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Was braucht eine Legenhenne, um gesund zu bleiben?

Was hält Legehennen gesund und welche Maßnahmen schützen die Tiere? Von Impfprogrammen über strenge Salmonellenkontrollen bis zum stark reduzierten Antibiotikaeinsatz: Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie Tiergesundheit in Österreich funktioniert – und wo es Herausforderungen gibt.

Viele Küken stehen dicht gedrängt unter rot leuchtenden Wärmelampen in einem Stall. Viele Küken stehen dicht gedrängt unter rot leuchtenden Wärmelampen in einem Stall.

Was passiert, wenn sich Hühner gegenseitig picken?

In allen Haltungsformen kann es sein, dass sich die Hühner gegenseitig picken. Von „Federpicken“ und „Kannibalismus“ ist dann die Rede. Die betroffenen Hühner verlieren die Federn und erleiden Verletzungen, die bis zum Verenden führen können. Eine Maßnahme, die Verletzungen verhindern soll, ist das Kürzen der Schnäbel. In Österreich ist das Kürzen von Schnäbeln bei weniger als zehn Tage alten Küken rechtlich noch erlaubt – und zwar bis zu einem Drittel des Schnabels. In der Praxis wird diese Maßnahme heute meist nicht mehr angewendet. Tierwohlprogramme wie das AMA-Gütesiegel verbieten das Kürzen der Schnäbel. Außerdem können andere Maßnahmen dazu beitragen, das Problem zu reduzieren. Auch in Deutschland verzichten die Betriebe auf Basis einer freiwilligen Vereinbarung der Branche darauf.

Federpicken bei Hühnern ist ein komplexes Problem mit verschiedenen möglichen Ursachen. Dazu zählen unter anderem Lichtverhältnisse, Fütterung, allgemeine Haltungsbedingungen, aber auch die Genetik und die Aufzucht der Tiere. Werden Hühner so gehalten, dass sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, Stress möglichst gering bleibt, passende Lichtverhältnisse herrschen und die Futterration gut abgestimmt ist, lässt sich Federpicken in vielen Fällen deutlich reduzieren. Dadurch ist ein Kürzen der Schnäbel üblicherweise nicht notwendig.

Zwei braune Legehennen stehen vor einem roten Legenest in einem Stall. Eine blickt zur Kamera.

Brauchen Hühner Impfungen oder Antibiotika?

Der vorbeugende oder leistungssteigernde Einsatz von Antibiotika ist in Österreich nicht erlaubt. Antibiotika dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn Legehennen akut erkrankt sind – jede Behandlung muss dann genau dokumentiert werden. Wird ein Antibiotikum verabreicht, gelten hinterher streng geregelte Wartefristen. Das bedeutet: Die Eier dürfen erst nach Ablauf dieser Frist wieder für den menschlichen Verzehr in Verkehr gebracht werden. Nach Ende der Wartezeit ist davon auszugehen, dass keine relevanten Rückstände mehr im Produkt enthalten sind und die Eier bedenkenlos konsumiert werden können. Tierische Lebensmittel werden regelmäßig von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf Antibiotikarückstände kontrolliert.

Der Einsatz von Antibiotika in der österreichischen Geflügelwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren mehr als halbiert: Wurden 2011 noch 4,71 Tonnen eingesetzt, waren es 2024 nur noch 2,17 Tonnen – ein Rückgang um rund 54 Prozent. Möglich wurde das durch ein gemeinsames Branchenprogramm mit dem klaren Ziel, Antibiotika verantwortungsvoll und so sparsam wie möglich einzusetzen. Bei den Legehennen zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Verbesserungen im Management, gezielte Impfprogramme, eine konsequente Parasitenbekämpfung sowie laufende Weiterbildung der Betriebe haben wesentlich dazu beigetragen, den Einsatz zu senken. 2024 lag der Verbrauch in der österreichischen Legehennenhaltung bei 0,33 Tonnen – das entspricht rund 16 Prozent des gesamten Antibiotikaeinsatzes im Geflügelbereich.

Weitere deutliche Reduktionen sind in der Praxis kaum mehr zu erwarten. Wahrscheinlich wird sich der Einsatz von Antibiotika künftig auf dem bereits erreichten, deutlich niedrigeren Niveau einpendeln. Kleinere Schwankungen sind weiterhin möglich – etwa dann, wenn es zu Krankheitsausbrüchen kommt.

Durchdachtes Impfprogramm

Genau wie Menschen können auch Legehennen gegen bestimmte Krankheitserreger geimpft werden. Zu den wichtigsten Krankheiten, gegen die Impfstoffe zur Verfügung stehen, zählen zum Beispiel Salmonellen, Kokzidien oder die Marek-Krankheit (Geflügellähmung). Verabreicht werden dürfen ausschließlich zugelassene Impfstoffe, die tierärztlich verschrieben wurden – und jede Impfung muss ebenso wie der Antibiotikaeinsatz dokumentiert werden.

In der Praxis gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zu impfen: entweder als Einzelimpfung mit der Spritze oder als sogenannte Herdenimpfung, bei der der Impfstoff etwa über das Futter oder das Tränkwasser verabreicht wird. Welche Methode angewendet wird, hängt vom jeweiligen Impfstoff ab. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile: Die Einzelimpfung ist sehr zeitaufwendig, dafür ist sichergestellt, dass jedes Tier die vorgesehene Dosis erhält. Die Herdenimpfung spart Zeit und Kosten, allerdings kann nicht mit absoluter Sicherheit garantiert werden, dass jedes einzelne Tier exakt die erforderliche Menge aufgenommen hat.

Durch Impfungen kann verhindert werden, dass sich bestimmte Krankheiten im Bestand ausbreiten oder auf andere Tiere übertragen werden. So können sowohl das Wohlbefinden der Legehennen als auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gesichert werden. Denn Krankheiten führen meist zu Einbußen in der Produktion – etwa durch eine geringere Legeleistung oder im schlimmsten Fall durch den Verlust ganzer Bestände.

Welche Krankheiten können Legehennen bekommen?

Geflügelkrankheiten können unterschiedliche Ursachen haben: Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten können Legehennen befallen und ihre Gesundheit beeinträchtigen. Beispielsweise wird die Vogelgrippe durch Viren verursacht, Salmonellen sind Bakterien, Aspergillose ist eine Pilzerkrankung der Atemwege und die Rote Vogelmilbe ein Parasit. Es ist wichtig, dass Betriebe ihre Tiere regelmäßig kontrollieren, Krankheitsanzeichen frühzeitig erkennen und bei Bedarf rasch handeln. Bei meldepflichtigen Krankheiten muss zudem unverzüglich die zuständige Behörde informiert werden.

Legehennen können grundsätzlich immer erkranken – unabhängig davon, wie sie gehalten werden, ob in Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung, in großen Betrieben oder in Hobbyhaltungen. Durch gezielte Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch deutlich verringern: Eine konsequente Betriebshygiene, die Quarantäne erkrankter Tiere sowie tierärztlich durchgeführte Impfungen tragen dazu bei, die Gesundheit der Tiere zu schützen und Krankheitsausbrüche möglichst zu vermeiden.

Vogelgrippe

Die Vogelgrippe – auch Aviäre Influenza oder Geflügelpest genannt – ist eine ansteckende Viruserkrankung, die vor allem Vögel betrifft. Verursacht wird sie durch Influenza-A-Viren, die unterschiedliche krankmachende Eigenschaften haben. Einige Varianten, etwa bestimmte Stämme der Subtypen H5 oder H7, können schwere Krankheitsverläufe verursachen, während andere nur milde Symptome oder gar keine Krankheitsanzeichen auslösen.

Besonders relevant ist, dass sowohl Nutzgeflügel als auch wildlebende Vögel infiziert werden können. Wildvögel gelten dabei als natürliches Reservoir für die Viren und spielen eine wichtige Rolle bei deren Verbreitung. Die Ansteckung erfolgt direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände, Kot oder andere Körperflüssigkeiten. Zur Vorbeugung der Vogelgrippe gelten je nach Risikostufe unterschiedliche Maßnahmen. Zentral ist vor allem, den Kontakt zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln möglichst zu vermeiden und strenge Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. In bestimmten Risikogebieten kann daher auch der Freilandauslauf von Geflügel behördlich eingeschränkt werden.  Sollte es zu einer vorrübergehenden, gesetzlichen Stallpflicht kommen, dürfen die Eier von Freilandbetrieben aber auch weiterhin als "Freilandeier" vermarktet werden.

Wird die Krankheit in einem Betrieb festgestellt, greifen seuchenrechtliche Maßnahmen wie die Sperre des Betriebs, die Tötung betroffener Tiere sowie Schutz- und Überwachungszonen rund um den Ausbruchsbetrieb. Diese Maßnahmen sollen eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern.

Eine Übertragung auf Säugetiere ist grundsätzlich möglich. Auch Infektionen beim Menschen können vorkommen, etwa nach engem Kontakt mit infiziertem Geflügel. In Europa wurden bislang jedoch keine Erkrankungen beim Menschen nachgewiesen (Stand April 2026). Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten schätzt das Risiko derzeit als gering ein. Wichtig zu wissen: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bisher keinen Nachweis dafür, dass eine Übertragung der Vogelgrippe durch den Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern möglich ist.

Der Verlauf der Krankheit bei Legehennen kann unterschiedlich schwer sein. Typische Anzeichen sind Atemprobleme, verminderte Futter- und Wasseraufnahme, Durchfall oder ein deutlicher Rückgang der Legeleistung. Treten solche Symptome auf, muss der Verdacht auf Vogelgrippe den zuständigen Behörden gemeldet werden – das gilt sowohl für landwirtschaftliche Betriebe als auch für Hobbyhaltungen. Auch beim Auffinden toter Wildvögel muss die Bezirksverwaltungsbehörde informiert werden, damit geprüft werden kann, ob eine Virusinfektion vorliegt. Die Tiere sollten dabei nicht berührt und am Fundort belassen werden.

Aktuelle Informationen zur Verbreitung der Vogelgrippe und zu Risikogebieten sind jederzeit auf den Internetseiten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) verfügbar.

Noch Fragen zur Vogelgrippe? In unserer Podcast-SHORTS-Episode erklärt Harald Schliessnig, Geschäftsführer der Österreichischen Geflügelvereinigung, was hinter der Krankheit steckt, welche Folgen sie für die heimische Geflügelhaltung hat und wie jede und jeder dazu beitragen kann, ihre Ausbreitung einzudämmen.

Salmonellen

Mann im Laborkittel betrachtet eine Probe unter dem Mikroskop in einem modernen Laborumfeld.

Salmonellen sind Bakterien und zählen in Österreich zu den häufigsten Ursachen für Durchfallerkrankungen beim Menschen. Innerhalb dieser Bakteriengruppe gibt es verschiedene Typen – einige sind harmloser, andere können krank machen. Für den Menschen besonders relevant sind etwa Salmonella Enteritidis und Salmonella Typhimurium.

Die Ansteckung erfolgt meist über tierische Lebensmittel wie Fleisch, Milchprodukte oder Eier. Salmonellen sind grundsätzlich weit verbreitet. Eine Erkrankung tritt jedoch oft erst auf, wenn eine größere Menge an Bakterien aufgenommen wird. Besonders empfindlich reagieren Säuglinge, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Entscheidend ist die richtige Lagerung von Lebensmitteln: Bei Raumtemperatur können sich Salmonellen sehr schnell vermehren. Unter etwa 10 Grad Celsius wachsen sie dagegen kaum. Auch Erhitzen schützt, denn Temperaturen von über 70 Grad Celsius töten die Bakterien zuverlässig ab. Rohe oder nicht ausreichend erhitzte tierische Lebensmittel können daher ein Risiko darstellen – besonders wenn sie zuvor nicht ausreichend gekühlt gelagert wurden. Wichtig ist außerdem eine gute Küchenhygiene, denn die Bakterien können auch über Hände oder Gegenstände übertragen werden.

Nutztiere – etwa Legehennen – können sich mit Salmonellen zum Beispiel auch über das Futter infizieren. Deshalb werden Futtermittel und Geflügelbestände regelmäßig kontrolliert. Da Salmonellen bei Geflügel oft keine Symptome verursachen und die Infektionsquelle daher unbekannt bleiben könnte, gibt es in der EU und in Österreich strenge Programme zur Bekämpfung. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen, Biosicherheitsmaßnahmen und Impfprogramme bei Legehennen. Geflügelbetriebe können sich gegen wirtschaftliche Schäden durch Tierseuchen – darunter auch Salmonellen – versichern. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist die Zahl der gemeldeten Salmonelleninfektionen beim Menschen zwischen 2002 und 2024 um rund 83 Prozent zurückgegangen.

Geflügelgesundheitsdienst

Tiergesundheitsdienste (TGD) sind gesetzlich geregelte Organisationen, in denen Nutztierhalterinnen und -halter, sowie Tierärztinnen und -ärzte Mitglied sind. Ziel ist es, die Tiergesundheit zu verbessern und Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören regelmäßige tierärztliche Betreuung, Gesundheitsprogramme und die Erhebung wichtiger Daten über Tierbestände.

Für Geflügelbetriebe aller Produktionsebenen übernimmt die Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) diese Aufgabe. Dort sind rund 98 Prozent des österreichischen Geflügelbestandes erfasst. Über die QGV werden unter anderem Programme zur Reduktion von Salmonellen sowie zum verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika umgesetzt.

Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. In einigen Qualitätsprogrammen – etwa beim AMA-Gütesiegel – ist die Mitgliedschaft jedoch verpflichtend.