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Wie werden Mastschweine in Österreich gehalten?

Im Alter von etwa drei Monaten bis zur Schlachtung spricht man bei Schweinen von der Mast. In dieser Zeit legen die Schweine etwa 90 Kilogramm zu. Schweine in der Standard-Haltung stehen meist auf Vollspaltenböden, Bio-Schweine müssen eine eingestreute Liegefläche zur Verfügung haben. In der Diskussion um die Mastschweinehaltung standen in den vergangenen Jahren vor allem Vollspaltenböden sowie Beschäftigungsmöglichkeiten für die Schweine im Zentrum. 

Mast in Gruppen

Eine Einzelhaltung, wie es früher auf vielen kleinen Bauernhöfen üblich war, gibt es in der professionellen Schweinemast nicht. Schweine sind soziale Tiere und eines ihrer Grundbedürfnisse ist der Kontakt zu Artgenossen. Mit drei Monaten und einem Gewicht von knapp über 30 Kilo kommen die jungen Schweine zu einem eigenen Mastbetrieb oder in einen anderen Stall am kombinierten Betrieb. Von kombinierten Betrieben ist dann die Rede, wenn dort sowohl Ferkel geboren und aufgezogen als auch bis zur Schlachtung gemästet werden. Der Übergang in den Maststall geht mit einer neuen Zusammenstellung der Gruppen einher, was immer mit sozialen Konflikten verbunden ist. Die Schweine machen sich ihre Rangordnung aus. Das kann zu Kratzern und blutigen Verletzungen führen.

Mehrere Mastschweine in einem abgetrennten Stall mit Futterrohren, Betonboden und kahlen Wänden.

Auch aus gesundheitlicher Sicht ist diese Zeit eine Herausforderung. Die Schweine kommen aus unterschiedlichen Gruppen und nicht selten auch von mehreren Bauernhöfen. Sie können sich in dieser Phase mit mitgebrachten Krankheitserregern gegenseitig anstecken. In der österreichischen Schweinemast ist eine Gruppengröße von 10 bis 13 Schweinen üblich. Die genaue Gruppengröße richtet sich nach den Begebenheiten am Bauernhof. Die Schweine einer Gruppe sind gleich alt und werden gleichzeitig eingestallt. 

Temperatur-Regulierung mittels Belüftung

Die Körpertemperatur der Schweine wärmt den Stall, zusätzlich beheizt wird meist nur dann, wenn das Einstallen der Ferkel in der kalten Jahreszeit stattfindet. Eine Klimaanlage für heiße Sommertage gibt es nicht. Wichtig für die Temperatur und die Luftqualität ist ein gut funktionierendes Lüftungssystem. Stallfenster müssen vorhanden sein und Tageslicht ins Innere lassen. Ihre Mindestgröße ist gesetzlich geregelt und muss mindestens drei Prozent der Stallfläche ausmachen. 

Effizientes Haltungssystem

In der konventionellen Standard-Schweinemast haben die Tiere üblicherweise keinen Auslauf. Schweineställe von professionellen Mastbetrieben sind so eingerichtet, dass die Arbeit darin möglichst effizient ablaufen kann und die körperliche Belastung bei der Stallarbeit gering gehalten wird. Da die Erträge pro Schwein gering sind, müssen die Betriebe eine gewisse Mindestanzahl an Schweinen halten. Es ist wichtig, dass pro Tier möglichst wenig Arbeitszeit anfällt. Wenn man die gesamte Arbeitszeit während eines Mastdurchgangs auf ein einzelnes Schwein und dessen Aufenthalt am Betrieb herunterbricht, dann fallen pro Schwein 20 bis 30 Minuten an, um es zu mästen. In einem Betrieb mit 500 Mastplätzen fallen etwa 14 Arbeitsstunden pro Woche alleine im Stall an. Dazu kommt noch die Arbeit am Acker und organisatorische Tätigkeiten.

Mehrere Mastschweine stehen dicht gedrängt in einem hellen Stall mit Spaltenboden und Metallgittern.

Vollspaltenböden und Beschäftigungsmöglichkeiten

Konventionelle Schweine werden großteils auf Vollspaltenböden aus Beton, ohne Einstreu und ohne Auslauf gehalten. Das spart Platz und ein tägliches Ausmisten. Typische Verhaltensweisen wie das Wühlen können die Schweine meist nicht ausleben. Wie das Beschäftigungsmaterial auszusehen hat, ist gesetzlich definiert. Bio-Schweinen muss ein befestigter Auslauf zur Verfügung stehen, Freilauf auf eine Weide ist nicht vorgeschrieben.

Der Kot der Schweine fällt auf einen harten Boden, der mit Spalten durchzogen ist. Wenn sie in der Box herumgehen, treten sie die Exkremente durch die Spalten hindurch in den Güllekanal. Der Stall muss nicht ausgemistet werden. Die aber weiterhin anfallende regelmäßige Reinigung es Stalls erfordert deutlich weniger Arbeitszeit.

Hält man die Schweine wie in der Bio-Landwirtschaft auf Stroh oder lässt sie ins Freie, zeigen sie die Verhaltensweisen ihrer wilden Verwandten und Vorfahren. Die Schweine interessieren sich für ihre Umgebung und schaffen sich getrennte Bereiche zum Fressen, Koten und Liegen. Ob dieses natürliche Verhalten in der Standard-Haltung möglich ist, ist stark umstritten. Die Haltung auf Stroh oder gar im Freiland erfordert wesentlich mehr Platz und Arbeitszeit, das Schweinefleisch kostet entsprechend mehr.

Keine Futtersuche notwendig

Der inzwischen verstorbene steirische Tierarzt Wolfgang Schafzahl spricht im Filminterview mit Land schafft Leben (2017) an, dass die Schweine nicht wie ihre Vorfahren aufwändig nach Futter suchen müssen: „Der Hauptjob der Schweine ist, zu fressen und zu schlafen. [...] Unsere Hausschweine brauchen nicht nach Nahrung zu suchen.“ Den Schweinen gehe es auch gut, ohne jeden Tag ein paar Kilometer zurückzulegen.

Bei der Kritik an der Haltungsform wird immer wieder der Vergleich mit Hunden gezogen, nach dem Motto: Wir würden unsere Hunde nie so halten wie unsere Schweine. Tierschutzorganisationen weisen auf die relative Intelligenz von Schweinen hin. Zum Teil wird diese mit der von Hunden oder gar Schimpansen und Delfinen verglichen, was sich wissenschaftlich in dieser ausgeprägten Form aber kaum untermauern lässt. Von uns befragte Schweinebauern legen Wert auf eine Unterscheidung zwischen Haus- und Nutztieren. Für Haustiere bezahlt man, Nutztiere müssen dagegen Einnahmen bringen, sonst würde man sie gar nicht halten. Auch in der Standard-Haltung ist ein Beschäftigungsmaterial vorgeschrieben. Damit sind Materialien wie etwa Hanfseile gemeint, auf denen die Schweine herumkauen können, die sie untersuchen und hin- und herbewegen können.  

Schwänze der Artgenossen werden interessant

Christine Leeb von der Universität für Bodenkultur (BOKU University) meint, dass die Schweine Dreiviertel jener Zeit, in der sie aktiv sind, etwas erkunden und sich beschäftigen möchten. Dieses Bedürfnis sei so stark, dass es sich, wenn es nicht ausgelebt werden kann, auf andere Aktivitäten umlege. „Die Schweine beginnen dann zum Beispiel am Boden oder im Futtertrog zu lecken oder verschiedene Körperteile anderer Schweine mit dem Rüssel zu bearbeiten.“ Das betrifft laut Leeb die Schwänze, Ohren oder auch die Flanke von Artgenossen. Das könne zu leichten bis schweren Verletzungen und Infektionen führen. Christine Leeb ergänzt: „Das ist eine große Herausforderung für Landwirte, die die Bedürfnisse der Schweine erfüllen wollen, aber in den bestehenden Systemen (Vollspaltenböden etc.) ist das sehr schwierig.“ Am Vollspaltenboden blieben die Schweine zwar sauber, weil die Ausscheidungen durch die Spalten nach unten fielen, „andererseits haben sie ständig den Geruch der Fäkalien, die unter ihnen sind“, so Christine Leeb vom BOKU-Institut für Nutztierwissenschaften. 

Platz pro Schwein

Mastschweine sind in Gruppen zu halten. Die gesetzliche Mindestfläche richtet sich nach dem Gewicht der Tiere. Einem Ferkel bis 30 Kilo müssen 0,3 Quadratmeter zur Verfügung stehen, einem Mastschwein bis 110 Kilo 0,7 Quadratmeter und ab einem Gewicht von 110 Kilo muss ein Quadratmeter pro Schwein verfügbar sein. In der Bio-Haltung haben Mastschweine etwa dreimal so viel Platz, wenn man den vorgeschriebenen Auslauf dazurechnet. 

Bio-Schweinemast

Mehrere rosa Schweine liegen und stehen in einem Stall auf Stroh, umgeben von Holzwänden.

Bio-Schweine müssen zumindest Zugang zu einem befestigten Auslauf haben, Weidezugang ist nicht verpflichtend. Spaltenböden dürfen maximal die Hälfte des Stalles ausmachen. Wühlmaterial ist vorgeschrieben, meistens wird Stroh verwendet. Auch bei Bio-Schweinen richtet sich die Mindeststallfläche nach dem Tiergewicht. Pro Schwein bis 110 Kilogramm sind 1,3 Quadratmeter Stallfläche und ein Quadratmeter Auslauf vorgeschrieben, über 110 Kilogramm müssen mindestens 1,5 Quadratmeter Stallfläche und 1,2 Quadratmeter Auslauf pro Schwein zur Verfügung stehen. 

Generell sind bei der biologischen Haltung von Nutztieren Weiden und Auslaufflächen entsprechend den Klimaverhältnissen und der Tierart im Bedarfsfall mit Schutzeinrichtungen gegen Regen, Wind, Sonne und extreme Temperaturen auszustatten. Bio-Schweinemastbetriebe findet man nicht in denselben Regionen wie konventionelle.

Gerade für größere und spezialisierte Schweinebetriebe bedeutet eine Umstellung auf Bio einen großen finanziellen Aufwand. Daher stellen sie eher selten auf Bio um. Bio-Mästerinnen oder -Mäster sind oft Neueinsteiger.

Freilandhaltung

Mehrere Schweine fressen auf einer offenen Weide mit Unterstand; im Hintergrund ländliche Landschaft.

Bilder von Schweinen auf der grünen Wiese und im Schlammbad, wie sie viele Menschen aus der Werbung kennen, sind die absolute Ausnahme. Auch Bio-Schweine haben meist einen befestigten Auslauf mit Stroh und keinen Weidezugang. Die Freilandhaltung bedeutet einen hohen finanziellen Aufwand, nicht zuletzt, weil viel mehr Fläche benötigt wird. Das liegt daran, dass der Boden durch die wühlenden Schweine stark beansprucht wird, weshalb pro Schwein eine große Fläche benötigt wird. Freilandhaltung ist zudem nicht auf jedem Boden und in jeder Gegend möglich. Erschwert wird die Freilandhaltung auch durch die Ansteckungsgefahr, die sich aus dem möglichen Kontakt zu Wildtieren ergeben kann. Unbestritten ist aber, dass die Schweine arttypische Verhaltensweisen wie die das Erkunden der Umgebung oder das zu Suhlen im Schlamm auf einer Weide am besten ausleben können. 

Infografik zum Weg konventioneller Mastschweine in Österreich, mit Fokus auf Deckzentrum und Wartestall. © Land schafft Leben 2025
Infografik zum Mastschweinleben in Österreich: Abferkelbucht und Ferkelaufzucht mit gezeichneten Schweinen illustriert.

© Land schafft Leben 2025

Infografik zeigt Mast, Schlachtung, Verarbeitung und Verwendung eines Mastschweins in Österreich mit Symbolen und Text. © Land schafft Leben 2025

Land schafft Leben © 2017