäule eingesetzt.22

Aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit an Pflanzenschutzmitteln, die einer direkten Behandlung dienen, sind im Bio-Anbau vorbeugende Maßnahmen besonders wichtig. Außerdem können Bio-kompatible Mittel oft eine weniger starke Wirkung als chemisch-synthetische Mittel aufweisen. Dadurch wird es besonders wichtig, dass zum Beispiel auftretende Beikräuter durch eine mechanische Bearbeitung der Kartoffelfelder mit beispielsweise Striegel oder Hacke unterdrückt werden. Hierfür werden die Geräte mit Zinken oder sich rotierende Scheiben aus Metall über die Felder gefahren, wodurch die Beikräuter zerstört oder herausgerissen werden.23

Quellen

1 Miedaner (2014) Kulturpflanzen, S. 231

2 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 151ff

3 Pflanzenschutzwarndienst (warndienst.at: Behandlungsbeginn Kraut- und Knollenfäule; Zugriff: 28.07.2026)

4 Miedaner (2014) Kulturpflanzen, S. 241

5 EU-Verordnung, Nr. 2022/1195 mit Maßnahmen zur Tilgung und zur Verhinderung der Ausbreitung von Synchytrium endobioticum

6 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 65 f

7 EU-Verordnung, Nr. 2019/2072

8 AGES (ages.at: Kartoffelzystennematoden; Zugriff: 02.07.2026)

9 Bundesinstitut für Risikobewertung (bfr.bund.de: Trichinen; Zugriff: 02.07.2026)

10 Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (ages.at: Kartoffelzystennematoden; Zugriff: 30.06.2026)

11 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 44, 51

12 Muck-Arthaber (2025): Kartoffel gegen Unkräuter wappnen und Herbizide gezielt auswählen

13 Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (lfl.bayern.de: Unkrautmanagement im Kartoffelanbau; Zugriff: 02.07.2026)

14 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 209

15 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 272

16 FMC Agro Austria (o.D.) Leimay Datenblatt, S. 1

17 Syngenta (syngenta.at: Revus Pro; Zugriff: 02.07.2026)

18 Pflanzenschutzwarndienst (warndienst.at: Behandlungsbeginn Kraut- und Knollenfäule; Zugriff: 28.07.2026)

19 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 51 ff

20 FiBL (2026) Merkblatt Kartoffelkäfer Nr. 1817, S.7

21 Hallmann (2017) Phytomedizin, S. 227

22 Wachendorf, Bürkert, Graß (2022) Ökologische Landwirtschaft, S. 73 ff

23 Einböck (einboeck.at: Striegeln und Hacken von Kartoffeln; Zugriff: 28.07.2026)