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Was passiert mit den männlichen Küken in der Eiererzeugung?

Etwa die Hälfte der Legehuhn-Küken ist männlich. Sie können später selbst keine Eier legen und werden daher im Legebetrieb nicht benötigt. Was passiert also mit ihnen? Welche Lösungen die Geflügelbranche in Österreich erarbeitet hat und welche Fragen von Tierwohl in der Eierproduktion relevant sind, haben wir für dich zusammengefasst.

Viele gelbe Küken sitzen dicht gedrängt in einer weißen Plastikkiste mit gelochtem Boden. Viele gelbe Küken sitzen dicht gedrängt in einer weißen Plastikkiste mit gelochtem Boden.

Aus jedem zweiten Ei, das für die spätere Eierproduktion ausgebrütet wird, schlüpft ein männliches Küken. Dieses wird weder Eier legen noch eignet es sich aufgrund seiner Genetik dafür, schnell und viel Fleisch anzusetzen. Der Grund dafür liegt in der heutigen Spezialisierung der Geflügelzucht: Es dominieren hoch spezialisierte Linien, die entweder auf maximale Legeleistung oder auf besonders rasches Fleischwachstum gezüchtet sind. Früher wurden männliche Küken als wirtschaftlich nicht nutzbare Nebenprodukte getötet und teils verfüttert. Seit 2023 ist das Töten von Küken in Österreich verboten; dieses Verbot ist im Tierschutzgesetz verankert. Ausgenommen ist das Töten von Küken zu Fütterungszwecken, wobei die Verwendung für diesen Zweck eindeutig nachweisbar sein muss.

Derzeit beruht der Umgang der heimischen Branche mit männlichen Legeküken auf drei Säulen beziehungsweise Optionen: Demnach müssen diese Küken entweder als „Bruderhahn“ aufgezogen oder als „Futterküken“ in Zoos, Greifvogelstationen oder ähnlichen Einrichtungen Verwendung finden. Sobald die entsprechenden technischen Rahmenbedingungen gegeben sind, soll die frühzeitige Geschlechtserkennung als dritte Option angewandt werden.

Laut Bericht des Branchenverbandes QGV (Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung) sind im Jahr 2025 rund 11,6 Millionen männliche Legeküken geschlüpft. Etwa 81 Prozent davon wurden als Futterküken verwertet.

Infografik zeigt Wege von 115 Mio. Küken in Österreich: Ei-Produktion, Mast, Futterküken und Verwertung. Drei Küken abgebildet. © Land schafft Leben 2026

Verwendung als Futterküken

Tiere wie Schlangen, Nasenbären, Eulen oder Adler in den heimischen Zoos und Tierschutzhäusern sind in Hinblick auf eine artgerechte und ausgewogene Ernährung auf Hühnerküken angewiesen. Außerdem haben die Hühnerküken aus der Eierproduktion aus hygienischer Sicht Vorteile zur Fütterung von Tieren in Zoos, Raubvögeln oder Reptilien, da die Hühnerküken unter lebensmittelhygienischen Gesichtspunkten erbrütet werden.

Die Lebendverfütterung von Wirbeltieren ist in Österreich grundsätzlich nicht erlaubt. Werden Wirbeltiere als Futter benötigt, sollen sie nach Möglichkeit frisch tot verfüttert werden. Futterküken sind daher keine lebend verfütterten Küken, sondern zuvor getötete Futtertiere. Eine Ausnahme kann es etwa bei Greifvögeln geben, die ausgewildert werden sollen und daher auf den Jagdreiz angewiesen sind – dafür ist allerdings eine behördliche Genehmigung erforderlich.

Methode des Tötens von männlichen Küken

Das sogenannte „Schreddern“ von Küken, bei dem die Tiere mechanisch zerkleinert und dadurch getötet werden, ist seit der Änderung des Tierschutzgesetzes ebenfalls ausdrücklich verboten. Laut Angaben des Branchenverbandes wurde diese Praxis in Österreich jedoch bereits zuvor über längere Zeit nicht mehr angewendet.

In Österreich erfolgt die Tötung von Küken in der Regel mittels CO₂-Begasung. Dieses Verfahren wird aus Tierschutzgründen zweistufig durchgeführt: Zunächst werden die Küken bei einer niedrigeren CO₂-Konzentration betäubt, um Stress und Panik möglichst zu reduzieren. In einem zweiten Schritt wird die CO₂-Konzentration auf ein tödliches Niveau erhöht.

Aufzucht der männlichen Küken

In der Hühnerzucht haben sich zwei stark spezialisierte Nutzungsformen entwickelt: Legehennen sind auf eine hohe Eierleistung gezüchtet und legen bis zu 300 Eier pro Jahr. Masthühner sind dagegen auf schnelles Wachstum und Fleischansatz ausgelegt und können schon nach etwa 30 Tagen schlachtfertig sein. Weil beide Zuchtziele so unterschiedlich sind, eignen sich die Tiere kaum für die jeweils andere Nutzung. Die als „Bruderhahnaufzucht“ bekannte Mast männlicher Legehühner dauert zumindest doppelt so lang wie jene eines Masthuhns, außerdem benötigen die „Bruderhähne“ ungefähr doppelt so viel Futter. Die biologische Geflügellandwirtschaft hat sich bereits 2016 darauf geeinigt, männliche Legehühner aufzuziehen.  Darüber hinaus werden im Bio-Bereich vergleichsweise häufiger sogenannte Zweinutzungsrassen eingesetzt. Diese Zuchtlinien vereinen sowohl eine solide Legeleistung als auch eine gute Mastleistung und stellen damit eine Kombination beider Nutzungsmöglichkeiten dar. Da sie nicht ausschließlich auf maximale Leistung in einem Bereich spezialisiert sind, sind die Produktionskosten in der Regel höher, was sich entsprechend im Produktpreis widerspiegeln kann.

Mehr zum Thema Bruderhähne findest du in unserem Artikel „Wie nachhaltig ist die Eierproduktion?“.

Frühzeitige Geschlechtserkennung im Ei

Eine Möglichkeit, das Schlüpfen männlicher Küken – und damit die Frage nach ihrer weiteren Verwendung – zu vermeiden, ist die frühzeitige Geschlechtererkennung bereits im Ei (In-ovo-Geschlechtsbestimmung oder -Sexing). Dabei wird das Geschlecht des Embryos während der Bebrütung festgestellt, sodass männliche Embryonen nicht ausgebrütet werden. Nach dem österreichischen Tierschutzgesetz ist ein entsprechendes Verfahren ab dem siebten Bebrütungstag nur mehr unter Betäubung zulässig, um mögliche Schmerzempfindungen der Embryonen zu berücksichtigen. Ab dem 14. Bebrütungstag ist ein Aussortieren beziehungsweise Töten der Embryonen nicht mehr zulässig. Laut Angaben des Branchenverbandes QGV war bis einschließlich 2024 kein solches Verfahren in Österreich etabliert. Als Begründung wird unter anderem angeführt, dass männliche Küken weiterhin für Fütterungszwecke benötigt werden.

Bei der frühzeitigen Geschlechtererkennung im Ei unterscheidet man zwischen invasiven und nicht-invasiven Methoden. Invasive Verfahren entnehmen eine kleine Probe aus dem Ei, um das Geschlecht anhand bestimmter Merkmale zu bestimmen. Dafür muss die Schale geöffnet werden. Nicht-invasive Methoden kommen ohne Öffnung der Eierschale aus. Sie arbeiten meist mit Licht- oder bildgebenden Verfahren. Diese Techniken sind neuer und gelten als schonender, da das Ei nicht oder nur minimal beeinträchtigt wird. Einige solcher Systeme werden in Europa bereits eingesetzt, etwa in der Schweiz.