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Wie werden Schweine in Österreich gezüchtet?

Österreichische Schweine stammen zum Großteil von österreichischen Schweinen ab. Nur ein geringer Teil der Mastferkel wird importiert. Die Züchtung im eigenen Land ist in der modernen Landwirtschaft keine Selbstverständlichkeit. Vorteil ist, dass die österreichische Schweinebranche die Zuchtziele selbst definieren kann und nicht von Zuchtprogrammen im Ausland abhängig ist. Zudem lassen sich für jedes heimische Ferkel die Vorfahren nachvollziehen.

Stammbaum eines Mastschweins

Wenn in Medienberichten von der „Schweinezucht“ die Rede ist, dann ist damit nicht selten die Haltung allgemein beziehungsweise die Mast gemeint, bei der Ferkel bis zur Schlachtreife aufgezogen werden. In Fachkreisen dagegen ist – umgangssprachlich – von einem „Zuchtbetrieb“ oder einer „Züchterin“, einem „Züchter“ die Rede, wenn auf einem Betrieb Ferkel zur weiteren Verwendung in der Mast erzeugt werden. Mit der eigentlichen „Züchtung“ im Speziellen ist in Landwirtschaft und Wissenschaft wiederum etwas anderes gemeint: nämlich die gezielte Veränderung der vererbbaren Eigenschaften von Tieren oder Pflanzen. Beim Schwein sind etwa die Futterverwertung eines Mastschweins oder die durchschnittliche Anzahl der geborenen Jungtiere einer Muttersau (Wurfgröße) Beispiele für beeinflussbare Zuchtziele.

90 Prozent der in Ober- und Niederösterreich aufgezogenen Mastferkel haben einen nachvollziehbaren Stammbaum und werden als Ö-PIG-Ferkel oder auch PIG-Austria-Ferkel bezeichnet. PIG Austria nennt sich die Zuchtorganisation, die in ganz Österreich das sogenannte FORTUNA-Zuchtprogramm betreibt.

Jedes Ö-PIG-Ferkel hat einen Eber der Rasse Pietrain als Vatertier. Geboren wird es von einer FORTUNA-SAU, dem Muttertier. Diese FORTUNA-SAU ist das zentrale Produkt des Zuchtprogramms und entsteht wiederum aus einer Kreuzung von zwei jeweils reinrassigen Elterntieren: eines der sogenannten Landrasse sowie eines der Rasse Edelschwein. Welche der beiden Rassen dabei Vater- oder Muttertier stellt, hat keine Auswirkungen auf die Eigenschaften der späteren Masttiere. Reinrassig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Eltern der FORTUNA-Sau beziehungsweise die Großelterntiere unserer Mastschweine jeweils ohne „Vermischung“ beziehungsweise als Nachkommen zweier Individuen derselben Rasse (Landrasse oder Edelschwein) entstanden sind. Auch die angesprochenen Pietrain-Eber werden in Reinzucht (reinrassig) bearbeitet.

Grafik zeigt Stammbaum: Landrasse + Edelschwein → Fortuna-Sau, mit Pietrain-Eber → Ö-Pig-Ferkel (Mastschwein). © Land schafft Leben 2025

Da das typische österreichische Mastferkel also aus drei unterschiedlichen Ursprungsrassen gezüchtet wird – Pietrain auf der Vaterseite sowie Landrasse und Edelschwein auf der mütterlichen Großelternseite – spricht man auch von einer Drei-Rassen-Kreuzung. Schwerpunktmäßig in der Steiermark werden Mastferkel zum Teil auch in Form einer Zwei-Rassen-Kreuzungen aus Pietrain und Edelschwein gezüchtet. Auch andere Kombinationen kommen quer durch Österreich vereinzelt vor.

Generell werden die drei angesprochenen unterschiedlichen Rassen in Österreich seit den 1970-er Jahren planmäßig gezüchtet. Davor wurde für die Produktion von Schweinfleisch teilweise eine Universalrasse verwendet, wobei schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auch mit anderen Rassen gekreuzt wurde.

Was ist ein Hybrid?

Immer dann, wenn man zwei Tiere unterschiedlicher reinerbiger Rassen (auch als Elternlinien bezeichnet) miteinander kreuzt, entsteht als Nachkomme ein sogenannter Hybrid. Das Wort Hybrid kommt aus dem Griechischen und bedeutet frei übersetzt „gemischt, von zweierlei Herkunft“. Nur die erste Generation (F1-Generation) solcher spezieller Kreuzungen weist bestimmte Eigenschaften wie besonders hohe Fruchtbarkeit auf, in denen sie ihre Eltern übertrifft. Dieses Phänomen ist als „Heterosiseffekt“ bekannt. Darüber hinaus machten sich Züchterinnen und Züchter dabei bestimmte Kombinationseffekte zu Nutze, durch die sich die Eigenschaften zweier Rassen miteinander kombinieren lassen.

Bis zum Jahr 2019 wurde das Ö-PIG-Ferkel noch als „ÖHYB-Ferkel“ und dessen Muttertier als „ÖHYB-F1-Sau“ bezeichnet, wobei ÖHYB als Kürzel für „Österreich-Hybrid“ stand. In der Praxis finden diese veralteten Bezeichnungen noch immer breite Verwendung.

Auch die Bio-Landwirtschaft verwendet großteils Schweine mit dem oben beschriebenen Stammbaum. Nur wenige kleinere Betriebe, meist Direktvermarkterinnen und Freilandhalter, setzen auf andere Rassen wie Duroc oder Mangaliza. Bezüglich der verwendeten Genetik gibt es laut EU-Bioverordnung keine zusätzlichen Auflagen. Allerdings sehen einzelne Bio-Markenprogramme die Verwendung österreichischer Genetik verpflichtend vor. Die Mutter der Bio-Mastferkel (die Zuchtsau) muss schon auf einem Bio-Betrieb geboren worden sein, außer wenn die Rasse nicht ausreichend am Markt verfügbar ist, was aber nur selten vorkommt. Der Vater der Bio-Mastferkel kann auf einer konventionellen Besamungsstation stehen. Hier profitiert die Bio-Landwirtschaft vom aufwändigen österreichischen Standard-Züchtungssystem und kann die gesamte in Österreich vorhandene genetische Vielfalt nutzen. Eine eigene Bio-Besamungsstation wäre nicht nur unwirtschaftlich. Eine abgetrennte, in sich geschlossene Bio-Zuchtpopulation wäre laut Fachleuten auch viel zu klein und damit genetisch beengt. Das Risiko von Inzucht und Erbfehlern würde dadurch zu groß werden.

Das FORTUNA-Programm: Von den Großeltern zum Mastferkel

Etwa 50 österreichische Betriebe züchten reinrassige Schweine der Rassen Pietrain, Edelschwein und Landrasse. Sie verkaufen Tiere an sieben zugelassene Besamungsstationen, wo das Ebersperma gewonnen wird, sowie an etwa 110 Vermehrungsbetriebe, die Muttersauen produzieren. Letztere kommen wiederum zu den Ferkelproduktionsbetrieben. Erst dort werden jene Schweine geboren, die schließlich zur Mast dienen und den allergrößten Teil des hierzulande erzeugten Schweinefleischs liefern.

Genetik aus dem eigenen Land

Ein rosafarbenes Ferkel steht auf Spaltenboden im Stall, umgeben von anderen Ferkeln.

In der modernen Landwirtschaft kommt der Großteil der Nutztiere von internationalen Zuchtunternehmen. Global betrachtet ist das auch beim Schwein Fall, wobei die fünf weltweit größten Zuchtunternehmen mehr als 80 Prozent des Weltmarktes ausmachen. Österreich bildet dabei, zusammen mit Süddeutschland, der Schweiz und Teilen Frankreichs eine Ausnahme. Aktuell kommen österreichische Schweine, mit wenigen Ausnahmen, aus österreichischer Züchtung. Ein kleiner Teil der benötigten Mastferkel kommt aus dem Ausland. Außerdem werden in der Zucht hin und wieder einzelne Einträge, sprich Sperma, aus anderen Ländern benötigt, um einen entsprechend breiten Genpool zu erhalten. Der große Vorteil eines Zuchtprogramms im eigenen Land ist, dass die heimischen Verbände eigene Zuchtziele verfolgen können und damit einen Kernbereich der Schweinehaltung selbst mitbestimmen können.

Dazu gehören eigene, für die Branche in Österreich wichtige Abwägungen in puncto Genetik. So sollen etwa Tierwohlaspekte immer stärker berücksichtigt werden, ohne jedoch ökonomische Aspekte außer Acht zu lassen. In der Praxis bedeutet das konkret, dass etwa die Anzahl der Ferkel pro Wurf nicht kompromisslos in die Höhe getrieben wird. Gleichzeitig ist eine gewisse Wurfgröße für das wirtschaftliche Überleben der heimischen Ferkelproduzenten wichtig.

Die Züchtung im eigenen Land verursacht allerdings zusätzliche Kosten und ist keineswegs selbstverständlich. Sollten eines Tages immer mehr Betriebe auf ausländische Genetik zurückgreifen, könnte die österreichische Züchtung unrentabel werden und verschwinden. Einzelne Betriebe haben in den vergangenen Jahren auf ausländische Genetik gewechselt. Aktuell setzen die Erzeugergemeinschaften und fast alle Bäuerinnen und Bauern auf die heimische Züchtung.

Herdebuchzüchtung: Jedes Ferkel mit Stammbaum

Das österreichische System der Herdebuchzüchtung ist in der internationalen Schweineproduktion eine Besonderheit. Nur wenige Regionen in Europa haben ein ähnliches System. Herdebuchzüchtung bedeutet, dass man bei jedem Schwein weiß, wer die Eltern und Großeltern sind. Die Zuchtbetriebe entscheiden selbst, wer die Elterntiere ihrer Schweine sind. Der österreichischen bäuerlichen Schweinezüchtung steht damit eine Informationsfülle bereit, mit einer Vielzahl an Leistungs- und Verwandtschaftsinformationen. Mit dieser Informationsfülle und der verwendeten IT-Technologie können sie neben der internationalen Konkurrenz bestehen.

Wurfgröße: Jedem Ferkel seine Zitze

14 bis 18 Zitzen hat eine Sau, egal wie viele Ferkel sie zur Welt bringt. Im Jahr bekommt eine österreichische Sau im Schnitt 25 Ferkel, aufgeteilt auf etwas mehr als zwei Würfe. Das entspricht knapp 14 Ferkeln pro Wurf. Das bedeutet, dass eine Sau normalerweise nur so viele Ferkel auf die Welt bringt, wie sie selbst säugen und aufziehen kann. Laut Brancheninformationen bleibt es Ziel der österreichischen Züchtung, dass jede Sau möglichst ihre eigenen Ferkel aufzieht.

In Dänemark, einem der wichtigsten Ferkelproduktionsländer weltweit, bekommt eine Sau im Schnitt ungefähr 40 Ferkel pro Jahr, wobei extreme Einzelwürfe von bis zu 30 Ferkeln möglich sind. Das kann zu untergewichtigen Ferkeln führen. Da ihre Anzahl die Zahl der Zitzen einer Sau übersteigt, muss mit Ammen oder künstlichen Aufzuchthilfen gearbeitet werden, um die Ferkel groß zu ziehen.

Zuchtziele: Was die Mastschweine können müssen

Fleischbeschaffenheit, Magerfleischanteil, Futterverwertung, Fruchtbarkeit, Robustheit, Fitness, Stressresistenz und einheitliche Schlachtkörper– diese und weitere Zuchtziele verfolgen Österreichs Schweinezüchter. Die Zuchtziele werden letztendlich vom Markt und somit von den Konsumentinnen und Konsumenten bestimmt. Sie werden nur über Selektion und Kreuzungszucht erreicht, Gentechnik im Sinne des Gesetzgebers kommt nicht zum Einsatz. Die Herausforderung für die Zuchtbetriebe liegt darin, mehrere Ziele auf einmal zu verfolgen. Es werden solche Schweine für die Vermehrung herangezogen, die die gewünschten Eigenschaften in Summe am besten verkörpern. Die Eltern und Großeltern der Mastschweine sollen zudem spezielle Eigenschaften aufweisen, die sie für die Zucht geeignet machen. 

Eine der Erfolgsgeschichten der Züchtung ist die Eliminierung der Stressempfindlichkeit von Zuchtebern der Rasse Pietrain, die wegen ihrer Fleischfülle eingekreuzt werden. Diese führte bei Belastungen wie Umstallen, Rangkämpfen und Transport zum Schlachthof zu einer Überhitzung des Körpers. Das konnte im Extremfall bis zum Verenden einzelner Schweine führen, bei Schlachttieren führte der Stress zu schlechter Fleischqualität aufgrund einer Übersäuerung der Muskeln. Solches „PSE-Fleisch“ schmeckt sauer (PSE = pale, soft, exsudative = blass, weich, wässrig). Der Züchtung ist es gelungen, dass es heute keine Pietrain-Eber mit diesem Stoffwechseldefekt gibt und dass dieser auch nicht mehr vererbt wird. Das bringt große Vorteile für die landwirtschaftlichen Betriebe, die Schlachthof-Mitarbeiter und die Schweine selbst.