Von Allergie bis Kater – was Bier in unserem Körper auslösen kann
Bierkonsum kann unseren Körper auf unterschiedliche Weise beeinflussen – von Unverträglichkeiten über „Nachdurst“ bis hin zum Kater. Der Artikel erklärt, welche Beschwerden auftreten können, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse dahintersteckt und ob verbreitete Mythen rund um Bier und Alkohol einem Faktencheck standhalten.
Kann man auf Bier allergisch sein?
Allergische Reaktionen auf Bier sind sehr selten. Wen nach dem Biertrinken verschieden Symptome plagen, der ist vielleicht von einer Unverträglichkeit betroffen. Welche das beim Bier sein können? Das haben wir hier zusammengefasst:
Histaminunverträglichkeit bei Bier
Bekommt man nach dem Biertrinken einen roten Kopf, Juckreiz, eine verstopfte Nase, Bauchschmerzen, Durchfall oder Kopfschmerzen, kann dahinter eine Histaminunverträglichkeit stecken.
Histamin ist ein sogenanntes biogenes Amin, das aus dem Eiweißbaustein Histidin entsteht. Es kommt natürlicherweise im menschlichen Körper vor, kann aber auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln entstehen, zum Beispiel bei Fermentation oder Reifung. Deshalb enthalten vor allem länger gereifte oder fermentierte Lebensmittel größere Mengen Histamin, beispielsweise lang gereifter Käse, Sauerkraut oder Salami. Auch alkoholische Getränke können zur Histaminaufnahme beitragen, besonders Rotwein, aber auch Bier. Bei einer Histaminunverträglichkeit treten Beschwerden meist dann auf, wenn mehr Histamin aufgenommen wird, als der Körper gut abbauen kann. Die Verträglichkeit ist dabei individuell unterschiedlich.1,2
Histamin kann bei Bier während der Herstellung entstehen. Das passiert vor allem bei der alkoholischen Gärung oder wenn unerwünschte Mikroorganismen, zum Beispiel bestimmte Bakterien, ins Bier gelangen. Diese können Histamin und andere biogene Amine bilden. Deshalb sind eine saubere Herstellung und die Vermeidung von Verunreinigungen wichtig, damit möglichst wenig Histamin im Bier entsteht. Je nach verwendeter Hefe und Herstellung kann der Histamingehalt im Bier schwanken. Besonders obergärige Biere weisen höhere Mengen auf. Zusätzlich hemmt der im Bier enthaltene Alkohol dem Abbau von biogenen Aminen und kann so die Wirkungen einer Histaminunverträglichkeit verstärken.3,4
Alkoholunverträglichkeit bei Bier
Neben Histamin kann der im Bier enthaltene Alkohol in Form einer Alkoholunverträglichkeit, auch „Alkoholintoleranz“, zu ähnlichen Symptomen führen. Ursache ist eine verminderte Aktivität eines Enzyms, das normalerweise ein Abbauprodukt des Alkohols abbaut (Acetaldehyd). Das kann genetisch bedingt sein und dazu führen, dass Alkohol nicht richtig vom Körper abgebaut werden kann. Wenn sich Acetaldehyd im Körper ansammelt, können Beschwerden wie zum Beispiel Gesichtsrötung, Herzklopfen oder Kopfschmerzen ausgelöst werden. In Europa sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung davon betroffen.5
Glutenunverträglichkeit bei Bier
Ebenso enthält Bier durch die Verwendung von Gerste Gluten. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten, zum Beispiel in Form von einer Zöliakie, gibt es als Alternative glutenfreies Bier. Als glutenfrei gelten Biere nur dann, wenn sie weniger als 20 Milligramm pro Kilogramm Gluten enthalten.6
Dürfen Sportlerinnen und Sportler Bier trinken?
Alkohol ist vor, während und nach dem Sport nicht empfehlenswert. Leistung und Regeneration können beeinträchtigt werden, unter anderem weil der Körper Energie für den Alkoholabbau aufwenden muss, die normalerweise für die Leistung und Regeneration genutzt werden könnte. Vor Ausdauerbelastungen wird auch von geringen Mengen Alkohol abgeraten. Nach dem Sport kann Alkohol die Rehydratation, den Wiederaufbau der Glykogenspeicher und die Muskelproteinsynthese beeinträchtigen.7
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist im Sport eine wichtige Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit. Sportler und Sportlerinnen sollten außerdem während oder nach längeren Belastungen ein Elektrolytgetränk zu sich nehmen. Gleicht man den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust nicht ideal aus, so kommt es zu Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten und einer erhöhten Verletzungsgefahr. Am besten werden isotone Getränke getrunken.8
Isotonische Getränke weisen eine ähnliche Konzentration gelöster Teilchen auf, wie das menschliche Blut. Um diese Zusammensetzung zu erreichen, enthalten entsprechende Erfrischungsgetränke häufig Zucker, Säuerungsmittel, Aromastoffe und Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Chlorid. Die Elektrolyte sollen dazu beitragen, Verluste auszugleichen, die beim Schwitzen entstehen können.9 Alkoholfreies Bier kann isotonisch sein, hängt aber von der Zusammensetzung ab. Nicht jedes alkoholfreie Bier ist automatisch isotonisch.10 Die Bezeichnung „isotonisch“ darf laut Österreichischem Lebensmittelbuch auf dem Etikett verwendet werden, wenn das Getränk eine bestimmte Osmolalität – also eine festgelegte Konzentration gelöster Teilchen – aufweist.11
Als „Sportlergetränk“ sollte Bier nicht bezeichnet werden. Bier ist in seiner üblichen Zusammensetzung nur eingeschränkt zur Flüssigkeitszufuhr nach dem Sport geeignet. Eine Studie zeigt, dass ein geringerer Alkoholgehalt und ein höherer Natriumgehalt die Flüssigkeitsspeicherung nach körperlicher Belastung verbessern können. Gewöhnliches Bier ist daher vor allem auch wegen seines Natriumgehalts nicht optimal für die Rehydrierung zusammengesetzt.12
Treibt mich Bier häufiger aufs Klo?
Ja, Alkohol führt zu verstärktem Harndrang. Das liegt daran, dass Alkohol – also auch jegliche anderen alkoholische Getränke – das Antidiuretische Hormon (ADH) hemmt. ADH sorgt normalerweise dafür, dass die Nieren Wasser im Körper zurückhalten, statt es über den Urin auszuscheiden. Außerdem werden über die Nieren Abbauprodukte ausgeschieden, so auch Abbauprodukte des Alkohols. Dafür scheidet die Niere zusätzlich Flüssigkeit und enthaltene Mineralstoffe aus.13
Macht Bier durstig?
Der sogenannte Nachdurst oder „Brand“ nach dem Biertrinken entsteht durch mehrere Mechanismen. Alkohol kann harntreibend wirken und die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren fördern. Dadurch kann ein Flüssigkeitsdefizit entstehen, das zu Dehydration beiträgt. Diese kann Beschwerden wie Durst und Kopfschmerzen begünstigen – typische Symptome eines Katers. Gleichzeitig reagieren Hormone im Körper auf den Flüssigkeitshaushalt und können dem Gehirn signalisieren, dass Flüssigkeit fehlt. Neuere Studien weisen zudem darauf hin, dass auch ein in der Leber gebildetes Hormon an der Stimulation des Durstzentrums beteiligt sein könnte. Der Nachdurst entsteht also durch mehrere Vorgänge im Körper.14,15
Bier auf Wein, das lass sein?
Das Gerücht, man solle nach dem Konsum von Wein kein Bier trinken, hält sich hartnäckig. Wissenschaftliche Belege gibt es aber keine dafür. In einer Studie der Universität Witten/Herdecke mit Bier und Weißwein zeigte sich: Für die Stärke des Katers machte es keinen Unterschied, in welcher Reihenfolge die Getränke konsumiert wurden oder ob die Teilnehmenden bei einer Sorte blieben. Entscheidend ist vor allem, wie viel Alkohol insgesamt getrunken wird. Auch individuelle Faktoren, Flüssigkeitszufuhr und die Zusammensetzung der Getränke können eine Rolle spielen. Die Empfehlung könnte aus dem Mittelalter kommen. Damals war Bier das Getränk der einfachen Leute, Wein des Adels. „Bier nach Wein“ wäre demnach Zeichen eines sozialen Abstiegs.16,17
Hilft ein „Reparatur-Seiterl“?
Nein. Ein „Konterbier“ oder „Reparatur-Seiterl“ kann Katerbeschwerden höchstens kurzfristig abschwächen. Eine echte Lösung ist es aber nicht: Der Körper bekommt dadurch erneut Alkohol zugeführt, den er abbauen muss. Das kann den Kater und das Unwohlsein sogar verlängern. Vorsicht gilt auch bei Schmerzmitteln gegen Kater: Paracetamol kann in Kombination mit Alkohol die Leber belasten, während Wirkstoffe wie Aspirin oder Ibuprofen die Magenschleimhaut reizen können.18
Viele weitere Infos und Fakten zu Alkohol findest du in unserem Artikel zum Thema Alkohol.
Quellen
1 Och (2021): Histaminunverträglichkeit
2 Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (ages.at: Biogene Amine; Zugriff: 08.07.2026)
3 Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz und Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (2018): Histamin in Craft Bier - Monitoring
4 Vogelreuter (2012): Nahrungsmittelunverträglichkeiten
5 Strizeket et al. (2023): Handbuch Alkohol – Österreich. Band 3: Ausgewählte Themen
6 Buckenhüskes (2016): Herstellung von Lebensmitteln für Zöliakie- und Glutenintoleranz-Betroffene
7 Perret (2023): Alkohol im Sport, Swiss Sports Nutrition Society
8 Mosler et al. (2019): Flüssigkeitsmanagement im Sport, Ernährungs Umschau
9 Matissek (2019): Lebensmittelchemie, S. 857
10 Lozano Tarancon und Lachenmeier (2015): Determination of Osmolality in Beer to Validate Claims of Isotonicity
11 Österreichisches Lebensmittelbuch (2025): B 26 Erfrischungsgetränke
12 Desbrow (2015): Manipulations to the Alcohol and Sodium Content of Beer for Postexercise Rehydration
13 Kenn dein Limit (kenn-dein-limit.de: Alkohol und Nieren; Zugriff: 09.07.2026)
14 Palmer et al. (2019): Alcohol hangover: underlying biochemical and neurochemical mechanisms
15 Bild der Wissenschaft (wissenschaft.de: ”Brand”: Warum macht Alkohol durstig?; Zugriff: 09.07.2026)
16 Köchling et al. (2019): Grape or gain but never the twain
17 foodwatch (foodwatch.org: Bier auf Wein, das lass# sein – stimmt das?; Zugriff: 09.07.2026)
18 National Institut on Alcohol Abuse and Alcoholism (2019): Hangovers