Zum Inhalt springen
Land schafft Leben
Land schafft Leben

Wir brauchen Dich! Begib dich mit uns auf die Spur deines Essens – werde Mitglied oder spende einmalig.

Käsemythen im Faktencheck

Käse ist ein sehr emotionales Lebensmittel, das auch mit allerlei Werten und Wirkungen behaftet ist. Manchmal, aber nicht immer, handelt es sich dabei um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…

Hand streicht Frischkäse aus einem Becher auf ein Tuch, daneben ein Löffel und ein geöffnetes Frischkäsegefäß. Hand streicht Frischkäse aus einem Becher auf ein Tuch, daneben ein Löffel und ein geöffnetes Frischkäsegefäß.

Sind Topfenwickel wirksam?

Frau legt auf dem Sofa, am Arm ein Topfenwickel mit Tuch; daneben steht ein offener Becher mit Löffel.

Man mag dabei nicht zuallererst an Käse denken, doch sind sie ein bekanntes und beliebtes Hausmittel bei allerlei Leiden: die Topfenwickel. Topfen zählt zum Frischkäse und wird gerne zur Linderung von Entzündungen und Schmerzen eingesetzt. Dazu gibt man einfach kalten Topfen in ein Geschirrtuch und legt dieses auf die betroffene Stelle auf – fertig! Wie bei den meisten anderen Hausmitteln auch, konnte die Wirkung von Topfen zwar nicht im Rahmen aussagekräftiger Studien nachgewiesen werden, das bedeutet jedoch nicht, dass er nicht helfen kann. Allein der Kühleffekt und vielleicht auch einfach das Gefühl, sich selbst zu helfen, können schon eine durchaus positive Wirkung haben.

Hilft Käse gegen Sodbrennen?

Eiweißreiche Lebensmittel können die Beschwerden bei Sodbrennen lindern, da Proteine und Peptide zu einer Ausschüttung des Hormons Gastrin führen. Dieses fördert wiederum den Verschluss des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen. Fettreiche Speisen hingegen können das genaue Gegenteil bewirken: Fett wirkt tonussenkend auf den Schließmuskel und fettige Speisen liegen lange im Magen, wodurch der Mageninhalt eher wieder in die Speiseröhre zurückfließt.

Da Käse zwar reich an Eiweiß ist, je nach Sorte aber auch viel Fett enthalten kann, eignet sich nicht jeder Käse bei Sodbrennen. Fettarmer Käse kann durchaus positive Effekte bei Beschwerden haben – jedoch auch nur dann, wenn er nicht im Rahmen einer fettreichen Speise zu sich genommen wird.

Schließt Käse den Magen?

Der eine oder die andere hat sich sicher schon einmal gefragt, wie es aussieht, wenn „Käse den Magen schließt“. Der Universitätsprofessor für Ernährungswissenschaften Jürgen König stellt klar: „Man darf sich darunter nicht vorstellen, dass Käse den Magen sperrt oder den Magenpförtner so blockiert, dass überhaupt nichts mehr durchgeht.“

Dennoch ist an dieser gerne gebrauchten Wendung tatsächlich etwas dran. Denn:

Wenn Käse reift, dann wird das Milchfett teilweise zu freien Fettsäuren abgebaut. Nehmen wir diese in höheren Konzentrationen zu uns, dann bewirken sie, dass im Magen beziehungsweise Darm gewisse Hormone freigesetzt werden, die den sogenannten Magenpförtner schließen lassen. Dadurch wird die Magenentleerung verzögert und dem Gehirn gemeldet, dass der Magen gefüllt ist. Als Folge stellt sich ein Sättigungsgefühl ein. Da sich der Abbau des Milchfettes erst mit fortschreitendem Reifegrad vollzieht, zeigt sich dieser Effekt vermutlich nur bei gereiftem Käse. Dieses wird auch durch das in Käse enthaltene Eiweiß gefördert.

Inwiefern Käse den Magen tatsächlich „schließt“, hängt außerdem davon ab, wie viel Käse wir zu uns nehmen und ob und mit welchen Lebensmitteln wir diesen kombinieren. Essen wir Käse als Abschluss eines mehrgängigen Menüs, stellt sich außerdem die Frage, ob nun der Käse oder nicht vielleicht doch das gesamte davor eingenommene Menü zur Sättigung geführt hat.

Kann Käse beim Einschlafen helfen?

Ein runder Weichkäse mit rötlicher Rinde liegt auf einem Holzbrett, daneben zwei Scheiben dunkles Brot.

© Viola Zeindl

Die in Käse enthaltene Aminosäure „Tryptophan“ trägt nicht nur zur Sättigung bei, sondern kann auch dazu beitragen, dass wir besser einschlafen können. Tryptophan ist nämlich die Vorstufe von Serotonin, aus dem wiederum das Schlafhormon Melatonin gebildet wird. Sie zählt zu den unentbehrlichen Aminosäuren, was bedeutet, dass der Körper sie nicht selbst herstellt, sondern wir es über die Nahrung aufnehmen müssen. Dazu eignen sich unter anderem Milch und Milchprodukte, Eier, Nüsse, Fisch, Bohnen, Kürbiskerne sowie Hühner- und Putenfleisch. All diese Lebensmittel enthalten Tryptophan.

Serotonin und Melatonin werden im Gehirn gebildet. Das aufgenommene Tryptophan muss also erst einmal die Blut-Hirn-Schranke überwinden, um dorthin zu gelangen. Dies kann durch Zucker begünstigt werden. Dass man die warme Milch nicht einfach so, sondern mit Honig, zum Einschlafen trinkt, kommt also nicht von ungefähr.

Tryptophan wird auch als Medikament bei Einschlafstörungen eingesetzt. Dessen Wirkung werden die Honigmilch oder das Stück Käse jedoch kaum erreichen, denn während man Tryptophan therapeutisch in Mengen zwischen ein und vier Gramm einsetzt, enthalten 100 Gramm Gouda lediglich 0,33 Gramm. Man müsste also sehr große Mengen Käse essen, um einen wirklich hohen Tryptophangehalt und die damit verbundene Wirkung zu erreichen – und diese würden einem wohl derart im Magen liegen, dass man erst recht nicht einschlafen kann.

Überhaupt sollte man zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen. Über den Tag verteilt aufgenommene Dosen Tryptophan könnten sich laut einer kleinen Studie spanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber durchaus positiv auf den Schlafprozess auswirken – wenngleich die Qualität unseres Schlafes auch von vielen anderen Faktoren wie Bewegung, Koffein- und Alkoholkonsum, Regelmäßigkeit des Schlafrhythmus und der Ernährung im Allgemeinen abhängt.