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Die Geschichte von Bier

Die Geschichte des Bieres reicht weit in die Vergangenheit zurück. Schon frühe Kulturvölker stellten Bier her – allerdings meist ohne Hopfen, sondern mit Kräutern gebraut. Dadurch unterschied sich der Geschmack wahrscheinlich deutlich von dem, was wir heute kennen. Entdecke die spannende Entwicklung und Vielfalt, die Bier im Laufe der Geschichte erfahren hat.

Schwarzweißfoto einer Frau an einer Bierabfüllanlage, darüber eine weiße Umrisskarte von Österreich. Schwarzweißfoto einer Frau an einer Bierabfüllanlage, darüber eine weiße Umrisskarte von Österreich.

Bier, ein Getränk mit Geschichte und Geschichten

„Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und möchte, dass wir glücklich sind.“ Dieses berühmte Zitat wird häufig dem US-amerikanischen Staatsmann, Naturwissenschaftler und Schriftsteller Benjamin Franklin (1706–1790) zugeschrieben. Etwas Ähnliches hat der Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten laut Franklin-Institut in Philadelphia (USA) tatsächlich gesagt – allerdings lediglich über den Wein.1 Dennoch belegt die häufige Verwendung des Ausspruchs, dass es sich bei Bier wohl um etwas Grundsätzliches handelt, das die Menschheit schon lange begleitet.

Gemaltes Wandbild: Drei Männer trinken Bier am Tisch, Kellnerin in Tracht bringt Bier; Spruch über Biergenuss darunter.

Wer hat das Bier erfunden?

Wer als Erster auf die Idee kam, Bier zu brauen, ist nicht belegt. Bekannt ist, dass dies schon vor mehreren tausend Jahren geschah. Seit es Kulturvölker gibt, gibt es Bier. Schon die Sumerer, Babylonier und alten Ägypter brauten es.

Über Jahrtausende hinweg war das Bier – in dem der enthaltene Alkohol schädliche Mikroorganismen abtötet – meist die bessere Alternative zu verkeimtem Wasser.  Grundsätzlich eignet sich jedes stärkehaltige Getreide für die Bierherstellung, egal ob Hafer, Mais, Emmer oder auch Reis. Heute stellen freilich Gerste und Weizen weltweit, in Mittel- und Südamerika auch Mais, die wichtigsten Getreide-Rohstoffe für Bier dar. Dessen Siegeszug nahm aber wahrscheinlich im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes in Mesopotamien seinen Ausgang.

Für die Römer war Bier eher ein billiges und schlechtes, kulturell als minderwertig eingestuftes Getränk. Noch heute spürt man in den einstigen römischen Kerngebieten, dem heutigen Italien und weiten Teilen vor allem des südlicheren Frankreichs die Dominanz des Weines über das Bier. In den weniger durchgängig von den Römern beherrschten Ländern konnte sich das Bier viel mehr ausbreiten. So auch im heutigen Österreich, das zusammen mit seinen Nachbarn Tschechien und Deutschland auf eine besonders reiche Bierkultur bauen kann.  

„Tschechern“ hat nichts mit Tschechien zu tun 

Tschechien hat mit Abstand den höchsten Pro-Kopf-Konsum von Bier innerhalb der EU. Der Ausdruck „Tschechern“ kommt dennoch nicht vom Namen der Nummer-Eins-Biernation. Es leitet sich stattdessen vom hebräischen Wort „schochar“, zu Deutsch „trinken“ ab.

Wettbewerb, wer den größten Bierbauch hat 

In der Stadt Žatec im Nordwesten Tschechiens gibt es zweimal im Jahr ein Hopfenfest, im Frühjahr und im Herbst. Neben unzähligen Traditionen veranstalten die Žatecerinnen und Žatecer einen Wettbewerb. Es gewinnt jene Person, die den Bierbauch mit dem größten Umfang hat. Vielleicht ist es ja der Ehrgeiz der Bewohnerinnen und Bewohner von Žatec, der den Pro-Kopf-Verbrauch Tschechiens auf 128 Liter (Stand 2025) getrieben hat.

Karte mit Bierkonsum pro Kopf: Tschechien 128l, Österreich 991l, Deutschland 88l, Polen 87l, Rumänien 83l.

© Land schafft Leben 2025

Frauen waren für das Bier verantwortlich 

Untersuchungen von prähistorischen menschlichen Exkrementen aus dem Salzbergwerk Hallstatt legen nahe, dass Menschen innerhalb des heutigen Österreichs schon zur Bronzezeit vor rund 2.700 Jahren Bier getrunken haben.2

Im Mittelalter wurde dann vor allem in den Klöstern gebraut. Im Jahr 1384 wurde die erste Brauerei Wiens urkundlich erwähnt. Welche das war, lässt sich heute nicht sagen. Um 1900 soll es rund tausend Brauereien in Österreich gegeben haben. Vor dem Aufkommen gewerblicher Brauereien lagen lange Jahrhunderte des Hausbrauens. Das Bier war fest in Frauenhänden, genau wie das Brotbacken. Erst später, als das Bierbrauen vermehrt im gewerblichen und schließlich auch industriellen Maßstab betrieben wurde, ist es zur „Männerarbeit“ geworden.  

Bis weit in die Neuzeit hinein dominierten sogenannte obergärige Biere. Obergärige Hefen betreiben die alkoholische Gärung bei höheren Temperaturen von etwa 15 bis 20 Grad Celsius und steigen während der Gärung eher an die Oberfläche. Untergärige Hefen vergären dagegen kühler (vier bis neun Grad) und setzen sich am Boden ab. Mit der Verbreitung untergäriger Biere seit dem 16. Jahrhundert wurden deshalb kühle Keller und längere Lagerzeiten immer wichtiger. Die für den Sommer bestimmten Biere wurden in den kalten Monaten gebraut, in Felsenkellern gelagert und seit dem frühen 19. Jahrhundert oft zusätzlich mit Natureis gekühlt. Dieses wurde im Winter aus Seen und Teichen geschnitten und in die Keller gebracht. Das „Märzen“ verdankt seinen Namen dem Brautermin im März: Es war ein stärker eingebrautes, haltbares Lagerbier, das die warme Jahreszeit überstehen sollte. Die Erfindung der Kältemaschine in den 1870er Jahren erleichterte die Herstellung untergärigen Bieres. 

Bier dürfte die längste Zeit über ganz anders als heute geschmeckt haben. Hopfen, verantwortlich für die heute typischen Bitternoten, kommt erst seit dem 16. Jahrhundert standardmäßig ins Bier. 

Quellen

1 The Franklin Institute (fi.edu: 7 Things Benjamin Franklin Never Said; Zugriff: 30.03.2026)

2 EURAC Research (eurac.edu: Bier und Blauschimmelkäse schon vor 2700 Jahren auf dem Speiseplan; Zugriff: 30.03.2026)