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Sind Zweinutzungsrassen bei Hühnern wirtschaftlich?

Zweinutzungsrassen wie das Sulmtaler Huhn werden sowohl für die Eier- als auch für die Fleischproduktion gehalten. Warum sich diese beiden Zuchtziele heute nur schwer miteinander vereinen lassen und weshalb Zweinutzungshühner wirtschaftlich kaum konkurrenzfähig sind, erfährst du in diesem Artikel. 

Mehrere Hühner picken auf einem Hof Boden Salatblätter, daneben steht ein kleiner Baum. Mehrere Hühner picken auf einem Hof Boden Salatblätter, daneben steht ein kleiner Baum.

Sogenannte Zweinutzungsrassen wie das „Sulmtalerhuhn“ wurden über Jahrhunderte sowohl wegen der Eier als auch des Fleisches gehalten und geschätzt. Seit die Züchtung beim Huhn aber einerseits in Richtung Legeleistung (Legerassen) und andererseits in Richtung schnelles Wachstum bei hoher Fleischzunahme (Fleischrassen) geht, lassen sich diese beiden Zuchtziele nicht mehr vereinen. Wobei Knut Niebuhr von der Vet-Med-Uni Wien anmerkt, dass „alte Rassen“ im Vergleich zu modernen Hybridlinien auch bei der zweifachen Nutzung schlecht bilanzieren. Das heißt, sie legen weniger Eier UND nehmen sogar noch langsamer an Fleisch zu als die ohnehin nicht auf Fleisch gezüchteten Legehybride.

Viele Masthühner in einem Stall, zwei stehen auf einem großen Strohhaufen, im Hintergrund Tränke- und Futteranlagen.

Masthuhn

Mehrere braune Hühner stehen auf Stroh in einem offen zugänglichen Stallbereich und blicken in verschiedene Richtungen.

Legehuhn

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Zweinutzungsrassen als Chance für die Nutzung männlicher Küken?

Heute gibt es Hühnerrassen, die entweder nur aufs Eierlegen spezialisiert sind, oder solche, die ausschließlich Fleisch liefern. Das ist auch im Bio-Bereich nicht anders. Im Zuge der Problematik des Tötens männlicher Küken von Legerassen wurde eine Zeit lang an einer möglichen Renaissance des Zweinutzungshuhnes gearbeitet und entsprechende Projekte wurden initiiert. Letztlich erwiesen sich diese Versuche als nicht fruchtbar, weil sich die kombinierte Lege- und Fleischleistung der Hühner als ökonomisch nicht machbar für die Produktion im großen Stil herausstellte. Dies ließ auch Manfred Söllradl im Jahr 2015 bei der Präsentation des ersten „Bruderhahnschlupfes“ in seiner Bio-Brüterei die anwesende Presse wissen. Stattdessen wurde das „Männliche-Küken-Problem“ unter Verwendung der Hochleistungsrassen „Sandy“ und der in Österreich bereits gebräuchlichen „Lohmann Brown“ gelöst. Das kostenintensive Mästen der Brüder dieser Legehennen wird über etwas teurere Bio-Eier gleichsam querfinanziert. Bio-Eier sind seitdem um ein paar Cent teurer als vorher. 

Das Sulmtaler Huhn – Beispiel einer Zweinutzungsrasse

Das Sulmtaler Huhn gilt als klassische Zweinutzungsrasse in Österreich und stammt ursprünglich aus der Steiermark. Es wurde vor allem rund um das Sulmtal südlich von Graz gezüchtet. Über lange Zeit wurde es sowohl wegen seiner Eier als auch wegen seines Fleisches geschätzt. Der Tierpark Schönbrunn schreibt dazu auf seiner Website: „Aufgrund seiner Größe und seines besonders zarten Fleisches galt das Geflügel aus der Steiermark vom 17. bis ins 19. Jahrhundert als besondere Spezialität. Es wurde nach ganz Europa geliefert und an den großen Fürsten-, Königs- und Kaiserhäusern verspeist. Das brachte ihm den Namen ‚Kaiserhuhn‘ ein.“ Somit zählte das Sulmtaler Huhn neben dem französischen Bressehuhn zu den bekanntesten Hühnerrassen Europas.

Typisch für das Sulmtaler sind sein silber-weißes oder weizenfarbiges Gefieder sowie cremefarbene Eier. Im ersten Legejahr erreicht die Rasse eine Leistung von rund 160 Eiern. Auffällig ist zudem, dass die Tiere trotz ihres vergleichsweise hohen Körpergewichts gut fliegen können.

Heute zeigt sich jedoch deutlich, dass das Sulmtaler Huhn vor allem für Selbstversorgerinnen und Selbstversorger interessant ist. Für die landwirtschaftliche Produktion im größeren Maßstab ist es weder als Legehenne noch für die Mast wirtschaftlich konkurrenzfähig. Im Unterschied zu modernen Züchtungen zeigt sich beim Sulmtaler also deutlich der Zielkonflikt der Zweinutzung: Es liefert weder Höchstleistungen bei der Eierproduktion noch beim Fleischansatz. Während spezialisierte Masthühner bereits nach wenigen Wochen schlachtreif sind, benötigen Sulmtaler Tiere sieben bis acht Monate – also ein Vielfaches an Zeit und damit auch an Kosten für Futter. Zusätzlich werden diese Hühner oft in Freilandhaltung gehalten. Die erhöhten Produktionskosten spiegeln sich oft in entsprechend höheren Produktpreisen wider. Diese Hühnerrasse findet sich also insgesamt eher in der Direktvermarktung oder gehobenen Gastronomie als im Lebensmitteleinzelhandel.

Kurz erklärt

  • Was sind Zweinutzungsrassen?
    Zweitnutzungsrassen sind Nutztierrassen wie Rinder, Ziegen oder Hühner, die traditionell auf zwei Leistungsmerkmale gezüchtet sind, statt nur auf ein Merkmal (Einnutzungsrasse). Zweinutzungsrassen bei Hühnern sind sowohl für die Eierproduktion (Legeleistung) als auch für die Fleischproduktion (Mast) geeignet. Besonders bei Selbstversorgerinnen und –versorgern sind diese Hühner beliebt.

  • Was ist ein „ Bruderhahn“?
    Bei der als „Bruderhahnaufzucht“ werden männliche Legehühner gemästet, anstatt sie als Futterküken zu verwenden oder durch Begasung zu töten. Die Mast der Legehühner dauert zumindest doppelt so lang wie jene eines Masthuhns. Zusätzlich benötigen die „Bruderhähne“ ungefähr doppelt so viel Futter. Die biologische Geflügellandwirtschaft in Österreich hat sich bereits 2016 darauf geeinigt, männliche Legehühner aufzuziehen.