Warum ist österreichisches Schweinefleisch teurer als Importware?
Schweinefleisch ist längst ein global gehandeltes Produkt. Österreichische Betriebe stehen im Wettbewerb mit Ländern, die deutlich günstiger produzieren. Gleichzeitig erwarten Konsumentinnen und Konsumenten hohe Standards bei Tierwohl, Qualität und Preis. Dieses Spannungsfeld prägt die Branche und führt zu komplexen Zielkonflikten.
Das Schwein als global gehandelte Ware
Wie alle anderen Wirtschaftsbereiche folgt auch die Schweinehaltung ökonomischen Grundsätzen. Die Bauern müssen sich wie auch die Schlachtbetriebe im internationalen Wettbewerb erfolgreich behaupten. Oft konkurrieren sie dabei mit Ländern, in denen deutlich günstiger produziert werden kann. Die Grundvoraussetzung für ihren wirtschaftlichen Erfolg sind gesunde und leistungsstarke Schweine, die hochwertige Lebensmittel liefern. Die Verbraucher fordern höchste Maßstäbe für die Lebensmittelsicherheit, -qualität und -vielfalt, bei gleichzeitig hohen Umwelt- und Tierschutzstandards und niedrigen Verbraucherpreisen. Dies kann laut dem Tierethiker Dürnberger zu Zielkonflikten innerhalb der Branche führen.
Am besten veranschaulicht dieses „Dilemma“ der Umstand, dass etwa die Hälfte eines jeden produzierten Schweins exportiert wird. Jene Hälfte, die im Land bleibt, wandert hauptsächlich als Frischfleisch in den Lebensmitteleinzelhandel. Die andere Hälfte aber verteilt sich rund um den Globus. So gehen beispielsweise besonders fette Teilstücke, die in Österreich wenig nachgefragt werden, häufig in den asiatischen Raum. Hier sind die Anforderungen der Großeinkäufer an die Produktion nicht unbedingt deckungsgleich mit jenen des heimischen Handels bzw. der Konsumentinnen und Konsumenten. Ähnliches gilt für Italien, dem seit Jahren anteilsmäßig bedeutendsten Importeur von österreichischem Schweinefleisch. Diese Märkte und seine Konsumenten sind etwa für das Thema Tierwohl wesentlich weniger sensibilisiert. Dazu kommt, dass große Erzeugerländer wie Brasilien mit deutlich geringeren Auflagen am selben Markt mit österreichischem Schweinefleisch konkurrieren. Einerseits soll also Schweinefleisch über die gesamte Produktionskette effizient und kostengünstig produziert werden, um am internationalen Markt zu bestehen, andererseits soll auch der heimische Kunde in seinen höheren Ansprüchen zufrieden gestellt werden.
Dilemma zwischen Gentechnikfrei und konkurrenzfähig
Der Preis für Soja liegt bei mehreren hundert Euro pro Tonne und ist starken Schwankungen unterworfen. Dabei kostet heimisches Soja deutlich mehr als Importe aus Nord- oder Südamerika. Letztere werden meist als klassisch gentechnisch veränderte Sorten (GVO) kostengünstig auf riesigen Flächen angebaut. Dieser Preisunterschied wirkt sich gezwungenermaßen auf den Preis aller Produkte aus, die aus dem mit Soja gefütterten Schwein gewonnen werden. Die vielen Teile des heimischen Schweins werden weltweit vermarktet, auf Märkten, wo Gentechnikfreiheit keine Rolle spielt. Selbst gentechnikfreie Edelteile an österreichische Konsumenten zu verkaufen, ist eine Herausforderung, wie Erzeugerorganisationen im Gesprächsangaben. Verarbeiter und Handelsketten hätten versucht, gentechnikfreies Fleisch im Regal neben herkömmlich produziertem zu verkaufen, und seien gescheitert. Die Konsumenten seien nicht bereit gewesen, allein für Gentechnikfreiheit 50 Cent pro Kilo mehr zu zahlen.
Weltweit bekommen konventionelle Mastschweine in aller Regel gentechnisch verändertes Soja, selbst im Gentechnikfrei-Musterland Österreich. Auch wenn einzelne Verarbeiter nur mehr Fleisch aus gentechnikfreier Fütterung kaufen, der Großteil der konventionellen Schweine in Österreich wird nach wie vor mit gentechnisch verändertem Soja aus Übersee gefüttert. Eine Branchenlösung wie in der Milch-, Eier- und Geflügelbranche gibt es bei der österreichischen Schweinehaltung nicht. Auch das AMA-Gütesiegel schreibt bei Schweinefleisch keine gentechnikfreie Fütterung vor. Gentechnik in der Fütterung muss für den Konsumenten nicht auf der Verpackung des Tierproduktes ersichtlich sein. Nur Bio und Produkte mit dem grün-weißen Siegel der ARGE Gentechnik-frei werden garantiert ohne klassisch gentechnisch verändertes Soja hergestellt. Bei aller Diskussion um Gentechnikfreiheit ist zu beachten, dass Soja ein wichtiger Futterbestandteil ist, aber nicht mehr als 10 bis 20 Prozent des Schweinefutters ausmacht. Der Großteil des Futters kommt aus gentechnikfreiem Anbau rund um den Bauernhof.
Geringere Produktionskosten auch im EU-Ausland
Österreich gehört zu den Ländern mit den höchsten Produktionskosten für Schweinefleisch. Das geht unter anderem aus Daten des Forums „InterPIG“ hervor, unter dessen Dach mehrere wichtige Produktionsländer ihre Kosten miteinander vergleichen. In Österreich lagen die Produktionskosten pro Kilogramm Schlachtkörper (warm) im Jahr 2024 demnach im Schnitt bei 2,22 Euro (netto) und damit nahezu gleichauf mit Großbritannien. Wesentlich höher lagen sie in dem Vergleich von 22 Ländern bzw. Regionen nur in Italien und der Ukraine, wobei die Ukraine aus mehreren Gründen einen Sonderfall darstellt, weil dort trotz teils sehr großer Ackerflächen und allgemein großer Strukturen die höchsten Produktionskosten anfallen. Laut Martina Gerner von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich liegt dies (Stand 2024) unter anderem an deutlich höheren Zinssätzen bei der Finanzierung von Investitionen, sehr viel höheren Energiekosten sowie der Wertentwicklung der ukrainischen Währung im Vergleich zum Euro.
Dennoch kann in fast allen anderen verglichenen Ländern Schweinefleisch günstiger erzeugt werden als in Österreich. Im Nachbarland Deutschland zum Beispiel produzierten Schweinemastbetriebe das Kilogramm um 2,01 Euro und damit 21 Cent günstiger als in Österreich. In den Niederlanden lagen die Kosten bei 1,82 Euro, in Spanien bei 1,79 Euro und in Dänemark bei 1,76 Euro. Am unteren Ende der Skala findet sich die brasilianische Region Mato Grosso mit Produktionskosten von 1,07 Euro (Stand 2024). Schweinefleisch aus Matto Grosso konnte also um 1,15 Euro pro Kilogramm günstiger produziert werden als in Österreich.
Zu den Gründen für die geringeren Produktionskosten gehören die zum Teil viel größeren Schweinemastbetriebe mit größeren Flächen zur effizienteren Futterproduktion oder geringere Standards in Sachen Umwelt und Tierwohl, die sich auf die Investitionskosten beim Stallbau auswirken. Auch geringere Verarbeitungskosten etwa aufgrund niedrigerer Bezahlung in Schlacht- und Zerlegebetrieben tragen dazu bei, dass die ausländische Konkurrenz insgesamt meist günstiger produzieren kann.