Wie sieht der österreichische Biermarkt aus?
Österreich zeichnet sich durch eine bunte und lebendige Brauereilandschaft aus. Zwar liegt rund die Hälfte der heimischen Produktion in den Händen eines einzelnen Konzerns, aber dennoch bleibt die Auswahl an regionalen Biermarken groß. Wie außerdem „Aktionen“ das Einkaufsverhalten prägen, warum Bio-Bier ein Nischenprodukt ist und was den Biermarkt in Österreich sonst noch prägt, erfährst du in diesem Artikel.
Marktkonzentration oder bunte Brauereilandschaft?
Das größte Brauerei-Unternehmen innerhalb Österreichs ist die „Brau Union Österreich“. Dabei handelt es sich um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Linz, die seit dem Jahr 2003 zum Heineken-Konzern gehört. Dieser ist im niederländischen Amsterdam ansässig.1 Mit einem Gesamt-Bierausstoß von 241 Millionen Hektolitern im Jahr 2024 ist Heineken der weltweit zweitgrößte Brauereikonzern. Mehr Bier braut nur die belgische „AB InBev“-Gruppe, in der unter anderem die US-amerikanische Brauerei Anheuser-Busch (AB) sowie das Unternehmen Interbrew aufgingen. Interbrew stellte seinerseits bereits einen Zusammenschluss aus mehreren Unternehmen dar.
Die unter dem Dach der Brauunion vereinten zwölf österreichischen Brauereien und 20 Biermarken – darunter mehrere traditionsreiche Namen wie Gösser, Wieselburger oder Schladminger – verkaufen laut Informationen von Heineken im Jahr mehr als fünf Millionen Hektoliter Bier (1 Hektoliter = 100 Liter).2 Das entspricht rund der Hälfte (52 Prozent) der österreichischen Bierproduktion des Wirtschaftsjahres 2024/25. Diese lag inklusive eines rund sechs-prozentigen Anteils alkoholfreien Bieres laut Statistik Austria bei rund 9,5 Millionen Hektolitern.
Am anderen Ende des Größenspektrums gibt es in Österreich (Stand 2025) 332 Brauereibetriebe, die jeweils 20.000 Hektoliter oder weniger Bier im Jahr herstellen und verkaufen (Verkauf = „Ausstoß“) und zusammengerechnet ein Prozent zur gesamten heimischen Bierproduktion beitragen. Insgesamt lag die Anzahl der heimischen Braustätten im Jahr 2025 bei 361 – inklusive Gasthaus- und Hausbrauereien. Sieben Brauereien produzierten jeweils mehr als 500.000 Hektoliter Bier.3 Zusätzlich zur hergestellten Biermenge werden Brauereien zum Teil auch danach unterschieden, ob es sich um eine Privatbrauerei oder um ein konzernzugehöriges Unternehmen handelt.
Was ist eine Privatbrauerei?
Der Begriff Privatbrauerei ist im engeren Sinne nicht geschützt. Im Allgemeinen wird darunter aber eine unabhängige, eigentümergeführte Brauerei verstanden, die nicht Teil eines Konzerns ist. Unter einem Konzern versteht man den Zusammenschluss mehrerer, teils in unterschiedlichen Ländern ansässigen Einzelunternehmen unter einer gemeinsamen Leitung. Aber etwa in Deutschland gibt es mehrere Brauereien, die zwar Teil eines Konzerns sind, sich aber dennoch weiterhin als Privatbrauerei bezeichnen, beispielsweise aus historischen Gründen. Auch die Ottakringer Brauerei in Wien – Gründungsmitglied im „Verein der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs“ – ist streng genommen Teil eines Konzerns. Allerdings handelt es sich dabei gewissermaßen um den „eigenen“ Konzern, nämlich die „Ottakringer Getränke AG“ in Wien. Die größten Beteiligungen der Aktiengesellschaft haben ihren Sitz ebenfalls in Wien. Zu ihnen gehören die Ottakringer Brauerei, Vöslauer Mineralwasser sowie der Getränkehandel Del Fabro Kolarik. Die Aktiengesellschaft selbst ist wiederum überwiegend im Besitz der „Ottakringer Holding AG“. Diese gehört laut Konzern-Website vier österreichischen Familien.4
In Österreich gibt es seit dem Jahr 2021 den „Verein der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs“. Die Biere seiner inzwischen 48 Mitgliedunternehmen (Stand 2026) tragen das Siegel „Österreichische Privatbrauerei – 100% unabhängig“. Laut Verein kennzeichnet das Siegel „eigentümergeführte österreichische Unternehmen“, die „unter keinem Einfluss internationaler Konzernzentralen“ stehen, ihre Entscheidungen selbst treffen und deren Unternehmenssitze ausschließlich in Österreich sind.5 Auf der Website des Vereins sind aktuell 33 in Österreich vertriebene Biermarken als zugehörig zu internationalen Konzernen gelistet. Daneben stehen die 48 Marken der Mitgliedsunternehmen des Vereins. Auch unter diesen unabhängigen Brauereien finden sich bekannte Namen wie die Ottakringer Brauerei in Wien, die Privatbrauerei Hirt, die Trumer Privatbrauerei oder die Rarität der Braucommune in Freistadt.
Laut Angaben des Vereins lag der Marktanteil der „unabhängigen Privatbrauereien Österreichs“ am österreichischen Biermarkt im Jahr 2025 bei rund einem Drittel (34 Prozent). Annähernd zwei Drittel (63 Prozent) des Biermarktes wurden von internationalen Konzernen bedient. Ein kleiner Rest (3 Prozent) fällt laut Definition des Vereins in keine der beiden Kategorien.
Eine etwas engere und rechtlich verbindliche Definition findet sich im österreichischen Biersteuergesetz. Demnach sind unter einer „kleinen unabhängigen Brauerei“ solche Brauereien zu verstehen, die unter anderem höchstens 50.000 Hektoliter Bier pro Jahr erzeugen und „rechtlich und wirtschaftlich von anderen Herstellungsbetrieben unabhängig sind“. Sind diese neben weiteren Kriterien erfüllt, gilt ein ermäßigter Steuersatz.6
Was ist eine Hausbrauerei?
Das Online-Brauereiverzeichnis des Brauereiverbands führt Mitte 2026 rund 140 Hausbrauereien für ganz Österreich. Sie sind zum Teil auch unter dem Begriff „Mikrobrauereien“ bekannt. Zwar existiert auch in diesen Fall keine rechtlich verbindliche Definition, aber in der Regel handelt es sich bei einer Hausbrauerei um ein Gasthaus, das sein eigenes Bier braut und ausschenkt beziehungsweise in beschränktem Ausmaß regional vertreibt. Umgekehrt kann es sich auch um eine größere Brauerei mit angeschlossenem Gasthaus handeln, wo etwa Spezialbiere für den direkten Ausschank oder die Veranschaulichung und Verkostung im Rahmen von Führungen gebraut werden.
Viele Brauereien – gemessen an der Bevölkerung
Laut Verband „verfügt Österreich über eine der höchsten Brauereidichten weltweit“7. Aus den jährlich veröffentlichten Statistiken des europäischen Brauereiverbandes „The Brewers of Europe“ lässt sich für Österreich jedenfalls ein Platz im europäischen Spitzenfeld ableiten. Zum Vergleich: Auch unser Nachbarland Deutschland ist weltweit bekannt für seine Bierkultur und beheimatete im Jahr 2025 – trotz eines leicht rückläufigen Trends – über 1.400 Braustätten.8 Das sind fast viermal so viele wie in Österreich. Gemessen an der Einwohnerzahl hat aber Österreich klar die Nase vorn: Während hierzulande eine Million Menschen statistisch gesehen von fast 40 Braustätten versorgt werden, muss sich die gleiche Anzahl Menschen in Deutschland weniger als 20 Brauereien „teilen“. Europäischer Spitzenreiter bei der auf die Einwohnerzahl bezogenen Brauereidichte ist die Schweiz mit ihren rund 1.100 Brauereien im Jahr 20259. Das entspricht rund 120 Brauereien pro eine Million Einwohner. Auch in den Niederlanden und Tschechien liegt die Brauereidichte mit jeweils mehr als 50 pro einer Million Einwohnerinnen und Einwohner noch etwas höher als hierzulande.
Obwohl in Österreich nur 15 Brauereien für mehr als 90 Prozent der Bierproduktion verantwortlich sind, kann dennoch von einer vielfältigen und lebendigen Brauereilandschaft gesprochen werden. Neben den konzernzugehörigen Betrieben gibt es hierzulande eine ganze Reihe von Familienbetrieben und Genossenschaften ganz unterschiedlicher Größenordnung, die den Bierdurst der Menschen in Österreich stillen.
Mit der Braucommune Freistadt ist zusätzlich eine Besonderheit vorzufinden. Die Braucommune besteht bereits seit dem Jahr 1770. Damals schlossen sich die Bürger Freistadts zusammen, um gemeinsam ein Brauhaus zu errichten und Bier zu verkaufen. Noch heute sind die in Eimern bemessenen Besitzanteile der Commune per Grundbuch an den Besitz von 149 Freistädter Innenstadthäusern gebunden. Wer eines der Häuser besitzt, ist automatisch Miteigentümerin oder -eigentümer der Brauerei. Im Gemeinwohlbericht der Commune heißt es: „Die Braucommune in Freistadt ist als Rechtsform weltweit einzigartig und unverkäuflich. Damals wie heute.“10
Wie viel Bier wird in Österreich gebraut und getrunken?
Im Jahr 2025 war Bier im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel, gemessen am Volumen, das drittmeistverkaufte Getränk. Das geht aus einem Bericht11 über den Anteil von Mehrwegverpackungen hervor. Demnach waren Limonaden die mit Abstand am meisten gekauften Getränkte, gefolgt von Wasser und Bier.
Laut Daten der Statistik Austria ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Österreich über die vergangenen drei Jahrzehnte betrachtet leicht rückläufig – allerdings ausgehend von einem hohen Niveau. Während Mitte der 1990-er Jahre jeder Mensch in Österreich durchschnittlich noch mehr als 115 Liter Bier (inklusive alkoholfreies Bier) getrunken hat, schwankte der Wert zu Beginn der 2000-er Jahre um 110 Liter und in den 2010-Jahren um rund 105 Liter pro Person. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 erreichte er mit 98 Litern erstmals innerhalb des Betrachtungszeitraums lediglich einen zweistelligen Wert. Pro Kopf konsumierten die Menschen 2024/25, ebenso wie in den vier davorliegenden Wirtschaftsjahren, auch rund vier Liter alkoholfreies Bier im Jahr und damit doppelt so viel wie um das Jahr 2010 herum. Aber auch schon Ende der 1990-er Jahre lag der Pro-Kopf-Verbrauch von alkoholfreiem Bier bei rund vier Litern.
Mit dem Wert von 98 Litern liegt Österreich beim Pro-Kopf-Verbrauch im europaweiten Vergleich auf dem zweiten Platz. Nur im Nachbarland Tschechien trinken die Menschen mit durchschnittlich 126 Litern pro Kopf mehr Bier. An dritter Stelle folgt mit 88 Litern Deutschland als weiteres Nachbarland (Stand 2024).12
Trotz des leicht rückläufigen Bierkonsums hat sich die Menge des in Österreich gebrauten Biers in den vergangen drei Jahrzehnten nur wenig verändert und lag meist im Bereich von ungefähr neun Millionen Hektolitern. Zum Vergleich: Das entspricht der 360-fachen Wassermenge des Wettkampfschwimmbeckens der Olympischen Spiele von Paris 2024.13 Dabei ist zu berücksichtigen, dass dem rückläufigen Pro-Kopf-Verbrauch eine wachsende Bevölkerung sowie steigende Exportmengen gegenüberstehen.
Auch der Selbstversorgungsgrad zeigt sich bei Bier sehr konstant. Er lag laut Statistik Austria in den vergangenen 30 Jahren stets bei rund 100 Prozent, zuletzt einige Prozentpunkte darüber. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 konnte sich Österreich zu 106 Prozent selbst mit Bier versorgen.
Was sind Lizenzbiere?
Zu der in Österreich gebrauten Biermenge zählt auch das sogenannte Lizenzbier. Dabei handelt es sich um Bier, das in Brauerei A nach der Rezeptur und mit Genehmigung von Brauerei B gebraut wird. Brauerei A erwirbt dafür eine Lizenz und kann die entsprechende Biermarke so auf dem heimischen Markt vertreiben. Bei in Österreich erhältlichen Bieren ausländischer Marken handelt es sich also nicht notwendigerweise um Importbiere, sondern möglicherweise um ein Lizenzbier. Umgekehrt wird auch das Bier heimischer Marken zum Teil (unter Lizenz) im Ausland gebraut und verkauft.
Was versteht man unter Lohnbrauen?
Vor allem kleinere Braubetriebe können zum Teil mehr Bier verkaufen als sie mit ihren eigenen Braukapazitäten herzustellen und abzufüllen in der Lage sind. Daher nutzen sie zum Teil die Produktionsanlagen größerer Brauereien, wo sie sich „einmieten“, um Bier zu brauen oder brauen zu lassen. Anders formuliert: Auch hier braut Brauerei A das Bier von Brauerei B. Im Gegensatz zum Lizenzbier wird das im Lohn gebraute Bier aber von der Markeninhaberin, sprich Brauerei B, vertrieben. Gerade sogenannte Wanderbrauer oder auch Craft-Brauer lassen Bier zum Teil als Lohnproduktion herstellen.
Was sind Wanderbrauer?
Eine Wanderbrauerei besitzt keine eigenen Produktionsanlagen und „wandert“ oftmals zwischen verschiedenen Braustätten hin und her. Dort wird das Bier im Lohn gebraut und anschließend unter der Marke der Wanderbrauerei vertrieben.
Die Frage „Was ist Craft-Bier?“ beantworten wir in unserem Artikel „Einteilung von Bier. Eine Übersicht.“
Woher kommen die meisten Bier-Importe?
Wie bei vielen anderen Lebensmitteln spielen auch beim Bier Einfuhren (Importe) und Ausfuhren (Exporte) eine wichtige Rolle. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 importierte Österreich laut Statistik Austria 953.000 Hektoliter Bier, während rund 1,5 Millionen Hektoliter in den Export gingen. Verglichen mit der Jahresproduktion von 9,5 Millionen Hektolitern beträgt der Import-Anteil rund 9 und der Export-Anteil 16 Prozent.
Daten der Weltbank14 für das Jahr 2024 zufolge kamen von der gesamten importierten Biermenge 80 Prozent aus Deutschland und Tschechien (62 bzw. 18 Prozent). An dritter Stelle folgte Belgien mit einem Anteil von sechs Prozent an der Gesamt-Importmenge (Achtung: Die Weltbank berechnet Jahre und nicht Wirtschaftsjahre, weshalb nicht exakt dieselben Werte wie bei der Statistik Austria zu Grunde liegen).
Und wohin gehen Österreichs Bier-Exporte?
Blickt man auf die Weltbank-Daten zu den österreichischen Bier-Exporten, dann zeigt sich Italien als größter Abnehmer österreichischen Bieres. Ins südliche Nachbarland gingen 27 Prozent des Bier-Exports des Jahres 2024. Zweitwichtigster Abnehmer war Kroatien (17 Prozent), gefolgt von Deutschland (11 Prozent).
Bier im Verkauf
Bei Bier spielt der Bezug zur Region traditionell eine größere Rolle als bei vielen anderen Lebensmitteln. Das ist unter anderem auch daran abzulesen, dass viele Biermarken den Standort der Brauerei im Namen tragen, sprich den Namen der Stadt oder eines Stadtteils. Passend dazu geben bei einer von der Brauunion beauftragten und im Frühjahr 2025 durchgeführten repräsentativen Umfrage15 fast zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten an, dass sie gerne Bier aus ihrer Region trinken. Und so fließt etwa in einem typischen Wirtshaus in Vorarlberg tendenziell das Bier anderer Marken aus dem Zapfhahn als in Salzburg, Wien oder Kärnten.
In der genannten Umfrage gab zudem ein Drittel der Befragten an, dass ihnen Bier „unterwegs“, sprich im Wirtshaus, auf Festen oder bei ähnlichen Gelegenheiten besser schmeckt als zu Hause. Der Umstand, dass es dann frisch gezapft wird und in Gesellschaft genossen werden kann, spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Blickt man auf die Absatzzahlen im Jahresbericht des Brauereiverbandes (2026), dann zeigt sich über die Jahre aber ein rückläufiger Trend beim Anteil des in der Gastronomie ausgeschenkten Bieres. Im Jahr 2015 lag dieser noch bei 28 Prozent. Im Jahr 2025 wurden nur noch 21 Prozent der Menge über die Gastronomie abgesetzt, während 77 Prozent über den Handel verkauft wurden.
Woher kommen die Rohstoffe für das Bier?
Die Tatsache, dass ein Bier in Österreich gebraut wurde, sagt noch nichts darüber aus, woher die verwendeten landwirtschaftlichen Rohstoffe Gerste, Weizen oder Hopfen stammen. Auf dem Bier muss deren Herkunft nicht gekennzeichnet werden. Einige wenige österreichischen Biere tragen aber das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel, das neben bestimmten Qualitätskriterien auch Vorgeben zur Herkunft der Rohstoffe macht. So muss die Gerste oder der Weizen als Hauptzutat des Bieres aus Österreich kommen, beziehungsweise auch das Malz. Übrigens: Wenn Malz aus einer österreichischen Mälzerei kommt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die verwendete Gerste oder der Weizen auch in Österreich angebaut wurden. Für den Hopfen gilt die verpflichtende österreichische Herkunft eingeschränkt, und zwar dann, wenn dieser „in marktrelevanten Mengen und entsprechender Qualität“ verfügbar ist.16 Auch die Hefe muss in Österreich vermehrt worden beziehungsweise gewachsen sein.
Braugerste, aus der das Malz hergestellt wird, ist ein vergleichsweise sensibles Produkt. Verläuft die Witterung während einer Anbausaison ungünstig, dann kann es zu Engpässen bei der Versorgung mit heimischer Braugerste kommen. In diesem Fall können Brauereien auf das blaue „AMA-Gütesiegel Europäische Union“ ausweichen. Über dieses Siegel schreibt die AMA-Marketing: „Das blaue AMA-Gütesiegel kennzeichnet Produkte, deren Rohstoffe aus der Europäischen Union kommen. Bierproduzentinnen und -produzenten greifen in Jahren, in denen es zu wenig heimische Braugerste gibt, auf diese Kennzeichnung zurück.“17
Mehr zum Thema Gütesiegel findest du in unserem Artikel „Was Gütesiegel über Lebensmittel verraten“.
Höchster Aktionsanteil bei Bier
Herr und Frau Österreicher kaufen ihr Bier liebend gerne „in Aktion“, das heißt zu zeitweilig reduzierten Preisen. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen und in den Medien kursieren unterschiedliche Angaben dazu. Aber laut Verband der Brauereien Österreichs liegt der Anteil des in Aktion verkauften Bieres am gesamten Absatz bei schätzungsweise rund 50 Prozent (Stand 2026). Für andere Lebensmittelgruppen (nicht für Bier) veröffentlicht die AMA-Marketing regelmäßig die Ergebnisse entsprechender Erhebungen. Der größte wertmäßige Aktionsanteil lag demnach im Jahr 2025 bei der Warengruppe „Fleisch und Wurst“ mit 41 Prozent.18 Bier liegt mit den geschätzten 50 Prozent also noch darüber und hätte demnach den höchsten Aktions- bzw. Promotionsanteil aller wichtigen Lebensmittelgruppen.
Aktionspreise dienen schon seit vielen Jahrzehnten als bewährtes Lockmittel, aber auch als „Mengenhebel“, also als Mittel dazu, große Mengen an Bier kurzfristig abzusetzen. Daher hat sich bei Konsumentinnen und Konsumenten längst auch eine diesbezügliche Erwartungshaltung etabliert. Viele kaufen Bier immer nur dann, wenn ihre Lieblingsmarken gerade in Aktion zu haben sind.
Wie viel Landwirtschaft steckt im Preis für das Bier?
Um ein Krügerl, also einen halben Liter Bier zu brauen, benötigt eine Brauerei ungefähr 100 Gramm Gerste. Der Halbliter-Preis vieler Biere liegt im Supermarkt derzeit – von Aktionspreisen abgesehen – im Bereich von zwei Euro (Stand 2026). Nimmt man für Braugerste einen Erzeugerpreis von 200 Euro die Tonne, beziehungsweise 20 Cent das Kilogramm an, dann ergibt sich daraus ein Gerstenwert von zwei Cent pro Krügerl. Oder anders ausgedrückt: In einem Liter Bier für vier Euro steckt Braugerste im Wert von vier Cent. Das entspricht dem Anteil eines Prozents. (Achtung, wenn du das liest, haben sich die Preise möglicherweise verändert! Außerdem handelt sich um eine grobe Überschlagsrechnung, die alle anderen Kostenpunkte bei der Bierherstellung außer Acht lässt.)
Wesentlich höher als die Anteile der Rohstoffwerte am Gesamtpreis des Bieres liegen in der Regel die Kosten für die Flasche (inklusive deren Reinigung im Fall von Mehrwegflaschen), das Etikett, den Kronenkorken oder die Lohnkosten. Auch die Biersteuer trägt zum Endpreis des Bieres ein Vielfaches des Gerstenwertes bei.
Hohe Biersteuer im Vergleich zu wichtigen Importländern
Laut Jahresbericht des Brauereiverbandes aus dem Jahr 2025 beträgt die Biersteuer in Österreich derzeit umgerechnet zwölf Cent pro halbem Liter Lager- beziehungsweise Märzenbier, wobei für Brauereien bis 50.000 Hektoliter Gesamtjahresproduktion eine gestaffelte Biersteuerermäßigung zwischen 10 und 40 Prozent gilt.
Gleichzeitig zieht der jeweilige Staat für gleichartige Biere in Tschechien acht und in Deutschland fünf Cent pro 0,5 Liter Märzen ein. Die beiden Länder sind genau jene, aus denen der weit überwiegende Anteil aller Bierimporte nach Österreich gelangt. Wichtig ist dabei allerdings: Die Biersteuer fällt grundsätzlich in dem Land an, wo es für den Konsum bestimmt ist. Das bedeutet, dass zum Beispiel für nach Österreich importiertes deutsches Bier der österreichische Steuersatz anfällt. Eine Benachteiligung besteht aus Sicht von Österreichs Brauereien aber dennoch. So würden mittelständische Brauereien etwa in Deutschland nicht nur durch einen prinzipiell kleineren Steuersatz allgemein bevorteilt, sondern auch dadurch, dass für die gestaffelte Steuerermäßigung eine Obergrenze für die Jahresproduktion einer Brauerei von 200.000 Hektoliter gilt, statt 50.000 Hektoliter wie in Österreich. Von ihr profitieren in Deutschland also auch mittelgroße und nicht nur die ganz kleinen Brauereien.
Verschärft würde das Ganze durch den Umstand, dass innerhalb der EU pro Grenzübertritt 110 Liter Bier für den privaten Konsum mitgeführt werden dürfen. Diese Mengen unterliegen der Besteuerung des Ursprungslandes. Der Verband schreibt dazu in seinem Jahresbericht 2025: „Diese Regelung, deren Einhaltung praktisch nicht kontrollierbar ist, führt dazu, dass faktisch unbegrenzte Mengen niedriger besteuerten Biers aus anderen, meist angrenzenden EU-Staaten, nach Österreich eingeführt werden können.“
Wie wird die Biersteuer berechnet?
Eine EU-Richtlinie gibt den Mitgliedsstaaten für Bier einen Mindestverbrauchssteuersatz von 0,748 Euro pro Hektoliter je Grad Plato vor. Österreich verrechnet 2,00 Euro je Hektoliter und Grad Plato. Dabei handelt es sich bei „Grad Plato“ um die Maßeinheit für den Stammwürzegehalt eines Bieres, der bei einem Lager 12 Grad beträgt. Daraus errechnet sich für ein solches Bier eine Steuer von 24 Euro pro Hektoliter, 24 Cent pro Liter oder die eingangs erwähnten 12 Cent für das Krügerl Bier.
Gleichzeitig erlaubt die EU-Richtlinie (Richtlinie 92/83/EWG) Steuerermäßigungen bis 200.000 Hektoliter Jahresproduktion, während der österreichische Staat die Grenze bereits bei 50.000 Hektoliter setzt. Alles in allem leitet der Verband in seinem 2025-er Jahresbericht daraus ab, „dass Bier im Lebensmittelhandel in Österreich um ca. 20 % teurer ist als in Deutschland.“
Warum gibt es vergleichsweise wenig Bio-Bier?
Bio-Bier ist im Vergleich zu anderen Bio-Lebensmitteln eher ein Nischenprodukt, auch in Österreich. Und das, obwohl Österreichs Landwirtschaft innerhalb der EU den höchsten Bio-Anteil an seiner gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche vorweisen kann und der allgemeine Bio-Markt über die Jahre kontinuierlich gewachsen ist.
Wie viel Bio-Bier hierzulande gebraut und konsumiert wird, lässt sich anhand öffentlich verfügbarer Daten nicht feststellen. Wer aber in Gastronomie oder Lebensmitteleinzelhandel danach Ausschau hält, findet gemessen am Gesamtangebot eine eher kleine Auswahl an Bio-Bieren. Ein Artikel auf der Website des Verbands Bio Austria aus dem Jahr 2023 listet zehn Brauereien, die ein oder mehrere Biere nach den Richtlinien des Verbandes herstellen. Eine unbestimmte Anzahl weiterer Brauereien produziert Biere nach den EU-Bio-Standards. Branchenschätzungen zufolge bewegt sich der Bio-Bier-Anteil seit Jahren im niedrigen einstelligen Prozentbereich – sowohl bezüglich der Produktion als auch des Konsums.
Expertinnen und Experten nennen mehrere Gründe für die vergleichsweise geringe Bedeutung von Bio-Bier. Dazu gehört, dass Konsumentinnen und Konsumenten klassisches Bier mit seinen wenigen Zutaten auch ohne Bio-Label als ein wenig verarbeitetes und „naturbelassenes“ Produkt wahrnehmen. Viele Brauereien bewerben Bier mit Bildern traditioneller Braukunst und traditioneller Kulturlandschaft beziehungsweise der vermeintlichen Natürlichkeit der Rohstoffe Gerste und Hopfen. Die weiter oben erwähnte Umfrage der Brauunion aus dem Jahr 2025 legt nahe, dass für Biertrinkerinnen und Biertrinker die regionale Herkunft des Bieres einen höheren Stellenwert besitzt als die Produktion nach Bio-Richtlinien. Während sich „Bier aus ihrer Region“ bei 64 Prozent der Befragten als beliebt erwies, gaben mit 34 Prozent deutlich weniger an, bereits einmal Bio-Bier probiert zu haben. Allerdings war dies ein „deutlicher Anstieg“ gegenüber der Befragung im Jahr zuvor. „Bio-Bier boomt“, heißt es dazu im „Bierkulturbericht 2025“, in dem die Ergebnisse der Umfrage veröffentlicht wurden.
Warum kommt Bio-Bier nur schwer aus der Nische?
Unabhängig von ihrer wachsenden Beliebtheit erhöhen Bio-Produktion und -Zertifizierung die Kosten eines Lebensmittels. Gleichzeitig wird Bier in Österreich besonders gerne „in Aktion“, sprich zu besonders günstigen Preisen gekauft. Unter diesen Voraussetzungen bringt Bio nicht immer einen klaren Marketing-Mehrwert.
Hinzu kommt, dass die Verfügbarkeit von Bio-zertifizierten Rohstoffen weniger kontinuierlich gewährleistet werden kann. Gerade Hopfen gilt in der Produktion als extrem herausfordernde Kultur, die besonders empfindlich gegen Krankheiten und Schädlinge ist. Zu ihrer Vorbeugung und Bekämpfung stehen im Bio-Hopfenanbau weniger wirksame Werkzeuge, speziell in Form von Pflanzenschutzmitteln, zur Verfügung als im konventionellen Anbau. Dadurch ist auch das Risiko für Totalausfälle größer und die Erträge sind allgemein geringer. All dies macht Bio-Hopfen teuer. Dementsprechend stand Daten aus dem Grünen Bericht19 zufolge einer österreichischen Gesamt-Hopfenanbaufläche von 279 Hektar im Jahr 2024 eine Bio-Hopfenfläche von 36 Hektar gegenüber. Das entspricht einem Anteil von 13 Prozent.
Quellen
1 Brau Union Österreich (brauunion.at, Unternehmen: Geschichte; Zugriff: 07.07.2026)
2 Heineken (theheinekencompany.com, Newsroom: Brau Union and Einride join forces to start electrifying the brewing company’s freight operations across Austria; Pressemitteilung vom 26.03.2025; Zugriff: 08.07.2026)
3 Verband der Brauereien Österreichs (2026): Statistische Daten über die österreichische Brauwirtschaft 1980–2025, S. 12, 16
4 Ottakringer Getränke AG (ottakringerkonzern.com: Die Familiengruppe; Zugriff: 24.07.2026)
5 Verein der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs (privatbrauereien.at, FAQ: Was bedeutet 100 % unabhängig?; Zugriff: 09.07.2026)
6 Rechtsinformationssystem des Bundes, RIS (ris.bka.gv.at, Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Biersteuergesetz 2022, Fassung vom 17.07.2026: § 3)
7 Verband der Brauereien Österreichs (2025): Jahresbericht 07/2024–06/2025, S. 30
8 Deutscher Brauer-Bund (brauer-bund.de), Statistiken: Kurzübersicht – Die deutsche Brauwirtschaft in Zahlen; Zugriff: 10.07.2026)
9 The Brewers of Europe (2026): European Beer Trends, Statistics Report 2026 Edition, S. 23
10 Braucommune Freistadt (2020): Gemeinwohlbericht, S. 12
11 BMLUK (2026): Mehrweg im Lebensmitteleinzelhandel, Jahresbericht 2025
12 The Brewers of Europe (2025): European Beer Trends, Statistics Report 2025 Edition, S. 12
13 Waterland Media (poolandspascene.com: Olympic Legacy for Paris; Zugriff: 15.07.2026)
14 Weltbank, World Integrated Trade Solution, WITS (wits.worldbank.org: Austria Beer made from malt imports by country in 2024; Zugriff: 17.07.2026)
15 Brauunion (2025): Bierkulturbericht 2025, S. 30–31
16 AMA-Marketing (2026): AMA-Gütesiegel-Richtlinie Be- und Verarbeitungsprodukte, Version 2026
17 AMA-Marketing (amainfo.at, AMA-Info: AMA-Gütesiegel – Rot-weiß-rot steht für Österreich; Zugriff: 16.07.2026)
18 AMA-Marketing, 2026 (b2b.amainfo.at, Marktinfo, RollAMA-Gesamtjahr 2025, Präsentation: Bio, wie es sein soll; Zugriff: 14.07.2026)
19 Grüner Bericht 2025: Tab. 2.1.1.5b – Anbau auf dem Ackerland nach Bundesländern 2024; Tab. 2.4.4 – Anbau auf dem Bio-Ackerland nach Bundesländern 2024